Johanna Meadows

Johanna Meadows

  • Nachhaltige Kommunikation
  • „Ich lese, schreibe, höre und sehe viele bunte Geschichten in meinem Alltag. Manche pflanze ich hier auf meine Textwiese.“
  • Tipps zur Schneckenbekämpfung im Garten

    13. Juni 2018

    Wohl jeder Hobbygärtner kennt das Problem: Im Schutz der Dunkelheit kriechen ganze Horden von Nacktschnecken aus ihren Verstecken und machen sich über liebevoll gepflanzte Blumen und Gemüse her. Das kann den einen oder anderen Gartenbesitzer schon mal zur Verzweiflung bringen, denn die Rezepte zur Bekämpfung der Schnecken wirken nicht immer. Oft aber funktioniert die Kombination mehrerer Methoden …

    Bei allem Ärger über Fraßschäden sollte man bei der Schneckenbekämpfung nicht zu eifrig vorgehen. Schnecken sind der Gesundheitsdienst im Garten. Sie fressen auch verwesende Pflanzenteile und tote Tiere und sind damit ein nützlicher Bestandteil der Lebensgemeinschaft. Zudem zersetzen sie Pflanzenreste und helfen so bei der Humusbildung mit.

    Diese Nacktschnecken richten Schäden an

    Wenn Nacktschnecken jedoch massenhaft auftreten, ist das ein Zeichen dafür, dass das natürliche Gleichgewicht gestört ist. Es empfiehlt sich dann in erster Linie, natürliche Feinde der Schnecken wie Igel, Kröten oder Blindschleichen im Garten zu fördern. Diese Tiere fühlen sich am ehesten in einem naturnah gestalteten Garten wohl.

    Wenn ihr es allerdings mit der Spanischen Wegschnecke zu tun habt, bringt diese Maßnahme nicht viel, denn Kröten, Igel und Vögel machen einen Bogen um sie. Die 7 bis 14 cm lange Schneckenart sondert nämlich so viel Schleim ab, dass die Nützlinge daran ersticken würden. Knapp 90 Prozent der Fraßschäden in Gärten stammen von der Spanischen Wegschnecke. Ihre Körperfarbe ist sehr variabel und reicht von braun über rotbraun, rot, orange, grau und grüngrau bis schwärzlich.

    Neben der gefräßigen Spanischen Wegschnecke verursachen die kleinen, unscheinbaren graubraunen Ackerschnecken und die Roten Wegschnecken die größten Schäden. Letztere sehen der Spanischen Wegschnecke täuschend ähnlich.

    Tigerschnegel nicht bekämpfen!

    Einen natürlichen Feind hat die Spanische Wegschnecke doch: den Tigerschnegel, eine 10 bis 20 Zentimeter lange Nacktschnecke aus der Familie der Schnegel. Dieser Nützling vertilgt nicht nur verwesende Pflanzenteile und tote Tiere, sondern auch die Eier der Spanischen Wegschnecke. Tigerschnegel sollten also auf keinen Fall bekämpft werden.

    Unter seinen Schneckenkollegen sticht er mit seinem auffälligen Aussehen hervor. Auf hellbeigem Grund weist seine Haut dunkle Flecken und Bänder im Tigermuster auf. Er ist ein gern gesehener Bewohner des Komposthaufens, wo er seine bevorzugte Nahrung in Form von Pflanzenresten findet. An frischem Grün labt er sich jedoch kaum, was ihn zu einem Freund und Helfer im Garten macht.

    Bewährte Tipps gegen Nacktschneckenplagen

    Um gefährdete Pflanzen herum solltet ihr den Boden möglichst offen halten und nicht oder nur sehr dünn mulchen, damit der Boden abtrocknen kann. Schnecken brauchen viel Feuchtigkeit – Trockenheit ist deshalb ihr größter Feind. Ein probates Mittel ist es auch, rund um die Beete eine breite Schicht aus Sägemehl und Kalk zu streuen. Schnecken meiden raue Oberflächen und der Kalk verätzt ihre Sohle. Bei Regen ist diese Methode aber nur bedingt wirksam oder muss häufig wiederholt werden.

    Sehr wirksam, weil schnecken-, aber nicht umweltgiftig, ist auch der Einsatz von Kaffee und Kaffeesatz. Im Fachhandel gibt es zudem sogenannte Schneckenzäune zu kaufen, die von den Tieren nicht überklettert werden können.

    Bei starkem Befall ist ein regelmäßiges Absammeln der Tiere sinnvoll. Orte, an denen sich Schnecken gerne verstecken, sind Laubhaufen, Grasschnitt und Totholz. Überall, wo es feucht und dunkel ist, fühlen sie sich wohl. Wer die Verstecke kennt, spart sich langes Herumsuchen im Garten.

    Um mit einem Schlag gleich einen Haufen Schnecken absammeln zu können, hat sich die Salatfalle bewährt: Wenn ihr abends einzelne Salatblätter unter hohl liegenden Brettern oder Ähnlichem versteckt, versammeln sich die Schnecken hier, um sich an der Salatbar zu bedienen. Am nächsten Tag könnt ihr sie dann ganz leicht absammeln.

    Vorsorge gegen Schnecken im Garten

    Im Herbst solltet ihr schon Vorsorge für das nächste Jahr treffen, denn die Schnecken sorgen im Spätsommer und Herbst für ihren Nachwuchs. Jede Schnecke legt bis zu 400 Eier. Die Gelege sollten deshalb aufgespürt und die Eier entfernt werden. Für die Eiablage bevorzugen Schnecken bestimmte Plätze: Unter Pflanzkübeln, in Ritzen und Spalten im Gartenboden, in Erdlöchern oder auch am Wegesrand unter lockeren Steinen.

    Die milchig-weißen Eier könnt ihr im Müll entsorgen. Wer will, kann sie aber auch einfach freilegen. Dann vertrocknen sie in der Sonne oder werden von Vögeln aufgepickt. Nach einigen Tagen lohnt sich ein erneuter Blick in die Verstecke, weil Schnecken gern an ihren Lieblingsstellen mehrmals Eier ablegen.

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    Vegane Soßen und Gerichte – 3 leckere Rezeptideen

    2. Juni 2018

    Ihr würdet euch gern etwas veganer ernähren, euch fehlen aber Ideen für richtig leckere Soßen zu Nudeln, Kartoffeln, Reis und Co.? Ihr werdet erstaunt sein, wie einfach und schmackhaft es geht.

    Ich habe euch drei meiner Lieblingsrezepte rausgesucht, die sich auch beliebig abwandeln lassen:

    Spaghetti mit scharfer Paprika-Tomatensoße

    Wenn ich nicht weiß, was ich kochen soll und keine Zeit habe, stundenlang in der Küche zu stehen, ist dieses Rezept eins meiner Favoriten. Die Zutaten habe ich eigentlich immer vorrätig, weil man damit alles Mögliche schnell zubereiten kann. Das einzige, was man ggf. frisch besorgen muss, ist die Paprika. Mein Tipp also an dieser Stelle: Habt die folgenden Zutaten einfach immer auf Lager (Chilischoten und Basilikum kann man auch getrocknet kaufen).

    • 500 g Spaghetti
    • 200 g Paprika
    • 2 Knoblauchzehen
    • 1 Zwiebel
    • 2 Dosen gewürfelte Tomaten
    • 1 EL Basilikum
    • 1 EL Öl
    • 1-2 Chilischoten
    • 2 EL Tomatenmark
    • Salz, Pfeffer


    Zubereitung:

    Spaghetti in Salzwasser bissfest garen. Paprika waschen und in Streifen schneiden. Zwiebel und Knoblauch schälen und würfeln. Öl in einem Topf erhitzen und Zwiebel, Knoblauch und Paprika darin anschwitzen. Tomaten zugeben und ca. 5 Minuten kochen lassen. Chilischoten klein schneiden und mit dem Tomatenmark zur Sauce geben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und zum Schluss noch das Basilikum zugeben – fertig!

    Pak Choi-Linsen-Curry

    Zurzeit ist Pak Choi regional verfügbar, daher habe ich dieses leckere vegane Curry-Gericht mit auf die Favoritenliste gesetzt. Die Zubereitung gelingt im Handumdrehen und ich empfehle auch hier, die Zutaten einfach immer vorrätig zu haben, da man sie für so viele Gerichte verwenden kann. Wenn ihr frischen Ingwer nehmt, könnt ihr ihn einfach im Topf mit andünsten. Ingwerpulver nutzt ihr am besten zum Abschmecken am Ende.

    • Basmatireis
    • 500 g Pak Choi
    • 200 g rote Linsen
    • 2 Zwiebeln
    • 1 Knoblauchzehe
    • 2 EL Sesam
    • 2 EL Öl
    • 1 Dose Kokosmilch
    • 500 ml Gemüsebrühe
    • 2 EL Zitronensaft
    • Ingwer
    • Kurkuma
    • Currypulver
    • Salz, Pfeffer


    Zubereitung:

    Pak Choi waschen, die Stiele würfeln und Blätter in Streifen schneiden. Zwiebeln und Knoblauch schälen und würfeln. Linsen in ein Sieb geben und mit Wasser abbrausen. Öl in einem Topf erhitzen und Zwiebeln, Knoblauch, ggf. frischen, kleingeschnittenen Ingwer sowie Pak-Choi-Stiele darin anschwitzen. Sesam, etwas Kurkuma und 1 TL Currypulver dazugeben und ebenfalls anschwitzen. Pak-Choi-Blätter und Linsen zugeben, andünsten und mit Brühe und Kokosmilch angießen. Bei mittlerer Hitze ca. 20 Minuten köcheln lassen. Mit Salz, Pfeffer, ggf. Ingwerpulver und Zitronensaft abschmecken. Dazu passt Basmatireis.

    Wirsing-Zwiebel-Pfanne

    Auch Wirsing hat wieder Saison und es gibt unendlich viele leckere Gerichte mit der aromatischen Kohlsorte. Eins meiner Lieblingsrezepte besteht aus einer veganen Soße mit Zwiebeln und Senfkörnern, welche super zu Bratkartoffeln oder Kartoffelpüree passt. Und das braucht ihr dafür:

    • 1 Wirsing
    • 2 Zwiebeln
    • 2 EL vegane Butter oder Öl
    • 100 ml Gemüsebrühe
    • 2 TL Senfkörner
    • Handvoll Walnusskerne
    • Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle


    Zubereitung:

    Vom Wirsing die äußeren Blätter entfernen, dann den Wirsing längs vierteln, den Strunk keilförmig ausschneiden und ebenfalls entfernen. Die Blätter quer in feine Streifen schneiden, in ein Sieb geben und kurz mit kaltem Wasser abbrausen. Die Zwiebeln schälen, längs halbieren und längs in dünne Spalten schneiden. Vegane Butter oder Öl in einem Topf erhitzen und die Zwiebeln darin goldbraun braten, Wirsing dazugeben und kurz andünsten. Gemüsebrühe zufügen, Senfkörner einrühren und zugedeckt 15 bis 20 Minuten dünsten. In der Zwischenzeit die Walnusskerne grob hacken und ohne Fett in einer Pfanne rösten. Den Wirsing mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Walnusskerne zugeben. Dazu passen Bratkartoffeln oder Kartoffelpüree.

    Lasst es euch (vegan) schmecken!

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    Mulch – Schutz für Gartenböden und Balkonpflanzen

    24. April 2018

    Egal ob Gemüsebeet, Staudenpflanzung, Hochbeet oder Balkonkübel – eine Mulchschicht hilft, den Boden vor Austrocknung, Windverwehung und Auswaschung zu schützen. Was in der Natur ganz von alleine passiert, muss im Beet gesteuert werden.

    Beim Begriff „Mulch“ denken viele zuerst an Rindenmulch, den es im Baumarkt und Gartencenter zu kaufen gibt. Mulchen ist aber weit mehr, der Begriff wurde schon vor vielen Jahren im Gartenbau geprägt. Beim Mulchen geht es um nichts anderes als den Boden abzudecken. Dazu werden überwiegend organische Materialien verwendet, die alle das gleiche Ziel haben: den Boden feucht zu halten.

    Warum ist Mulch gut?

    Diese Methode lebt uns die Natur bereits seit langer Zeit erfolgreich vor. Wälder haben beispielsweise immer eine dicke Schicht aus Laub und Pflanzen zu ihren Füßen und erhalten so einen humusreichen Boden. Für unsere Gärten können wir uns dabei einiges abschauen.

    Eine Mulchdecke schützt offenen Boden vor Erosion, Austrocknung, Hitze und Kälte und bringt Nährstoffe ein. Zudem ist Mulch eine sinnvolle Möglichkeit, Gartenabfälle zu nutzen: Rasenschnitt, Stroh, Laub, Gemüsereste und andere Überbleibsel sind dafür gut geeignet. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die Mulchschicht verhindert zu starkes Unkrautwachstum im Garten, was eine enorme Arbeitserleichterung sein kann.

    Verschiedene Wirkungen von Mulch

    Mulch hält einen leichten, sandigen Boden zusammen, versorgt ihn mit Nährstoffen und hält die Feuchtigkeit. Ein lehmiger Boden hingegen wird eher gelockert, weil Regenwürmer gefördert werden. Sie holen sich die Mulchauflage in ihre meterlangen Gänge und versorgen den Boden so mit gröberem Material und Sauerstoff.

    Mulch kann im Gemüsegarten, aber auch im Ziergarten eingesetzt werden. Jedes Mulchmaterial hat dabei verschiedene Vor- und Nachteile und sollte zum Boden und der Bepflanzung passen.

    Denn nicht jeder Mulch ist auch für jedes Beet geeignet. Im folgenden Abschnitt erfahrt ihr, wo man am besten welchen Mulch einsetzt.

    Welcher Mulch für welches Beet?

    Rindenmulch: Entzieht dem Boden Stickstoff und enthält zudem viele Gerbsäuren. Dies schränkt das Pflanzenwachstum ein. Aufgrund möglicher Schwermetall- und Pestizidrückstände solltet ihr vor allem im Nutzgarten auf Rindenmulch verzichten. Kommt der Rindenmulch aus nachhaltiger Waldwirtschaft, ist er aber die richtige Wahl für Wege und für Pflanzen, die sauren Boden brauchen.

    Rasenschnitt: Ebenfalls alle Blumenbeete, aber auch Gemüse- und Kräuterbeete freuen sich über Rasenschnitt. Er ist auch geeignet für Erdbeerbeete, aber erst nach der Ernte. Achtung: Rasenschnitt sollte trocken sein.

    Stroh: Ist besonders gut für Gemüsebeete, zwischen Erdbeeren und auch im Kräuterbeet nutzbar. Das Stroh muss gut ausgedroschen sein, damit im nächsten Frühjahr kein Getreide im Garten wächst.

    Laub: Bietet unter Bäumen, Sträuchern und Stauden eine hervorragende Schutzschicht. Gilt gleichzeitig als Humusspender, wenn sich die Blätter nach und nach zersetzen.

    Holzschnitzel: Wird vor allem unter Sträuchern und Bäumen mit üppigen Wurzeln eingesetzt. Nicht geeignet für Jungpflanzen, da die Holzschnitzel den Pflanzenwuchs unterdrücken.

    Häckselgut aus Strauchschnitt: Hier dauert die Zersetzung etwas länger, daher sehr gut für Gehölze, Hecken und Beerensträucher geeignet.

    Sand, Kies, und Ziegelsplitt: Gibt es in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben. Da das mineralische Material nicht zersetzt wird, hat es eine hohe Lebensdauer. Es ist nährstoffarm, was vor allem für Steppenbeete und Pflanzen, die magere Bedingungen brauchen, Vorteile bringt und kann auch auf Wegen eingesetzt werden.

    Tipps und Tricks

    Als Faustregel hat sich eine Mulchschicht von etwa drei Zentimetern bewährt. Alle Mulchmaterialien dürfen nur auf einen lockeren Boden aufgetragen werden. Sind durch Bodenverdichtung viele Luftporen zerstört, bremst die Mulchdecke zusätzlich die Wasserverdunstung, was sich hemmend auf das Pflanzenwachstum auswirken kann.

    Grünes, saftiges Material sollte man vorher antrocknen lassen und dann dünn auftragen, da sich sonst Schnecken ausbreiten können. Im Gemüsegarten kann man gut mit essbaren Untersaaten wie Spinat oder Feldsalat arbeiten. Im Ziergarten können leerstehende Flächen mit Polsterstauden begrünt werden.

    Auf brachliegenden Flächen wie abgeernteten Beeten, zwischengelagertem Erdaushub etc. könnt ihr auch Gründüngung einsetzen. Unter Gründüngung versteht man die Bedeckung des Bodens mit lebenden Pflanzen. Lupine, diverse Kleearten, Vogerlsalat, Spinat und Phazelie sind einige Beispiele dafür. Sie lockern den Boden, schützen ihn und die Einjährigen unter ihnen können nach dem Abfrieren in den Boden eingearbeitet werden.

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    Saatgut, Blumen, Kräuter – die richtigen Pflanzen für Bienen

    5. April 2018

    Bienen sind die Grundlage unserer Ernährung und unverzichtbar für die Ökosysteme. Ihre weltweite Bestäubungsleistung wird auf 200 bis 500 Milliarden Euro geschätzt, zwei Drittel unserer Nahrungspflanzen sind auf Bestäubung angewiesen. Aber auch die Bestäubung von Wildpflanzen ist wichtig, denn diese sind die Grundlage für viele Insekten, Vögel und Säugetiere.

    Leider hat der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft dramatische Auswirkungen auf die Wildbienen. In Europa ist mittlerweile fast jede zehnte Wildbienenart vom Aussterben bedroht. Und nicht nur die Arten werden weniger, auch die Populationen schrumpfen.

    Wie kann ich helfen – bienenfreundliche Pflanzen

    Ein bienenfreundlicher Garten oder Balkon zeichnet sich durch ein reichhaltiges Blütenangebot aus. Neben möglichst vielen unterschiedlichen Pflanzenarten solltet ihr darauf achten, dass in eurem Garten oder auf eurem Balkon von Frühling bis Herbst immer etwas für die Bienen zu holen ist. Beachtet am besten diese drei Grundregeln:

    (1) Sortenvielfalt statt Monokultur

    Pflanzt verschiedene heimische Blumen, um den Bienen eine Auswahl an Nahrungsquellen zu bieten. Viele Wildbienenarten sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert und fliegen nur diese auf der Pollen- und Nektarsuche an. Es gilt daher: Je vielfältiger das Pflanzenangebot, desto besser für die Bienen!

    (2) Nahrung das ganze Jahr über

    Indem ihr sowohl früh-, mittel-, als auch spätblühende Arten anpflanzt, sorgt ihr dafür, dass die Bienen das ganze Jahr über Nahrung finden. Beete und Blumenkästen sollten Blumen, Kräuter und Stauden beherbergen, die vom Frühjahr bis in den späten Herbst blühen, denn gerade später im Jahr haben Bienen oft Schwierigkeiten, Nahrung zu finden.

    (3) Ungefüllte Blumen pflanzen

    Nur Pflanzen mit ungefüllten Blüten stillen den Hunger unserer Bienen. Gefüllte Blumensorten, wie z.B. Geranien, gezüchtete Dahlien oder Garten-Chrysanthemen, sind zwar dekorativ und versprechen durch ihren Duft leckeren Nektar und Pollen, bieten aber in der Tat keine oder nur wenig Nahrung für die Bienen.

    Bienenweiden, Kräuterparadiese und Bienenhotels

    Als Bienenweide bezeichnet man Pflanzen, die besonders reichhaltig Nektar und Pollen erzeugen und deswegen häufig von Honigbienen angeflogen werden. Verwendet am besten regionale Saatmischungen aus lokalen Beständen (www.nabu.de/saatgut). Wildblumenwiesen sollten nur zweimal im Jahr gemäht werden, nachdem die Pflanzen bereits ausgesamt haben.

    Küchenkräuter wie Thymian, Minze, Basilikum, Koriander, Borretsch Salbei, Schnittlauch und Zitronenmelisse verfeinern nicht nur unsere Mahlzeiten, sondern sind auch für Bienen eine tolle Nahrungsquelle. Um für Bienennahrung zu sorgen, lasst die Kräuter ausblühen.

    Sogenannte Bienenhotels eignen sich als Nisthilfe. Man kann sie fertig kaufen oder auch leicht selber bauen. Wildbienen nisten sich hier gerne ein, wenn in unmittelbarer Nähe blühende Blumen und Kräuter zu finden sind. Ihr könnt aber auch abgeschnittene Markstängel zwischen die Blumen stecken (z.B. vom Holunder) – dürr gewordene Markstängel sind natürliche Nistplätze für Wildbienen und lassen sich platzsparend sogar in einem Blumenkasten integrieren.

    Beispiele für bienenfreundliche Pflanzen

    Blumenbeet: Schafgarbe, Akelei, Lavendel, Lupine, Wilde Malve, Astern, ungefüllte Dahliensorten

    Bäume und Sträucher: Schlehe, Pfaffenhütchen, Kornelkirsche, Weißdorn, Stachelbeere, Himbeere, Brombeere, Johannisbeere, Wilder Wein, Efeu, ungefüllte Kletterrosen

    Gemüsebeet: Ackerbohnen, Kleearten, Borretsch, Ringelblumen, Kürbisgewächse, Zwiebeln, Kohl, Möhren, Gewürzkräuter

    Balkon: Goldlack, Kapuzinerkresse, Verbene, Männertreu, Wandelröschen, Löwenmäulchen, Küchenkräuter (Salbei, Rosmarin, Lavendel, Pfefferminze, Thymian)

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    Tipps für insektenfreundliche Gärten und Balkone

    12. März 2018

    Weit mehr als die Hälfte aller Tierarten sind Insekten. Millionen an Arten bevölkern unsere Erde. Sie spielen eine unersetzliche Rolle für die Aufrechterhaltung ökologischer Zusammenhänge und das menschliche Wohlergehen. Doch seit Jahrzehnten gehen Insektenarten und ihre Bestände massiv zurück.

    Insekten sind faszinierende Tiere: sie schillern in unterschiedlichsten Farben, nehmen die skurrilsten Formen an und sind in fast allen Lebensräumen der Erde zu finden. So vielfältig wie die Welt der Insekten ist, so wenig können wir auf sie verzichten. Das Funktionieren fast aller Ökosysteme hängt von ihnen ab. Damit sind sie für Mensch und Natur unersetzliche Lebewesen:

    Nahrung: Insekten bilden die Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl weiterer Tierklassen wie Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien.

