Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Zugang zu Therapie und Bildung schaffen

AGEH-Fachkraft in Kenia

1. September 2014

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Einen typischen Alltag hat Jutta Wermelt in Kenia nicht. Die Ergotherapeutin arbeitet in dem ostafrikanischen Land als integrierte Fachkraft für die Organisation Special Education Professionals (SEP). Mit einem multi-disziplinären Team setzt sich die NGO für Bildung, Rehabilitation und Gesundheitsfürsorge in Kenia ein.

„Jeder Tag sieht anders aus“, sagt die Entwicklungshelferin. Im Rahmen ihrer Teilzeitstelle beschäftige sie sich hauptsächlich mit der Organisationsentwicklung: Policy-Entwicklungen, strategische Planung und Planung von Workshops für Eltern mit behinderten Kindern. Finanziert wird Jutta Wermelts Mitarbeit von der Bethlehem Mission Immensee, für die sie ebenfalls tätig ist: Mit einer weiteren Teilzeitstelle ist sie die Landeskoordinatorin in Kenia und derzeit für sieben Fachkräfte verantwortlich.

Die Entwicklungszusammenarbeit interessiert Wermelt schon seit Jahren. „Ein Einsatz im Ausland ermöglicht das Kennenlernen und Verstehen von anderen Wertvorstellungen, fremden Lebensumständen und Kulturen“, so die 42-Jährige. „Das Leben und Arbeiten in einem globalen Kontext bietet Herausforderungen, aber auch immer lohnende und befriedigende Erfahrungen im Rahmen einer sinnvollen Tätigkeit.“ Die kenianische Organisation SEP arbeitet überwiegend mit Freiwilligen zusammen. Derzeit gibt es drei Vollzeitkräfte, Jutta Wermelt als Teilzeitkraft, sowie über 45 Freiwillige, zu denen auch die Leitung und stellvertretende Leitung gehören.

Jutta Wermelt engagiert sich auch in den Partnerprojekten von SEP, begleitet und evaluiert laufende Projekte und bildet SEP-Mitarbeiter weiter. Außerdem kommen Konsultationen von Eltern mit behinderten Kindern hinzu. In der Republik am Indischen Ozean werden Fachkräfte wie Wermelt dringend gebraucht: „Das Gesundheitswesen in Kenia hat zwar in den letzten Jahren Fortschritte gemacht, ist allerdings von nachhaltiger Versorgung noch weit entfernt“, erklärt die Ergotherapeutin. Dies liege an zu wenig ausgebildetem Personal und schwachen Gesundheitssystemen. „80 Prozent der Menschen mit Behinderungen lebt in Entwicklungsländern“, führt Wermelt fort. „Jeder Fünfte der weltweit ärmsten Menschen ist behindert.“

Die Organisation SEP versucht daher, die Situation in Kenia zu verbessern, indem sie den Zugang zu Therapie und Bildung vor allem für benachteiligte Familien ermöglicht. Der Hauptfokus liegt auf Schulungen von Therapeuten und Lehrern sowie Community-Mitgliedern. „Durch meinen beruflichen Hintergrund kann ich SEP bei einem Wissenstransfer systematisch unterstützen – von einfachen Prozessen bis hin zu Projekten mit internationalen Organisationen“, so Jutta Wermelt.

In Zusammenarbeit mit ihren Kollegen konnte Wermelt in den vergangenen Jahren Netzwerke mit anderen NGOs aufbauen, die ebenfalls im Behindertenbereich tätig sind. „Wir konnten gemeinsam mehrere Awareness-Tage in einkommensschwachen Gebieten durchführen. Daraus resultierte eine therapeutische sowie schulische Beratung für Familien mit behinderten Kindern“, berichtet die Entwicklungshelferin. Außerdem habe sich die Anzahl an Workshops mit unterschiedlichen Themenbereichen erhöht. Dies ermögliche einkommensschwachen Familien einen verbesserten Zugang zu therapeutischen Interventionen. Workshops und Trainings würden nun systematischer durchgeführt.

So ist Jutta Wermelts Arbeit vor Ort immer wieder von vielen positiven Gegebenheiten geprägt. „Mich persönlich freut die Entwicklung meiner jungen kenianischen Kollegen sehr, die offen ihre Fortschritte und Herausforderungen teilen. Die direkten Auswirkungen von Schulungen zu sehen, ist sehr befriedigend.“ Ein Beispiel ist eine junge kenianische Ergotherapeutin: Sie habe sich über Schulungen und „Training of Trainers“ beruflich und persönlich so erfolgreich weiterentwickelt, dass sie nun selbst Schulungen und Fortbildungen durchführt und eine wichtige Position in der Organisation innehat. Ein weiteres positives Erlebnis: Durch die Netzwerkarbeit wurden Fördergelder genehmigt, mit denen SEP nun in fünf Community-Projekten über zwei Jahre lang Workshops und Schulungen für Mütter und Betreuer von Kindern mit Behinderung durchführen kann.

Neben den erfreulichen Erfahrungen bei einem Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit gibt es aber auch immer Herausforderungen. „Es ist sehr wichtig, sich abzugrenzen von der manchmal überwältigen Not und Armut, die in Kenia herrschen“, sagt Jutta Wermelt. „Ohne gute Abgrenzung entwickelt man Zynismus oder verfällt in eine Hilflosigkeit, die einem die Sicht auf jene Dinge verschränkt, die gut laufen.“ Ebenso entscheidend sei es, täglich eine gewisse Portion Gelassenheit und Ausgeglichenheit mitzubringen, um den teils schwierigen Arbeitsbedingungen zu begegnen. „Ich empfinde es als sehr interessant, mein fachliches und praktisches Wissen mit den interkulturellen Herausforderungen zu vereinen“, verrät Wermelt. „Es ist ein Balance-Akt, sich kulturell anzupassen, aber auch Anstöße zu Veränderungen zu geben.“ Die Zusammenarbeit mit ihren einheimischen Kollegen mache ihr viel Freude. Der interkulturelle Austausch sei hierbei äußerst wichtig: „Nur so habe ich die Möglichkeit, den lokalen Kontext immer besser zu verstehen und einen Beitrag zum wirkungsorientierten Arbeiten zu leisten.“

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