Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Mandarinen oder Clementinen – was ist der Unterschied?

15. Januar 2018

Die kalte Jahreszeit hat so ihre Höhen und Tiefen. Meist ist es hierzulande grau und trist. Und eben kalt. Das muss man dann gefühlt ein halbes Jahr aushalten. Aber es gibt auch schöne Seiten wie Plätzchen backen, gemütlich Tee trinken, Schneelandschaften – und der Geruch von Orangen und Mandarinen.

Beim Kauf von diesen winterlichen Zitrusfrüchten habe ich mich schon oft gefragt, was eigentlich der Unterschied zwischen Mandarinen und Clementinen ist. Sie werden oft als Synonym benutzt, aber als ich genauer recherchiert habe, bin ich auf einige Unterschiede gestoßen. Diese will ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Kaufen wir Mandarinen oder Clementinen?

Seitens der EU wird alles als Mandarine klassifiziert, auch wenn es eigentlich eine Clementine oder eine Satsuma ist. Der Handel hingegen deklariert alles als Clementinen. Biologisch gesehen gibt es definitiv einen Unterschied: Die Clementine ist aus einer Kreuzung zwischen Mandarine und Pomeranze entstanden und erst etwa vor 100 Jahren von einem Herrn Clement aus Algerien gezüchtet worden. Die Geschichte der Mandarine hingegen reicht bereits mindestens 3000 Jahre in die Vergangenheit.

Äußerliche Unterschiede

Die beiden Zitrusfrüchte sehen auf den ersten Blick gleich aus. Die Unterschiede zwischen Clementinen und Mandarinen erkennt ihr aber, wenn ihr genauer hinschaut:

Die Clementine hat im Vergleich zur Mandarine fast keine Kerne. Die Mandarine unterteilt sich in der Regel in neun, die Clementine in acht bis zwölf Fruchtsegmente. Die Schale der Mandarine ist nicht so fest mit dem Fruchtfleisch verbunden und daher leichter zu schälen. Die Schale der Clementine dagegen lässt kaum Luft zwischen sich und dem Fruchtfleisch. Dadurch ist sie länger haltbar, aber auch schwerer zu schälen.

Herkunft, Anbau und Erntezeit

Mandarinen stammen aus China und werden dort schon seit mehreren Jahrtausenden angebaut. Ihr Name stammt wahrscheinlich von den Mandarins. Das waren hohe Beamte im kaiserlichen China, die eine orangefarbene Amtstracht trugen.

Heute werden Mandarinen auch in anderen Teilen der Welt angebaut, vor allem in tropischen und subtropischen Zonen. Die Mandarinen und Clementinen, die bei uns in den Handel gelangen, stammen meist aus Spanien, Italien, der Türkei und Israel. Erntezeit der Zitrusfrüchte ist Spätherbst, daher findet ihr sie bei uns zwischen Oktober und Januar.

Lagerung und Verzehr

Mandarinen können maximal ein bis zwei Wochen aufbewahrt werden, danach löst sich die Schale vom Fruchtfleisch und die Frucht trocknet langsam aus. Clementinen können an einem kühlen Ort bis zu vier Wochen lagern.

Egal ob Mandarine, Clementine, Satsuma, Orange oder andere Zitrusfrüchte – vor dem Schälen sollten die Früchte gründlich unter heißem Wasser abgewaschen werden. Im Anbau werden sie nämlich mit Pestiziden gespritzt und diese gelangen beim Schälen über unsere Hände auf die einzelnen Stücke. Deswegen ist es auch wichtig, sich nach dem Schälen möglichst noch mal die Hände zu waschen. Bio-Früchte unterliegen deutlich strengeren Richtlinien und dürfen nicht chemisch behandelt werden.

Zu guter Letzt sei gesagt: Sowohl Mandarinen als auch Clementinen sind ein leckeres und vitaminreiches Obst für den Winter. Beide versprühen aufgrund feiner Öldrüsen auf der Schale das uns bekannte wunderbar fruchtige Aroma. Das hebt nicht nur die Stimmung an grauen Wintertagen, man kann es auch gut zum Aromatisieren von Backwaren und Getränken nutzen.

Schlagwörter
, , , , , ,
Kategorien

Quinoa made in Europe – geht das?