    Bestäubung: Insekten zählen zu den wichtigsten Pflanzenbestäubern. Durch das Sammeln von Nektar und Pollen sorgen sie für den Fortbestand der Pflanzenwelt und stellen einen Großteil unserer Ernährung sicher.

    Verwertung: Insekten spielen eine wichtige Rolle bei der Remineralisierung organischer Stoffe wie Pflanzenresten und Tierleichen im Boden, in der Bodenstreu oder im Totholz.

    Regulation: Insekten sind wichtige Nützlinge in der Forst- und Landwirtschaft. Im Bio-Anbau, wo auf Pestizide weitestgehend verzichtet wird, ist die Förderung von Nützlingen gar ein elementarer Bestandteil der Produktion, da durch sie die Ausbreitung schädlicher Insekten eingedämmt wird.

    Dramatischer Insektenrückgang

    Doch Insekten sind weltweit in einem alarmierenden Zustand. Die Bestände gehen zurück, die Vielfalt schwindet, Arten sterben aus. In Deutschland sind – einer Auswertung aktueller Roter Listen zufolge – bereits über 41 Prozent der Schmetterlinge ausgestorben oder bestandsgefährdet.

    Bei Wildbienen sind heute deutschlandweit mehr als die Hälfte der 561 Arten in ihrem Bestand bedroht, mit steigender Tendenz. Nicht nur die Zahl der Arten, sondern auch die der Individuen befindet sich in einem dramatischen Sinkflug. In anderen Ländern Europas sieht die Situation nicht besser aus.

    Auch wenn es für das Insektensterben mehrere Gründe gibt, steht eines fest: Die in den 1950er Jahren eingeführte und stetig intensivierte industrielle Landwirtschaft ist einer der Haupttreiber dieser beunruhigenden Entwicklung. Sie bringt den Einsatz von Pestiziden, Überdüngung und Monokulturen mit sich.

    Hilfe für die kleinen Helfer: So lockt ihr Insekten in den Garten

    Die gute Nachricht ist, wir können alle etwas gegen das große Sterben unternehmen. Die Faustregel lautet dabei: naturnahe Vielfalt. Das heißt, verzichtet beim Gärtnern auf chemische Bekämpfungsmittel und setzt auf viele verschiedene Arten von Pflanzen.

    Pflanzen für jeden Geschmack: Kornblume, Wiesensalbei und Nickendes Leimkraut – mit der richtigen Pflanzenauswahl können wir Insekten in unsere Gärten locken. Viele der Arten bieten nicht nur Hummeln und Schmetterlingen Nahrung, sondern machen sich auch auf unseren Tellern gut.

    Steinhaufen oder Trockenmauer anlegen: Sie können vielfältig gestaltet werden, sehen hübsch aus und geben verschiedenen Insekten einen Lebensraum.

    Lehm und Sand für Insekten: Feuchter Lehm ist eines der wichtigsten Materialien zum Nestbau der Tiere. Wer Insekten helfen möchte, kann dies ganz einfach mit der Anlage einer offenen Bodenfläche tun. Lehm, Ton oder Löss besorgen, im Garten ein passendes Plätzchen suchen und diesen dort anbringen.

    Miniteich anlegen: Meist ist für eine ausgiebige Teichlandschaft im Garten kein Platz. Eine gute Alternative ist der Miniteich. Er ist eine gern genutzte Wasserquelle für Insekten und Vögel und bietet gerade an heißen Tagen den so dringend benötigten Hitzeausgleich.

    Totholz steckt voller Leben: Totholz zählt zu den lebendigsten Lebensräumen unserer Natur. Viele Insekten, die auch in unseren Gärten vorkommen, profitieren davon. Lasst Raum für alte Baumstämme, Totholzhecken, Stängel oder Laubhaufen!

    Quelle: NABU

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    Plastikmüll vermeiden mit Bio-Verpackungen?

    19. Februar 2018

    Verpackungsmüll ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit. Während die Zero-Waste-Bewegung darauf setzt, Plastikmüll ganz zu vermeiden, testen andere Pioniere Verfahren mit wiederverwendbaren Verpackungen (etwa Frischhaltedosen) oder Bio-Verpackungen.

    Eine Lösung mit ganzheitlichem Anspruch hat das Unternehmen Bio-Lutions entwickelt. Es stellt Einweggeschirr und Verpackungen aus Agrarresten her – kostengünstig und ressourcenschonend. Die Produkte sind vollständig kompostierbar. Gleichzeitig unterstützt Bio-Lutions lokale Kleinbauern am Produktionsstandort Bangalore in Indien.

    2017 war für die Firma ein entscheidendes Jahr. Nach fünf Jahren Entwicklung ging das Verpackungsmaterial aus Agrarabfällen in Serienproduktion. „Noch stellen wir in unserer indischen Pilot-Produktionsanlage nur 600 Kilo pro Monat her“, erklärt CEO Eduardo Gordillo in einem Interview mit der KfW-Bank. „Ab April 2018, wenn die Fabrik ausgebaut ist, sind es sechs Tonnen pro Tag.“

    Umweltfreundliche Verpackungen aus natürlichen Materialien

    Bio-Lutions ersetzt herkömmliche Verpackungsmaterialien mit natürlichen Fasern aus Kokosnüssen, Ananassträuchern, Reis- und Weizenstroh. Aber auch Sägespäne und Baumwollabfälle nutzt das Unternehmen für seine umweltfreundlichen Verpackungen. Verwendet werden ausschließlich Reste aus der Landwirtschaft, die weder als Futtermittel, Biotreibstoff, noch anderweitig Verwertung gefunden haben.

    „Unser Verfahren kann überall auf der Welt zum Einsatz kommen. Es ist egal, ob das Ausgangsmaterial aus Reisstroh, Bananenstämmen oder Tomatenpflanzen besteht“, so Gordillo. Die Bio-Verpackungen können CO₂-neutral verbrannt oder, wenn sie zu Bio-Lutions zurückkommen, auch recycelt werden.

    Patentiertes Verfahren zur Erstellung von Bio-Verpackungen

    Und so funktioniert das Ganze: Eduardo Gordillos patentiertes Upcycling-Verfahren verwandelt die gereinigten Agrarabfälle in mikrofeine Fasern. Die Oberfläche der Fasern ist so angeraut, dass sie aneinander haften bleiben, wenn man Wasser hinzugibt. Den Faserbrei kann man in beliebige Formen pressen und trocknen. Außer den getrockneten Pflanzenresten und Wasser werden keinerlei weitere Zusatzstoffe verwendet.

    Die Basis-Verpackungen können für alles Trockene benutzt werden – von Pasta bis Elektronikgeräte. Für Produkte, die eine wasserundurchlässige Oberfläche brauchen, gibt es auch eine mit Bio-Plastik laminierte Version. Die Verpackungen sind unter natürlichen Witterungsumständen kompostierbar und haben einen minimalen Wasser- und Energieverbrauch in der Produktion und beim Kompostieren.

    Unterstützung der lokalen Bevölkerung

    Die erste Bio-Lutions-Fabrik entstand mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Entwicklungs- und Investitionsgesellschaft in Bangalore. Langfristig soll die Produktion ausschließlich dezentral stattfinden. Das heißt dort, wo die Agrarabfälle anfallen, sollen sie direkt verwertet werden, um lange Transportwege zu vermeiden.

    Vor allem in Ländern wie Indien werden dringend Lösungen zur Vermeidung von Plastikmüll benötigt. Das Müllabfuhrsystem funktioniert dort nicht gut bis gar nicht, auf der Straße liegt viel Müll, das meiste davon ist Plastik. Inzwischen haben einige Bundesstaaten Einweg-Plastik komplett verboten. Bio-Lutions war auch der soziale Aspekt am Produktionsstandort wichtig: Viele Bauern in Indien können mit ihrem Einkommen die Familie nicht ernähren. Durch den Verkauf der bisher ungenutzten Agrarabfälle an Bio-Lutions soll sich ihre Lebenssituation verbessern.

    Awards für nachhaltige und innovative Verpackung

    Bio-Lutions wurde bereits mit zahlreichen Auszeichnungen beehrt, unter anderem dem Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Nachhaltigkeit sowie dem Verpackungspreis in Gold. Dieser wird verliehen für „Innovationen, die auf besondere Weise Trends setzen, wichtige Antworten finden oder als Pionier einen komplett neuen Weg beschreiten“ (Deutsches Verpackungsinstitut).

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    Biologische Vielfalt auch beim Saatgut

    28. Januar 2018

    Die Begriffe „Biologische Vielfalt“ oder „Biodiversität“ kennen wir. Aber inwiefern haben sie etwas mit unserem Saatgut, mit großen Konzernen, Patenten und der solidarischen Landwirtschaft zu tun? Um die Zusammenhänge besser verstehen zu können, müssen wir einen Zeitsprung machen.

    Vor rund 12.000 Jahren begann die Geschichte unserer Kulturpflanzen. Damals wurden unsere Vorfahren sesshaft und fingen an, sich mit Landwirtschaft zu befassen. Aus Wildpflanzen entwickelten Bauern über Jahrtausende hinweg Kulturpflanzen. Sie verbesserten ihr Saatgut, indem sie die am besten angepassten Pflanzen weitervermehrten und mit ihren Nachbarn tauschten.

    Biodiversität ist lebenswichtig für den Menschen

    Die Erfahrung und das Wissen, das im Saatgut unserer Kulturpflanzen gespeichert ist, haben einen unschätzbaren Wert. Die Vielfalt, die sich aus der gemeinsamen Arbeit der Bauern entwickelt hat, ist auch heute noch wichtig für den Fortbestand der Menschheit. In Zeiten von Klimawandel, schwindenden Anbauflächen und Bevölkerungswachstum brauchen wir eine möglichst große biologische Vielfalt.

    Warum? Weil sie eine wichtige Lebensgrundlage für den Menschen ist. Sie sorgt für eine intakte Natur, die uns wiederum eine große Bandbreite an Gütern und Dienstleitungen zur Verfügung stellt. Es ist für uns selbstverständlich, täglich auf diese Dienstleistungen der Natur und damit der Biodiversität zurückzugreifen: saubere Luft und sauberes Wasser, bestäubende Insekten, Kohlenstoff-Speicherung in Wäldern, Mooren, Böden und Meeren sowie natürlicher Hochwasserschutz.

    Zugang zum Saatgut verloren

    Heute haben wir den Zugang zum Saatgut und auch zum Wissen über unsere Kulturpflanzen weitgehend verloren. Saatgut ist inzwischen privates Eigentum von einigen internationalen Konzernen geworden, die neben dem Saatgut auch die maßgeschneiderten Pflanzenschutzmittel verkaufen. Die Züchtung findet zunehmend im Labor statt. Neue Züchtungstechniken haben die klassische Selektion verdrängt.

    In den 1980er-Jahren begann das Gentechnik-Zeitalter in der Pflanzenzüchtung. Es gab zunehmend Patente auf (gentechnische) Züchtungsverfahren oder auf das Produkt der Züchtung selbst – die Sorte. Das Europäische Patentamt hat in den letzten Jahren sogar Patente auf Pflanzen erteilt, die konventionell gezüchtet worden waren, also ohne gentechnische Verfahren. Dagegen wehrten sich viele Menschen und Organisationen.

    Verarmung der Züchtungslandschaft durch Übernahmen

    Unternehmen, die im Gentechnik-Zeitalter der Pflanzenzüchtung eine führende Rolle spielen wollten, mussten viel Geld investieren und ihr Unternehmenswachstum vorantreiben. So kam es zu immer mehr Übernahmen: In den letzten Jahrzehnten schluckten große Konzerne mittelständische Züchterhäuser, was zu einer drastischen Verarmung der Züchtungslandschaft führte. Aber auch gegenseitige Übernahmen der ganz großen Unternehmen wie der Zusammenschluss von Bayer und Monsanto beunruhigt viele angesichts der voranschreitenden Privatisierung des Saatguts durch Patente.

    Die Gefahr ist, dass das Wachstum und der Wettbewerb dieser Konzerne untereinander nicht zu mehr Arten- und Sortenvielfalt in der Landwirtschaft führen, sondern dazu, dass die Unternehmen versuchen, mit weniger Arten einen möglichst großen Profit zu erzielen. Doch überall auf der Welt haben Menschen erkannt, wie wichtig das Saatgut für die Zukunft der Menschheit ist. Und sie sind aktiv geworden – etwa mit dem „March against Monsanto“ oder der seit 2010 jährlich stattfindenden „Wir haben es satt!“-Demo. Diese setzt sich für gesundes Essen, eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft und fairen Handel ein und rückt auch das Thema Saatgut immer wieder in den Fokus.

    Boom der Solidarischen Landwirtschaft

    Die politische Einflussnahme ist wichtig, aber vielen noch nicht genug. Der Wunsch, die Kontrolle über die Herstellung von Nahrungsmitteln zurückzugewinnen, hat zu einem Boom der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) geführt. Dabei tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Das macht die Landwirte wieder frei vom Druck der Lebensmittelhandelsketten einerseits und der Chemie- und Saatgutkonzerne andererseits. Mehr Infos zum Solawi-Netzwerk erhaltet ihr unter www.solidarische-landwirtschaft.org.

    Wer zuhause selbst aussäen will, der besucht am besten im Frühjahr eine der regionalen Saatgutbörsen. Da finden Gärtner ein großes Angebot an Saatgut wohlschmeckender alter und neuer Sorten. Ich wünsche also jetzt schon mal: Viel Spaß in der kommenden Gartensaison!

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    Mandarinen oder Clementinen – was ist der Unterschied?

    15. Januar 2018

    Die kalte Jahreszeit hat so ihre Höhen und Tiefen. Meist ist es hierzulande grau und trist. Und eben kalt. Das muss man dann gefühlt ein halbes Jahr aushalten. Aber es gibt auch schöne Seiten wie Plätzchen backen, gemütlich Tee trinken, Schneelandschaften – und der Geruch von Orangen und Mandarinen.

    Beim Kauf von diesen winterlichen Zitrusfrüchten habe ich mich schon oft gefragt, was eigentlich der Unterschied zwischen Mandarinen und Clementinen ist. Sie werden oft als Synonym benutzt, aber als ich genauer recherchiert habe, bin ich auf einige Unterschiede gestoßen. Diese will ich euch natürlich nicht vorenthalten.

    Kaufen wir Mandarinen oder Clementinen?

    Seitens der EU wird alles als Mandarine klassifiziert, auch wenn es eigentlich eine Clementine oder eine Satsuma ist. Der Handel hingegen deklariert alles als Clementinen. Biologisch gesehen gibt es definitiv einen Unterschied: Die Clementine ist aus einer Kreuzung zwischen Mandarine und Pomeranze entstanden und erst etwa vor 100 Jahren von einem Herrn Clement aus Algerien gezüchtet worden. Die Geschichte der Mandarine hingegen reicht bereits mindestens 3000 Jahre in die Vergangenheit.

    Äußerliche Unterschiede

    Die beiden Zitrusfrüchte sehen auf den ersten Blick gleich aus. Die Unterschiede zwischen Clementinen und Mandarinen erkennt ihr aber, wenn ihr genauer hinschaut:

    Die Clementine hat im Vergleich zur Mandarine fast keine Kerne. Die Mandarine unterteilt sich in der Regel in neun, die Clementine in acht bis zwölf Fruchtsegmente. Die Schale der Mandarine ist nicht so fest mit dem Fruchtfleisch verbunden und daher leichter zu schälen. Die Schale der Clementine dagegen lässt kaum Luft zwischen sich und dem Fruchtfleisch. Dadurch ist sie länger haltbar, aber auch schwerer zu schälen.

    Herkunft, Anbau und Erntezeit

    Mandarinen stammen aus China und werden dort schon seit mehreren Jahrtausenden angebaut. Ihr Name stammt wahrscheinlich von den Mandarins. Das waren hohe Beamte im kaiserlichen China, die eine orangefarbene Amtstracht trugen.

    Heute werden Mandarinen auch in anderen Teilen der Welt angebaut, vor allem in tropischen und subtropischen Zonen. Die Mandarinen und Clementinen, die bei uns in den Handel gelangen, stammen meist aus Spanien, Italien, der Türkei und Israel. Erntezeit der Zitrusfrüchte ist Spätherbst, daher findet ihr sie bei uns zwischen Oktober und Januar.

    Lagerung und Verzehr

    Mandarinen können maximal ein bis zwei Wochen aufbewahrt werden, danach löst sich die Schale vom Fruchtfleisch und die Frucht trocknet langsam aus. Clementinen können an einem kühlen Ort bis zu vier Wochen lagern.

    Egal ob Mandarine, Clementine, Satsuma, Orange oder andere Zitrusfrüchte – vor dem Schälen sollten die Früchte gründlich unter heißem Wasser abgewaschen werden. Im Anbau werden sie nämlich mit Pestiziden gespritzt und diese gelangen beim Schälen über unsere Hände auf die einzelnen Stücke. Deswegen ist es auch wichtig, sich nach dem Schälen möglichst noch mal die Hände zu waschen. Bio-Früchte unterliegen deutlich strengeren Richtlinien und dürfen nicht chemisch behandelt werden.

    Zu guter Letzt sei gesagt: Sowohl Mandarinen als auch Clementinen sind ein leckeres und vitaminreiches Obst für den Winter. Beide versprühen aufgrund feiner Öldrüsen auf der Schale das uns bekannte wunderbar fruchtige Aroma. Das hebt nicht nur die Stimmung an grauen Wintertagen, man kann es auch gut zum Aromatisieren von Backwaren und Getränken nutzen.

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    Fermentieren – Essen haltbar und gesund machen

    28. November 2017

    Die Amis sind uns mal wieder einen Trend voraus. In Städten wir New York und San Francisco heißt der „neue heiße Scheiß“: Fermentation. Inzwischen wird diese bewusste Umwandlung von Stoffen durch Bakterien, Pilze oder Enzyme auch hierzulande hingebungsvoll praktiziert.

    Lebensmittel zu fermentieren ist an sich nichts Neues. Es handelt sich dabei um eine alte Methode, Lebensmittel haltbar zu machen. Beim Fermentieren passiert aber weitaus mehr als nur reines Konservieren.

    Das Besondere am Fermentieren ist, dass das Gemüse nicht erhitzt wird und somit alle Nährstoffe erhalten bleiben. Durch den Gärungsprozess entstehen außerdem Milchsäurebakterien, die gut für den Darm sind. Fermentiertes Gemüse gehört daher auf jeden Fall in die Rohkostküche.

    Wie fermentiert man Lebensmittel?

    Am besten nutzt ihr dafür Gemüse, das gerade Saison hat und dementsprechend regional bei euch verfügbar ist. Das Gemüse wird gründlich gewaschen und dann in Stücke oder Streifen geschnitten, geraspelt, gerieben oder gehobelt. Bewährt haben sich „harte“ Gemüsesorten wie Kohl, Rote Bete, Kürbis, Möhren oder Paprika.

    Das Gemüse drückt ihr in einer Schüssel fest zusammen, damit der Saft austritt. Das kann man zum Beispiel mit einem Stößel machen. Dann wird das Ferment mit so viel Wasser aufgefüllt, dass es gerade so bedeckt ist. Je nach Geschmack kann noch Salz hinzugegeben werden. Das Salz fördert das Wachstum „guter“ Bakterien.

    Das richtige Fermentationsgefäß

    Jetzt kommt das Ferment in ein Fermentationsgefäß. Am besten geeignet sind Gefäße aus Glas oder Keramik, weil diese keine Chemikalien in die Mischung abgeben, welche teilweise ja wochenlang in dem Gefäß verbleibt. Dafür könnt ihr zum Beispiel einen Keramiktopf oder ein Bügelglas nehmen. Wichtig ist, dass das Gemüse zusammengedrückt wird und dass kein Sauerstoff ans Ferment kommt. Gleichzeitig sollten die Gärgase entweichen können.

    Wenn ihr einen Topf benutzt, könnt ihr einen beschwerten Teller in den Topf direkt auf das Ferment legen. Der Teller sollte dicht mit dem Topf abschließen. Danach den Topf mit einem Küchentuch abdecken, damit weder Staub noch Insekten eindringen können. Bei einem Bügelglas einfach das Gemüse schön eng ins Glas stopfen. Aber immer darauf achten: Das Gemüse muss unter der Lake bleiben! Die Gummidichtung lässt Gärgase entweichen und verhindert gleichzeitig das Eindringen von Sauerstoff.

    Eine Frage des Geschmacks

    Das Gefäß wird dann gut abgedeckt bzw. verschlossen bei Zimmertemperatur stehengelassen. Das Gemüse beginnt sofort, zu fermentieren und es gibt keinen Zeitpunkt, an dem das Ferment „fertig“ ist. Das ist allein eine Frage des individuellen Geschmacks. Ihr solltet also einfach zwischendurch mal probieren.

    Je länger und langsamer die Fermentation läuft, desto aromatischer ist das Ergebnis und desto mehr gesunde Bakterien können sich ansiedeln. Nach der ersten, heftigen Fermentationsphase, also nach drei bis vier Tagen, ist das Gemüse schon essbar, jedoch läuft die Fermentation auch danach noch langsam weiter.

    Was kann fermentiert werden?

    Die bekanntesten fermentierten Lebensmittel sind wahrscheinlich Sauerkraut (durch Milchsäuregärung konservierter Weißkohl) und Kimchi (stammt aus der koreanischen Küche – fermentiert werden Chinakohlblätter, Ingwer, Knoblauch, Chili und je nach Rezept weitere Zutaten). Die Milchsäuregärung bringt uns aber täglich Produkte auf den Tisch, die erst durch Fermentation entstanden sind – etwa Joghurt, Buttermilch und Kefir.

    Prinzipiell kann jedes Gemüse fermentiert werden. Hier sind einfach etwas Mut, Experimentierfreude und Fantasie gefragt, denn es gibt kaum ein „richtig“ oder „falsch“ beim Fermentieren. Probiert es einfach aus und schaut, was euch schmeckt!

    Tipp: Es gibt viele Möglichkeiten, den Geschmack des fermentierten Gemüses zu beeinflussen, zum Beispiel indem ihr Zwiebeln, Knoblauch oder frische Kräuter zum Ferment gebt. Außerdem sorgen Gewürze wie Kümmel, Senf- oder Pfefferkörner für Pepp.

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    Foodsharing 2.0 – erster Online-Shop für gerettetes Essen

    15. Oktober 2017

    Raphael Fellmer hat Foodsharing in Deutschland zu einem Begriff gemacht, der nun fast jedem geläufig ist. Mit seinem neuen Startup SirPlus will er zusammen mit der Lebensmittelindustrie das Retten von Nahrungsmitteln endgültig zum Mainstream machen. Dabei sollen überschüssige Lebensmittel sogar per Online-Shop bis nach Hause geliefert werden.

