Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Tipps zur Schneckenbekämpfung im Garten

13. Juni 2018

Wohl jeder Hobbygärtner kennt das Problem: Im Schutz der Dunkelheit kriechen ganze Horden von Nacktschnecken aus ihren Verstecken und machen sich über liebevoll gepflanzte Blumen und Gemüse her. Das kann den einen oder anderen Gartenbesitzer schon mal zur Verzweiflung bringen, denn die Rezepte zur Bekämpfung der Schnecken wirken nicht immer. Oft aber funktioniert die Kombination mehrerer Methoden …

Bei allem Ärger über Fraßschäden sollte man bei der Schneckenbekämpfung nicht zu eifrig vorgehen. Schnecken sind der Gesundheitsdienst im Garten. Sie fressen auch verwesende Pflanzenteile und tote Tiere und sind damit ein nützlicher Bestandteil der Lebensgemeinschaft. Zudem zersetzen sie Pflanzenreste und helfen so bei der Humusbildung mit.

Diese Nacktschnecken richten Schäden an

Wenn Nacktschnecken jedoch massenhaft auftreten, ist das ein Zeichen dafür, dass das natürliche Gleichgewicht gestört ist. Es empfiehlt sich dann in erster Linie, natürliche Feinde der Schnecken wie Igel, Kröten oder Blindschleichen im Garten zu fördern. Diese Tiere fühlen sich am ehesten in einem naturnah gestalteten Garten wohl.

Wenn ihr es allerdings mit der Spanischen Wegschnecke zu tun habt, bringt diese Maßnahme nicht viel, denn Kröten, Igel und Vögel machen einen Bogen um sie. Die 7 bis 14 cm lange Schneckenart sondert nämlich so viel Schleim ab, dass die Nützlinge daran ersticken würden. Knapp 90 Prozent der Fraßschäden in Gärten stammen von der Spanischen Wegschnecke. Ihre Körperfarbe ist sehr variabel und reicht von braun über rotbraun, rot, orange, grau und grüngrau bis schwärzlich.

Neben der gefräßigen Spanischen Wegschnecke verursachen die kleinen, unscheinbaren graubraunen Ackerschnecken und die Roten Wegschnecken die größten Schäden. Letztere sehen der Spanischen Wegschnecke täuschend ähnlich.

Tigerschnegel nicht bekämpfen!

Einen natürlichen Feind hat die Spanische Wegschnecke doch: den Tigerschnegel, eine 10 bis 20 Zentimeter lange Nacktschnecke aus der Familie der Schnegel. Dieser Nützling vertilgt nicht nur verwesende Pflanzenteile und tote Tiere, sondern auch die Eier der Spanischen Wegschnecke. Tigerschnegel sollten also auf keinen Fall bekämpft werden.

Unter seinen Schneckenkollegen sticht er mit seinem auffälligen Aussehen hervor. Auf hellbeigem Grund weist seine Haut dunkle Flecken und Bänder im Tigermuster auf. Er ist ein gern gesehener Bewohner des Komposthaufens, wo er seine bevorzugte Nahrung in Form von Pflanzenresten findet. An frischem Grün labt er sich jedoch kaum, was ihn zu einem Freund und Helfer im Garten macht.

Bewährte Tipps gegen Nacktschneckenplagen

Um gefährdete Pflanzen herum solltet ihr den Boden möglichst offen halten und nicht oder nur sehr dünn mulchen, damit der Boden abtrocknen kann. Schnecken brauchen viel Feuchtigkeit – Trockenheit ist deshalb ihr größter Feind. Ein probates Mittel ist es auch, rund um die Beete eine breite Schicht aus Sägemehl und Kalk zu streuen. Schnecken meiden raue Oberflächen und der Kalk verätzt ihre Sohle. Bei Regen ist diese Methode aber nur bedingt wirksam oder muss häufig wiederholt werden.

Sehr wirksam, weil schnecken-, aber nicht umweltgiftig, ist auch der Einsatz von Kaffee und Kaffeesatz. Im Fachhandel gibt es zudem sogenannte Schneckenzäune zu kaufen, die von den Tieren nicht überklettert werden können.

Bei starkem Befall ist ein regelmäßiges Absammeln der Tiere sinnvoll. Orte, an denen sich Schnecken gerne verstecken, sind Laubhaufen, Grasschnitt und Totholz. Überall, wo es feucht und dunkel ist, fühlen sie sich wohl. Wer die Verstecke kennt, spart sich langes Herumsuchen im Garten.

Um mit einem Schlag gleich einen Haufen Schnecken absammeln zu können, hat sich die Salatfalle bewährt: Wenn ihr abends einzelne Salatblätter unter hohl liegenden Brettern oder Ähnlichem versteckt, versammeln sich die Schnecken hier, um sich an der Salatbar zu bedienen. Am nächsten Tag könnt ihr sie dann ganz leicht absammeln.

