Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

BMXing from Bremen to Durban

Inclusive Project: Sportgarten

14. September 2016

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SPORTGARTEN. The people behind this neighbourhood-funded bike, skate and climbing park in Germany have transported the idea to Durban, SA

“From the very beginning,“ says Ulli Barde, head of inventive German sports initiative Sportgarten, „this has been an inclusive project for all kinds of youngsters, no matter what their age, sex, education, ethnicity, social status or place of residence.”

Young people in Bremen, north-west Germany, lacked space to hang out and play sports together whenever they wanted, especially when it came to skating, BMX and climbing as these sports didn’t qualify for city funding.

“We learned not only to design a facility, but also to get the money to build it,” recalls Barde. “Together with the kids we raised €200,000 through sponsored runs, charity activities, flea markets and other events.” The park opened in 1999 and 200-300 young people now visit every day.

Now the city of Durban in South Africa – the cities are twinned – has adopted the concept to build a South African version. Youngsters from Durban can do internships at Sportgarten while Ulli Barde and his team send interested Germans as volunteers to their partner organisation in the city.

One of these volunteers, Moritz Kistenfeger, spent a year in Durban and was involved in the construction of three bike parks in the Inanda, Ntuzuma and KwaMashu (INK) area 30k north of the city. The area has the second largest agglomeration of poor neighbourhoods in the country.

“The sites give kids the chance to learn and practice biking in a safe environment with professional coaches,“ says Moritz. „Later they will be able to do their homework under supervision in classrooms on these sites.”

The programme is open to everybody and is free of charge. “The sites have already become a real venue for young people: they can’t wait to be on the tracks,” explains Moritz. “That’s because there are basically no alternatives in the area. In other parts of the city with a mainly white population, you have huge facilities with ten gardeners and a view of the Indian Ocean. I’ve never seen a contrast like that before.”

“I learned a lot while working in this project – mainly that there are other ways of doing things. Because it’s sometimes not as organized as in Germany, I had to learn to be patient and more creative in solving problems,” sums up Moritz Kistenfeger.

Sandile Maphumolo from Durban also experienced a new culture when coming to Germany. “At first I was quite put off because I found it unwelcoming. In time I learned to understand that every culture is different and I need to adjust to the system and enjoy the experience.”

Besides the exchange with Durban, Ulli Barde constantly talks to sponsors, organizes big events and establishes new cooperative projects. The latest Sportgarten venture is the construction of an indoor skate park in downtown Bremen – with a difference.

The skate park will be combined with a digital media centre so kids can work creatively together in designing urban venues, making videos and using a laser cutter. “The technology also helps in getting young people to take part in decision-making processes,” says Barde. “It’s easier to discuss ideas when the kids can plot out their models with the laser cutter and make them tangible. I’m always interested in bringing together different groups, in this case skaters and computer nerds.“

Meanwhile the Sportgarten’s techniques are getting international recognition: the EU has included them in next month’s European Week of Cities and Regions. „We will present Sportgarten and discuss with the other countries how cities are addressing the challenge of urban poverty through inclusion, education and social innovation initiatives,” says Ulli Barde. “We are excited to learn from other innovative projects and to share our expertise.”

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Take-away für Reste

Too Good To Go sorgt mit einer App dafür, dass Restaurants weniger Essen wegschmeißen müssen

5. Juli 2016

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Seit diesem Jahr sind sie in Frankreich Pflicht: die sogenannten Doggy Bags. Der Begriff stammt aus den USA und hatte ursprünglich die Bedeutung, dass Essensreste im Restaurant für den Hund eingepackt wurden. Kein Wunder, dass sich die Haute Cuisine, die gehobene französische Küche, mit dem Konzept schwertut.

Was in vielen Ländern eine Selbstverständlichkeit ist, galt in Frankreich lange Zeit als Fauxpas: Ist die Mahlzeit zu groß, lässt man sich die Reste eben einpacken. Doch ein neues Gesetz schreibt französischen Restaurants nun vor, Doggy Bags auf Lager zu haben, wenn sie mehr als 150 Essen pro Tag servieren. Denn allein in der Gastronomie werden jedes Jahr eine Million Tonnen Lebensmittel weggeworfen.