    Ich habe hier schon öfter darüber berichtet, dass viel zu viele Lebensmittel in Europa weggeworfen werden. Allein in Deutschland wird eine LKW-Ladung pro Minute an Lebensmitteln vernichtet. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist, dass es inzwischen schon einige Initiativen gibt, die aktiv dagegen angehen. Mit Apps, die einem sagen, welches Restaurant Lebensmittel abzugeben hat, mit kleinen Läden, die krummes Gemüse verkaufen oder ganz klassisch: mit Foodsharing.

    SirPlus als Franchise und digitaler Marktplatz

    Raphael Fellmer, Initiator der Foodsharing-Bewegung, geht jetzt noch einen Schritt weiter. Mit SirPlus verkaufen er und sein Team überschüssige Lebensmittel in Berlins erstem Food-Outlet-Laden, per Same-Day-Delivery und per Online-Shop mit Lieferung innerhalb Deutschlands. Raphael Fellmer, Martin Schott und Alexander Piutti haben das Startup im Februar 2017 gegründet und wollen in den nächsten fünf Jahren eine Kette von SirPlus Stores in Deutschland, Österreich und in der Schweiz etablieren, ein Großteil davon als Franchise.

    Im 2. Halbjahr 2018 will SirPlus einen digitalen Marktplatz aufbauen, um Angebot und Nachfrage von überschüssigen Lebensmitteln systematisch und intelligent zusammenzuführen. Auf der Plattform soll die gesamte Wertschöpfungskette nachgebildet werden: von Landwirten und Produzenten, über Distributoren und Logistikern bis hin zu Großhandel und Supermärkten. Für gemeinnützige Organisationen wie die Tafeln und Foodsharing wird SirPlus die Plattform kostenlos zur Verfügung stellen, um deren schon bestehende Koordination zu digitalisieren und effizienter zu gestalten.

    Gerettete Lebensmittel ​​bis zu 70 Prozent günstiger

    Nach erfolgreicher Crowdfunding-Kampagne eröffnete SirPlus seinen ersten Store im Herzen West-Berlins am 8. September 2017. Für den Anfang gibt es verpackte Trockenware, Obst und Gemüse, Backwaren und Getränke aller Art. Auch gekühlte Waren sollen zukünftig im Angebot aufgenommen werden. Im Durchschnitt spart der Kunde signifikant im Vergleich zum üblichen Produktpreis eines Supermarktes. 20 Prozent aller dem Unternehmen zur Verfügung gestellten Lebensmittel werden an gemeinnützige Projekte gespendet.

    „Mit unserem Konzept des Food-Outlet-Stores und dem zukünftigen Lieferservice werden wir das Retten von Lebensmitteln aus der Nische in die Mitte der Gesellschaft holen“, sagt Fellmer. Partner von SirPlus ist der Same-Day-Delivery-Spezialist Liefery, über den SirPlus zunächst in Berlin, später deutschlandweit gerettete Lebensmittel verschicken wird. Liefery sieht großes Potenzial in dem jungen Startup und hat 150 Quadratmeter in seinem Lager kostenfrei zur Verfügung gestellt.

    In dem Lager in Tempelhof stehen bereits 70 Paletten abgelaufener oder kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehender Produkte von SirPlus Partnern wie Freche Freunde und Helden. Zu den größten Kooperationspartnern gehört METRO Berlin. „Nur im Schulterschluss mit der Industrie, dem Handel und den Produzenten ist es möglich, das ambitionierte Ziel zu erreichen: die Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltig zu reduzieren“, so SirPlus Mitgründer Alexander Piutti.

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    Quinoa made in Europe – geht das?

    18. September 2017

    Die meisten von uns kennen Quinoa aus dem Supermarkt. Das nährstoffreiche Pseudogetreide stammt aus der Andenregion Südamerikas. Was viele nicht wissen: Die Pflanze gedeiht durchaus auch in unseren Breitengraden. Als Vorreiter beim Quinoa-Anbau in Europa hat sich die Dutch Quinoa Group etabliert.

    Bis vor wenigen Jahrzehnten war Quinoa in Europa praktisch unbekannt. Erst in den Neunzigern entdeckte man die Pflanze als Nahrungsmittel neu: Vor allem Naturkostläden und die alternative Küche propagierten die nährstoffreichen Körner. Heute gelten sie als glutenfreies „Superfood“. Doch nicht alles daran ist super…

    Quinoa-Anbau in Südamerika

    Das Pseudogetreide wächst fast ausschließlich in seiner Herkunftsregion in den Anden. Mehr als 95 Prozent der gesamten Weltproduktion werden in Peru und Bolivien angebaut, der Rest in Ecuador. Die Transportwege von den Feldern bis nach Europa sind extrem lang. Das bedeutet: Klimabelastung durch fossile Treibstoffe.

    Auch führt der Boom in reichen Ländern wie Deutschland zu höheren Preisen. Das bedeutet: Wo Quinoa früher ein Grundnahrungsmittel für viele Bauern war, ist sie ihnen heute zu teuer geworden. Zugleich breiten sich Quinoa-Anbauflächen durch die große Nachfrage stark aus und schädigen so die Ökosysteme der Anbauländer.

    Quinoa-Anbau in Europa

    Die Frage liegt nahe, warum wir Quinoa dann nicht einfach in Europa anbauen. Obwohl sich die Pflanze erstaunlich gut an unterschiedliche ökologische Bedingungen anpasst, ist es kein leichtes Unterfangen, Quinoa in Europa zu kultivieren. Unmöglich ist es jedoch nicht. Das beweist der niederländische Ernährungsberater und Landwirt Rens Kuijten.

    Kuijten gehört zur neuen Generation von Landwirten, die dem Credo „Masse statt Klasse“ mit einem ausgeklügelten Unternehmensmodell zu trotzen scheinen. Er beschäftigt sich bereits seit 2001 mit dem Anbau von Quinoa und ist heute mit seinem Unternehmen, der Dutch Quinoa Group, mit einem ganzen Netzwerk von 40 Landwirten in den Niederlanden vertreten.

    Kuijten verkauft hochwertiges Bio-Quinoa ohne Einsatz von Pestiziden und mit dem Fokus auf Regionalität. Sein Quinoa wird lokal verkauft. Die Dutch Quinoa Group arbeitet auch mit Universitäten zusammen, um den Anbau der Pflanze und den Reinigungsprozess weiter zu verbessern. Außerdem schult die Gruppe Unternehmen im Ausland, die dabei sind, ein Netzwerk vom Anbau bis zum Verkauf regional aufzubauen. Mittlerweile haben sich Quinoa-Bauern europaweit zur European Quinoa Group zusammengeschlossen, darunter auch Landwirte aus Deutschland.

    Quinoa im eigenen Garten

    Wer nicht warten will, bis Quinoa auch hierzulande in so großem Stil angebaut wird, dass wir das heimische Produkt problemlos im Supermarkt bekommen, kann es im eigenen Garten selbst anbauen. Hochwertiges Saatgut erhaltet ihr zum Beispiel bei spezialisierten Händlern im Internet. Die Aussaat erfolgt im April, zwischen Mitte und Ende des Monats.

    Quinoa benötigt kaum Pflege. Weder Gießen noch Düngen ist nötig, nur das Unkraut solltet ihr regelmäßig entfernen. Geerntet wird dann zwischen Ende August und Ende September, je nach Witterung auch bis Mitte Oktober. Der Ertrag fällt normalerweise hoch aus, kann aber durchaus wetter- und standortbedingt etwas schwanken.

    Erst nachdem sie vollkommen trocken sind, können die Körner verwendet werden. Dann aber sind sie in der Küche vielseitig einsetzbar. Ob Quinoa-Salat, als Beilage, im Müsli oder für Süßspeisen – es gibt inzwischen unzählige Quinoa-Rezepte. Vor dem Verarbeiten solltet ihr die Samen immer mit lauwarmem Wasser spülen, da sich in der Samenhülle viele Bitterstoffe befinden.

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    Essbare Wildpflanzen

    23. August 2017

    Sie sprießen aus der Erde, bevölkern unsere liebevoll bepflanzten Beete und unterdrücken die rechtmäßigen Bewohner – Unkräuter sind die Imperialisten des Pflanzenreichs und der Albtraum aller Gärtner. Meine Empfehlung: nicht ärgern lassen, einfach essen!

    Eigentlich doch ein wahres Geschenk: Wir können ernten, ohne gesät zu haben. In manchem Unkraut steckt ein Hausmittel, eine Teepflanze oder ein Wildgemüse. Viele Wildkräuter und Blüten schmecken super als Beilage zu Salaten, Suppen oder Saucen. Oft sind sie sogar vitaminreicher als Gemüse aus dem Supermarkt.

    Wildkräuter – was man wissen sollte

    In Deutschland gibt es über 1500 Unkräuter und Wildkräuter, die man essen kann. Die beste Erntezeit ist der Vormittag, weil die Kräuter morgens am saftigsten sind. Prinzipiell solltet ihr die Pflanzen nicht ausreißen, sondern die Blätter mit einem Messer sanft abschneiden, damit sie nachwachsen können.

    Es ist aber wichtig, dass ihr nur die Kräuter und Unkräuter sammelt, die ihr auch wirklich kennt und zuordnen könnt. Bärlauch wird zum Beispiel immer wieder mit Maiglöckchen verwechselt – und diese sind stark giftig.

    Falls ihr die Kräuter nicht im eigenen Garten schneidet, solltet ihr außerdem darauf achten, sie nicht in der Nähe stark befahrener Straßen zu sammeln. Die besten Kräuter findet ihr auf ungedüngten Wiesen und an Orten, wo wenig Hunde unterwegs sind.

    Welches Unkraut kann man essen?

    Das wahrscheinlich bekannteste Unkraut ist Löwenzahn. Er ist in der Küche vielseitig einsetzbar: Blätter, Blüten und sogar die Wurzel sind essbar. Die weiße Milch, die aus den Stängeln austritt, sollte man allerdings nicht verwenden. Ernten kann man ihn von April bis Oktober und in der Zeit wächst er auch immer wieder nach. Aus der Wurzel kann man übrigens wunderbaren Löwenzahntee machen.
    Der Giersch, auch Geißfuß genannt, ist eines der hartnäckigsten Unkräuter. Egal was man gegen ihn tut – er kommt immer wieder. Viele wollen den Giersch daher in ihrem Garten ausrotten. Aber: Auch Giersch kann man essen. Deshalb sollte man ihn viel eher als robustes und wartungsfreies Dauergemüse betrachten.

    Der Gundermann wächst bevorzugt auf Wiesen und Weiden und ähnlich wie Efeu an Gehölzrändern. Er kann fast das ganze Jahr über geerntet werden, da er selbst unter der Schneedecke frische Blättchen treibt. Als Würzkraut ist er eine Bereicherung in jeder Küche.

    Büschelweise wächst die Vogelmiere auf Äckern und Brachflächen bis in den Oktober hinein. Sie als Unkraut auszurotten ist fast unmöglich. Aber wieso sollte man auch? Der Bärlauch macht sich Anfang März bis Mitte Mai in Gärten und auf Wiesen breit. Er schmeckt ähnlich wie Knoblauch, scharf und herrlich frisch.

    Wegen ihrer hautreizenden Eigenschaften wird die Brennnessel gefürchtet und als unliebsames Unkraut verteufelt. Dabei ist sie so gesund wie es nur geht und ein wahres Wundergewächs: Sie enthält viel Eisen, Kalzium und Vitamin C.

    Gartenschaumkraut, Sauerampfer, Knopfkraut – es gibt noch viele weitere Unkräuter, die ihr ohne Bedenken essen könnt. Um sie genau erkennen und bestimmen zu können, schaut am besten in ein Sachbuch zum Thema Kräuter sammeln. Und dann: guten Appetit!

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    Ackerhelden: Gemüsegärten zum Anmieten

    18. Juli 2017

    In immer mehr deutschen Städten bieten die Ackerhelden biozertifizierte Gemüsegärten zum Mieten an. Die Parzellen werden dabei mit 120 Jungpflanzen vorbepflanzt; zusätzlich erhält der Mieter Saatgut. In der Ackersaison von April bis November kann er dann gießen, pflanzen, säen und sein eigenes knackfrisches Gemüse ernten – ganze 40 verschiedene Sorten.

    Keine Ahnung vom Ackern ist dabei kein Problem. Die Ackerhelden-Gründer Birger Brock und Tobias Paulert haben mit ihrer Rundum-Sorglos-Beratung bisher jedem einen grünen Daumen verliehen. Die eigene Freude fürs Gärtnern entwickelten die Freunde bereits zu Schulzeiten – als sie unter Anleitung des Biologielehrers, Brocks Vater, den Schulgarten ihres Gymnasiums beackerten. In den vergangenen Jahren beschäftigten sich Paulert und Brock, die inzwischen Anfang 40 sind, viel mit alternativen Versorgungskonzepten und der Idee der Selbstversorgung.

    Gartenpflege und Biogärtnern für Einsteiger

    Nebenbei ist Tobias Paulert als „Urban Gardener“ auf seinem Dachgarten aktiv. Dort hat er seinen eigenen Gemüsegarten und baut alte Tomatensorten und exotische Kräuter-, Gemüse- und Obstsorten an. Birger Brock bewirtschaftete mit seiner Familie von 2006 bis 2012 ein Ackerstück auf einem Biobauernhof in Essen. Dieses gesammelte und erprobte Wissen rund um Urban Gardening und Farming fassten die beiden Gründer im Buch „Ackerhelden: Biogärtnern für Einsteiger“ zusammen.

    Ihre Ackerhelden-Mietgärten bieten Brock und Paulert übrigens auch für Betriebliches Gesundheitsmanagement an. Mitarbeiter aus Unternehmen können hier also getrost die Hände in die Erde stecken und den Bürostress hinter sich lassen. Außerdem werden sie vom Ackerhelden-Team zu Ernährungsthemen beraten.

    Gemüsegärten sind schnell ausgebucht

    In der vergangenen Saison entschieden sich knapp 3200 Menschen aus 91 Städten, einen Ackerhelden-Garten zu mieten und zu bewirtschaften. Sie lernten dabei nicht nur die Qualität und Transparenz ihrer Nahrungsmittel kennen und schätzen, sondern erfuhren auch einiges über Selbstversorgung und nachhaltigen Konsum.

    Wer eine Ackerfläche in der Saison 2018 mieten möchte, sollte frühzeitig in Kontakt mit den Ackerhelden treten, da die Flächen schnell ausgebucht sind.

    Hochbeete für Kitas und Schulen

    Nicht nur in Deutschland kommen immer mehr Standorte hinzu – seit 2017 gibt es die Ackerhelden auch im österreichischen Wien. Neben dem Schritt ins benachbarte Ausland wagen Paulert und Brock in diesem Jahr auch die Geschäftsfelderweiterung mit Bio-Hochbeeten. Diese bieten sie im Rahmen des Projekts „Ackerhelden machen Schule“ an Kitas und Schulen an. Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements können Hochbeete auch auf dem Firmengelände aufgestellt werden.

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    Das selbstversorgende Dorf wird Wirklichkeit

    21. Juni 2017

    Ein Dorf, das alles, was die Bewohner zum Leben brauchen, selbst produziert. Hört sich nach einer Utopie an. Doch die Zukunft wird in den Niederlanden mit dem ersten ReGen Village bereits in diesem Jahr Realität.

    In Almere, einem Vorort von Amsterdam, wird an dem ersten Dorf gebaut, das sich komplett selbst versorgt. Das sogenannte ReGen Village, was so viel heißt wie „regeneratives Dorf“, wird sich selbst mit Nahrungsmitteln, Wasser und Energie versorgen sowie eine eigene Müllentsorgung haben.

    So sieht das Öko-Dorf aus

    Die Idee dazu stammt von dem US-amerikanischem Projektentwickler James Ehrlich, der das Dorf in Zusammenarbeit mit dem dänischen Architekturbüro Effekt realisiert. Bis Ende 2017 soll das ReGen Village bezugsfertig sein.

    Das Modell-Dorf ist so angelegt, dass Wohnbereiche und jene, die zur Versorgung genutzt werden, unmittelbar in Berührung stehen – anders als heute in Städten üblich, wo Wohnen und Produzieren weit voneinander entfernt stattfinden. Die 25 Wohnhäuser mit durchschnittlich 120 Quadratmetern Wohnfläche werden im Kreis angeordnet, während Gewächshäuser, Gärten, Weiden und Aquaponik-Anlagen im Zentrum liegen – umgeben von Gemeinschaftseinrichtungen wie Spielplatz, Park und Schwimmbad. Auch mit selbst produziertem Ökostrom geladene Elektroautos soll es geben.

    Wie funktioniert die Selbstversorgung?

    Für die Lebensmittelversorgung bietet das Öko-Dorf zahlreiche Produktionsstätten: normale saisonabhängige Gärten, beheizte Gewächshäuser, die um und über den Gebäuden herum installiert sind, Vertical Farms, Viehhaltung und Aquaponik. Bei Letzterem handelt es sich um eine Fischzucht, die mit Pflanzenanbau in Hydrokultur kombiniert wird, indem die Exkremente der Fische als Dünger für die Pflanzen genutzt werden. Gefüttert werden die Fische mit Fliegenlarven.

    Da sich die Fliegen genauso wie die zur Fleischproduktion gehaltenen Nutztiere von kompostiertem Abfall ernähren, überschneiden sich an dieser Stelle die Kreisläufe der Nahrungsmittelproduktion und der Müllentsorgung. Der unkompostierbare Bestandteil des Mülls wird dagegen zur Energieproduktion verbrannt. Die restliche benötigte Energie soll durch Solar- und Biogasanlagen gedeckt werden. Überschüssige Energie wird gespeichert, um das Dorf auch dann zu versorgen, wenn gerade keine Energie produziert wird.

    Für die Wasserversorgung soll Regenwasser als Bewässerung und Trinkwasser gleichermaßen dienen – in einer gefilterten und einer ungefilterten Variante. Auch hier sorgen Speicher für die Versorgungssicherheit.

    Weniger Wasser- und Landverbrauch

    Eine Aquaponik-Anlage benötigt nur etwa ein Zehntel des Wassers, das konventionelle Landwirtschaft verbraucht. Weil beim Vertical Farming in die Höhe gegärtnert wird, ist der Ertrag zehn bis zwanzig Mal höher als auf einer durchschnittlichen Ackerfläche. Mit dem neusten Stand der Agrartechnik wollen die Macher des Zukunftsdorfes einen zehnfachen Ernteertrag mit 90 Prozent weniger Wassereinsatz erzielen.

    Auch der Flächenverbrauch soll sinken. Lediglich 639 Quadratmeter Land soll zur Versorgung einer dreiköpfigen Familie genutzt werden. Nach Angaben der Effekt-Architekten werden aktuell bei herkömmlicher Landwirtschaft 8.100 Quadratmeter benötigt.

    Angesichts der Tatsache, dass die Weltbevölkerung bis 2050 auf rund zehn Milliarden Menschen anwachsen wird und Ressourcen knapp werden, hat das nachhaltige Wohn- und Lebenskonzept Potential. Der Andrang auf das Dorf ist bereits sehr groß. Daher planen Ehrlich und Effekt weitere ReGen Villages in Dänemark, Norwegen und auch Deutschland.

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    Gutes Essen liegt so nah: Rote Bete

    30. Mai 2017

    Zugeben: Ich muss noch immer kurz meine Kindheitserinnerungen überwinden, wenn ich Rote Bete esse. Früher stand das Gemüse ganz klar auf der Liste „Kommt nicht auf meinen Teller“. Aber das hat sich geändert. Zu meinem Glück, denn jetzt kann ich den Geschmack der roten Knolle ungehemmt genießen.

    Da sich Rote Bete gut lagern lässt, zählt sie eigentlich zu den klassischen Wintergemüsen. Die Saison für Rote Bete beginnt aber tatsächlich schon im Frühsommer. Dann kommen die ersten frisch geernteten Knollen auf den Markt. Die sind noch klein und zart, aber ziemlich schmackhaft. Meistens werden sie als Bundware mit Laub angeboten. Ab Juli gibt es dann die ausgewachsenen Rüben ohne Blätter.

    Rote Bete im eigenen Garten

    Wer einen Garten hat, kann Rote Bete auch selbst anpflanzen – bevorzugt an einem sonnigen Ort. Ansonsten ist das Gemüse recht anspruchslos. Ab Mitte April gesät, verdickt sich über den Sommer ein Teil ihrer Sprossachse zu der typischen Rübenform. Dabei wächst sie wie ein Baumstamm in die Breite und bildet feine Ringe. Ungefähr drei bis vier Monate nach der Aussaat könnt ihr sie ernten.

    Im Kühlschrank, am besten in feuchtem Papier eingeschlagen, bleiben die Knollen ca. vier Wochen frisch. Das Kraut der Roten Bete könnt ihr übrigens wie Spinat oder Mangold zu einem würzigen Blattgemüse verarbeiten.

    Vielseitige Knolle

    Ob roh, gekocht, gedünstet oder gebraten. Als Beilage, püriert oder im Eintopf: Der süßliche und leicht erdige Geschmack der Roten Bete kann vielfältig kombiniert werden. Kräftige Gewürze verträgt die Knolle genauso gut wie Schärfe. Zum Beispiel runden Meerrettich oder Chili den Geschmack auf wunderbare Weise ab. Mein Favorit: Rote-Bete-Salat mit Quinoa, Apfelstücken, Feta, Pinienkernen und Petersilie oder Kresse. Köstlich!

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    Eine Londoner Initiative wagt etwas Neues

    17. Mai 2017

    Audacious Veg ist ein soziales Unternehmen in London, das Schulungen und Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Erwachsene durch städtische Landwirtschaft schafft. Ein neuer, kühner Ansatz, der sowohl perspektivlose Jugendliche als auch das urbane Gärtnern fördert – spannend.

    Das Team hinter Audacious Veg (audacious = wagemutig) möchte ein lokales Nahrungsmittelsystem aufbauen, das Kommunen, der Umwelt sowie dem Gaumen zu Gute kommt. Auf einem Gelände im Londoner Stadtteil Hainault werden unter anderem essbare Blumen, Gourmet-Salate und Kräuter angebaut. Die Produkte verkauft das Team an lokale Restaurants, Cafés und Caterer.

