Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Marathon gegen die Abhängigkeit

Andreas Böll findet bei der Drogenhilfe Neues Land zum Glauben und läuft der Sucht davon

28. Oktober 2012

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BREMEN. In der christlichen Drogenhilfe Neues Land können ausstiegsorientierte Suchtkranke vorübergehend wohnen. Zum Beispiel nach einer Therapie und bevor sie eine eigene Wohnung gefunden haben – wie im Fall von Andreas Böll. Die Einrichtung, sein Glaube an Gott und der Sport haben ihm geholfen, die Drogen aufzugeben.

„Ich wollte noch mal ganz von vorne anfangen“, sagt Andreas Böll und bezieht sich auf die Zeit, als er in die Übergangseinrichtung des Vereins Neues Land, das Haus „Beth Manos“ am Dobben, kam. Das war im Juni 2010 als er gerade eine weitere Entzugskur in einer Klinik hinter sich hatte. Dort lernte er Marianne Richter kennen, die Leiterin des Hauses. „Sie hat mir sehr geholfen. Ich war damals dreiviertel tot.“

Böll wuchs in Kinderheimen auf, hat zwölf Jahre wegen Raub- und Gewaltdelikten im Gefängnis gesessen und eine Drogenkarriere hinter sich, die wenig ausgelassen hat. Heroin, Kokain, Schlaftabletten, Alkohol – an seiner starken Abhängigkeit konnten auch unzählige Drogenentgiftungen nichts ändern. Bis der gebürtige Westfale eine Art Zuhause in der Hilfseinrichtung Neues Land fand. Er entschied sich, eine weitere, letzte Therapie zu machen.

„Ich habe mich zum ersten Mal nicht fremdmotiviert gefühlt, ich wollte es aus eigenem Willen schaffen.“ Er sei damals psychisch und physisch so am Boden gewesen, dass er es als „Bewahrung“ empfindet, noch am Leben zu sein.

Seit zwei Jahren clean
Nicht nur die Drogen haben dem 45-Jährigen beinahe das Leben gekostet. 1988 steckte er sich mit Hepatitis C an. 2004 kam die Diagnose HIV-positiv. Vier Jahre später erkrankte er an Lymphknotenkrebs. Aber er erholte sich, immer wieder gewann er den Kampf. Seit zwei Jahren ist Böll clean. Nach der letzten einjährigen Therapie kam er noch einmal in die Übergangseinrichtung am Dobben zurück. Nun hat er eine eigene Wohnung gefunden und wird demnächst ausziehen.

„Während der Entzugszeit ging es mir sehr schlecht, ich war traurig, einsam und depressiv“, erzählt Böll. Er fing an, sich Herausforderungen zu suchen und Ziele zu setzen. „Sport war für mich das beste Antidepressiva.“ Irgendwann ging er täglich joggen, mit dem Ziel, beim Bremen-Marathon 2011 mitzulaufen. Anfangs schaffte sein Körper nur zwei Kilometer am Stück. „Vor der Therapie hatte ich ja auch 50 Zigaretten am Tag geraucht.“

Aber nach sieben Monaten harter Arbeit lief Andreas Böll die 42 Kilometer – für das Haus „Beth Manos“. „Als ich das erste Mal in die Einrichtung kam, hatte ich mir den Marathonlauf fest vorgenommen. Ich wollte etwas zurückgeben.“ Auch in diesem Jahr setzte Böll sich wieder Ziele: Am 15. September lief er beim Spendenlauf für die Drogenhilfe Neues Land mit – ganze 48 Kilometer. Damit brachte er dem Verein rund 1000 Euro ein. Nur drei Wochen später lief er erneut beim Bremen-Marathon mit.

Auf viel Unterstützung angewiesen
Ob sein stabiler Zustand so bleibt, sei immer ohne Gewähr. „Ich werde aber dranbleiben“, sagt Böll. Nach einem Entzug sei es für Drogenabhängige wichtig, den Alltag zu meistern. Dabei würde in seinen Augen ein Nachsorgehaus Sinn ergeben. Diese Meinung teilt auch „Beth Manos“-Leiterin Marianne Richter. „In unserer Übergangseinrichtung bleiben die Bewohner bis zu zwölf Wochen“, so Richter. Aber gerade nach einer Therapie würden sich neue Herausforderungen stellen und die Betroffenen wären weiterhin auf viel Unterstützung angewiesen.

„Ich würde mir eine Wohngemeinschaft zusammen mit Betreuern wünschen“, führt Richter weiter aus. Der familiäre Charakter habe eine therapeutische Wirkung. Das zeige ihre Erfahrung im Haus, in dem die Mitarbeiter zum Teil auch wohnten. Böll ergänzt: „Wer eine Lebensgeschichte wie ich hat, der fühlt sich wie ein verlorener Sohn und möchte einfach mal ankommen.“ In einer solchen WG könne man sich gut aufgehoben fühlen.

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