Le Gourmet Bag

Die französische Regierung möchte gegen die Verschwendung angehen: Bis 2025 soll nur noch halb so viel weggeschmissen werden. Allez la France! Helfen soll dabei unter anderem das Doggy-Bag-Gesetz. Und das Problem mit dem Begriff? Hierfür fanden Gastronomen eine elegante Lösung: Sie tauften die „Hundetüte“ kurzerhand um in „Gourmet Bag“.

Bis das Konzept im Land der Gourmets richtig akzeptiert ist, wird es wohl noch etwas dauern – laut einer Umfrage der Regierung haben 70 Prozent der Franzosen noch nie Reste mit nach Hause genommen. Allerdings wird die Idee der Doggy Bags von 75 Prozent der Befragten befürwortet.

Wir Deutschen haben da grundsätzlich etwas weniger Hemmungen, die Überbleibsel unseres Schnitzels oder der Gemüsepfanne zum späteren Verzehr mitzunehmen. Trotzdem: Auch bei uns muss die Gastronomie pro Gast rund 23,6 Kilogramm Lebensmittel im Jahr wegwerfen.

Zu gut für die Tonne

Anders als in Frankreich setzt die Bundesregierung auf Freiwilligkeit und hat die Initiative „Zu gut für die Tonne“ ins Leben gerufen. Im Rahmen der Aktion „Restlos genießen“ wurden bundesweit 17.600 kompostierbare „Beste-Reste-Boxen“ an Restaurants verteilt. Sie können auch online bestellt werden und sollen die Gastronomie animieren, ihren Gästen das Einpacken von Resten aktiv anzubieten.

Außerdem gibt es die „Zu gut für die Tonne“-App mit derzeit rund 350 Rezepten von Sterneköchen und prominenten Kochpaten wie Sarah Wiener, Johann Lafer und Daniel Brühl. Sie zeigen, wie man aus übriggebliebenen Lebensmitteln leckere Restegerichte zubereitet. Die App gibt auch Tipps zum Einkauf, zur richtigen Aufbewahrung und Verwertung von Lebensmitteln.

App: Too Good To Go

Einen anderen Ansatz verfolgt das Startup Too Good To Go, das ebenfalls eine App entwickelte: Restaurants können damit ihre Speisen kurz vor Ladenschluss günstig an Selbstabholer verkaufen. Kunden zahlen über die App oder die Internetplattform, bekommen eine Bestätigung und holen sich das Essen dann direkt beim Betrieb ab. Dort erhalten sie eine biologisch abbaubare oder wiederverwendbare Box, die entweder bereits befüllt ist oder individuell zusammengestellt werden kann.

Die Idee dieses „Take-Away-Services“ für frische Lebensmittel, die ansonsten im Müll landen würden, startete Ende 2015 in Dänemark. Mittlerweile gibt es Teams in vielen Ländern. Die angebotenen Speisen haben einen Preis ab 2 Euro pro Portion, wovon ein Euro an das Startup geht, das sich um die digitale Infrastruktur und den Kundenservice kümmert. Ein Gewinn für alle Seiten, einschließlich der Umwelt: Für die Produktion der Lebensmittel sind schließlich Ressourcen und Transportwege angefallen.

In Dänemark kooperieren bereits über 300 Betriebe mit dem Jungunternehmen. Auch in Deutschland wächst die Zahl, wie man auf Facebook lesen kann: „Tag für Tag machen mehr Restaurants bei Too Good To Go mit und wir kommen unserem Ziel, dass all die leckeren Lebensmittel NICHT mehr in der Mülltonne landen, Stück für Stück näher.“ Übrigens: Wer noch kein kooperierendes Restaurant in seiner Nachbarschaft hat, kann dem Startup per Website-Formular Betriebe vorschlagen, die teilnehmen sollten.