    Traineeship für junge Erwachsene

    Das Geschäftsmodell von Audacoius Veg adressiert einerseits die wachsende Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln im Nordosten von London. Gleichzeitig bietet es jungen erwerbslosen Menschen bezahlte Praktika sowie Zugang zu Fähigkeiten, die ihnen helfen, auch nach dem Praktikum einen Job zu finden.

    Um die Jugendlichen angemessen zu unterstützen und sie auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, arbeitet Audacious Veg mit freiwilligen Mentoren zusammen. Diese treffen sich regelmäßig mit den Praktikanten und helfen ihnen bei Karriereplanung, Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen.

    Workshops für städtische Gärtner

    Wer sich in London herumtreibt, ist jederzeit willkommen, die schönen – und vor allem köstlichen – Gärten von Audacious Veg zu besuchen und die speziellen Anbau-Geheimnisse kennenzulernen. Natürlich werden alle Lebensmittel mit ökologisch verantwortlichen und chemiefreien Methoden angebaut.

    Audacious Veg bietet auch verschiedene Workshops und Seminare für „urban gardeners“ an. Interessierte, die wissen wollen, wie man Salate das ganze Jahr über ernten kann, wie man Kräuter, Gemüse und Blumen auf kleinstem Raum anbaut oder wie der eigene Garten „leckerer“, bienenfreundlicher und nachhaltiger wird, sind hier also genau richtig. Stets mit von der Partie: ein Mittagessen aus regionalen Lebensmitteln und selbstgemachte Kräutertees.

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    Happy End für krummes Gemüse

    26. April 2017

    Ein Restaurant in Berlin-Neukölln gibt aussortierten Lebensmitteln eine zweite Chance und setzt sich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln ein. Ob krummes Gemüse oder falsch etikettierter Käse – Nahrungsmittel, die täglich tonnenweise weggeworfen werden, bekommen bei Restlos Glücklich ihr Happy End auf dem Teller.

    Im April 2016 hatte die Testphase als Pop-Up-Reihe an ausgewählten Terminen in einem Restaurant in Neukölln begonnen. Als sich dem Verein Restlos Glücklich die Möglichkeit bot, das Lokal in der Kienitzer Straße 22 längerfristig zu mieten, folgten Renovierungsarbeiten. Dann erweiterte das Team die Öffnungszeiten und testete weiter den laufenden Betrieb. Die Testphase war wichtig, um Abläufe zu optimieren und Erfahrung zu sammeln. Nach nur wenigen Monaten zeigte sich der Erfolg des Konzepts: Restlos Glücklich ist fast immer restlos ausgebucht.

    Von Mittwoch bis Samstag überrascht ein professioneller Koch die Gäste mit neu kombinierten Speisen. Mit frischen Impulsen möchte der Verein ein Bewusstsein für den Wert von Nahrungsmitteln schaffen und erreichen, dass immer weniger Menschen Lebensmittel wegwerfen. Unterstützt wird das Kernteam von vielen freiwilligen Helfern.

    Gegen Lebensmittelverschwendung

    Die Nahrungsmittel, mit denen gekocht wird, bezieht Restlos Glücklich von Supermärkten, dem Großhandel sowie kleineren Produzenten. Die Partner kommen größtenteils aus der Bio-Branche. Die Gründe, warum Lebensmittel im Handel nicht mehr verkauft werden können, sind vielseitig: Gemüse, das aufgrund von Form, Farbe oder Größe nicht der Norm entspricht, verrutschte Etikette, Fehllieferungen oder Ware, die nur noch eine begrenzte Zeit haltbar ist.

    Kreative Küche

    Da das Restlos-Glücklich-Team vorher nicht weiß, welche Lebensmittel es an einem Tag erhält, entsteht eine spontane, neuartige und kreative Küche. Die Karte wechselt täglich, ein Besuch ist immer eine kulinarische Überraschung. „Bei unseren Gästen kommt das Konzept gut an“, sagt Mitgründerin Leoni Beckmann. „Für sie ist es spannend, sich von den Gerichten überraschen zu lassen. Viele sind auch sehr interessiert an der Arbeit unseres Vereins.“

    Um zu erreichen, dass mehr Menschen bewusst konsumieren und Lebensmittel retten, bietet der Verein Bildungsprojekte und Kochkurse an, welche mit den Gewinnen aus dem Lokal gefördert werden. So kocht das Team etwa mit Schulklassen oder gibt Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

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    Amaranth – was kann das Powerkorn?

    11. April 2017

    Die kleinen gepufften Samen wandern jeden Morgen in mein Müsli, aber was ist Amaranth eigentlich genau? Es kann wie Getreide verwendet werden, ist aber keins. Deshalb nennt man es auch Pseudogetreide. Klingt irgendwie nach „Möchte-gern-Getreide“, aber der Eindruck täuscht. Denn Amaranth hat einiges zu bieten.

    Amaranth gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse und wird auf Deutsch auch „Fuchsschwanz“ genannt. Damit ist klar, warum es sich bei Amaranth um ein Pseudogetreide handelt: „Echte“ Getreidesorten zählen zu den Süßgräsern.

    Ursprünglich stammt Amaranth aus Mittel- und Südamerika und wird dort als Grundnahrungsmittel geschätzt. Auch in Europa wird das Scheingetreide immer beliebter. Vor allem unter Vegetariern, Veganern und Menschen mit Zöliakie: Mit 15 bis 18 Prozent hat Amaranth einen Eiweißgehalt, den keins der herkömmlichen Getreide erreicht. Außerdem ist Amaranth glutenfrei.

    An Mineralstoffen liefert Amaranth vorwiegend Phosphor, Kalium, Magnesium und Kalzium, aber auch Zink, Kupfer und Mangan. Bemerkenswert ist zudem der für eine Pflanze relativ hohe Eisenanteil.

    Anspruchslos und vielseitig

    Verbreitet ist der Fuchsschwanz mit seinen über 70 Arten auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. Die krautigen, meist einjährigen Pflanzen werden bis zu zwei Meter hoch und sind sehr anspruchslos. Eine einzelne Pflanze bildet bis zu 70.000 Samen, die über mehrere Jahre im Boden keimfähig bleiben. Amaranth wächst sogar in Höhen über 4.000 Metern. Für den deutschen Markt wird bereits ein Teil in den Alpen angebaut.

    Amaranth ist leicht nussig im Geschmack und ihr könnt damit super euer Müsli ergänzen. Die Mini-Körner sind in der Küche vielseitig einsetzbar und schmecken auch in Suppen, Aufläufen, Risottos, Mixgetränken, Süßspeisen oder als Riegel.

    Wenn ihr die ungepufften Samen als Beilage verwenden wollt, gebt die Körner einfach mit der doppelten bis dreifachen Menge Wasser in einen Topf und lasst sie nach dem Aufkochen etwa eine halbe Stunde auf kleiner Flamme köcheln. Die Blätter und Triebe könnt ihr ähnlich wie Spinat oder Mangold kochen oder, wenn sie jung und zart sind, roh im Salat genießen.

    Amaranth im eigenen Garten

    Wer einen Garten hat, kann Amaranth problemlos im eigenen Garten anbauen. In Bezug auf die Bodenqualität ist die Pflanze wie gesagt recht bescheiden, aber auf ein sonniges Plätzchen mag sie nicht verzichten.

    Mit der Aussaat wird Mitte April begonnen, die Blütezeit ist von Juli bis August und die Sammelzeit für Blätter und Samen findet von September bis Oktober (vor dem ersten Frost) statt. Die dunkelroten Blütenstände werden abgeschnitten und getrocknet. Die winzigen Samen fallen dann von alleine heraus.

    Nachhaltigkeit mit Fragezeichen

    In Deutschland erhältliches Amaranth und alle Produkte daraus stammen überwiegend aus der Andenregion Mittel- und Südamerikas. Besonders nachhaltig ist das aufgrund des langen Transportwegs natürlich nicht. Außerdem entsprechen die Kontrollen für ökologischen Anbau in den Herkunftsländern nicht immer den europäischen Standards. Teilweise gehen durch den Anbau für den Export auch dringend benötigte Nahrungsmittel für die Menschen vor Ort verloren.

    Eine Alternative wäre eine Kultivierung von Fuchsschwanz in Europa, da die Pflanze auch hier ausgezeichnet gedeiht. Fazit: Amaranth aus Mittel- und Südamerika am besten nur ausnahmsweise konsumieren beziehungsweise beim Kauf darauf achten, dass als Herkunftsland Deutschland (oder zumindest ein europäischer Nachbar) angegeben ist.

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    SWARM – der etwas andere Snack

    3. März 2017

    Bangkok, 2015. Touristen aus aller Welt drängen sich über die Khao San Road. Unter ihnen auch Christopher und Timo. Ihre Mission: Insekten essen! Sie haben sich in den Kopf gesetzt, Insektenprotein auf den westlichen Speiseplan zu bringen. Immerhin könnten Insekten laut UN ein Mittel gegen die globale Nahrungskrise sein. Der erste Schritt heißt also: Selbstversuch!

    Und dazu eignet sich Südostasien als Hotspot der Insektenindustrie ideal. Für 80 Prozent der Weltbevölkerung stehen Insekten als wertvolle Nährstoffquelle auf dem täglichen Speiseplan. Für uns Westeuropäer unvorstellbar! Grillen, Raupen, Käfer essen? Igitt! Der Gedanke ist nicht nur ungewohnt, sondern auch abstoßend.

    Insekten als Proteinlieferanten

    Dabei sind Insekten ausgezeichnete Protein- und Nährstofflieferanten. Es sind knapp 2.000 essbare Arten bekannt, die sich vor allem in der Zusammensetzung aus Protein, Fett und Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen unterscheiden. Grillen zeichnen sich zum Beispiel durch einen besonders hohen Proteingehalt (70 % in Trockenmasse) aus.

    Auch in punkto Nachhaltigkeit können sich Insekten sehen lassen: Sie benötigen wenig Futter, wenig Land und wenig Wasser und sie verursachen kaum Treibhausgase – im Gegensatz zu unserer westlichen Proteinquelle, dem Vieh. Sie sind also eine ernstzunehmende Alternative zu Molkeprotein. Zum Vergleich: Für ein Kilo Rind werden 25 Kilo Futter benötigt; für ein Kilo Grille braucht man nur 2 Kilo Futter.

    Lebensmittelergänzung: Insektenpulver

    Zurück zu unseren Revolutionären Christopher und Timo. Obwohl sie die Erfahrung machten, dass man sich schnell ans Insektenessen gewöhnen kann, war ihnen gleichzeitig klar, dass die kulturelle Distanz zu Insekten im Westen noch zu groß ist. Zumindest, wenn man die Insekten noch als Ganzes erkennen kann. Deshalb haben sich die beiden darauf konzentriert, Insektenpulver als Lebensmittelzutat auf unseren Markt zu bringen.

    Und so entstand das Konzept von SWARM – ein Insektenriegel. Er soll das hochwertige Protein zu denjenigen bringen, die dessen Vorteile am meisten schätzen: Sportler. Zusammen mit Dani, einer Expertin für Sport und Ernährung, begann das Team mit der Produktentwicklung.

    Aufgrund ihres hohen Proteingehalts und ihrer einfachen Züchtung fiel die Insektenwahl für SWARM auf die Grille. Ihr Protein ist hochwertig, da es alle neun essentiellen Aminosäuren beinhaltet. Diese sind wichtig für den Aufbau und Erhalt der Muskulatur und können nicht vom Körper selbst gebildet werden. Grillen beinhalten zudem viel Vitamin B12.

    SWARM: der Rohkostriegel

    Über einen Kooperationspartner in Thailand wird das Grillenpulver importiert. Der SWARM Proteinriegel wird dann in Europa hergestellt. Es handelt sich dabei um einen Rohkostriegel mit getrockneten Datteln, der sich für die Regeneration nach dem Sport eignet, aber vom SWARM Team auch als Snack empfohlen wird.

    Nachdem nun die Prototypenentwicklung abgeschlossen ist und die Geschmacksrichtungen feststehen, warten die drei Gründer nur noch auf den Startschuss ihrer Crowdfunding-Kampagne. Der Riegel soll dann der Einstieg sein. Wenn die Hemmschwelle in der westlichen Bevölkerung sinkt, kann sich das Team von SWARM auch vorstellen, das pure Insektenpulver und andere Insektenprodukte anzubieten. Warum nicht? Solange es nicht mehr krabbelt und keine Fühler hat…

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    hubus – der Komposter für die Wohnung

    12. Februar 2017

    Abfall ist eine Frage des Blickwinkels. Deswegen möchte das Berliner Startup hubus eine neue Sichtweise etablieren: Ressource statt Müll.

    hubus ist dabei, ein Kompostmöbel zu entwickelt, mit dem Städter ihren Bioabfall in fruchtbare Erde verwandeln können. Der Komposter ist so konzipiert, dass er hübsch aussieht und in der Wohnung keinen Geruch verbreitet. Aber das ist nicht alles, was das Unternehmen im Sinn hat. Es möchte auch durch Workshops den Kreislauf-Gedanken verbreiten und den Austausch in der Stadt fördern.

    Kompost auch ohne Garten

    Mir persönlich tut es immer etwas weh, meine Küchenabfälle im Restmüll zu entsorgen (in Köln habe ich keine Biotonne). Geht es euch ähnlich? Dafür habe ich aber einen großen Balkon, der nach Blumenerde nur so schreit. Ein Komposter würde also viel Sinn ergeben, aber sowas hat man doch nur, wenn man einen Garten hat, oder?

    Genau diesen Umstand will hubus auflösen – mit dem ersten Kompostmöbel für Stadtbewohner. Im hubus wird der täglich anfallende Biomüll von Kompostwürmern zu Erde gemacht. Als Etagenkomposter kann hubus platzsparend in der Wohnung oder auf dem Balkon stehen. Das dekorative Möbel ist modular aufgebaut, sodass es auf die spezifische Abfallmenge des Haushalts angepasst werden kann.

    Warum ist Kompostieren sinnvoll?

    Mehr als 40 Prozent des Hausmülls bestehen in Deutschland aus Bioabfall. Das entspricht 4 bis 5 Millionen Tonnen Bioabfall pro Jahr, die durch den Mülltransport und die Verbrennung zu unnötigen Treibhausgas-Emissionen führen. Und: Indem wir diese Abfälle verbrennen, vernichten wir die einzige Ressource, die wir haben, um fruchtbaren Boden herzustellen.

    „Während wir unsere Ressourcen in die Müllverbrennung schicken, besteht gleichzeitig ein steigender Bedarf an Pflanzerde in den Städten – Stichwort Stadtgärtnern“, erklärt Julia Seidel vom hubus-Team. „Herkömmliche Erde ist torfhaltig und schadet damit den Mooren und dem Klima“, so die Biologin.

    Die Erde, die wir im Bau- oder Supermarkt kaufen, wird in den Mooren abgebaut. Im dortigen Torf sind fossile Kohlenstoffreserven gebunden, welche durch den Abbau in die Atmosphäre gelangen. Wer den Lebensraum Moor und das Klima schützen will, sollte also Humuserde statt torfhaltige Blumenerde nutzen – ein weiteres Argument für den eigenen Schnellkomposter.

    Stadtbewohner schaffen lokale Naturkreisläufe

    Die eigentliche Arbeit beim Kompostieren übernehmen Kompostwürmer im Inneren des Behälters. Diese genügsamen Tiere ernähren sich von organischen Abfälle, verdauen sie und scheiden wertvollen Wurmhumus aus. Der Prozess verläuft geruchlos. Nach 4 bis 6 Monaten kann die nährstoffreiche Erde zum Anbau gesunder Pflanzen geerntet werden. Im Starterkit des hubus sollen die Würmer direkt mitgeliefert werden.

    „In unseren Workshops vermitteln wir das einfache Konzept des Kompostierens und wollen es damit auch in die Stadtwohnungen bringen“, sagt Julia Seidel. Der Fokus des Startups liegt nicht ausschließlich auf dem Produkt hubus. „Jeder kann sich einen Kompostbehälter auch selber bauen. Uns ist es wichtig zu zeigen, wie leicht kleinräumige Stoffkreisläufe etabliert werden können und wie schön es ist zu sehen, was am Ende dabei entsteht.“

    Nicht jeder Städter ist ein Gärtner

    Wer weder Garten noch Balkon hat, der kann trotzdem vom Kompostieren profitieren. hubus hat sich zum Ziel gesetzt, eine Schnittstelle zum (torffreien) Gärtnern in der Stadt zu werden und baut derzeit ein Netzwerk von Stadtgärtnern auf, innerhalb dessen überschüssiger Wurmhumus weitergereicht werden kann. „Dabei empfehlen wir einen Austausch gegen Naturalien wie Ernteprodukte oder Jungpflanzen“, sagt Gründerin Anja Carsten.

    So freut sich der Stadtgärtner über besten organischen Dünger und der hubus-Nutzer erhält einen Mehrwert für sein Produkt. Der Community-Aspekt liegt dem Startup am Herzen, das Entdecken von Stadtgärten, der Austausch unter den Kiezbewohnern und der Naturbezug.

    Als nächstes plant hubus ein Gartenprojekt mit Kindern und Jugendlichen in einem kleinen Stadtgarten in Berlin-Friedrichshain. „Wir wollen zusammen einen Wurmkomposter bauen und etablieren“, erklärt Julia Seidel. „Die Kinder können dabei den Prozess des Kompostierens mitverfolgen und verstehen, was da genau passiert.“

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    Knödel im Glas – aus gerettetem Brot

    18. Januar 2017

    Leider werden allein in Deutschland jedes Jahr mehr als 500.000 Tonnen unverkauftes Brot weggeworfen. Im Schnitt produziert eine deutsche Bäckerei somit zwischen 10 und 20 Prozent der täglichen Brotmenge für die Tonne. Nicht mit uns, dachte sich das Startup Knödelkult.

    Knödelkult bietet Knödel im Glas – und verwendet dabei ausschließlich unverkauftes Brot aus regionalen Bäckereien. „Leider geht es heute oft so hektisch zu, dass vielen kaum die Zeit bleibt, um Knödel selbst zu machen. Im Supermarkt sind bisher nur Instantprodukte zu finden. Für uns Knödelfans eine geschmackliche Enttäuschung und auch alles andere als schnell zubereitet“, lassen die Macher von Knödelkult auf ihrer Internetseite verlauten.

    Frische Knödel statt Instantprodukte

    Die Knödel von Knödelkult sind frisch und wie von Mutti mit viel Liebe und saisonalen Zutaten gemacht. Sie enthalten keine künstlichen Zusatzstoffe und sind durchs Einwecken lange haltbar. Für viele sicher ein Pluspunkt: Sie sind blitzschnell zubereitet. Einfach in Scheiben schneiden und goldbraun anbraten oder direkt im Glas ins Wasserbad stellen. Dazu bietet die kleine Konstanzer Manufaktur vielfältige Rezepte für jeden Geschmack.

    Das Konzept kann sich sehen lassen und hat sein Fundingziel bei Startnext auch gleich um das Vierfache übertroffen! Die „Knödel-Gang“ besteht aus dem Thermodynamiker und Hobby-Koch Matze, dem Design-Zuständigen Ray, dem Strategen Felix und der Kommunikationsexpertin Janine. Die „Brototypen“ sind noch zu Hause entstanden. Für die offizielle Produktion teilen sie sich eine Küche mit einem befreundeten Restaurantbetreiber. Wegen des großen Zuspruchs sind sie aber auf der Suche nach eigenen Produktionsräumen.

    Wie läuft das mit dem geretteten Brot?

    Viele Bäckereien geben ihr unverkauftes Brot in Verbrennungsanlagen und bekommen noch eine kleine Entschädigung. Knödelkult muss dementsprechend nicht nur moralisch, sondern auch finanziell die attraktivere Verwertungsvariante für Bäckereinen sein. Das Team bekommt das Brot also nicht geschenkt, sondern kauft es den Bäckereien zu einem günstigen Preis ab. So kommt der Preis von 4,50 Euro pro Glas zustande.

    Die Knödel-Revolution

    Früher hat Oma leckere Knödel zum Sonntagsbraten gemacht – oft für eine ganze Großfamilie. Heute ist der Aufwand für ein bis zwei Portionen oft zu groß. Dadurch ist der Knödel als traditionelles Gericht eher unsexy geworden. Mit neuen Rezepten und einem frechen Auftreten möchte die Manufaktur Knödel ins 21. Jahrhundert katapultieren. Dann muss man sich nur noch zwischen dem knödelkultigen Klassiker „Reloaded“ mit Speck, Bergkäse und Zwiebeln und etwa „Fleischlos glücklich“ mit Karotten, Nüssen und Ingwer entscheiden…

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    Glutanada – Restaurant für Allergiker

    12. Dezember 2016

    Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen – Lebensmittelunverträglichkeiten und -allergien können eine ganz schöne Herausforderung für den Alltag sein. Manche vertragen Fruchtzucker schlecht, andere Laktose, Histamin oder Gluten. Für diese Menschen ist es auch immer schwierig, essen zu gehen. Denn welches Restaurant ist schon auf all diese Besonderheiten eingestellt?

    2014 verzichteten 23 Prozent der Deutschen auf bestimmte Nahrungsmittel, weil sie diese nach eigener Aussage nicht vertragen. Das war das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Ears and Eyes im Auftrag von Spiegel Online durchgeführt hat. Inzwischen gehen Experten davon aus, dass jeder 3. Bundesbürger an einer Unverträglichkeit leidet. Dazu zählt auch die 25-jährige Lara Ramm. Die Berlinerin möchte nun ein Restaurant speziell für Lebensmittelallergiker eröffnen.

    Alle gemeinsam an einem Tisch

    Um dieses Ziel zu erreichen, hat Lara Ramm zusammen mit ihrem Team eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Sollte diese erfolgreich enden, kann Glutanada – so wird das komplett glutenfreie Lokal heißen – im März 2017 seine Türen öffnen. Hier soll jeder essen können, ohne sich einschränken zu müssen oder sich den Kopf zu zerbrechen, was von der Speisekarte er noch am ehesten vertragen kann.

    „Egal ob man unter Lebensmittelallergien oder -intoleranzen leidet, man sich vegetarisch oder vegan ernährt, einfach gesund und abwechslungsreich essen möchte oder andere Ernährungseinstellungen verfolgt – bei uns findet jeder eine passende Mahlzeit“, sagt Lara Ramm. Bei Glutanada könne man fertige Gerichte auswählen oder sein bevorzugtes Essen durch ein Toppingsystem zusammenstellen und dabei jegliche Allergien, Intoleranzen, Wünsche und Bedürfnisse angeben.

