Johanna Meadows

Johanna Meadows

  • Nachhaltige Kommunikation
  • „Ich lese, schreibe, höre und sehe viele bunte Geschichten in meinem Alltag. Manche pflanze ich hier auf meine Textwiese.“
  • Gold zum Trinken

    3. Dezember 2014

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    Streuobstwiese
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    Im Oktober wurde ich als Journalistin auf eine Pressereise nach Hessen eingeladen. Thema: Vom Apfel zum Apfelwein. Tja, da habe ich einiges gelernt. Nämlich, dass man aus so einem Apfel allerhand alkoholische Getränke zaubern kann. Und dass die alten Obstsorten von unseren heimischen Streuobstwiesen eigentlich nie im konventionellen Supermarkt landen. Und auch, dass man in weiten Teilen Hessens einfach mal keinen Empfang hat. Das Resultat der Reise druckte der Bremer Anzeiger und das Bremen Magazin im November ab:

    Es gibt ihn als klassischen Hausschoppen und als Secco, als Schaumwein, Sherry und Dessertwein: Der Apfelwein hat heute viele Facetten. Nischen-Winzer in Regionen wie Taunus, Rhön und Odenwald geben dem hessischen Nationalgetränk ein neues Gesicht, das zeigt: Der Apfel hat es in sich.

    Nirgendwo in Deutschland wird so flächendeckend und in so großen Mengen Apfelwein gekeltert wie in Hessen. Und das, obwohl die Apfelanbaufläche dort vergleichsweise klein ist. „Dieses Kuriosum liegt vermutlich daran, dass in Hessen verstärkt auf den Streuobstanbau gesetzt wird, der nicht in der Statistik berücksichtigt wird“, sagt Michael Stöckl, Gastwirt im Taunus und Deutschlands erster Apfelwein-Sommelier. Streuobstwiesen würden zur Kulturlandschaft des Bundeslandes gehören wie keine andere landwirtschaftliche Nutzfläche. „Den alten Apfelsorten verdankt der hessische Apfelwein seinen typischen Charakter“, so Stöckl.

    Der Streuobstbau ist eine traditionelle Landwirtschaftsform mit hochstämmigen Obstbäumen, die vor allem für zahlreiche Tierarten lebensnotwendig ist. Grundlage sind eine Vielfalt an Apfel- und Birnensorten, aber auch Kirschen, Walnüsse, Zwetschgen und Pflaumen. Viele dieser rund 3000 Sorten kommen dem Naturschutzbund (NABU) zufolge nur regional vor und sind ein Naturerbe von hohem Wert. Daher setzen sich Umweltverbände und lokale Initiativen deutschlandweit für den Erhalt dieser artenreichen Lebensräume ein. Die Produktion von Apfelsaft aus heimischen Streuobstwiesen sei Nachhaltigkeit par excellence, so der NABU.

    Sherry aus der Rhön
    Über 100 verschiedene Apfelsorten hängen an den Bäumen von Jürgen Krenzers Obstwiesen in der Rhön. Wie Michael Stöckl gehört er zu den „Hessischen Wirtshaus-Kelterern“, ein Zusammenschluss aus sieben Apfelwinzern. Jeder von ihnen hat eine eigene Nische auf dem Markt gefunden. Jürgen Krenzer ist vor allem bekannt für seinen Apfel-Sherry. „Hier in der Hochrhön sind die Äpfel besonders sauer und eignen sich gut für Dessertwein“, sagt Krenzer. Ob Wein, Apfelwein oder Sherry – es komme immer auf das Verhältnis von Säure und Zucker an.

    Das Wissen um Streuobst und seiner Verarbeitung sei nicht mehr so da wie früher, bedauert Krenzer. „Heute werden oft an einem Stichtag alle Äpfel geerntet. Dabei sind die verschiedenen Sorten zu unterschiedlichen Zeiten reif – einige schon im August, andere hängen noch nach Weihnachten an den Bäumen.“ Der 49-Jährige besitzt nicht nur eine Gastwirtschaft und Obstwiesen, sondern auch eine Schau-Kelterei, in der Gäste den gesamten Ablauf der Saftproduktion miterleben können, sowie ein kleines Theater. Dort lässt er die Geschichte des Apfel-Sherry erzählen.