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Urban Farming

ECF Berlin: Im Kreislauf gedacht

17. Mai 2016

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So frisch wie aus Omas Schrebergarten: Die ECF Farm produziert Fisch und Gemüse in Berlin-Schöneberg. Näher am Verbraucher geht es kaum.

Landwirtschaft mitten in der Stadt? Im Kleinen ist uns das Modell als Urban Gardening schon bekannt. Doch da geht es mehr um das städtische Gärtnern, die Begrünung von Brachflächen und Bepflanzung von noch so kleinen Beeten am Straßenrand. In den Gemeinschaftsgärten wird natürlich auch Gemüse angebaut und meist für den Eigenbedarf geerntet.

Das Konzept des Urban Farming geht jedoch weiter. In vielen Ländern leben bereits mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Um diese mit frischen Lebensmitteln zu versorgen ohne lange Transportwege und Kühlketten in Kauf nehmen zu müssen, haben sich einige Startups gedacht: Produzieren wir doch Gemüse und Fisch im großen Stil direkt in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zum Verbraucher.

Frisch aus der Hauptstadt

Beispiele dieser sogenannten Aquaponik-Farms sind Green Acre Aquaponics in den USA und hierzulande das Jungunternehmen ECF in Berlin. Das ECF-Team kombiniert die Zucht von Buntbarschen mit Gemüseanbau aus einem einfachen Grund: Das nährstoffreiche Wasser aus der Fischzucht eignet sich hervorragend als umweltfreundlicher Dünger für die Gewächshäuser. „Wir sehen in dieser Art von Farmsystem in der Stadt viel Potenzial“, sagt ECF-Geschäftsführer Nicolas Leschke. „Es spart Wasser, CO2 und Transportwege. Die Lebensmittel werden nachhaltig produziert und kommen wirklich frisch beim Konsumenten an.“

Wer die Produkte etwa am ECF-Stand in der Markthalle Neun in Kreuzberg kauft, kann sich sicher sein, dass weder Gentechnik noch Antibiotika oder Pestizide bei der Herstellung im Spiel waren. Der Fisch stammt nicht aus überfischten Weltmeeren, er wird handgefangen, handverarbeitet und handverpackt. Mittlerweile hat der „Hauptstadtbarsch“ Einzug in viele Supermarktfilialen in Berlin erhalten. Saisonales Gemüse und Kräuter werden auch an Gastronomie-Betriebe geliefert.

So funktioniert‘s

Aquaponik setzt sich zusammen aus Aquakultur, also der Fischaufzucht in einer Kreislaufanlage, und Hydroponik, dem Pflanzenanbau im Wasser. Das Gesamtsystem ist sehr ressourcenschonend konzipiert: Das auf dem Dach gesammelte Regenwasser wird zunächst in der Aquakultur eingesetzt, wo die Speisefische heranwachsen und dabei das Wasser mit Nährstoffen anreichern. Anschließend gelangt das Wasser in den Gewächshausteil der Farm, wo die Pflanzen die Nährstoffe aus dem Wasser für ihr Wachstum nutzen.

Grundsätzlich könnten verschiedene Süßwasserfische in der Anlage produziert werden. Die ECF-Farmer haben sich zunächst für den Buntbarsch entschieden. Sein weißes Fleisch ist wohlschmeckend und hat wenig Gräten. Der Buntbarsch – auf Grund seiner rötlichen Färbung auch Rosé Barsch genannt – ist weltweit ein gefragter Fisch für Aquakulturen, da er krankheitsresistent und ein guter Futterverwerter ist. 1,2 Kilogramm Biofutter ergibt 1 Kilogramm Fisch. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Rindfleisch benötigt ganze 8 Kilogramm Futter.

Das Hauptstadt-Gemüse besteht unter anderem aus Tomaten, Salat, Sprösslingen und Kräutern. „Darunter befinden sich auch spannende alte Sorten“, verrät Nicolas Leschke. Sie werden saisonal angebaut und tagesfrisch an den Kunden weitergegeben.