18. September 2017

Die meisten von uns kennen Quinoa aus dem Supermarkt. Das nährstoffreiche Pseudogetreide stammt aus der Andenregion Südamerikas. Was viele nicht wissen: Die Pflanze gedeiht durchaus auch in unseren Breitengraden. Als Vorreiter beim Quinoa-Anbau in Europa hat sich die Dutch Quinoa Group etabliert.

Bis vor wenigen Jahrzehnten war Quinoa in Europa praktisch unbekannt. Erst in den Neunzigern entdeckte man die Pflanze als Nahrungsmittel neu: Vor allem Naturkostläden und die alternative Küche propagierten die nährstoffreichen Körner. Heute gelten sie als glutenfreies „Superfood“. Doch nicht alles daran ist super…

Quinoa-Anbau in Südamerika

Das Pseudogetreide wächst fast ausschließlich in seiner Herkunftsregion in den Anden. Mehr als 95 Prozent der gesamten Weltproduktion werden in Peru und Bolivien angebaut, der Rest in Ecuador. Die Transportwege von den Feldern bis nach Europa sind extrem lang. Das bedeutet: Klimabelastung durch fossile Treibstoffe.

Auch führt der Boom in reichen Ländern wie Deutschland zu höheren Preisen. Das bedeutet: Wo Quinoa früher ein Grundnahrungsmittel für viele Bauern war, ist sie ihnen heute zu teuer geworden. Zugleich breiten sich Quinoa-Anbauflächen durch die große Nachfrage stark aus und schädigen so die Ökosysteme der Anbauländer.

Quinoa-Anbau in Europa

Die Frage liegt nahe, warum wir Quinoa dann nicht einfach in Europa anbauen. Obwohl sich die Pflanze erstaunlich gut an unterschiedliche ökologische Bedingungen anpasst, ist es kein leichtes Unterfangen, Quinoa in Europa zu kultivieren. Unmöglich ist es jedoch nicht. Das beweist der niederländische Ernährungsberater und Landwirt Rens Kuijten.

Kuijten gehört zur neuen Generation von Landwirten, die dem Credo „Masse statt Klasse“ mit einem ausgeklügelten Unternehmensmodell zu trotzen scheinen. Er beschäftigt sich bereits seit 2001 mit dem Anbau von Quinoa und ist heute mit seinem Unternehmen, der Dutch Quinoa Group, mit einem ganzen Netzwerk von 40 Landwirten in den Niederlanden vertreten.

Kuijten verkauft hochwertiges Bio-Quinoa ohne Einsatz von Pestiziden und mit dem Fokus auf Regionalität. Sein Quinoa wird lokal verkauft. Die Dutch Quinoa Group arbeitet auch mit Universitäten zusammen, um den Anbau der Pflanze und den Reinigungsprozess weiter zu verbessern. Außerdem schult die Gruppe Unternehmen im Ausland, die dabei sind, ein Netzwerk vom Anbau bis zum Verkauf regional aufzubauen. Mittlerweile haben sich Quinoa-Bauern europaweit zur European Quinoa Group zusammengeschlossen, darunter auch Landwirte aus Deutschland.

Quinoa im eigenen Garten

Wer nicht warten will, bis Quinoa auch hierzulande in so großem Stil angebaut wird, dass wir das heimische Produkt problemlos im Supermarkt bekommen, kann es im eigenen Garten selbst anbauen. Hochwertiges Saatgut erhaltet ihr zum Beispiel bei spezialisierten Händlern im Internet. Die Aussaat erfolgt im April, zwischen Mitte und Ende des Monats.

Quinoa benötigt kaum Pflege. Weder Gießen noch Düngen ist nötig, nur das Unkraut solltet ihr regelmäßig entfernen. Geerntet wird dann zwischen Ende August und Ende September, je nach Witterung auch bis Mitte Oktober. Der Ertrag fällt normalerweise hoch aus, kann aber durchaus wetter- und standortbedingt etwas schwanken.

Erst nachdem sie vollkommen trocken sind, können die Körner verwendet werden. Dann aber sind sie in der Küche vielseitig einsetzbar. Ob Quinoa-Salat, als Beilage, im Müsli oder für Süßspeisen – es gibt inzwischen unzählige Quinoa-Rezepte. Vor dem Verarbeiten solltet ihr die Samen immer mit lauwarmem Wasser spülen, da sich in der Samenhülle viele Bitterstoffe befinden.

