Johanna Meadows

Johanna Meadows

  • Nachhaltige Kommunikation
  • „Ich lese, schreibe, höre und sehe viele bunte Geschichten in meinem Alltag. Manche pflanze ich hier auf meine Textwiese.“
  • hubus – der Komposter für die Wohnung

    12. Februar 2017

    Abfall ist eine Frage des Blickwinkels. Deswegen möchte das Berliner Startup hubus eine neue Sichtweise etablieren: Ressource statt Müll.

    hubus ist dabei, ein Kompostmöbel zu entwickelt, mit dem Städter ihren Bioabfall in fruchtbare Erde verwandeln können. Der Komposter ist so konzipiert, dass er hübsch aussieht und in der Wohnung keinen Geruch verbreitet. Aber das ist nicht alles, was das Unternehmen im Sinn hat. Es möchte auch durch Workshops den Kreislauf-Gedanken verbreiten und den Austausch in der Stadt fördern.

    Kompost auch ohne Garten

    Mir persönlich tut es immer etwas weh, meine Küchenabfälle im Restmüll zu entsorgen (in Köln habe ich keine Biotonne). Geht es euch ähnlich? Dafür habe ich aber einen großen Balkon, der nach Blumenerde nur so schreit. Ein Komposter würde also viel Sinn ergeben, aber sowas hat man doch nur, wenn man einen Garten hat, oder?

    Genau diesen Umstand will hubus auflösen – mit dem ersten Kompostmöbel für Stadtbewohner. Im hubus wird der täglich anfallende Biomüll von Kompostwürmern zu Erde gemacht. Als Etagenkomposter kann hubus platzsparend in der Wohnung oder auf dem Balkon stehen. Das dekorative Möbel ist modular aufgebaut, sodass es auf die spezifische Abfallmenge des Haushalts angepasst werden kann.

    Warum ist Kompostieren sinnvoll?

    Mehr als 40 Prozent des Hausmülls bestehen in Deutschland aus Bioabfall. Das entspricht 4 bis 5 Millionen Tonnen Bioabfall pro Jahr, die durch den Mülltransport und die Verbrennung zu unnötigen Treibhausgas-Emissionen führen. Und: Indem wir diese Abfälle verbrennen, vernichten wir die einzige Ressource, die wir haben, um fruchtbaren Boden herzustellen.

    „Während wir unsere Ressourcen in die Müllverbrennung schicken, besteht gleichzeitig ein steigender Bedarf an Pflanzerde in den Städten – Stichwort Stadtgärtnern“, erklärt Julia Seidel vom hubus-Team. „Herkömmliche Erde ist torfhaltig und schadet damit den Mooren und dem Klima“, so die Biologin.

    Die Erde, die wir im Bau- oder Supermarkt kaufen, wird in den Mooren abgebaut. Im dortigen Torf sind fossile Kohlenstoffreserven gebunden, welche durch den Abbau in die Atmosphäre gelangen. Wer den Lebensraum Moor und das Klima schützen will, sollte also Humuserde statt torfhaltige Blumenerde nutzen – ein weiteres Argument für den eigenen Schnellkomposter.

    Stadtbewohner schaffen lokale Naturkreisläufe

    Die eigentliche Arbeit beim Kompostieren übernehmen Kompostwürmer im Inneren des Behälters. Diese genügsamen Tiere ernähren sich von organischen Abfälle, verdauen sie und scheiden wertvollen Wurmhumus aus. Der Prozess verläuft geruchlos. Nach 4 bis 6 Monaten kann die nährstoffreiche Erde zum Anbau gesunder Pflanzen geerntet werden. Im Starterkit des hubus sollen die Würmer direkt mitgeliefert werden.

    „In unseren Workshops vermitteln wir das einfache Konzept des Kompostierens und wollen es damit auch in die Stadtwohnungen bringen“, sagt Julia Seidel. Der Fokus des Startups liegt nicht ausschließlich auf dem Produkt hubus. „Jeder kann sich einen Kompostbehälter auch selber bauen. Uns ist es wichtig zu zeigen, wie leicht kleinräumige Stoffkreisläufe etabliert werden können und wie schön es ist zu sehen, was am Ende dabei entsteht.“

    Nicht jeder Städter ist ein Gärtner

    Wer weder Garten noch Balkon hat, der kann trotzdem vom Kompostieren profitieren. hubus hat sich zum Ziel gesetzt, eine Schnittstelle zum (torffreien) Gärtnern in der Stadt zu werden und baut derzeit ein Netzwerk von Stadtgärtnern auf, innerhalb dessen überschüssiger Wurmhumus weitergereicht werden kann. „Dabei empfehlen wir einen Austausch gegen Naturalien wie Ernteprodukte oder Jungpflanzen“, sagt Gründerin Anja Carsten.

    So freut sich der Stadtgärtner über besten organischen Dünger und der hubus-Nutzer erhält einen Mehrwert für sein Produkt. Der Community-Aspekt liegt dem Startup am Herzen, das Entdecken von Stadtgärten, der Austausch unter den Kiezbewohnern und der Naturbezug.

    Als nächstes plant hubus ein Gartenprojekt mit Kindern und Jugendlichen in einem kleinen Stadtgarten in Berlin-Friedrichshain. „Wir wollen zusammen einen Wurmkomposter bauen und etablieren“, erklärt Julia Seidel. „Die Kinder können dabei den Prozess des Kompostierens mitverfolgen und verstehen, was da genau passiert.“

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