Nischengeschäft

Das Hauptgeschäft von Leschke und seinem Team ist jedoch nicht die Berliner ECF Farm an sich, sondern das Planen und Bauen von Aquaponikfarms für den internationalen Markt. Die Nachfrage scheint zu wachsen. Doch Leschke ist Realist: „Urban Farming wird immer eine Nische bleiben. Um den Lebensmittelbedarf aller Menschen zu decken, bleibt die traditionelle Landwirtschaft unerlässlich.“

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Das erste Mal

Verliebt in eine Frau

22. Januar 2016

Michele hat einen Freund, schon seit vielen Jahren. Dann trifft sie Elif, eine türkische Studentin, die ihr Leben auf den Kopf stellt. Seitdem ist nichts mehr so, wie Michele es gewohnt war. Zum Glück.

Michele ist 21 als sie Elif kennenlernt. Als Aushilfen arbeiten die beiden Studentinnen bei der KVB, den Kölner Verkehrsbetrieben. Eine Begegnung, die Michele völlig aus der Bahn wirft.

Michele: „Nachdem ich Elif ein paar Mal getroffen hatte, wusste ich zwar, dass sie lesbisch ist. Ein Thema war das aber nicht. Ich hatte schon lange einen Freund. Für ihn bin ich auch nach Köln gekommen. Elifs Ausstrahlung hat mich aber von Anfang an fasziniert. Ich habe gemerkt, dass ich gern in ihrer Nähe bin.“

Elif: „Eigentlich war Michele gar nicht mein Typ. Ich fand sie am Anfang sogar eher unsympathisch: Sie war neu und die Jüngste bei der KVB und dachte trotzdem, sie könnte uns alle belehren. Aber das war nur der erste Eindruck. Als ich später herausfand, wie toll sie eigentlich ist, hat sich alles verändert.“

Mehr als Freundschaft?

Zusammen mit den anderen Aushilfen gehen sie aus und lernen sich besser kennen. Irgendwann wird Michele klar, dass da etwas zwischen ihnen ist. Etwas, das mehr ist als Freundschaft. Aber was? Sie findet es heraus, als sie gemeinsam Karneval feiern.

Michele: „Wir hatten ausgemacht, dass ich bei Elif übernachte. Ich glaube, wir hatten beide das Gefühl, dass an diesem Abend etwas passieren würde. Als wir nach dem Feiern in Elifs Wohnung ankamen, waren wir total verkrampft. Irgendwann hab ich mich getraut und gesagt: ‚Du, ich kriege noch ein Bützje von dir.‘ Aus dem traditionellen Karnevalsküsschen wurde dann aber ein ziemlich langer Kuss.“

„Am Tag danach war ich total fertig. Zuhause hab ich als erstes meine Mutter angerufen: ‚Mama, ich muss dir was erzählen, ich hatte gerade was mit einer Frau. Ich glaub, ich hab mich verliebt.‘ Ich wusste nicht, wo mir der Kopf stand. Doch meine Mutter hat nur gesagt: ‚Hör einfach auf dein Gefühl‘.“

Auf der einen Seite denkt Michele: „Ich muss mit meinem Freund reden“. Auf der anderen Seite ist alles neu, anders. „Ich muss nachdenken“, sagt sich Michele. Aber zum Nachdenken kommt sie nicht.

Michele: „Ich war voller Glücksgefühle, Elif hat so viel in mir wachgerüttelt, dass ich der Sache einfach nachgehen musste. Zwei Wochen treffen wir uns, alles verschwimmt in dieser turbulenten Zeit. Ich glaube, ich habe tagelang nicht geschlafen, weil unglaublich viel in mir passiert ist.“

Elif: „Ich wollte mich gefühlsmäßig erst nicht darauf einlassen, weil ich nicht dachte, dass Michele es wirklich ernst meinen könnte. Ich wusste ja, dass es da auch noch den Freund gibt. Ich hatte Angst, dass sie mir das Herz bricht.“

Michele ist klar, dass sie eine Entscheidung treffen muss. Ihr schlechtes Gewissen quält sie – und sie kann ihre Gefühle für Elif nicht mehr verbergen. Sie sagt ihr, dass sie es ernst meint. Dass es nicht nur „eine Phase“ ist. Auch Elif ist verliebt, sie will mit Michele zusammen sein. Dafür braucht es aber klare Verhältnisse.