Schlagwörter
, , , , , , , , ,
Kategorien

Amaranth – was kann das Powerkorn?

11. April 2017

Die kleinen gepufften Samen wandern jeden Morgen in mein Müsli, aber was ist Amaranth eigentlich genau? Es kann wie Getreide verwendet werden, ist aber keins. Deshalb nennt man es auch Pseudogetreide. Klingt irgendwie nach „Möchte-gern-Getreide“, aber der Eindruck täuscht. Denn Amaranth hat einiges zu bieten.

Amaranth gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse und wird auf Deutsch auch „Fuchsschwanz“ genannt. Damit ist klar, warum es sich bei Amaranth um ein Pseudogetreide handelt: „Echte“ Getreidesorten zählen zu den Süßgräsern.

Ursprünglich stammt Amaranth aus Mittel- und Südamerika und wird dort als Grundnahrungsmittel geschätzt. Auch in Europa wird das Scheingetreide immer beliebter. Vor allem unter Vegetariern, Veganern und Menschen mit Zöliakie: Mit 15 bis 18 Prozent hat Amaranth einen Eiweißgehalt, den keins der herkömmlichen Getreide erreicht. Außerdem ist Amaranth glutenfrei.

An Mineralstoffen liefert Amaranth vorwiegend Phosphor, Kalium, Magnesium und Kalzium, aber auch Zink, Kupfer und Mangan. Bemerkenswert ist zudem der für eine Pflanze relativ hohe Eisenanteil.

Anspruchslos und vielseitig

Verbreitet ist der Fuchsschwanz mit seinen über 70 Arten auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. Die krautigen, meist einjährigen Pflanzen werden bis zu zwei Meter hoch und sind sehr anspruchslos. Eine einzelne Pflanze bildet bis zu 70.000 Samen, die über mehrere Jahre im Boden keimfähig bleiben. Amaranth wächst sogar in Höhen über 4.000 Metern. Für den deutschen Markt wird bereits ein Teil in den Alpen angebaut.

Amaranth ist leicht nussig im Geschmack und ihr könnt damit super euer Müsli ergänzen. Die Mini-Körner sind in der Küche vielseitig einsetzbar und schmecken auch in Suppen, Aufläufen, Risottos, Mixgetränken, Süßspeisen oder als Riegel.

Wenn ihr die ungepufften Samen als Beilage verwenden wollt, gebt die Körner einfach mit der doppelten bis dreifachen Menge Wasser in einen Topf und lasst sie nach dem Aufkochen etwa eine halbe Stunde auf kleiner Flamme köcheln. Die Blätter und Triebe könnt ihr ähnlich wie Spinat oder Mangold kochen oder, wenn sie jung und zart sind, roh im Salat genießen.

Amaranth im eigenen Garten

Wer einen Garten hat, kann Amaranth problemlos im eigenen Garten anbauen. In Bezug auf die Bodenqualität ist die Pflanze wie gesagt recht bescheiden, aber auf ein sonniges Plätzchen mag sie nicht verzichten.

Mit der Aussaat wird Mitte April begonnen, die Blütezeit ist von Juli bis August und die Sammelzeit für Blätter und Samen findet von September bis Oktober (vor dem ersten Frost) statt. Die dunkelroten Blütenstände werden abgeschnitten und getrocknet. Die winzigen Samen fallen dann von alleine heraus.

Nachhaltigkeit mit Fragezeichen

In Deutschland erhältliches Amaranth und alle Produkte daraus stammen überwiegend aus der Andenregion Mittel- und Südamerikas. Besonders nachhaltig ist das aufgrund des langen Transportwegs natürlich nicht. Außerdem entsprechen die Kontrollen für ökologischen Anbau in den Herkunftsländern nicht immer den europäischen Standards. Teilweise gehen durch den Anbau für den Export auch dringend benötigte Nahrungsmittel für die Menschen vor Ort verloren.

Eine Alternative wäre eine Kultivierung von Fuchsschwanz in Europa, da die Pflanze auch hier ausgezeichnet gedeiht. Fazit: Amaranth aus Mittel- und Südamerika am besten nur ausnahmsweise konsumieren beziehungsweise beim Kauf darauf achten, dass als Herkunftsland Deutschland (oder zumindest ein europäischer Nachbar) angegeben ist.

Schlagwörter
, , , , , , , ,
Kategorien

Referenzen

  • Leseproben