    Gut vorbereitet durch die Uni Potsdam

    Ramm leidet seit Jahren an Lebensmittelallergien und -intoleranzen: „Für meinen Mann und mich ist es schwierig, gemeinsam ein Restaurant zu finden, da die meisten Lokale keine für mich verträglichen Speisen zubereiten können.“ Einige Freunde und Familienmitglieder seien mit dem gleichen Problem konfrontiert. Seit drei Jahren verfolgt die Masterabsolventin daher den Gedanken, ein Restaurant für diese Zielgruppe in Berlin und nach erfolgreicher Etablierung in weiteren Großstädten zu eröffnen.

    Das Rüstzeug dafür bringt die 25-Jährige mit: Ihren Master absolvierte sie an der Uni Potsdam in BWL mit dem Schwerpunkt Entrepreneurship und Innovationsmanagement. Bei der Entwicklung der Idee von Glutanada stand ihr der Gründungsservice „Potsdam Transfer“ der Uni Potsdam mit Seminaren und Beratern zur Seite. „Man stößt beim Gründen anfänglich ja immer wieder auf Probleme. Da bin ich von der Uni gut vorbereitet worden, entsprechende Lösungswege zu finden“, erklärt Ramm.

    Nachhaltigkeit ist Glutanada wichtig

    Upcycling und Nachhaltigkeit spielen eine große Rolle im Konzept von Glutanada. Regionale und möglichst naturbelassene Lebensmittel sowie Fleisch in Neuland-Qualität sollen auf Tellern aus Mais-Bambus-Fasern serviert werden. Tische und Stühle zimmert das Team aus Palettenholz und Untersetzer werden aus Plastiktüten gestrickt.

    „Wir verwenden Dinge, die auf den ersten Blick in die Mülltonne wandern würden. Beispielsweise zaubern wir aus einem Avocadokern ein sehr leckeres Dessert und Bananenschalen verarbeiten wir zu einem crunchigen Zusatz für Salate“, so Ramm.

    Schulmensen und Kindergärten beliefern

    Sollte Glutanada im März öffnen, kann man sich passend zum Frühling auf frische Gemüsepfannen mit Amaranth oder Quinoa freuen. Auch verschiedene Crêpe-Varianten in süß und herzhaft werden zur Auswahl stehen: zum Beispiel mit einer Schafskäse-Möhrencreme und Sojasprossen oder mit einer veganen Creme, Paprika und Basilikum.

    Nach erfolgreicher Gründung will das Team von Glutanada auch Schulmensen und Kindergärten in Berlin und Brandenburg mit leckerem und gesundem Essen beliefern. „Für viele Kindergärten und Mensen ist es nicht einfach, ohne Kontaminationsgefahr gesunde, allergikergerechte und auf die Intoleranzen eines jeden Kindes abgestimmte Mahlzeiten zu kochen“, stellt Lara Ramm fest. „Da wir bei Glutanada drei Küchen haben, wird dies für uns möglich sein.“

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    Taste of Heimat: Essen mitgestalten

    8. November 2016

    10 Milliarden Menschen werden im Jahr 2050 voraussichtlich auf der Erde leben. „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ lautet auch der neueste Dokumentarfilm von Regisseur Valentin Thurn („Taste the Waste“, 2011). Er stellt die Frage, inwieweit das bestehende Ernährungssystem dieser Zahl noch Stand hält. Während die Bevölkerung wächst, werden die Ressourcen immer knapper und viele Menschen glauben, daran nichts ändern zu können.

    Parallel zum Kinofilm gründete Valentin Thurn den Verein Taste of Heimat, welcher wiederum die gleichnamige Online-Plattform entwickelte. Sie informiert Verbraucher darüber, wie sie sich bestmöglich mit Lebensmitteln aus ihrer Umgebung versorgen können. Sie begreift sich als direktes Bindeglied zwischen regionalen Lebensmittelerzeugern und interessierten Konsumenten. Der Nutzer entdeckt auf der Seite Bauern, Einkaufskooperativen und Selbsternte-Gärten in seiner Umgebung.

    Theorie in die Praxis umsetzen

    Die Konsumenten werden mit einem Assistenten, dem sogenannten „Tasteomat“ gelenkt: Klicken sie auf „ich will selbst Hand anlegen“, werden sie zur Solidarischen Landwirtschaft oder den Selbsternte-Gärten geleitet. Wollen sie einfach Regionales kaufen, gelangen sie zum Hofladen oder Händler. Taste of Heimat ist ein niedrigschwelliges Angebot für Verbraucher, die sich ohne Vorkenntnisse über regionale Lebensmittel in der Umgebung informieren möchten.

    Mit seinem Erfolgsfilm „Taste the Waste“ konnte Valentin Thurn bereits zeigen, dass es möglich ist, eine theoretische, filmische Auseinandersetzung in die Praxis zu übertragen und so gesellschaftliche Veränderung zu bewirken: „Taste the Waste“ führte zu einer europaweiten Bewegung gegen Lebensmittelverschwendung, die letztendlich in der Gründung der Online-Plattform „Foodsharing“ mündete.

    Erster Ernährungsrat in Deutschland

    Der Verein Taste of Heimat möchte Akteure zusammenzubringen, die am selben Thema, aber oft nebeneinander und nicht miteinander arbeiten. Die Ernährungspolitik soll zurück in die Regionen und auf die kommunale Ebene gebracht werden. Zudem will Taste of Heimat aufklären, inwiefern unser Konsumverhalten eng mit den Problemen der Welternährung zusammenhängt.

    Im Frühjahr 2016 initiierte der Verein in Köln die Gründung des ersten Ernährungsrats in Deutschland. In Zusammenarbeit mit der kommunalen Verwaltung erarbeitet das 30-köpfige Gremium eine Ernährungsstrategie für die Millionenstadt. Zu den Mitgliedern gehören Landwirte, Gastronomen, Lebensmittelhersteller, Vertreter von Initiativen und engagierte Bürger, aber auch zehn Vertreter aus Politik und Verwaltung.

    Nachhaltigkeit: keine Frage des Geldes

    Mehr Menschen sollen einen Zugang zu regional und nachhaltig produzierten Lebensmitteln erhalten. „Dies darf keine Frage des Geldes sein, sondern des Wissens und der Bezugsmöglichkeiten“, erklärt Taste of Heimat-Vorstand Katharina Schwartz. Deshalb fördere der Ernährungsrat unter anderem Bildungsangebote und Direktvermarktungs-Initiativen. „Die Zusammenhänge zwischen unserem Kaufverhalten und den Produktionsbedingungen von Lebensmitteln müssen allen klar sein. Denn wir beeinflussen mit unserer Kaufentscheidung, ob die wenigen noch verbliebenen kleinbäuerlichen Betriebe in einigen Jahren noch existieren oder nicht.“

    Für Ernährungsratsmitglied Peter Zens, Landwirt auf dem Erlebnisbauernhof Gertrudenhof in Hürth, ist das Thema Ernährungsbildung zentral: „Ich möchte mit meinem Engagement dafür sorgen, dass sich etwas in den Kindergärten und Schulen tut. Unsere Kinder sollen durch aktives Mittun wieder einen Bezug zu Lebensmitteln und zum Thema Ernährung bekommen.“

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    Der Retter des Grünkohls

    25. Oktober 2016

    „Im Schatten der ‚Ostfriesischen Palme‘ können wir zwar nicht unter südlicher Sonne lustwandeln, aber dafür erfreut uns ihr Grün den ganzen Winter hindurch.“

    So beschreibt Reinhard Lühring seine Grünkohlsorte auf der Internetseite dreschflegel-saatgut.de. In Ostfriesland hat Lühring über 200 alte Gemüsesorten entdeckt und vor dem Aussterben bewahrt.

    Eine davon ist die Ostfriesische Palme. Diese bis 1,80 Meter hochwachsende und hochgelobte Grünkohlsorte, die im norddeutschen Raum vor Jahren noch eine große Bedeutung für die Ernährung hatte, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Ihre alte ostfriesische Bezeichnung lautet „Strunkkohl“. Die frostharte Pflanze ist Reinhard Lühring zufolge im Handel und selbst in Genbanken nicht mehr aufzutreiben.

    Aussterbendes Wissen

    Das Schicksal der Ostfriesischen Palme teilen auch viele andere alte Gemüsesorten. Meist sind es ältere, traditionell arbeitende Gärtner, die diese noch anbauen. Das Saatgut wird von Generation zu Generation weitergegeben. Oft stirbt das Wissen um das alte Kulturgut aber auch mit den Menschen aus. Als gelernter Landwirt hat sich Reinhard Lühring daher auf die Erhaltung und Vermehrung vor allem alter Grünkohlsorten spezialisiert.

    Über 30 Grünkohlsorten stehen in seinem Garten. „Sie unterscheiden sich im Wuchs, in der Blattkräuselung, der Farbe und natürlich im Geschmack – je krauser das Blatt, umso kohliger der Geschmack“, erklärt Lühring. Er ist davon überzeugt, dass es gute Gründe dafür gibt, dass es die alten Sorten über Generationen hinweg gab: „Sie hatten sich bewährt, denn sie schmeckten, waren ertragreich und gut anzubauen“, so der Landwirt.

    Vielfalt erhalten

    Dann hätten große Konzerne neues Saatgut auf den Markt gebracht und gesagt, das Neue sei besser als das Alte. „Aber da bin ich anderer Meinung“, so Lühring. „Meiner Erfahrung nach sind die neuen Sorten nicht ertragreicher als die alten. Und besser schmecken tun sie auch nicht.“ Wichtig ist Lühring vor allem, dass die Vielfalt erhalten bleibt. Geschmacklich sei Grünkohl nämlich viel abwechslungsreicher als manch einer denke.

    Über den Verein Dreschflegel kann man biologisch gezüchtetes Saatgut von vernachlässigten alten Sorten oder ungewöhnlichen neuen Formen bestellen und zum Beispiel für den eigenen Garten nutzen. Auch die Ostfriesische Palme und andere Grünkohlsorten von Reinhard Lühring sind hier zu finden. So können selbst Hobbygärtner etwas dafür tun, dass die Sorten nicht aussterben und die Vielfalt erhalten bleibt.

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    Concrete Jungle

    11. Oktober 2016

    Eine Apfelweinpresse und sehr viele Äpfel waren die Inspiration für Concrete Jungle – eine gemeinnützige Organisation, die Bedürftige in Atlanta, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Georgia, mit frischem Obst und Gemüse versorgt.

    In den USA haben viele Menschen keinen Zugang zu frischen Lebensmitteln. Gerade in ärmeren Vierteln der großen Städte haben sich sogenannte Food Deserts – „Lebensmittel-Wüsten“ – gebildet. Gleichzeitig wird in keinem Land der Welt mehr Essen verschwendet. Das Projekt Concrete Jungle ist eine kreative Antwort auf beide Probleme.

    Alles begann mit einer Cider-Party

    Vor ein paar Jahren, nachdem Craig Durkin, Aubrey Daniels und ihre Freunde eine Apfelweinpresse erhielten, beschlossen sie, Äpfel in der näheren Umgebung zu pflücken und eine Cider-Party zu schmeißen. Jedes Jahr wurde die Party größer, genauso wie die Menge an Früchten, die sie pflückten.

    Irgendwann erkannten die Freunde, dass es sehr viele öffentliche Obstbäume in der Stadt gibt, die niemand erntet. Sie überlegten sich, dass sie etwas Sinnvolles damit anstellen sollten. So kam die Idee auf, das Obst an Bedürftige zu spenden. Concrete Jungle wurde geboren mit der Mission, Obdachlosen-Unterkünfte und Tafeln mit Früchten aus der Region zu versorgen.

    Spendenmenge verdreifacht

    Atlanta ist eine grüne Stadt mit einer hohen Baumdichte. Es gibt Hunderte von Obst- und Nussbäumen in Gärten, am Straßenrand und in öffentlichen Parks, die von Concrete Jungle geerntet werden. Um die meisten Bäume kümmert sich niemand. Ihre Früchte verfaulen oder werden von wilden Tieren gefressen, während nur wenige Kilometer entfernt Arme und Heimatlose vergeblich versuchen, an frische Lebensmittel zu kommen.

    Inzwischen ist die Organisation, die auf dem Engagement von Freiwilligen basiert, auch außerhalb von Georgia im Einsatz. „Damit konnten wir unsere durchschnittliche jährliche Spende in diesem Jahr verdreifachen“, freut sich Geschäftsführerin Katherine Kennedy.

    Neues Baum-Patenprogramm

    Ein weiterer wichtiger Schritt für den Verein ist das neue Baum-Patenprogramm. „Hierbei können Freiwillige einen Baum adoptieren und Concrete Jungle zum Reifegrad der Früchte des Baums auf dem Laufenden halten“, erklärt Kennedy. 2.800 Obstbäume wurden in der Stadt kartiert – viel zu viele, um den Reifegrad der verschiedenen Früchte mit nur einer Teilzeitkraft zu überprüfen.

    Obst ist aber nicht das einzige Erzeugnis, womit Concrete Jungle die ärmere Bevölkerung unterstützt. Der Verein erhielt eine Landspende, welche er nun nutzt, um Gemüse anzubauen. Ehrenamtliche helfen beim Anbau sowie bei der Ernte. Auch das Gemüse kommt denen zugute, die es sich nicht leisten könnten.

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    So wirst du zum Alltagsheld

    27. September 2016

    Lange Zeit hat es mich gestört, dass ich beim Einkaufen das Obst und Gemüse in diese dünnen Plastiktütchen tun musste, die man danach in der Regel wegschmeißt. Selbst auf dem Wochenmarkt bekommt man die Ware oft in einer Kunststofftüte. Im besten Fall gibt es Papiertüten, aber auch diese landen unmittelbar nach dem Einkauf im Müll...

    Einwegplastiktüten werden durchschnittlich nur 25 Minuten verwendet. Es dauert aber bis zu 400 Jahre, bis sie zersetzt sind, sollten sie in der Umwelt landen. Ich habe daraufhin angefangen, das ganze Obst und Gemüse einzeln in den Einkaufswagen zu legen, um es danach einzeln aufs Kassenband zu befördern und schließlich in meinen Taschen zu verstauen.

    Ihr könnt es euch denken: Das Verfahren war umständlich. Wenn nicht mehr genug Platz im Jutebeutel war, musste ich den Brokkoli oder die Bananen in meinen Rucksack packen, wo sie so ganz ohne Umhüllung schon mal ihre Spuren hinterließen. Beim Einkaufen von 20 losen Champignons war meine Geduld am Ende. Vor einiger Zeit habe ich aber eine super praktische Lösung gefunden, die sich auch zu verbreiten scheint.

    Einkaufen mit waschbaren Beuteln

    Die Idee von waschbaren Beuteln oder Netzen ist so naheliegend, dass man sich fragt, warum sie sich in unserer modernen Gesellschaft nicht schon längst durchgesetzt hat. Die Beutel könnt ihr inzwischen von verschiedenen Herstellern online bestellen oder direkt im Supermarkt oder in nachhaltigen Geschäften kaufen. Ich habe meine grünen Netze von again & a-gain im Biosupermarkt kaufen können und nutze sie seitdem nur noch.

    Die Vorteile liegen auf der Hand: Ihr tragt zumindest beim Einkaufen von losem Obst und Gemüse nicht mehr zur Abfallflut bei. Die Netze sind leicht und dünn, sodass ihr sie bequem immer dabei haben könnt. Wenn ihr zum Beispiel immer die gleiche Tasche zur Arbeit oder zum Einkaufen nehmt, sollten die Beutel einen festen Platz darin haben. Denn der Clou ist: Man muss sich selbst erst einmal antrainieren, die Dinger auch wirklich zu benutzen.

    Treue Begleiter

    Wenn ihr das geschafft habt, seid ihr schon kleine Alltagshelden. Und ihr werdet merken, dass ihr nicht mehr ohne einkaufen wollt. Es macht nämlich einfach Spaß, keinen Müll zu produzieren und ich ärgere mich schwarz, wenn ich die Netze einmal nicht dabei habe.

    Im Gegensatz zu Papier- und Plastiktüten könnt ihr die waschbaren Begleiter jahrelang benutzen. Sie sind außerdem so leicht, dass sie beim Abwiegen kaum Mehrgewicht erzeugen. Tipp: Wird an der Kasse gewogen, muss der Kassierer wissen, was sich im Beutel befindet. Daher empfehle ich transparente Netze und Beutel.

    Mehrweg kann so einfach sein

    Neben den „take5nets“ von again & a-gain gibt es auch die „Naturtasche“ aus Bio-Baumwolle. Ihr GOTS-Zertifikat garantiert, dass die Tasche ökologisch und fair produziert wird. Die „Produce Stand“-Beutel von ChicoBag sind aus recyceltem PET und Hanffasern. Es gibt sie in verschiedenen Größen und Ausführungen für verschiedene Lebensmittel. Eine weitere umweltfreundliche Alternative zur Plastiktüte ist „Der Fregie“.

    Die „Fregies“ sind von einem unabhängigen Institut auf Lebensmittelechtheit überprüft und werden – wie die „Naturtasche“ – ausschließlich in Deutschland produziert. Die Prüfung auf Lebensmittelechtheit untersucht, ob gesundheitsschädliche Stoffe von der Verpackung in die Lebensmittel eindringen können. Dazu werden alle Rohmaterialien Tests unterzogen.

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    Die Gemüse-Ackerdemie

    13. September 2016

    Nur wenige Kinder und Jugendliche in Deutschland wissen, wo ihre Lebensmittel wirklich herkommen. Noch weniger haben schon einmal selbst Gemüse angebaut. Denn auch ihre Eltern verlieren zunehmend den Zugang zur natürlichen Lebensmittelproduktion. Schockierend ist, dass dafür Übergewicht, Diabetes und Mangelernährung bei Kindern kontinuierlich zunehmen.

    Durch die Beschleunigung unseres gesellschaftlichen Lebens und veränderte Prioritäten im Bildungssystem scheint es immer weniger Raum für naturnahe Bildungsangebote zu geben. Als Konsequenz daraus sinkt die Wertschätzung für Lebensmittel und gesunde Ernährung. Um dem entgegenzuwirken hat der Verein Ackerdemia die Gemüse-Ackerdemie ins Leben gerufen:

    „Wir bringen das über Jahrhunderte bewährte Konzept des Schulgartens ins 21. Jahrhundert und passen es an die heutigen Ansprüche von Schulen, Kitas, Lehrern, Erziehern, Kindern und Jugendlichen an“, erklärt Christoph Schmitz, Gründer der Gemüse-Ackerdemie.

    So funktioniert die Gemüse-Ackerdemie

    Die Gemüse-Ackerdemie wird individuell in das bestehende Bildungskonzept der teilnehmenden Einrichtungen integriert. Für die Durchführung des Programms stellt Ackerdemia alles Notwendige zur Verfügung: Einrichtung von Ackerflächen, Bestellung von Saat- und Pflanzgut, wöchentliche Fachinformationen, Fortbildungen sowie koordinative Leistungen, die einen reibungslosen Ablauf garantieren.

    Lehrer und Erzieher erhalten außerdem ein umfangreiches Curriculum, das sich an der UNESCO-Bildungsoffensive „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ orientiert und das Acker-Jahr (Februar bis Januar) anhand von 20 Bildungsbausteinen begleitet.

    Einblick in die Produktionskette

    Die Bearbeitung der Ackerflächen erfolgt durch die Kinder und Jugendlichen. Aufgeteilt in kleine Acker-Teams und jeweils begleitet von einem ehrenamtlichen Mentor (Student, Elternteil, Rentner) sind die Kids für ihren eigenen Teil des Ackers verantwortlich. Sie bauen unter fachlicher und pädagogischer Anleitung während des Acker-Jahres eigenständig mehr als 25 Gemüsearten an und gewinnen so ein grundlegendes Verständnis für die Erzeugung von Lebensmitteln.

    Das geerntete Gemüse dürfen die jungen Teilnehmer selbst verwerten oder zum Beispiel in Form von Biokisten an Eltern und Lehrer „vermarkten“. Dadurch erhalten sie erste Einblicke in marktwirtschaftliche Prozesse und bekommen die vollständige Produktionskette des Gemüseanbaus vermittelt.

    Mehr als 1.600 Kinder „ackern“ schon

    Angefangen hat alles mit einem einzigen Lernort und 30 teilnehmenden Kindern. Im Pilotjahr 2014 waren es schon sechs Einrichtungen und 120 Kinder. „Inzwischen setzen wir die Gemüse-Ackerdemie an mehr als 50 verschiedenen Standorten in acht Bundesländern sowie Österreich um und erreichen über 1.600 Kinder und Jugendliche“, so Christoph Schmitz.

    Das ganzjährige Programm richtet sich an sämtliche Bildungseinrichtungen im Kinder- und Jugendbereich. Schwerpunktgegenden sind derzeit Berlin/Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, aber auch in anderen Bundesländern entscheiden sich mehr und mehr Schulen und Kitas, die Gemüse-Ackerdemie in ihr Bildungsprogramm zu integrieren.

    „Langfristig möchten wir die Gemüse-Ackerdemie an jeder interessierten Einrichtung deutschlandweit anbieten können und somit möglichst viele Kinder und Jugendliche unterschiedlicher sozialer Herkunft erreichen“, sagt Schmitz. „Unser Ziel ist es, eine Generation junger Konsumenten auszubilden, die sich durch ein grundlegendes Verständnis der natürlichen Prozesse und ein bewusstes Konsumverhalten auszeichnet.“

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    Snack aus gerettetem Obst

    22. August 2016

    Jede Frucht ist schön – findet eine Berliner Manufaktur, die aus gerettetem Obst gesunde Snacks herstellt. Die Idee ist simpel und absolut sinnvoll. Denn warum sollte man Essbares wegwerfen, nur weil es nicht mehr dem Schönheitsideal entspricht?

    Die Früchte, die das Dörrwerk rettet, würden es mit ihren Druckstellen oder ihrer krummen Form nicht mehr in den Handel schaffen. Sie würden mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Tonne landen. Allein in Deutschland wandern jährlich über 15 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll – davon ist die Hälfte Obst und Gemüse.

    Der Arzt Zubin Farahani und der Betriebswirt Jonas Bieber suchten nach einer ökologischen und wirtschaftlich tragbaren Lösung für das Problem – und gründeten die Dörrwerk GmbH. Zunächst als Zwei-Mann-Betrieb in einem Kreuzberger Souterrain konzipiert, haben die Jungunternehmer das Startup innerhalb eines Jahres zu einem lebensmittelproduzierenden Unternehmen gemacht, das jährlich über 200 Tonnen gerettetes Obst verarbeiten kann.

