Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Boris Becker besucht die „Kicking Girls“

Grundschule am Pastorenweg gewinnt Integrationspreis / Fußball-AGs für Mädchen mit Migrationshintergrund

4. März 2012

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GRÖPELINGEN. Integration durch Fußball – das hat sich die Grundschule am Pastorenweg zum Ziel gesetzt. Sie führt Mädchen mit Migrationshintergrund an den Sport heran und gewann dafür kürzlich den Integrationspreis des Deutschen Fußballbundes. Am Mittwoch besuchte Tennislegende Boris Becker das soziale Projekt.

„Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern“, sagte Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela im Jahr 2000. Diesen Gedanken verfolgt auch die Laureus-Stiftung „Sport for Good“. Sie setzt sich seit über zehn Jahren für sozialen Wandel ein. In Bremen unterstützt sie das Projekt „Kicking Girls“ der Grundschule am Pastorenweg, bei dem es darum geht, Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund für den Teamsport Fußball zu begeistern. Dafür gewann die Schule Anfang Februar den Integrationspreis und erhielt einen Mannschaftsbus im Wert von 45.000 Euro.

Um der Idee noch mehr Aufmerksamkeit zu verleihen, besuchte am Mittwoch Tennislegende Boris Becker die Gröpelinger Schule. Er ist selbst Vorstandsmitglied und Botschafter der Stiftung. „Es ist wichtig, dass Kinder auf verschiedenen Ebenen lernen miteinander umzugehen und auch außerschulische Erfolgserlebnisse haben“, so Becker.

Die siebenjährige Sydney Zoey Bittner, deren Eltern aus Polen stammen, erzählt, dass sie schon viele Freunde über das Fußballspielen kennengelernt habe. „Meine kleine Schwester beschäftigt sich lieber mit ihren Barbies, aber Sport finde ich besser.“

14 unterschiedliche Nationen seien an der Schule vertreten, so Rektorin Birgit Busch. „Aber der Sport verbindet die Kulturen. Auch die Lernmotivation wird durch den Mannschaftssport gestärkt.“ Zudem gehe es laut Stefanie Möllenkamp, Geschäftsführerin der Laureus-Stiftung in Deutschland, darum, „Mädchen die Möglichkeit zu geben, aus ihren traditionellen Rollen herauszukommen und Emanzipation durch Sport zu erreichen“.

Projektleiter Ulf Gebken vom Institut „Integration durch Sport und Bildung“ an der Carlvon-Ossietzky Universität Oldenburg freute sich über die Entwicklung der Initiative am Pastorenweg. „Derzeit bieten wir drei Mädchen-AGs an. Es gibt aber eine so große Nachfrage, dass wir sechs eröffnen könnten.“ Neben dem Kicken in der Schule sei aber auch die Teilnahme an Turnieren eine wichtige Erfahrung für die Kids: Im Wettkampf komme es auf viel Willenskraft und Teamgeist an.

Incinur Ekinci nimmt gern an Turnieren teil, auch weil ihre Eltern dann zum Zugucken kämen und sie anfeuerten. „Ich habe Fußball erst in der Schule kennengelernt. Der Sport macht mir total viel Spaß, ich trainiere jede Woche einmal“, berichtet die Siebenjährige mit türkischem Migrationshintergrund.

Ziel des Projekts, das in den kommenden drei Jahren auf 30 Schulen in ganz Deutschland ausgeweitet wird, ist es, die Mädchen langfristig für den Sport zu begeistern.

Zum Schluss seines Besuchs kickte Boris Becker noch ein wenig mit den Kindern in der Turnhalle. Dass die Kleinen es mit einem ehemaligen Tennisstar zu tun hatten, war den meisten wohl kaum bewusst. Ihre Aufmerksamkeit lag ganz auf dem rollenden Lederball.

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