Johanna Meadows

Johanna Meadows

  • Nachhaltige Kommunikation
  • „Ich lese, schreibe, höre und sehe viele bunte Geschichten in meinem Alltag. Manche pflanze ich hier auf meine Textwiese.“
  • Neue Perspektive

    7. Januar 2015

    Spock_neu

    Seit einem intensiven Einblick in die Arbeit der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch im Jahr 2009 verfolge ich – mal mehr, mal weniger – die jährlichen UN-Klimakonferenzen. Damals bekam ich die Möglichkeit, bei den Konferenzen in Bonn und Bangkok und sogar beim großen Gipfel in Kopenhagen dabei zu sein. Obwohl ich die zähen Verhandlungen live erlebt habe, hat es mich in den darauf folgenden Jahren immer wieder frustriert, dass es in der Klimapolitik gefühlt gar nicht vorwärts geht. Einige Länder sehen es nicht ein, etwas zu tun, da sie sich nicht als Verursacher des CO2-Anstiegs sehen. Anderen fehlt, wie es immer so schön heißt, der politische Wille. Und dann gibt es noch solche Kandidaten, die an den Sitzungen nur teilnehmen, um sie zu blockieren.

    Im Herbst dieses Jahres soll in Paris ein neues globales Klimaabkommen als Nachfolger für das Kyoto-Protokoll beschlossen werden. Aber auch die vorbereitende Konferenz in Lima im Dezember 2014 endete enttäuschend. Umweltverbände kritisierten den „gefährlich schwachen Text“, der keinen Fortschritt im Hinblick auf das Ziel bringe, das Zwei-Grad-Limit der Erderwärmung einzuhalten. Da fragt man sich manchmal schon, wozu das Ganze gut sein soll. Woher nehmen die NGOs und andere Vorreiter immer wieder die Energie, weiterzukämpfen?

    Immer schön langsam
    Während ich diesen Gedanken nachhing, stieß ich neulich auf einen interessanten Artikel, der zwar nicht alle Fragen beantwortet, aber eine neue Perspektive aufzeigt. Der Grund, warum die Klimagipfel nur im Schneckentempo funktionieren, ist dem Umweltwissenschaftler Hermann E. Ott zufolge dieser: Auf dem Kyoto-Gipfel 1997 wurde eine Fehlentscheidung getroffen. Anstatt das Kyoto-Protokoll nur für diejenigen Staaten zu öffnen, die wirklich Klimaschutz wollen, durften auch die Bremser, etwa Erdöl produzierende Staaten, beitreten. Und die hätten auch dafür gesorgt, dass es keine Mehrheitsentscheidungen gibt, sondern alles einstimmig entschieden werden muss. Klar, dass man dann bei so vielen Staaten mit jeweils sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen nicht vorankommt.

    Ott ist der Ansicht, dass auch nach dem Scheitern in Lima ein Vertrag in Paris zustande kommen kann, allerdings auf dem allerkleinsten Niveau – und deshalb ungeeignet, um den Klimawandel aufzuhalten. Auf die Frage, ob es angesichts der Gegensätze überhaupt Sinn macht, die Klimagipfel fortzuführen, sagt der Grünen-Politiker: „Ja, diese globalen Konferenzen machen weiter Sinn. Aber man sollte keine Dinge erwarten, die sie nicht leisten können. Und sie sind eben nicht geeignet, um die erforderlichen Minderungen für Treibhausgase zu vereinbaren. Wir brauchen eine Klimapolitik der unterschiedlichen Geschwindigkeiten, keinen Einheitsbrei für alle.“

    Action-Club für Klimaschützer
    Und wie sieht nun seine Alternative aus? Neben der globalen Konvention, meint Ott, müsse ein Vertrag der Klimaschützer geschaffen werden. Da kämen eine ganze Menge Länder in Frage: In Europa neben Deutschland auch Dänemark, Schweden, Frankreich und Portugal. In Afrika Marokko und Südafrika. In Lateinamerika Mexiko, Costa Rica, Panama, Kolumbien, Peru, Brasilien und Chile. In Asien Südkorea, die Philippinen und Bangladesch. Und sowieso alle kleinen Inselstaaten, die vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind. All diese Staaten sollten sich – außerhalb der UN-Verhandlungen – zusammentun und ihre Kräfte bündeln.

    Ein Klima-Action-Club der Vorreiter muss also her, damit nicht nur Tacheles geredet wird, sondern auch endlich was passiert. Klingt für mich plausibel. Peter Altmaier (CDU) hatte seinerzeit bereits eine Klimafreunde-Gesprächsrunde ins Leben gerufen – allerdings ohne viel Action. Ob Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auf den Zug aufspringen wird?

    Schlagwörter
    , , , ,