Was bleibt, ist die Aussprache mit dem Freund. Wirklich erklären kann Michele ihm das Ganze nicht, weil sie es ja selbst kaum versteht. Aber sie will ehrlich sein.

Michele: „Ich habe nicht drumherum geredet. Einfach raus damit, dachte ich: ‚Ich habe mich in eine Frau verliebt, und zwar durch und durch‘. Das war nicht einfach. Er konnte das gar nicht verstehen. Es kam für ihn ja auch aus heiterem Himmel, er hatte die Entwicklung nicht mitbekommen. Aber danach war ich erleichtert: endlich Klarheit.“

Eine Sache des Respekts

Michele würde ihre Freude am liebsten mit der ganzen Welt teilen. Aber das geht nicht. Denn Elif redet mit ihrer türkischen Familie nicht offen über ihr Privatleben, so wie es Michele tut. Zu diesem Zeitpunkt ist Elif vor ihrer Mutter noch nicht geoutet, sie möchte auch nicht, dass jemand auf der Arbeit etwas davon weiß. „Ich bin so erzogen worden, dass man sich als Paar in der Öffentlichkeit nicht küsst, das hat was mit Respekt vor anderen Leuten zu tun“, sagt Elif.

Michele: „Für mich war das ungewohnt. Ich kannte das so nicht. Als wir länger zusammen waren, lernte ich ihre Familie kennen. Ich musste aber immer aufpassen, was ich sage, denn wir waren ja angeblich nur Arbeitskolleginnen, Mitbewohnerinnen und beste Freundinnen. Als wir zusammengezogen waren und die Familie zu Besuch kam, nahmen wir die gemeinsamen Bilder von der Wand und gaben vor, das Arbeitszimmer sei mein Zimmer.“

Heute sind Elif und Michele verheiratet. Es hat zwar gedauert, bis Elif den Mut aufbrachte, ihrer Mutter zu sagen, dass sie lesbisch ist. Und sie traute sich erst einen Monat vor der Hochzeit, ihr zu erklären, dass sie Michele heiraten würde. Aber nun wissen alle Bescheid. Ihre Mutter erlitt keinen Nervenzusammenbruch, wie Elif befürchtet hatte. Sie kam sogar zur Hochzeit. Durch Micheles offenen Umgang bin ich auch entspannter geworden“, sagt Elif. Spätestens auf der Hochzeit haben alle gesehen, wie glücklich wir sind. Und darum geht es doch.“

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Was Hip-Hop mit veganem Fastfood zu tun hat

Die Schnittstelle heißt „Bär“

10. Dezember 2015

Xond, das heißt gesund. Auf Schwäbisch versteht sich. Xond soll eine gesunde, vegane Bio-Fastfood-Kette werden. Bio und Fastfood klingt widersprüchlich? Nicht für Musikproduzent Andreas Läsker, genannt Bär.

Der Manager der Fantastischen Vier will nun die Gastroszene rocken. Und zwar 100 Prozent vegan. Dass ihn das Thema beschäftigt, zeigte er schon Anfang des Jahres mit seinem Buch „No Need for Meat“. Für den 52-Jährigen steht fest: Möchte man den ganzheitlichen Weg gehen, gibt es keine andere Option, als sich vegan zu ernähren. Daher auch der Slogan „Xond – nix wie veg“.

Mit seiner Idee will Läsker die immer wachsende Nachfrage nach veganer Ernährung decken. Er findet das aktuelle Angebot viel zu klein: „Wenn ich durch Stuttgart laufe, fällt mir immer wieder auf, dass man auf die Schnelle nur Schrott essen kann“. Currywurst, Pommes, Pizza, Döner – braucht kein Mensch, meint der Feinschmecker. Zumindest nicht tierisch und fetttriefend. Fritten soll es auch bei Xond geben, aber deren Fettanteil beträgt nur fünf Prozent.