    Hauchdünnes Fruchtpapier

    Seit Herbst 2014 kaufen Farahani und Bieber Obst mit kleinen Macken direkt bei regionalen Landwirten und Großhändlern zu fairen Preisen auf und verarbeiten es. Dazu werden die Früchte püriert, erhitzt und dann mit warmer Luft zwölf Stunden lang im Dörrofen getrocknet. Die hauchdünnen, knusprigen Blätter mit dem schönen Namen „Fruchtpapier“ bestehen zu 100 Prozent aus Obst und sind somit frei von Zusatzstoffen.

    Den Snack für zwischendurch verkaufen die Unternehmer in den Geschmacksrichtungen Erdbeere, Mango und Ananas. Dabei bilden Äpfel stets die Basis, während die exotische Frucht das Aroma liefert. Das Produkt wird inzwischen deutschlandweit in Feinkostläden, im Manufactum Warenhaus sowie im eigenen Online-Shop verkauft.

    Neue Snack-Kreationen

    Seit Juni 2016 erweitert Philipp Prechtner das Team des Dörrwerks. Der Betriebswirt mit IT-Know-how ist zuständig für Vertrieb und Geschäftsentwicklung. Nun knabbern die drei Unternehmer gemeinsam an ihren Produkten und entwickeln fieberhaft neue Snack-Kreationen im herzhaften Bereich.

    Noch in diesem Jahr will die Firma nämlich auch Gemüse-Chips auf den Markt bringen. Die haben es laut Farahani, Bieber und Prechtner in sich: Nicht an Kalorien, dafür aber an Geschmack und Nachhaltigkeit.

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    Take-away für Reste

    5. August 2016

    Seit diesem Jahr sind sie in Frankreich Pflicht: die sogenannten Doggy Bags. Der Begriff stammt aus den USA und hatte ursprünglich die Bedeutung, dass Essensreste im Restaurant für den Hund eingepackt wurden. Kein Wunder, dass sich die Haute Cuisine, die gehobene französische Küche, mit dem Konzept schwertut.

    Was in vielen Ländern eine Selbstverständlichkeit ist, galt in Frankreich lange Zeit als Fauxpas: Ist die Mahlzeit zu groß, lässt man sich die Reste eben einpacken. Doch ein neues Gesetz schreibt französischen Restaurants nun vor, Doggy Bags auf Lager zu haben, wenn sie mehr als 150 Essen pro Tag servieren. Denn allein in der Gastronomie werden jedes Jahr eine Million Tonnen Lebensmittel weggeworfen.

    Le Gourmet Bag

    Die französische Regierung möchte gegen die Verschwendung angehen: Bis 2025 soll nur noch halb so viel weggeschmissen werden. Allez la France! Helfen soll dabei unter anderem das Doggy-Bag-Gesetz. Und das Problem mit dem Begriff? Hierfür fanden Gastronomen eine elegante Lösung: Sie tauften die „Hundetüte“ kurzerhand um in „Gourmet Bag“.

    Bis das Konzept im Land der Gourmets richtig akzeptiert ist, wird es wohl noch etwas dauern – laut einer Umfrage der Regierung haben 70 Prozent der Franzosen noch nie Reste mit nach Hause genommen. Allerdings wird die Idee der Doggy Bags von 75 Prozent der Befragten befürwortet.

    Wir Deutschen haben da grundsätzlich etwas weniger Hemmungen, die Überbleibsel unseres Schnitzels oder der Gemüsepfanne zum späteren Verzehr mitzunehmen. Trotzdem: Auch bei uns muss die Gastronomie pro Gast rund 23,6 Kilogramm Lebensmittel im Jahr wegwerfen.

    Zu gut für die Tonne

    Anders als in Frankreich setzt die Bundesregierung auf Freiwilligkeit und hat die Initiative „Zu gut für die Tonne“ ins Leben gerufen. Im Rahmen der Aktion „Restlos genießen“ wurden bundesweit 17.600 kompostierbare „Beste-Reste-Boxen“ an Restaurants verteilt. Sie können auch online bestellt werden und sollen die Gastronomie animieren, ihren Gästen das Einpacken von Resten aktiv anzubieten.

    Außerdem gibt es die „Zu gut für die Tonne“-App mit derzeit rund 350 Rezepten von Sterneköchen und prominenten Kochpaten wie Sarah Wiener, Johann Lafer und Daniel Brühl. Sie zeigen, wie man aus übriggebliebenen Lebensmitteln leckere Restegerichte zubereitet. Die App gibt auch Tipps zum Einkauf, zur richtigen Aufbewahrung und Verwertung von Lebensmitteln.

    App: Too Good To Go

    Einen anderen Ansatz verfolgt das Startup Too Good To Go, das ebenfalls eine App entwickelte: Restaurants können damit ihre Speisen kurz vor Ladenschluss günstig an Selbstabholer verkaufen. Kunden zahlen über die App oder die Internetplattform, bekommen eine Bestätigung und holen sich das Essen dann direkt beim Betrieb ab. Dort erhalten sie eine biologisch abbaubare oder wiederverwendbare Box, die entweder bereits befüllt ist oder individuell zusammengestellt werden kann.

    Die Idee dieses „Take-Away-Services“ für frische Lebensmittel, die ansonsten im Müll landen würden, startete Ende 2015 in Dänemark. Mittlerweile gibt es Teams in vielen Ländern. Die angebotenen Speisen haben einen Preis ab 2 Euro pro Portion, wovon ein Euro an das Startup geht, das sich um die digitale Infrastruktur und den Kundenservice kümmert. Ein Gewinn für alle Seiten, einschließlich der Umwelt: Für die Produktion der Lebensmittel sind schließlich Ressourcen und Transportwege angefallen.

    In Dänemark kooperieren bereits über 300 Betriebe mit dem Jungunternehmen. Auch in Deutschland wächst die Zahl, wie man auf Facebook lesen kann: „Tag für Tag machen mehr Restaurants bei Too Good To Go mit und wir kommen unserem Ziel, dass all die leckeren Lebensmittel NICHT mehr in der Mülltonne landen, Stück für Stück näher.“ Übrigens: Wer noch kein kooperierendes Restaurant in seiner Nachbarschaft hat, kann dem Startup per Website-Formular Betriebe vorschlagen, die teilnehmen sollten.

    
        
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    „Geht nicht, gibt’s nicht“

    16. Juli 2016

    Verpackungsfrei einzukaufen ist in normalen Supermärkten so gut wie unmöglich. Doch nun gibt es einen Edeka-Markt, der es möglich macht: Hieber's Frische Center hat ein Mehrwegsystem für Käse- und Wursttheken eingeführt – mit Frischhaltedosen, die Kunden selbst mitbringen dürfen.

    Ab sofort kann man in allen Hieber-Märkten mit der eigenen Frischhaltedose an die Theke gehen und sich seinen Aufschnitt dort hineingeben lassen. Was so einfach klingt, war gar nicht so leicht umzusetzen. Denn die Hygienevorschriften in Deutschland sind streng: Hinter der Glasscheibe der Theke beginnt der Hygienebereich – dort darf eigentlich nichts hingelangen, was der Kunde mitgebracht hat. Deswegen musste man bisher Käse und Wurst in Plastik verpackt kaufen, das am Ende im Müll landete.

    Der Versuch: Hygieneschleuse

    Doch Dieter Hieber, der in Baden-Württemberg zwölf Edeka-Filialen betreibt, wollte dieses Spiel nicht länger mitspielen. „Nachdem ich einen Bericht über den verpackungsfreien Laden Original Unverpackt in Berlin gesehen hatte, dachte ich mir: Das ist ein toller Ansatz. Den sollten wir auch verfolgen.“ Gespräche mit dem Landratsamt folgten und kurze Zeit später führte Hieber versuchsweise eine Hygieneschleuse ein, welche die vom Kunden mitgebrachten Behälter durch UV-Licht keimfrei machte.

    Doch die Lösung war nicht optimal: Der Vorgang dauerte zu lange und das UV-Licht war ein Stromfresser. Erfreulicherweise zeigte sich das Landratsamt einsichtig und jetzt geht es auch ohne Schleuse. Da die Dosen im Einkaufskorb oder in der Einkaufstasche verunreinigt werden können, dürfen die Mitarbeiter sie nicht direkt auf die Waage oder ein Brett im Thekenbereich stellen. Aber mit Hilfe eines Tabletts funktionier das Ganze.

    Die Tablett-Lösung

    Der Kunde legt also seine Dose mit offenem Deckel auf ein vom Mitarbeiter gereichtes Tablett. Der Mitarbeiter stellt dieses auf die Waage, tariert sie auf null und legt die gewünschte Ware in den Behälter. Er schließt die Dose, bringt das Preisschild an und gibt sie dem Kunden zurück. Anschließend reinigt sich der Mitarbeiter die Hände und kann weiter bedienen.

    „Geht nicht, gibt’s nicht“, lautet Hiebers Devise. Nun seien alle zufrieden. Nach der erfolgreichen Einführung des Mehrwegsystems in der Filiale in Bad Krozingen, wurden alle Hieber-Märkte entsprechend geschult und ausgestattet. Aber das soll noch nicht alles sein. „Als nächstes wollen wir waschbare Netze für Obst und Gemüse anbieten. Wir denken über nachhaltige, plastikfreie Einweglösungen und wenn möglich Mehrweglösungen für alle Supermarktabteilungen nach“, so Dieter Hieber.

    So bleibt Frisches länger frisch

    Wichtig ist Hieber auch die Kommunikation mit dem Kunden und das Sensibilisieren für weniger Verpackungsmüll. „Wir geben außerdem Informationen darüber, wie man verschiedene Waren am besten transportiert und Zuhause richtig lagert“, sagt Dieter Hieber. Denn die Art und Weise der Lagerung sei ausschlaggebend dafür, wie lange Lebensmittel frisch bleiben.

    
        
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    Street Food – die etwas andere Kantine

    29. Juni 2016

    Was in Asien ganz normal ist, wurde in den USA hip und erhielt schließlich auch in Deutschland Einzug: Street Food bietet kulinarische Vielfalt auf Rädern. Ob kubanisch, koreanisch, nigerianisch oder mongolisch. Ob Burger, Burrito, Falafel oder Crêpes. Street Food bedeutet Multikulti, frische Lebensmittel, oft bio und in veganen Varianten.

    Ausgegeben wird das Street Food von mobilen Food Trucks. Man könnte sie auch Imbisswagen nennen, aber das spiegelt den hippen, internationalen und gesunden Lifestyle nicht wider. Die meisten Trucks sind aufwendig umgebaut, bunt bemalt und küchentechnisch auf dem neuesten Stand. Was zählt sind Individualität und Qualität, genau wie bei den Gerichten selbst.

    Wie auf einer Weltreise

    In Berlin hat der Street-Food-Trend bereits mehrere Märkte hervorgebracht, wo neue Köche oder auch etablierte Restaurants ihre Gerichte „to go“ anbieten. Beliebt ist außerdem der „Streetfood Thursday“ in der Markthalle Neun in Kreuzberg, der jeden Donnerstag massenhaft Besucher anzieht. Kein Wunder: Die Auswahl ist wie auf einer Weltreise.

    Aber auch andere Städte sind auf den Zug aufgesprungen und bieten regelmäßige Märkte an. Sie heißen etwa „Street Food Session“ (Hamburg) oder „Hall of Taste“ (München). Daneben gibt es das Street Food Festival, das durch verschiedene Städte tourt und in Köln zum Beispiel einmal im Monat zu Gast ist.

    Bunte Burger – statt Kantine

    Manche mobile Küchen laufen so gut, dass sie sich irgendwann mit einem festen Restaurant sesshaft machen. So wie Bunte Burger in Köln. „Mit unserem Food Truck wollten wir erst mal den Markt testen“, erklärt Gründer und Geschäftsführer Ulrich Glemnitz. Schnell wurde klar, dass sie mit ihren veganen Bio-Burgern mit Gemüse und Bratlingen aus Seitan oder Pilzen einen Nerv trafen. Kurze Zeit später eröffneten Sie ihre „Food Bar“, das erste vegane Burger-Restaurant Deutschlands.

    Der Food Truck blieb aber weiter Bestandteil des Geschäftsmodells: An drei Standorten bietet Bunte Burger derzeit einen regelmäßigen Mittagsstand an. Darunter befinden sich zwei Firmen, die keine Kantine haben und so gelegen sind, dass es für die Mitarbeiter kaum Möglichkeiten gibt, gesundes Mittagessen zu bekommen. „Das war von Anfang an die Idee: Wir stellen uns dort hin, wo es sonst nur Bäcker oder Dönerläden gibt“, sagt Glemnitz.

    Schnelles Essen, aber bitte gesund

    Damit zeigen die Street-Food-Anbieter, dass schnelles Essen auch gesund sein kann – zubereitet aus frischen, regionalen Lebensmitteln. „Die Menschen werden bewusster und achten mehr darauf, wo ihr Essen herkommt“, meint Ulrich Glemnitz. Auch wenn dieser Trend die breite Masse noch nicht erreicht hat: Viele Deutsche greifen noch immer gern auf McDonald‘s und Co. zurück.

    Dass die Fast-Food-Riesen mit erheblichen Umsatzeinbrüchen zu kämpfen haben, zeigt aber, dass Glemnitz nicht falsch liegt. Die Öko-Strategie von McDonald’s, die mit einem grünen Anstrich auch die bewusst-lebenden Menschen erreichen soll, scheint nicht aufzugehen. Zu viele durchschauen die Schönfärberei. Und: Echte Alternativen sind längst da.

    
        
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    Fair gekocht – eine Woche geht immer

    4. Juni 2016

    Eine Woche Erholung für die Umwelt, das verspricht das Kochbuch Fairfood von der Bloggergemeinde wir-essen-gesund.de. Denn wer dem einwöchigen Essensplan folgt, spart CO2, Wasser und Ackerfläche. Klingt interessant...

    Vor drei Jahren begannen Daniel und Tobias Beuschel sowie Daniel Strußenberg über gesunde Ernährung, Bewegung und Umweltschutz zu bloggen. Mit dem Kochbuch gehen sie jetzt noch einen Schritt weiter. Fairfood soll ein Bauplan sein, mit Hilfe dessen man die vielen bereits bestehenden Bausteine zusammenfügen kann. Oder um es mit ihren eigenen Worten zu sagen:

    „Zahlreiche Studien und unsere eigene Erfahrung durch unseren Blog beweisen, dass viele Menschen nur zu gerne ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten möchten. Dabei wären sie bereit bei ihrer Ernährung auf ihren individuellen ökologischen Fußabdruck zu achten. Allein aber das Wissen um die praktische Umsetzbarkeit fehlt.“

    Kochen ohne Reste

    Die Rezepte, die man in der Anleitung findet, sind einfach und schnell gekocht. Sie eignen sich für Zuhause und für den Arbeitsplatz. Wichtig ist den Machern, dass man den einwöchigen Ernährungsplan, der für jeden Tag der Woche Frühstück, Mittag und Abendbrot festlegt, wirklich einmal konsequent durchführt. Denn die Zutaten für die einzelnen Mahlzeiten sind so aufeinander aufgebaut, dass keine Reste im Müll landen. Zusätzlich gibt es eine Einkaufsliste für die ganze Woche, sodass unnötige Einkaufswege vermieden werden.

    Warum „fair“?

    Anders als früher würden die meisten Menschen den Weg vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt nicht mehr mitverfolgen können, heißt es im Fairfood-Kochbuch. So würden wir zwangsläufig die Kenntnis über die Entstehungsprozesse unsere Lebensmittel verlieren. Für die Blogger heißt „fair“ vor allem, dass die verwendeten Produkte regional, frisch und pflanzlich sind. Der Plan bietet aber neben Rezepten, die diese drei Kriterien erfüllen, auch viele interessante Hintergrundinfos.

    So könnten beispielsweise 1,7 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid gespart werden, wenn jeder Deutsche sich nur eine einzige Woche fair ernähren würde. Das entspricht der CO2-Menge, die ein Auto ausstößt, wenn es 350.000 Mal um die Erde fährt! Und wir bräuchten etwa 1,6 Milliarden Quadratmeter Ackerfläche weniger, was der Fläche von Berlin und Hamburg zusammen entspricht.

    Kostenloser Download

    Ziel ist es also, das Kochbuch und die dahinter stehende Idee so gut es geht zu verbreiten, damit der positive Impact auf die Umwelt möglichst groß ist. Dafür haben sich die Blogger ein Konzept überlegt. Jeder kann Fairfood kostenlos auf ihrer Website herunterladen. Das PDF ist darüber hinaus interaktiv gestaltet: Einzelne Rezepte, Grafiken und Tabellen lassen sich aus dem Dokument heraus auf Facebook teilen oder per Mail verschicken.

    Wenn alle Menschen, die den Plan bisher heruntergeladen haben, ihn auch befolgt und jedes Gericht nachgekocht haben, wurden mit Fairfood bereits über 150 Tonnen CO2, rund 150.000 Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche und an die 900.000 Hektoliter Wasser gespart. Das rechnet mir zumindest die Fairfood-Internetseite aus, Stand Anfang Juni. Wenn das mal nicht motiviert, oder? Eine Woche geht doch immer.

    
        
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    Urban Farming – im Kreislauf gedacht

    17. Mai 2016

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    So frisch wie aus Omas Schrebergarten: Die ECF Farm produziert Fisch und Gemüse in Berlin-Schöneberg. Näher am Verbraucher geht es kaum.

    Landwirtschaft mitten in der Stadt? Im Kleinen ist uns das Modell als Urban Gardening schon bekannt. Doch da geht es mehr um das städtisches Gärtnern, die Begrünung von Brachflächen und Bepflanzung von noch so kleinen Beeten am Straßenrand. In den Gemeinschaftsgärten wird natürlich auch Gemüse angebaut und meist für den Eigenbedarf geerntet.

    Das Konzept des Urban Farming geht jedoch weiter. In vielen Ländern leben bereits mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Um diese mit frischen Lebensmitteln zu versorgen ohne lange Transportwege und Kühlketten in Kauf nehmen zu müssen, haben sich einige Startups gedacht: Produzieren wir doch Gemüse und Fisch im großen Stil direkt in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zum Verbraucher.

    Frisch aus der Hauptstadt

    Beispiele dieser sogenannten Aquaponik-Farms sind Green Acre Aquaponics in den USA und hierzulande das Jungunternehmen ECF in Berlin. Das ECF-Team kombiniert die Zucht von Buntbarschen mit Gemüseanbau aus einem einfachen Grund: Das nährstoffreiche Wasser aus der Fischzucht eignet sich hervorragend als umweltfreundlicher Dünger für die Gewächshäuser. „Wir sehen in dieser Art von Farmsystem in der Stadt viel Potenzial“, sagt ECF-Geschäftsführer Nicolas Leschke. „Es spart Wasser, CO2 und Transportwege. Die Lebensmittel werden nachhaltig produziert und kommen wirklich frisch beim Konsumenten an.“

    Wer die Produkte etwa am ECF-Stand in der Markthalle Neun in Kreuzberg kauft, kann sich sicher sein, dass weder Gentechnik noch Antibiotika oder Pestizide bei der Herstellung im Spiel waren. Der Fisch stammt nicht aus überfischten Weltmeeren, er wird handgefangen, handverarbeitet und handverpackt. Mittlerweile hat der „Hauptstadtbarsch“ Einzug in viele Supermarktfilialen in Berlin erhalten. Saisonales Gemüse und Kräuter werden auch an Gastronomie-Betriebe geliefert.

    So funktioniert‘s

    Aquaponik setzt sich zusammen aus Aquakultur, also der Fischaufzucht in einer Kreislaufanlage, und Hydroponik, dem Pflanzenanbau im Wasser. Das Gesamtsystem ist sehr ressourcenschonend konzipiert: Das auf dem Dach gesammelte Regenwasser wird zunächst in der Aquakultur eingesetzt, wo die Speisefische heranwachsen und dabei das Wasser mit Nährstoffen anreichern. Anschließend gelangt das Wasser in den Gewächshausteil der Farm, wo die Pflanzen die Nährstoffe aus dem Wasser für ihr Wachstum nutzen.

    Grundsätzlich könnten verschiedene Süßwasserfische in der Anlage produziert werden. Die ECF-Farmer haben sich zunächst für den Buntbarsch entschieden. Sein weißes Fleisch ist wohlschmeckend und hat wenig Gräten. Der Buntbarsch – auf Grund seiner rötlichen Färbung auch Rosé Barsch genannt – ist weltweit ein gefragter Fisch für Aquakulturen, da er krankheitsresistent und ein guter Futterverwerter ist. 1,2 Kilogramm Biofutter ergibt 1 Kilogramm Fisch. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Rindfleisch benötigt ganze 8 Kilogramm Futter.

    Das Hauptstadt-Gemüse besteht unter anderem aus Tomaten, Salat, Sprösslingen und Kräutern. „Darunter befinden sich auch spannende alte Sorten“, verrät Nicolas Leschke. Sie werden saisonal angebaut und tagesfrisch an den Kunden weitergegeben.

    Nischengeschäft

    Das Hauptgeschäft von Leschke und seinem Team ist jedoch nicht die Berliner ECF Farm an sich, sondern das Planen und Bauen von Aquaponikfarms für den internationalen Markt. Die Nachfrage scheint zu wachsen. Doch Leschke ist Realist: „Urban Farming wird immer eine Nische bleiben. Um den Lebensmittelbedarf aller Menschen zu decken, bleibt die traditionelle Landwirtschaft unerlässlich.“

    
        
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    Wie viel Nachhaltigkeit steckt in deutschem Bier?

    29. April 2016

    Quartiermeister

    Nachdem ich neulich in den USA in eine ziemlich coole Craft-Beer-Brauerei gestolpert bin, beschäftigte mich die Frage, ob das Brauen im kleinen Stil, das ja auch bei uns in Deutschland sehr im Trend liegt, etwas mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Und: Wie wichtig ist den großen Markenbierherstellern eigentlich eine nachhaltige Produktion von Bier? Über die Thematik sprach ich auch mit Biobiervorreiter Neumarkter Lammsbräu. Die Jungs von Quartiermeister überzeugten mich schließlich, dass man mit Bier viel Gutes tun kann. Also dann: Prost!

