Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

„Tempo aus dem Alltag nehmen“

In der Stadt vermehrt sich der gemeine grüne Daumen – immer mehr Urban-Gardening-Projekte

24. Juni 2012

tempo-aus-dem-alltag-nehmen-120724

BREMEN. Urban Gardening – was ist das eigentlich? Projekte zum städtischen Gärtnern, wie es zu Deutsch heißt, finden sich in der ganzen Stadt. Die Ideen und Initiativen könnten unterschiedlicher kaum sein. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: die Nähe zur Natur.

Ob Verkehrsinseln, Brachflächen, Gartengemeinschaften oder Familiengärten – das städtische Gärtnern kennt keine Grenzen. Abzuheben ist es vom sogenannten Guerilla Gardening. Diese Form der Bepflanzung des öffentlichen und privaten Raums geschieht nämlich in der Regel unerlaubt und unorganisiert. Urban-Gardening-Projekte hingehen sind legale Aktionen, die meist von gemeinnützigen Vereinen getragen werden. Viele von ihnen verfolgen neben dem bloßen Ziel, zu Gärtnern und mit der Natur in Kontakt zu kommen, auch eine soziale Komponente.

Kommunikation anregen
So bepflanzt der Verein zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit (Vaja) mit Kindern und Jugendlichen öffentliche Plätze wie etwa verwahrloste Verkehrsinseln. Die Aktionen in der Vahr dienen nur zum Teil der Stadtverschönerung. Wiebke Jopp erklärt, worum es noch geht: „Wir wollen die Schüler anregen, sich mit ihrem Quartier zu identifizieren und bei seiner Gestaltung mitzuwirken.“ Das gemeinsame Gärtnern rege die Kommunikation untereinander, aber auch mit anderen Bewohnern des Stadtteils an.

Schnupper-Gärten
Wer einen Blick vom Osten in den Westen wirft, wird feststellen: Auch dort wird urban gegärtnert. Der Verein der Gartenfreunde „Am Mittelwischweg“ etwa startete in diesem Jahr ein neues Projekt im Kleingartengebiet In den Wischen. Es werden verschiedene Gartenformen und offene Treffs auf leer stehenden Parzellen angeboten. Dabei besteht die Möglichkeit, an einem Wochenende Kurzzeitferien im Kleingarten zu machen und so einmal ins Gärtnern hineinzuschnuppern.

Ein weiteres junges Projekt richtet sich speziell an Kinder, die in der Umgebung der Überseestadt zur Schule gehen. Der Verein Hafenschulgarten möchte Heranwachsenden den biologischen Anbau von Nutzpflanzen näherbringen: „Wir bewirtschaften eine städtische Brachfläche, legen gemeinsam Beete an und informieren über die einzelnen Pflanzen“, erklärt Sebastian Tischendorf. Aktuell werde eine Garten-AG mit einer zweiten Klasse der Grundschule Nordstraße durchgeführt.

Auf der anderen Weserseite, in Woltmershausen, konzentriert sich der Verein Effektive Mikroorganismen (EM) darauf, chemiefrei zu gärtnern und einen guten Nährboden für Pflanzen zu entwickeln. Aktiv tut er dies auf einer Brachfläche vom Umweltbetrieb Bremen, die zusammen mit dem Kleingärtnerverein „Fortschritt“ bepflanzt wird. EM informiert über die Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten regenerativer Mikroorganismen und will dazu in Zukunft auch Praxis-Seminare anbieten. „Derzeit suchen wir noch Menschen, die Lust haben, beim Verschönern der Fläche mitzuwirken“, so Danja Blümel von EM.

Entschleunigung
„Die Gründe für städtisches Gärtnern sind vielfältig“, sagt die Historikerin Kirsten Tiedemann. Manche protestieren gegen die Skandale in der Nahrungsmittelproduktion, andere haben die Stadtentwicklung im Fokus. Ob Globalisierungskritiker, Anarchisten oder Umweltaktivisten: Letztendlich gehe es auch darum, Tempo aus dem Alltag zu nehmen, einen Ausgleich zu finden und gemeinsam kreativ zu sein.

Wer Lust bekommen hat, seinen grünen Daumen zu erforschen, kann sich an den Verein Ökostadt Bremen wenden. Im Kulturzentrum Lagerhaus haben Mitglieder verschiedener Vereine eine Arbeitsgemeinschaft zum Thema Urban Gardening gegründet. Der Zusammenschluss verfolgt das Ziel, eine Plattform zur Bündelung von Ideen zu schaffen.

Download
Schlagwörter
, , , , , ,
Kategorien
  • Leseproben