Die Gerichte für das Restaurant hat das Team von Xond selbst entwickelt. Läskers Highlight: das Xondwich mit Zucchini, getrockneten Tomaten, der eigens kreierten Mayo und Räuchertofu. „Bloß nichts, was durchsuppt wie Gurken und Tomaten“, sagt Läsker, der viel und gerne kocht. Es wird auch anderes klassisches Fastfood geben, nur eben in bio und vegan.

Warum Fastfood?

„Wir leben in einer sehr schnellen Zeit“, sagt der Stuttgarter. „Und manchmal brauchen wir auch eine schnelle Mahlzeit. Das muss aber nicht gleichbedeutend mit ungesund sein.“ Gesunde Ernährung sei viel einfacher als die meisten sich das vorstellen. Er wolle zeigen, dass man auch mit Fastfood bewusst leben kann – und nicht auf Kosten von Tier und Umwelt.

Warum Kette?

Xond wird ein Franchise-Unternehmen, andere können also Xond-Filialen eröffnen, wenn sie eine Lizenzgebühr an Läsker zahlen. „Der Aufwand, das Baby großzuziehen, soll sich ja auch lohnen“, sagt er. Und die Marktlücke für vegane, gesunde und schnelle Kost sei überall in Deutschland riesig. Die erste Filiale wird voraussichtlich Ende März im zentralen Stuttgarter Leonhardsviertel öffnen. Gespräche mit Franchise-Partnern in weiteren Städten werden bereits geführt.

„Wir machen direkt neben einer Currywurstbude auf – besser geht’s nicht!“ Andreas Läsker

Im Xond-Team mischen inzwischen viele junge Leute mit. „Manche haben sich über Facebook gemeldet und wir bekommen viele Mails von Leuten, die einfach Bock haben mitzuhelfen.“ Für Läsker ist längst offensichtlich, dass vegane Ernährung kein Trend mehr ist, sondern ein Paradigmenwechsel. „Das geht auch nicht wieder zurück“, ist er überzeugt.

In der Musikbranche hat Andreas „Bär“ Läsker schon bewiesen, dass er Marktvoraussicht, strategisches Denken und Marketingwissen mitbringt: Aus den vier Stuttgarter Jungs, die ihm in seinem Plattenladen 1989 ihr Tape in die Hand drückten, wurde eine der beliebtesten Hip-Hop-Gruppen Deutschlands.

Bei seinem neuen Projekt hofft er auf denselben Erfolg: Er sieht in Xond nicht nur ein Restaurant, sondern eine Marke. Eigene Xond-Produkte wie Ketchup, Majo und Senf sind in der Entwicklung und Kooperationen mit Krankenkassen, Personalabteilungen und Ernährungsberatern in Planung. Auch eine rein vegane Messe, Vorträge und Kochkurse will Xond anbieten.

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Im Fitnessstudio Strom erzeugen – geht das?

Power to go

19. November 2015

Ein Fitnessstudio ist eigentlich das reinste Kraftwerk: Täglich setzen wir dort mit unseren Muskeln Energie frei. Wie können wir die weiterverwenden?

Auch Umweltverbände haben sich diese Frage gestellt: Schon 2004 luden der Naturschutzbund und der Verkehrsclub Deutschland zum weltweit ersten regenerativen Fitnessstudio ein (Pressemitteilung). Die Idee: Transformations-Dynamos würden die auf dem Fahrrad produzierte Energie direkt ins Stromnetz einspeisen.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch. Die Meldung war ein Aprilscherz.

Was damals noch völlig utopisch schien, ist in England heute Wirklichkeit. The Great Outdoor Gym Company betreibt Fitnessparks auf öffentlichen Plätzen. Seit ein paar Jahren auch mit Geräten, die Strom produzieren, wenn man sie nutzt. Damit können Studenten eines Colleges jetzt zum Beispiel ihre Handys aufladen. Die überschüssige Energie wird ins Netz eingespeist und fließt ins Unigebäude.