    Das Tor zur „Old Soul“‐Brauerei steht offen. Jeder kann in den Raum hineinlaufen, der wie eine riesige Garage mit hohen Decken wirkt, und den Brüdern Jacob und Nick Schmidt beim Bierbrauen zuschauen. Es riecht herb und würzig. Bierfässer stehen zwischen den Braukesseln auf Holzpaletten herum, an der Seite ein Regal mit lauter Krimskrams, Werkzeug und einer Musikanlage, daneben ein gemütlicher Sessel. An der hintersten Wand hängt über einem Rennrad die obligatorische amerikanische Flagge: „Old Soul Brewing“ in Fort Myers, Florida, ist nur eine von vielen Mikrobrauereien in den USA.

    Die Craft‐Beer‐Szene steht für Brauhandwerk, Qualität und vor allem viel Kreativität. Auch in Deutschland. Aber haben diese Aspekte auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun? „Für uns heißt Nachhaltigkeit, dass wir genau wissen, wo unsere Zutaten herkommen“, sagt Richie Hodges. Seit einem Jahr bringt der Amerikaner sein Wissen beim Craft‐Beer‐Startup Berliner Berg ein. Die Mikrobrauerei vertraue beim Bezug ihrer Inhaltsstoffe auf kleine Familienbetriebe. Die könnten sich keine schlechte Qualität erlauben. In der alternativen Brauszene seien Geschmack und Leidenschaft wichtiger als Zahlen. Den großen etablierten Brauereien gehe es dagegen mehr um Profit, als um die Kultur des Brauens, meint Hodges.

    Mangelnde Transparenz

    Wie es die Großbrauereien in Deutschland mit der Nachhaltigkeit bei der Bierherstellung halten, lässt sich schwer beurteilen. Denn in den Punkten umweltfreundlich angebaute Rohwaren, schonender Umgang mit Wasser, Abfallreduzierung, Energieeffizienz und Einsatz von erneuerbaren Energien weisen die Brauereien eine mangelhafte Transparenz auf. Das ermittelte die Initiative Rank a Brand im Rahmen ihres Bier‐Rankings. Der Verein untersucht Markenhersteller auf ihre Transparenz zur Nachhaltigkeit, um herauszufinden, wie verantwortungsvoll diese mit natürlichen, endlichen Ressourcen umgehen. Die Bewertungskriterien von Rank a Brand für Biermarken können hier eingesehen werden.

    Im aktuellen Ranking konnten die Marken Warsteiner und Paulaner ihre Stellung im Vergleich zu 2013 deutlich verbessern. Die Schlusslichter sind Erdinger, Flensburger, Oettinger und Veltins sowie die Marken der Radeberger Gruppe Jever, Radeberger und Sternburg. Die einzige Marke, die mit einem B‐Label als „empfehlenswert“ eingestuft wird, ist Neumarkter Lammsbräu. Die genannten Biere sind nicht etwa schlecht und auch über den Geschmack sagt das Ranking nichts aus. Doch die Brauereien pflegen eine „nicht aussagekräftige oder im Grunde gar nicht existente Berichterstattung zur Nachhaltigkeit“, so Mario Dziamski, Gründer von Rank a Brand Deutschland.

    Auch der Deutsche Brauer‐Bund kann hier nicht wirklich weiterhelfen. „Die Nachhaltigkeit des eigenen Handelns genießt bei allen Brauereien höchste Priorität“, beteuert Pressesprecher Marc‐Oliver Huhnholz. Doch gebe es nur wenige Unternehmen, die die Nachhaltigkeitsaktivitäten zu Papier gebracht hätten. Die Anhebung der EEG‐Zulage auf 5,3 Eurocent pro Kilowattstunde habe die Branche mit rund 20 Millionen Euro zusätzlich belastet. Das Brauen, Gären und Lagern sowie die Flaschenreinigung seien sehr energieintensive Prozesse und stellten deshalb einen großen Kostenblock bei der Bierherstellung dar. Energieeinsparung sei daher das große Thema in den Brauereien. „Die Branche sucht fortwährend nach Einsparpotentialen und versucht auch alternative Erzeugungsformen wie Holzfeuerungen, Windräder, Solaranlagen oder selbsterzeugtes Biogas aus
    Abwässern einzusetzen“, so Huhnholz.

    Kompromissloser Bioansatz

    Für Susanne Horn, Geschäftsführerin der Biobrauerei Neumarkter Lammsbräu ist das zwar besser als nichts, sie vermisse aber langfristige Strategien der herkömmlichen Brauereien für mehr ökologische und soziale Nachhaltigkeit. „Unsere Brauerei versteht sich als Teil des ökologischen und gesellschaftlichen Systems“, so Horn. „Aus diesem Verständnis heraus nehmen wir eine ganzheitliche unternehmerische Verantwortung wahr, die sich in all unseren Aktivitäten widerspiegelt.“ Das Unternehmen setze sich über den eigenen betrieblichen Umweltschutz und die Herstellung biologischer Lebensmittel hinaus für die Schaffung intakter, ökologisch und sozial nachhaltiger Lebensräume ein. Gesellschaftlich nimmt die Brauerei Einfluss, indem sie jährlich den Nachhaltigkeitspreis an besonders herausragende, nachhaltige Projekte vergibt und diese somit in ihrer Arbeit finanziell und ideell fördert.

    Derzeit gibt es in Deutschland nur drei überregional aktive Brauereien, die zu 100 Prozent in Bioqualität produzieren. „Das liegt zum einen daran, dass Bio nach wie vor eine Nische ist“, erklärt Susanne Horn. „Zum anderen ist es sehr aufwändig, sein komplettes Unternehmen auf Bio umzustellen.“ Brauereien müssten für Öko‐Braurohstoffe deutlich mehr zahlen als für konventionell erzeugte. Das mache man nur, wenn man von Bio und dem dahinterstehenden Denken auch wirklich überzeugt ist. Vor allem vor dem Hintergrund der Glyphosat‐Debatte hält Lammsbräu einen kompromisslosen Bioansatz für den einzigen Weg, Bier im Einklang mit der Natur auf nachhaltige Art und Weise herzustellen. Das Pestizid Glyphosat, das zur Unkrautvernichtung eingesetzt wird und im Verdacht steht krebserregend zu sein, wurde kürzlich vom Umweltinstitut München in den beliebtesten Biermarken nachgewiesen.

    Soziales Bier

    Dass Bier auch politischen Anspruch haben kann, zeigen die Mitarbeiter von Quartiermeister. Der Verein spendet 20 Prozent seines Umsatzes für soziale Projekte – das waren 2015 rund 17.500 Euro. „Wir zählen uns nicht zur Craft‐Beer‐Szene, sondern wollen das Bewusstsein dafür stärken, dass der alltägliche Konsum Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft ausübt“, erklärt Geschäftsführer David Griedelbach. Nachhaltigkeit spiele für Quartiermeister eine große Rolle. „Darunter verstehen wir, dass wir nicht wirtschaften, um reich zu werden, sondern um unsere Nachbarschaft zu bereichern. Unsere Gewinne fließen in gute, lokale Initiativen. Außerdem sind wir unabhängig von Investoren, damit wir unsere Entscheidungen selbst treffen und unseren Prinzipien treu bleiben können. Und wir arbeiten so gut es geht mit regionalen und inhabergeführten Produzenten, um Lieferwege kurz zu halten und kleine Betriebe zu stärken“, so Griedelbach.

    Regionalität bedeutet bei Quartiermeister auch, das Bier nicht quer durch die Republik zu karren: 250 Kilometer sind Maximum. Daher gibt es das soziale Getränk bisher auch nur in Berlin, Dresden und Leipzig. Im Oktober kam dann die erste Biobiersorte auf den Markt. Zu einer ganzheitlich nachhaltigen Ausrichtung gehöre auch die aufwändige Biozertifizierung, sagt Griedelbach. Aber auch wenn die Leute inzwischen bereit seien, für Bioprodukte mehr Geld auszugeben – in Tanzclubs könne man Biobier noch nicht verkaufen. „Deshalb werden wir erstmal weiterhin zweigleisig fahren“, räumt der Geschäftsführer ein.

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    Das erste Mal

    21. März 2016

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    Für die Junge Aktion Mensch (JAM!) habe ich mich auf die Suche nach dem ersten Mal begeben. Und es bei Michele und Elif gefunden. Michele hat einen Freund, schon seit vielen Jahren. Dann trifft sie Elif, eine türkische Studentin, die ihr Leben auf den Kopf stellt. Seitdem ist nichts mehr so, wie Michele es gewohnt war. Zum Glück.

    Michele ist 21 als sie Elif kennenlernt. Als Aushilfen arbeiten die beiden Studentinnen bei der KVB, den Kölner Verkehrsbetrieben. Eine Begegnung, die Michele völlig aus der Bahn wirft.

    Michele: „Nachdem ich Elif ein paar Mal getroffen hatte, wusste ich zwar, dass sie lesbisch ist. Ein Thema war das aber nicht. Ich hatte schon lange einen Freund. Für ihn bin ich auch nach Köln gekommen. Elifs Ausstrahlung hat mich aber von Anfang an fasziniert. Ich habe gemerkt, dass ich gern in ihrer Nähe bin.“

    Elif: „Eigentlich war Michele gar nicht mein Typ. Ich fand sie am Anfang sogar eher unsympathisch: Sie war neu und die Jüngste bei der KVB und dachte trotzdem, sie könnte uns alle belehren. Aber das war nur der erste Eindruck. Als ich später herausfand, wie toll sie eigentlich ist, hat sich alles verändert.“

    Mehr als Freundschaft?

    Zusammen mit den anderen Aushilfen gehen sie aus und lernen sich besser kennen. Irgendwann wird Michele klar, dass da etwas zwischen ihnen ist. Etwas, das mehr ist als Freundschaft. Aber was? Sie findet es heraus, als sie gemeinsam Karneval feiern.

    Michele: „Wir hatten ausgemacht, dass ich bei Elif übernachte. Ich glaube, wir hatten beide das Gefühl, dass an diesem Abend etwas passieren würde. Als wir nach dem Feiern in Elifs Wohnung ankamen, waren wir total verkrampft. Irgendwann hab ich mich getraut und gesagt: ‚Du, ich kriege noch ein Bützje von dir.‘ Aus dem traditionellen Karnevalsküsschen wurde dann aber ein ziemlich langer Kuss.“

    „Am Tag danach war ich total fertig. Zuhause hab ich als erstes meine Mutter angerufen: ‚Mama, ich muss dir was erzählen, ich hatte gerade was mit einer Frau. Ich glaub, ich hab mich verliebt.‘ Ich wusste nicht, wo mir der Kopf stand. Doch meine Mutter hat nur gesagt: ‚Hör einfach auf dein Gefühl‘.“

    Auf der einen Seite denkt Michele: „Ich muss mit meinem Freund reden“. Auf der anderen Seite ist alles neu, anders. „Ich muss nachdenken“, sagt sich Michele. Aber zum Nachdenken kommt sie nicht.

    Michele: „Ich war voller Glücksgefühle, Elif hat so viel in mir wachgerüttelt, dass ich der Sache einfach nachgehen musste. Zwei Wochen treffen wir uns, alles verschwimmt in dieser turbulenten Zeit. Ich glaube, ich habe tagelang nicht geschlafen, weil unglaublich viel in mir passiert ist.“

    Elif: „Ich wollte mich gefühlsmäßig erst nicht darauf einlassen, weil ich nicht dachte, dass Michele es wirklich ernst meinen könnte. Ich wusste ja, dass es da auch noch den Freund gibt. Ich hatte Angst, dass sie mir das Herz bricht.“

    Michele ist klar, dass sie eine Entscheidung treffen muss. Ihr schlechtes Gewissen quält sie – und sie kann ihre Gefühle für Elif nicht mehr verbergen. Sie sagt ihr, dass sie es ernst meint. Dass es nicht nur „eine Phase“ ist. Auch Elif ist verliebt, sie will mit Michele zusammen sein. Dafür braucht es aber klare Verhältnisse.

    Was bleibt, ist die Aussprache mit dem Freund. Wirklich erklären kann Michele ihm das Ganze nicht, weil sie es ja selbst kaum versteht. Aber sie will ehrlich sein.

    Michele: „Ich habe nicht drumherum geredet. Einfach raus damit, dachte ich: ‚Ich habe mich in eine Frau verliebt, und zwar durch und durch‘. Das war nicht einfach. Er konnte das gar nicht verstehen. Es kam für ihn ja auch aus heiterem Himmel, er hatte die Entwicklung nicht mitbekommen. Aber danach war ich erleichtert: endlich Klarheit.“

    Eine Sache des Respekts

    Michele würde ihre Freude am liebsten mit der ganzen Welt teilen. Aber das geht nicht. Denn Elif redet mit ihrer türkischen Familie nicht offen über ihr Privatleben, so wie es Michele tut. Zu diesem Zeitpunkt ist Elif vor ihrer Mutter noch nicht geoutet, sie möchte auch nicht, dass jemand auf der Arbeit etwas davon weiß. „Ich bin so erzogen worden, dass man sich als Paar in der Öffentlichkeit nicht küsst, das hat was mit Respekt vor anderen Leuten zu tun“, sagt Elif.

    Michele: „Für mich war das ungewohnt. Ich kannte das so nicht. Als wir länger zusammen waren, lernte ich ihre Familie kennen. Ich musste aber immer aufpassen, was ich sage, denn wir waren ja angeblich nur Arbeitskolleginnen, Mitbewohnerinnen und beste Freundinnen. Als wir zusammengezogen waren und die Familie zu Besuch kam, nahmen wir die gemeinsamen Bilder von der Wand und gaben vor, das Arbeitszimmer sei mein Zimmer.“

    Heute sind Elif und Michele verheiratet. Es hat zwar gedauert, bis Elif den Mut aufbrachte, ihrer Mutter zu sagen, dass sie lesbisch ist. Und sie traute sich erst einen Monat vor der Hochzeit, ihr zu erklären, dass sie Michele heiraten würde. Aber nun wissen alle Bescheid. Ihre Mutter erlitt keinen Nervenzusammenbruch, wie Elif befürchtet hatte. Sie kam sogar zur Hochzeit. Durch Micheles offenen Umgang bin ich auch entspannter geworden“, sagt Elif. Spätestens auf der Hochzeit haben alle gesehen, wie glücklich wir sind. Und darum geht es doch.“

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    Was Hip-Hop mit veganem Fastfood zu tun hat

    15. Januar 2016

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    Xond, das heißt gesund. Auf Schwäbisch versteht sich. Xond soll eine gesunde, vegane Bio-Fastfood-Kette werden. Bio und Fastfood klingt widersprüchlich? Nicht für Andreas Läsker, genannt Bär. Für bento.de habe ich mich mit dem Musikproduzenten über seine Idee unterhalten.

    Der Manager der Fantastischen Vier will nun die Gastroszene rocken. Und zwar 100 Prozent vegan. Dass ihn das Thema beschäftigt, zeigte er schon Anfang 2015 mit seinem Buch „No Need for Meat“. Für den 52-Jährigen steht fest: Möchte man den ganzheitlichen Weg gehen, gibt es keine andere Option, als sich vegan zu ernähren. Daher auch der Slogan „Xond – nix wie veg“.

    Mit seiner Idee will Andreas Läsker die immer wachsende Nachfrage nach veganer Ernährung decken. Er findet das aktuelle Angebot viel zu klein: „Wenn ich durch Stuttgart laufe, fällt mir immer wieder auf, dass man auf die Schnelle nur Schrott essen kann“. Currywurst, Pommes, Pizza, Döner – braucht kein Mensch, meint der Feinschmecker. Zumindest nicht tierisch und fetttriefend. Fritten soll es auch bei Xond geben, aber deren Fettanteil beträgt nur fünf Prozent.

    Die Gerichte für das Restaurant hat das Team von Xond selbst entwickelt. Läskers Highlight: das Xondwich mit Zucchini, getrockneten Tomaten, der eigens kreierten Mayo und Räuchertofu. „Bloß nichts, was durchsuppt wie Gurken und Tomaten“, sagt Läsker, der viel und gerne kocht. Es wird auch anderes klassisches Fastfood geben, nur eben in bio und vegan.

    Warum Fastfood?

    „Wir leben in einer sehr schnellen Zeit“, sagt der Stuttgarter. „Und manchmal brauchen wir auch eine schnelle Mahlzeit. Das muss aber nicht gleichbedeutend mit ungesund sein.“ Gesunde Ernährung sei viel einfacher als die meisten sich das vorstellen. Er wolle zeigen, dass man auch mit Fastfood bewusst leben kann – und nicht auf Kosten von Tier und Umwelt.

    Warum Kette?

    Xond wird ein Franchise-Unternehmen, andere können also Xond-Filialen eröffnen, wenn sie eine Lizenzgebühr an Läsker zahlen. „Der Aufwand, das Baby großzuziehen, soll sich ja auch lohnen“, sagt er. Und die Marktlücke für vegane, gesunde und schnelle Kost sei überall in Deutschland riesig. Die erste Filiale wird voraussichtlich Ende März im zentralen Stuttgarter Leonhardsviertel öffnen. Gespräche mit Franchise-Partnern in weiteren Städten werden bereits geführt.

    „Wir machen direkt neben einer Currywurstbude auf – besser geht’s nicht!“ Andreas Läsker

    Im Xond-Team mischen inzwischen viele junge Leute mit. „Manche haben sich über Facebook gemeldet und wir bekommen viele Mails von Leuten, die einfach Bock haben mitzuhelfen.“ Für Läsker ist längst offensichtlich, dass vegane Ernährung kein Trend mehr ist, sondern ein Paradigmenwechsel. „Das geht auch nicht wieder zurück“, ist er überzeugt.

    In der Musikbranche hat Andreas „Bär“ Läsker schon bewiesen, dass er Marktvoraussicht, strategisches Denken und Marketingwissen mitbringt: Aus den vier Stuttgarter Jungs, die ihm in seinem Plattenladen 1989 ihr Tape in die Hand drückten, wurde eine der beliebtesten Hip-Hop-Gruppen Deutschlands.

    Bei seinem neuen Projekt hofft er auf denselben Erfolg: Er sieht in Xond nicht nur ein Restaurant, sondern eine Marke. Eigene Xond-Produkte wie Ketchup, Majo und Senf sind in der Entwicklung und Kooperationen mit Krankenkassen, Personalabteilungen und Ernährungsberatern in Planung. Auch eine rein vegane Messe, Vorträge und Kochkurse will Xond anbieten.

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    Im Fitnessstudio Strom erzeugen – geht das?

    29. November 2015

     

    Für bento.de habe ich herausgefunden, ob man die ganze Energie, die man in der Muckibude verbrennt, nicht auch in Strom umwandeln kann. Ist so ein Fitnessstudio nicht das reinste Kraftwerk?

    Auch Umweltverbände haben sich diese Frage gestellt: Schon 2004 luden der Naturschutzbund und der Verkehrsclub Deutschland zum weltweit ersten regenerativen Fitnessstudio ein (Pressemitteilung). Die Idee: Transformations-Dynamos würden die auf dem Fahrrad produzierte Energie direkt ins Stromnetz einspeisen.

    Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch. Die Meldung war ein Aprilscherz.

    Was damals noch völlig utopisch schien, ist in England heute Wirklichkeit. The Great Outdoor Gym Company betreibt Fitnessparks auf öffentlichen Plätzen. Seit ein paar Jahren auch mit Geräten, die Strom produzieren, wenn man sie nutzt. Damit können Studenten eines Colleges jetzt zum Beispiel ihre Handys aufladen. Die überschüssige Energie wird ins Netz eingespeist und fließt ins Unigebäude.

    Geht das auch in Deutschland?

    Ganz so weit sind wir in Deutschland noch nicht. Aber einen Vorreiter gibt es auch hierzulande: das Green Gym Berlin. Betreiber René Eick, 52 Jahre, Fitnesstrainer auch Maschinenbauingenieur, hat es schon immer gewurmt, dass die in seinem Fitnessstudio erzeugte Energie einfach im Trainingsschweiß verpufft. Die Gäste strampeln – und was kommt dabei heraus? Wärme. Dabei wäre doch Elektroenergie viel praktischer.

    Um diese Transformation hinzubekommen, baute Eick die Geräte mit ein paar Tüftler-Freunden auseinander, installierte Spannungswandler und legte Kabel zu einer Batterie. „Bis wir raus hatten, wie es funktionieren könnte, vergingen ungefähr vier Monate“, erzählt Eick. Damals, 2009, sei er der erste in Europa gewesen, der diese Idee in die Tat umsetzte. Insgesamt schloss er 19 Fahrradergometer und Crosstrainer an das interne Stromnetz an. Über Steckdosen an den Geräten können Mitglieder ihre Handys oder MP3-Player aufladen und so ihren selbst produzierten Strom mitnehmen. Die nicht verwendete Energie fließt in die Beleuchtung des Kardiobereichs.

    Eine Frage des Profits

    „Man darf sich aber nichts vormachen“, räumt Eick ein. „Wer eine Stunde auf dem Crosstrainer schwitzt, erzeugt um die 80 Wattstunden. Damit kann man zwei Glühlampen eine Stunde lang zum Leuchten bringen.“ Um ein Handy komplett zu laden, müsse man schon zwei bis drei Stunden trainieren. Das erklärt wohl auch, warum das Studio in Prenzlauer Berg mit seinen stromproduzierenden Geräten noch immer allein auf deutscher Flur ist. „Die Technik ist noch nicht so effizient, dass die Industrie eine Möglichkeit auf Profit sieht“, sagt Eick. Auch er selbst verdiene an der Idee kein Geld.

    René Eick geht es aber um etwas anderes. Die Leute kämen in sein Studio, um sich gesund und fit zu halten. Wenn sie ihre eigene Energie nach dem Workout mitnehmen können, gäbe es einen doppelten Nutzen: „Zum einen steigert es die Motivation. Zum anderen wird ihnen bewusst, wie Energie erzeugt und genutzt werden kann. Vielleicht denken sie dann auch Zuhause darüber nach, woher ihr Strom kommt.“

    Nicht ohne mein Fahrrad

    Noch ist das Interesse an grünen Fitnessgeräten auf dem deutschen Markt überschaubar. Immerhin kommt die Technik aber spielerisch zum Einsatz: In vielen Städten finden zum Beispiel Fahrradkinos statt. Dabei treten mehrere Menschen auf festmontierten Fahrrädern in die Pedale, um Strom für die Projektion eines Films zu erzeugen.

    Hier setzt auch das Startup Pedal Power aus den USA an. Das Unternehmen designt zweckentfremdete Fahrräder, um Strom zu generieren. Denn warum sollte man die Effizienz eines Fahrrads nur nutzen, um sich fortzubewegen? Besonders wertvoll könnte die erstrampelte Energie bei einem Stromausfall werden und für Menschen in Entwicklungsländern, meinen die Gründer.