    Regionale Vernetzung
    Dass sich Streuobst nicht nur zum Pressen, sondern auch zum Kochen eignet, demonstriert der Apfelwinzer Armin Treusch. In seiner Kochschule im Odenwald lernen Interessierte, wie sie einen Kartoffel-Apfel-Salat, Lachsforelle auf Apfel-Lauch-Ragout oder Bratapfeleis zubereiten. Treusch legt dabei viel Wert auf regionale Zutaten – ein Merkmal, das die Hessischen Wirtshaus-Kelterer gemein haben. „Wir unterstützen uns gegenseitig und vernetzen uns in der Region mit anderen Betrieben wie etwa Schlachtern“, erklärt Treusch.

    Wer nicht erst aufs Land fahren möchte, um den vielfältigen Geschmack des Apfels zu kosten, findet das „Gold zum Trinken“ auch in Hessens Metropole Frankfurt. Die internationale Messe „Apfelwein weltweit“ und das Apfelweinfestival sind gesetzte Größen im Frankfurter Veranstaltungskalender. Ein geführter Apfelwein-Rundgang, eine Stadtrundfahrt mit dem Ebbelwei-Express und das Ebbelwei-Wochenende lassen Apfelweinfreunde ganzjährig den goldenen Tropfen erleben.

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    Irrsinnige Zerstörung

    17. November 2014

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    Kürzlich durfte ich eine kleine Greenpeace-Gruppe zum Hambacher Forst bei Köln begleiten, um ein Camp von Umweltaktivisten zu besuchen. Erst im Oktober waren 14 Waldbesetzer festgenommen worden, weil sie die RWE-Arbeiter behinderten: Seit 1978 wird der Wald für den Braunkohletagebau gerodet. Und das, obwohl Braunkohle der Klimakiller schlechthin ist und derzeit diskutiert wird, entsprechende Kraftwerke ganz vom Netz zu nehmen. Leider ist ein weiterer Abbau bis 2030 bereits genehmigt.

    Angefangen hat der Protest 2012: Damals hielten rund 50 Aktivisten einen kleinen Teil des Waldes besetzt, um so gegen die Abholzung und für einen Kohleausstieg zu protestieren. Das Camp, das sich autark versorgt, findet mittlerweile auch überregional Aufmerksamkeit und Unterstützung. Die Baumbesetzungen wurden mehrmals von der Polizei geräumt. In einer Nachbarschaftsbroschüre des RWE-Konzerns vom August 2013 stellen die Autoren die Protestler als Steine werfende Krawallmacher dar.

    Die Aktivisten ließen sich jedoch nicht abschrecken und besetzten immer wieder aufs Neue einzelne Baumgruppen. Bei den jüngsten Konfrontationen mit RWE-Mitarbeitern und der Polizei ging es ziemlich hart zur Sache. Einige Protestler kamen ins Krankenhaus, 14 wurden festgenommen. Angeblich hatten sie RWE-Mitarbeiter mit Pfefferspray, Blendgranaten und Feuerwerkskörpern angegriffen. Die Berichterstattungen seien jedoch sehr einseitig aus Konzernsicht formuliert worden, so die Klimaschützer. Auf ihrem Blog hambacherforst schildern sie ihre Sicht der Dinge.

    Für mich war es sehr interessant, das selbstversorgende „Klima-Camp“ einmal näher kennenzulernen. Es gibt quasi eine Basisstation am Rand des Waldes auf einer Wiese, wo eine Küche und Duschen eingerichtet sind, wo ein kleines Theater entsteht und Informationen über die Besetzung zur Verfügung gestellt werden. Ein Aktivist führte uns zum Lager „Oaktown“ in den Wald hinein – dort haben mehrere Besetzer Baumhäuser hoch in den Wipfeln gebaut und richten sich gerade für den Winter ein. Der Protest wird so schnell also nicht vorbei sein. Bleibt zu hoffen, dass die Politik bald ein Zeichen setzt und den Braunkohleabbau per Gesetz stoppt.

    Denn nicht nur das Klima leidet unter dem Abbau. Laut BUND ist der Hambacher Forst ein ökologisch höchst wertvoller Wald. In den noch verbliebenen Resten wachsen Hainbuchen und Stieleichen. Zudem beherbergt der Wald vom Aussterben bedrohte Fledermausarten. Insgesamt seien 142 geschützte Arten vorhanden.

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