Geht das auch in Deutschland?

Ganz so weit sind wir in Deutschland noch nicht. Aber einen Vorreiter gibt es auch hierzulande: das Green Gym Berlin. Betreiber René Eick, 52 Jahre, Fitnesstrainer auch Maschinenbauingenieur, hat es schon immer gewurmt, dass die in seinem Fitnessstudio erzeugte Energie einfach im Trainingsschweiß verpufft. Die Gäste strampeln – und was kommt dabei heraus? Wärme. Dabei wäre doch Elektroenergie viel praktischer.

Um diese Transformation hinzubekommen, baute Eick die Geräte mit ein paar Tüftler-Freunden auseinander, installierte Spannungswandler und legte Kabel zu einer Batterie. „Bis wir raus hatten, wie es funktionieren könnte, vergingen ungefähr vier Monate“, erzählt Eick. Damals, 2009, sei er der erste in Europa gewesen, der diese Idee in die Tat umsetzte. Insgesamt schloss er 19 Fahrradergometer und Crosstrainer an das interne Stromnetz an. Über Steckdosen an den Geräten können Mitglieder ihre Handys oder MP3-Player aufladen und so ihren selbst produzierten Strom mitnehmen. Die nicht verwendete Energie fließt in die Beleuchtung des Kardiobereichs.

Eine Frage des Profits

„Man darf sich aber nichts vormachen“, räumt Eick ein. „Wer eine Stunde auf dem Crosstrainer schwitzt, erzeugt um die 80 Wattstunden. Damit kann man zwei Glühlampen eine Stunde lang zum Leuchten bringen.“ Um ein Handy komplett zu laden, müsse man schon zwei bis drei Stunden trainieren. Das erklärt wohl auch, warum das Studio in Prenzlauer Berg mit seinen stromproduzierenden Geräten noch immer allein auf deutscher Flur ist. „Die Technik ist noch nicht so effizient, dass die Industrie eine Möglichkeit auf Profit sieht“, sagt Eick. Auch er selbst verdiene an der Idee kein Geld.

René Eick geht es aber um etwas anderes. Die Leute kämen in sein Studio, um sich gesund und fit zu halten. Wenn sie ihre eigene Energie nach dem Workout mitnehmen können, gäbe es einen doppelten Nutzen: „Zum einen steigert es die Motivation. Zum anderen wird ihnen bewusst, wie Energie erzeugt und genutzt werden kann. Vielleicht denken sie dann auch Zuhause darüber nach, woher ihr Strom kommt.“

Nicht ohne mein Fahrrad

Noch ist das Interesse an grünen Fitnessgeräten auf dem deutschen Markt überschaubar. Immerhin kommt die Technik aber spielerisch zum Einsatz: In vielen Städten finden zum Beispiel Fahrradkinos statt. Dabei treten mehrere Menschen auf festmontierten Fahrrädern in die Pedale, um Strom für die Projektion eines Films zu erzeugen.

Hier setzt auch das Startup Pedal Power aus den USA an. Das Unternehmen designt zweckentfremdete Fahrräder, um Strom zu generieren. Denn warum sollte man die Effizienz eines Fahrrads nur nutzen, um sich fortzubewegen? Besonders wertvoll könnte die erstrampelte Energie bei einem Stromausfall werden und für Menschen in Entwicklungsländern, meinen die Gründer.

Pedal Power ist davon überzeugt, dass die Fahrradtechnologie für viele tägliche Aufgaben eingesetzt werden kann. Die eigene Energie zu nutzen statt den Strom einfach vom Netz zu zapfen, mache nicht nur Spaß, schreiben die Unternehmer auf ihrer Website. Man begreife besser, wie viel Energie man verbraucht. Das könnte dabei helfen, seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern.

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Referenzen

  • Leseproben