    Pedal Power ist davon überzeugt, dass die Fahrradtechnologie für viele tägliche Aufgaben eingesetzt werden kann. Die eigene Energie zu nutzen statt den Strom einfach vom Netz zu zapfen, mache nicht nur Spaß, schreiben die Unternehmer auf ihrer Website. Man begreife besser, wie viel Energie man verbraucht. Das könnte dabei helfen, seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern.

     

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    Hoffnung in unsicheren Zeiten

    30. April 2015

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    Javier Rodriguez demonstriert den Teilnehmern eines Workshops, warum sie ihre heimischen Böden wertschätzen sollten.
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    Sandrine Minier gibt einen Modellierungsworkshop.
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    Tochter Cloé wertschätzt den Erdboden auf ihre eigene Weise.
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    Javier Rodriguez bringt Dorfbewohnern die erdbebensichere Bauweise mit Lehmziegeln bei.
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    Frauen und Männer aus ganz Mexiko nehmen an den Workshop-Modulen der Fachkräfte teil.
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    Workshop zum Thema Verputzen und Anstrich mit Erde.
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    Konstruktion einer Kompostlatrine im Dorf Tzntzun Michoacán.
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    Tochter Lili setzt in die Tat um, was sie in den Workshops ihrer Eltern lernt.
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    Die Familie auf einem Spaziergang in der Sierra de Tapalpa (Jalisco).
    Mexiko leidet stark unter der organisierten Kriminalität: Tödliche Schlachten um Kokain, Marihuana und Amphetamine, um Waffen, Menschen und Geld machen immer wieder Schlagzeilen. Aber neben den tagtäglichen Ermordungen und Entführungen gibt es auch Geschichten, die Hoffnung schenken. Sie erzählen von Solidarität und von Menschen, die sich dafür einsetzen, dass die Ärmsten im Land ein sicheres Dach über dem Kopf haben. Zwei Architekten, die genau das tun, habe ich für die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe interviewt.

    2012 wurde Javier Rodriguez am Flughafen in Honduras festgenommen. Der Architekt kam gerade aus Ecuador von einem AGEH-Seminar zum Thema Sicherheit. Das Wissen darüber, wie man sich in einer solchen Situation am besten verhält, war also noch ganz frisch. „Der Strafvorwurf war natürlich ausgedacht“, so Rodriguez. In korrupten Systemen komme das immer wieder vor, die Polizisten würden sich dadurch einen Vorteil erhoffen. Nach 24 Stunden war der Mexikaner mit französischem Pass wieder auf freiem Fuß. Seine Verhaftung gab jedoch den Ausschlag, innerhalb des Instituts IMDEC, für das Rodriguez in Mexiko arbeitet, eine Sicherheitskommission einzurichten.

    Das Instituto Mexicano para el Desarollo Comunitario (IMDEC) setzt sich für ländliche Entwicklung und Menschenrechte ein. Javier Rodriguez und seine französische Frau Sandrine Minier – ebenfalls Architektin – beraten die Gruppen, mit denen das Institut zusammenarbeitet. Ihr Schwerpunkt: das Recht auf Wohnraum. Sie unterstützen Dorfbewohner dabei, Häuser mit lokalen und natürlichen Materialen wie Erde, Lehm, Stein und Bambus zu bauen, und zeigen ihnen, wie sie Regenwasser speichern, Abwasser nutzen und Kompostlatrinen fertigen können.

    Kulturelle Identität erhalten
    „Unsere Arbeit besteht darin, die kulturelle Identität von Dörfern und Kommunen zu erhalten“, erklärt Sandrine Minier. „In Mexiko wird seit Jahrhunderten die Erdbauweise praktiziert. Wir verteidigen das Wohnrecht der Menschen, indem wir zeigen, dass sich auch diejenigen, die weniger Ressourcen und Geld zur Verfügung haben, ein Haus bauen können – nämlich mit dem, was sie vor Ort zur Hand haben.“

    Seit 2002 sind die beiden AGEH-Fachkräfte. Ihre Mitarbeit wird vom Bischöflichen Hilfswerk Misereor finanziert. In Honduras unterstützten sie zunächst Kommunen und Familien, die ihre Wohnungen nach dem Hurrikan Mitch verloren hatten. „Die eingestürzten Häuser waren mit Industrie-Materialien wie Zement errichtet worden – ein Baustoff, der nicht nur teuer, sondern auch schwer in entlegene Gebiete zu transportieren ist“, sagt Javier Rodriguez. Die beiden Architekten kannten sich mit alternativen Bauweisen aus und arbeiteten vor Ort mit einer lokalen Organisation zusammen. „Wir blieben vier Jahre dort. Danach waren wir auch in anderen zentralamerikanischen Ländern im Einsatz.“ In einigen Regionen wie El Salvador kam ein zusätzlicher Aspekt ihrer Arbeit hinzu: Die Häuser müssen hier auch erdbebensicher konstruiert werden.

    „Wir stellten fest, dass viele Menschen kein Vertrauen mehr in die Erdbauweise haben“, sagt Sandrine Minier. Das sei die Konsequenz der Industrie-Propaganda, die den Zement bewirbt. „Eine eiskalte Strategie, denn zu Beginn haben sie Zement nicht zum regulären Preis, sondern günstiger verkauft“, meint Minier. „So wollten immer mehr Menschen mit dem modernen industriellen Stoff bauen, und sie vergaßen das alte Wissen um traditionelle Bauweisen. Irgendwann kam der Moment, in dem die Bevölkerung abhängig von den neuen Materialien war.“

    Häuser eigenständig errichten
    An Orten mit großer Erdbebengefahr hört das Paar oft, dass die Konstruktion mit Erde oder Lehm nicht sicher sei. „Und wir antworten: Doch, das ist sie. Man muss Lehmhäuser nur richtig stabilisieren, genau wie man es mit einem Haus aus Zement machen muss“, sagt Javier Rodriguez. Der Vorteil bei der Verwendung von natürlichen Materialen sei, dass sie auch in armen Kommunen vorkämen und wiederverwertbar seien, sollten die Häuser einstürzen. „In Haiti haben wir 2010 gesehen, was mit Port-au-Prince passiert ist. Die Betonhäuser waren nicht erdbebensicher gebaut worden und als sie einstürzten, lagen die Zementbrocken auf dem Boden, ohne dass die Bevölkerung das Material aufsammeln und erneut benutzen konnte.“ Lehm brauche dagegen nur Wasser, um sich erneut formen zu lassen. So könnten die Menschen ihre Häuser eigenständig wiedererrichten.

    Rodriguez und Minier sehen es als ihre Aufgabe an, das Wissen um traditionelle Bauweisen gemeinsam mit den Kommunen zu recherchieren und zu erhalten. „Die Menschen, die diese Kenntnisse noch haben, teilen sie oft nicht, weil sie sie nicht wertschätzen“, stellt Rodriguez fest. „Wir zeigen ihnen, dass das Wissen sehr nützlich für die Gemeinschaft ist.“

    Schwieriger wird es, wenn es keine etablierte Kommune gibt. Seit die Architekten in Mexiko leben und beim IMDEC angestellt sind, arbeiten sie unter anderem mit einer Gruppe am Stadtrand von Guadalajara. „Die Menschen kommen aus vielen verschiedenen Orten und fühlen sich nicht als Teil einer Gemeinschaft. Sie tauschen sich nicht aus oder helfen einander“, bedauert Sandrine Minier. Die Französin hat die Erdbauweise zum ersten Mal kennengelernt, als sie Austauschstudentin in Mexiko war. Dabei habe es sie überrascht, dass diese Bauart auch ein Teil ihrer französischen Kultur ist.

    Die Dinge ein wenig besser machen
    Damals in Mexiko hat Sandrine Minier auch ihren heutigen Mann kennengelernt. Gemeinsam absolvierten sie im Anschluss an ihr Architekturstudium ein Masterprogramm in Grenoble, Frankreich. Dabei spezialisierten sie sich auf die Erdbauweise. Inzwischen hat das Paar zwei Kinder: Lili (7) und Cloé (3) kamen in Frankreich zur Welt. „Lili war sieben Monate alt, als wir nach Honduras zogen“, so Minier. „Wir haben großes Glück, dass sich beide Kinder sehr schnell an neue Situationen anpassen. Veränderungen scheinen ihnen nicht viel auszumachen.“ Jetzt sei sie nicht mehr so viel unterwegs wie früher. Ihr Mann dagegen berate weiterhin auch Organisationen in El Salvador, Honduras, Guatemala und Haiti.

    „Es macht mir manchmal schon zu schaffen, weg von meinen Töchtern zu sein“, sagt Javier Rodriguez. „Aber ich glaube, sie verstehen ein bisschen, was wir machen. Sie nehmen wahr, dass in Mexiko Gewalt und Unsicherheit herrschen. Sie hören aufmerksam zu und wissen, dass ihre Eltern daran arbeiten, die Dinge ein wenig besser zu machen.“ Es gebe derzeit mehr Angst vor der Polizei als früher, mehr soziale Spannungen und Aggressivität, erklärt Sandrine Minier. Auch in der Region Jalisco, in der sie wohnen, gebe es eine zunehmende Zahl von Entführungen und Ermordungen. „Bisher habe ich mich in Mexiko immer wohl gefühlt, aber seit der vergangenen Monate bin ich nicht mehr so entspannt. Wenn man Kinder hat, ändert das auch noch mal die Perspektive.“

    Um die Rechte der mexikanischen Bevölkerung vor allem in Bezug auf das Wohnrecht zu verteidigen, wurde die Internet-Plattform „Mesoameri-Kaab“ ins Leben gerufen. Dort haben sich ähnlich gesinnte Organisationen zusammengeschlossen, um Informationen, Wissen und Strategien auszutauschen. „Den Menschen wird bewusst, dass sie mit ihren Problemen nicht mehr allein dastehen und dass sie sich gegenseitig helfen können“, sagt Javier Rodriguez optimistisch. Die zunehmende Zusammenarbeit und Solidarität gebe den Menschen Hoffnung in einer Zeit, in der die Unsicherheit in Mexiko immer größer wird.

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    Neue Perspektive

    7. Januar 2015

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    Seit einem intensiven Einblick in die Arbeit der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch im Jahr 2009 verfolge ich – mal mehr, mal weniger – die jährlichen UN-Klimakonferenzen. Damals bekam ich die Möglichkeit, bei den Konferenzen in Bonn und Bangkok und sogar beim großen Gipfel in Kopenhagen dabei zu sein. Obwohl ich die zähen Verhandlungen live erlebt habe, hat es mich in den darauf folgenden Jahren immer wieder frustriert, dass es in der Klimapolitik gefühlt gar nicht vorwärts geht. Einige Länder sehen es nicht ein, etwas zu tun, da sie sich nicht als Verursacher des CO2-Anstiegs sehen. Anderen fehlt, wie es immer so schön heißt, der politische Wille. Und dann gibt es noch solche Kandidaten, die an den Sitzungen nur teilnehmen, um sie zu blockieren.

    Im Herbst dieses Jahres soll in Paris ein neues globales Klimaabkommen als Nachfolger für das Kyoto-Protokoll beschlossen werden. Aber auch die vorbereitende Konferenz in Lima im Dezember 2014 endete enttäuschend. Umweltverbände kritisierten den „gefährlich schwachen Text“, der keinen Fortschritt im Hinblick auf das Ziel bringe, das Zwei-Grad-Limit der Erderwärmung einzuhalten. Da fragt man sich manchmal schon, wozu das Ganze gut sein soll. Woher nehmen die NGOs und andere Vorreiter immer wieder die Energie, weiterzukämpfen?

    Immer schön langsam
    Während ich diesen Gedanken nachhing, stieß ich neulich auf einen interessanten Artikel, der zwar nicht alle Fragen beantwortet, aber eine neue Perspektive aufzeigt. Der Grund, warum die Klimagipfel nur im Schneckentempo funktionieren, ist dem Umweltwissenschaftler Hermann E. Ott zufolge dieser: Auf dem Kyoto-Gipfel 1997 wurde eine Fehlentscheidung getroffen. Anstatt das Kyoto-Protokoll nur für diejenigen Staaten zu öffnen, die wirklich Klimaschutz wollen, durften auch die Bremser, etwa Erdöl produzierende Staaten, beitreten. Und die hätten auch dafür gesorgt, dass es keine Mehrheitsentscheidungen gibt, sondern alles einstimmig entschieden werden muss. Klar, dass man dann bei so vielen Staaten mit jeweils sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen nicht vorankommt.

    Ott ist der Ansicht, dass auch nach dem Scheitern in Lima ein Vertrag in Paris zustande kommen kann, allerdings auf dem allerkleinsten Niveau – und deshalb ungeeignet, um den Klimawandel aufzuhalten. Auf die Frage, ob es angesichts der Gegensätze überhaupt Sinn macht, die Klimagipfel fortzuführen, sagt der Grünen-Politiker: „Ja, diese globalen Konferenzen machen weiter Sinn. Aber man sollte keine Dinge erwarten, die sie nicht leisten können. Und sie sind eben nicht geeignet, um die erforderlichen Minderungen für Treibhausgase zu vereinbaren. Wir brauchen eine Klimapolitik der unterschiedlichen Geschwindigkeiten, keinen Einheitsbrei für alle.“

    Action-Club für Klimaschützer
    Und wie sieht nun seine Alternative aus? Neben der globalen Konvention, meint Ott, müsse ein Vertrag der Klimaschützer geschaffen werden. Da kämen eine ganze Menge Länder in Frage: In Europa neben Deutschland auch Dänemark, Schweden, Frankreich und Portugal. In Afrika Marokko und Südafrika. In Lateinamerika Mexiko, Costa Rica, Panama, Kolumbien, Peru, Brasilien und Chile. In Asien Südkorea, die Philippinen und Bangladesch. Und sowieso alle kleinen Inselstaaten, die vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind. All diese Staaten sollten sich – außerhalb der UN-Verhandlungen – zusammentun und ihre Kräfte bündeln.

    Ein Klima-Action-Club der Vorreiter muss also her, damit nicht nur Tacheles geredet wird, sondern auch endlich was passiert. Klingt für mich plausibel. Peter Altmaier (CDU) hatte seinerzeit bereits eine Klimafreunde-Gesprächsrunde ins Leben gerufen – allerdings ohne viel Action. Ob Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auf den Zug aufspringen wird?

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    Gold zum Trinken

    3. Dezember 2014

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    Streuobstwiese
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    Im Oktober wurde ich als Journalistin auf eine Pressereise nach Hessen eingeladen. Thema: Vom Apfel zum Apfelwein. Tja, da habe ich einiges gelernt. Nämlich, dass man aus so einem Apfel allerhand alkoholische Getränke zaubern kann. Und dass die alten Obstsorten von unseren heimischen Streuobstwiesen eigentlich nie im konventionellen Supermarkt landen. Und auch, dass man in weiten Teilen Hessens einfach mal keinen Empfang hat. Das Resultat der Reise druckte der Bremer Anzeiger und das Bremen Magazin im November ab:

    Es gibt ihn als klassischen Hausschoppen und als Secco, als Schaumwein, Sherry und Dessertwein: Der Apfelwein hat heute viele Facetten. Nischen-Winzer in Regionen wie Taunus, Rhön und Odenwald geben dem hessischen Nationalgetränk ein neues Gesicht, das zeigt: Der Apfel hat es in sich.

    Nirgendwo in Deutschland wird so flächendeckend und in so großen Mengen Apfelwein gekeltert wie in Hessen. Und das, obwohl die Apfelanbaufläche dort vergleichsweise klein ist. „Dieses Kuriosum liegt vermutlich daran, dass in Hessen verstärkt auf den Streuobstanbau gesetzt wird, der nicht in der Statistik berücksichtigt wird“, sagt Michael Stöckl, Gastwirt im Taunus und Deutschlands erster Apfelwein-Sommelier. Streuobstwiesen würden zur Kulturlandschaft des Bundeslandes gehören wie keine andere landwirtschaftliche Nutzfläche. „Den alten Apfelsorten verdankt der hessische Apfelwein seinen typischen Charakter“, so Stöckl.

    Der Streuobstbau ist eine traditionelle Landwirtschaftsform mit hochstämmigen Obstbäumen, die vor allem für zahlreiche Tierarten lebensnotwendig ist. Grundlage sind eine Vielfalt an Apfel- und Birnensorten, aber auch Kirschen, Walnüsse, Zwetschgen und Pflaumen. Viele dieser rund 3000 Sorten kommen dem Naturschutzbund (NABU) zufolge nur regional vor und sind ein Naturerbe von hohem Wert. Daher setzen sich Umweltverbände und lokale Initiativen deutschlandweit für den Erhalt dieser artenreichen Lebensräume ein. Die Produktion von Apfelsaft aus heimischen Streuobstwiesen sei Nachhaltigkeit par excellence, so der NABU.

    Sherry aus der Rhön
    Über 100 verschiedene Apfelsorten hängen an den Bäumen von Jürgen Krenzers Obstwiesen in der Rhön. Wie Michael Stöckl gehört er zu den „Hessischen Wirtshaus-Kelterern“, ein Zusammenschluss aus sieben Apfelwinzern. Jeder von ihnen hat eine eigene Nische auf dem Markt gefunden. Jürgen Krenzer ist vor allem bekannt für seinen Apfel-Sherry. „Hier in der Hochrhön sind die Äpfel besonders sauer und eignen sich gut für Dessertwein“, sagt Krenzer. Ob Wein, Apfelwein oder Sherry – es komme immer auf das Verhältnis von Säure und Zucker an.

    Das Wissen um Streuobst und seiner Verarbeitung sei nicht mehr so da wie früher, bedauert Krenzer. „Heute werden oft an einem Stichtag alle Äpfel geerntet. Dabei sind die verschiedenen Sorten zu unterschiedlichen Zeiten reif – einige schon im August, andere hängen noch nach Weihnachten an den Bäumen.“ Der 49-Jährige besitzt nicht nur eine Gastwirtschaft und Obstwiesen, sondern auch eine Schau-Kelterei, in der Gäste den gesamten Ablauf der Saftproduktion miterleben können, sowie ein kleines Theater. Dort lässt er die Geschichte des Apfel-Sherry erzählen.

    Regionale Vernetzung
    Dass sich Streuobst nicht nur zum Pressen, sondern auch zum Kochen eignet, demonstriert der Apfelwinzer Armin Treusch. In seiner Kochschule im Odenwald lernen Interessierte, wie sie einen Kartoffel-Apfel-Salat, Lachsforelle auf Apfel-Lauch-Ragout oder Bratapfeleis zubereiten. Treusch legt dabei viel Wert auf regionale Zutaten – ein Merkmal, das die Hessischen Wirtshaus-Kelterer gemein haben. „Wir unterstützen uns gegenseitig und vernetzen uns in der Region mit anderen Betrieben wie etwa Schlachtern“, erklärt Treusch.

    Wer nicht erst aufs Land fahren möchte, um den vielfältigen Geschmack des Apfels zu kosten, findet das „Gold zum Trinken“ auch in Hessens Metropole Frankfurt. Die internationale Messe „Apfelwein weltweit“ und das Apfelweinfestival sind gesetzte Größen im Frankfurter Veranstaltungskalender. Ein geführter Apfelwein-Rundgang, eine Stadtrundfahrt mit dem Ebbelwei-Express und das Ebbelwei-Wochenende lassen Apfelweinfreunde ganzjährig den goldenen Tropfen erleben.

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    Irrsinnige Zerstörung

    17. November 2014

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    Kürzlich durfte ich eine kleine Greenpeace-Gruppe zum Hambacher Forst bei Köln begleiten, um ein Camp von Umweltaktivisten zu besuchen. Erst im Oktober waren 14 Waldbesetzer festgenommen worden, weil sie die RWE-Arbeiter behinderten: Seit 1978 wird der Wald für den Braunkohletagebau gerodet. Und das, obwohl Braunkohle der Klimakiller schlechthin ist und derzeit diskutiert wird, entsprechende Kraftwerke ganz vom Netz zu nehmen. Leider ist ein weiterer Abbau bis 2030 bereits genehmigt.

    Angefangen hat der Protest 2012: Damals hielten rund 50 Aktivisten einen kleinen Teil des Waldes besetzt, um so gegen die Abholzung und für einen Kohleausstieg zu protestieren. Das Camp, das sich autark versorgt, findet mittlerweile auch überregional Aufmerksamkeit und Unterstützung. Die Baumbesetzungen wurden mehrmals von der Polizei geräumt. In einer Nachbarschaftsbroschüre des RWE-Konzerns vom August 2013 stellen die Autoren die Protestler als Steine werfende Krawallmacher dar.

    Die Aktivisten ließen sich jedoch nicht abschrecken und besetzten immer wieder aufs Neue einzelne Baumgruppen. Bei den jüngsten Konfrontationen mit RWE-Mitarbeitern und der Polizei ging es ziemlich hart zur Sache. Einige Protestler kamen ins Krankenhaus, 14 wurden festgenommen. Angeblich hatten sie RWE-Mitarbeiter mit Pfefferspray, Blendgranaten und Feuerwerkskörpern angegriffen. Die Berichterstattungen seien jedoch sehr einseitig aus Konzernsicht formuliert worden, so die Klimaschützer. Auf ihrem Blog hambacherforst schildern sie ihre Sicht der Dinge.

    Für mich war es sehr interessant, das selbstversorgende „Klima-Camp“ einmal näher kennenzulernen. Es gibt quasi eine Basisstation am Rand des Waldes auf einer Wiese, wo eine Küche und Duschen eingerichtet sind, wo ein kleines Theater entsteht und Informationen über die Besetzung zur Verfügung gestellt werden. Ein Aktivist führte uns zum Lager „Oaktown“ in den Wald hinein – dort haben mehrere Besetzer Baumhäuser hoch in den Wipfeln gebaut und richten sich gerade für den Winter ein. Der Protest wird so schnell also nicht vorbei sein. Bleibt zu hoffen, dass die Politik bald ein Zeichen setzt und den Braunkohleabbau per Gesetz stoppt.

    Denn nicht nur das Klima leidet unter dem Abbau. Laut BUND ist der Hambacher Forst ein ökologisch höchst wertvoller Wald. In den noch verbliebenen Resten wachsen Hainbuchen und Stieleichen. Zudem beherbergt der Wald vom Aussterben bedrohte Fledermausarten. Insgesamt seien 142 geschützte Arten vorhanden.

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