Vorsorge gegen Schnecken im Garten

Im Herbst solltet ihr schon Vorsorge für das nächste Jahr treffen, denn die Schnecken sorgen im Spätsommer und Herbst für ihren Nachwuchs. Jede Schnecke legt bis zu 400 Eier. Die Gelege sollten deshalb aufgespürt und die Eier entfernt werden. Für die Eiablage bevorzugen Schnecken bestimmte Plätze: Unter Pflanzkübeln, in Ritzen und Spalten im Gartenboden, in Erdlöchern oder auch am Wegesrand unter lockeren Steinen.

Die milchig-weißen Eier könnt ihr im Müll entsorgen. Wer will, kann sie aber auch einfach freilegen. Dann vertrocknen sie in der Sonne oder werden von Vögeln aufgepickt. Nach einigen Tagen lohnt sich ein erneuter Blick in die Verstecke, weil Schnecken gern an ihren Lieblingsstellen mehrmals Eier ablegen.

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Mulch – Schutz für Gartenböden und Balkonpflanzen

24. April 2018

Egal ob Gemüsebeet, Staudenpflanzung, Hochbeet oder Balkonkübel – eine Mulchschicht hilft, den Boden vor Austrocknung, Windverwehung und Auswaschung zu schützen. Was in der Natur ganz von alleine passiert, muss im Beet gesteuert werden.

Beim Begriff „Mulch“ denken viele zuerst an Rindenmulch, den es im Baumarkt und Gartencenter zu kaufen gibt. Mulchen ist aber weit mehr, der Begriff wurde schon vor vielen Jahren im Gartenbau geprägt. Beim Mulchen geht es um nichts anderes als den Boden abzudecken. Dazu werden überwiegend organische Materialien verwendet, die alle das gleiche Ziel haben: den Boden feucht zu halten.

Warum ist Mulch gut?

Diese Methode lebt uns die Natur bereits seit langer Zeit erfolgreich vor. Wälder haben beispielsweise immer eine dicke Schicht aus Laub und Pflanzen zu ihren Füßen und erhalten so einen humusreichen Boden. Für unsere Gärten können wir uns dabei einiges abschauen.

Eine Mulchdecke schützt offenen Boden vor Erosion, Austrocknung, Hitze und Kälte und bringt Nährstoffe ein. Zudem ist Mulch eine sinnvolle Möglichkeit, Gartenabfälle zu nutzen: Rasenschnitt, Stroh, Laub, Gemüsereste und andere Überbleibsel sind dafür gut geeignet. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die Mulchschicht verhindert zu starkes Unkrautwachstum im Garten, was eine enorme Arbeitserleichterung sein kann.

Verschiedene Wirkungen von Mulch

Mulch hält einen leichten, sandigen Boden zusammen, versorgt ihn mit Nährstoffen und hält die Feuchtigkeit. Ein lehmiger Boden hingegen wird eher gelockert, weil Regenwürmer gefördert werden. Sie holen sich die Mulchauflage in ihre meterlangen Gänge und versorgen den Boden so mit gröberem Material und Sauerstoff.

Mulch kann im Gemüsegarten, aber auch im Ziergarten eingesetzt werden. Jedes Mulchmaterial hat dabei verschiedene Vor- und Nachteile und sollte zum Boden und der Bepflanzung passen.

Denn nicht jeder Mulch ist auch für jedes Beet geeignet. Im folgenden Abschnitt erfahrt ihr, wo man am besten welchen Mulch einsetzt.

Welcher Mulch für welches Beet?

Rindenmulch: Entzieht dem Boden Stickstoff und enthält zudem viele Gerbsäuren. Dies schränkt das Pflanzenwachstum ein. Aufgrund möglicher Schwermetall- und Pestizidrückstände solltet ihr vor allem im Nutzgarten auf Rindenmulch verzichten. Kommt der Rindenmulch aus nachhaltiger Waldwirtschaft, ist er aber die richtige Wahl für Wege und für Pflanzen, die sauren Boden brauchen.

Rasenschnitt: Ebenfalls alle Blumenbeete, aber auch Gemüse- und Kräuterbeete freuen sich über Rasenschnitt. Er ist auch geeignet für Erdbeerbeete, aber erst nach der Ernte. Achtung: Rasenschnitt sollte trocken sein.

Stroh: Ist besonders gut für Gemüsebeete, zwischen Erdbeeren und auch im Kräuterbeet nutzbar. Das Stroh muss gut ausgedroschen sein, damit im nächsten Frühjahr kein Getreide im Garten wächst.

Laub: Bietet unter Bäumen, Sträuchern und Stauden eine hervorragende Schutzschicht. Gilt gleichzeitig als Humusspender, wenn sich die Blätter nach und nach zersetzen.

Holzschnitzel: Wird vor allem unter Sträuchern und Bäumen mit üppigen Wurzeln eingesetzt. Nicht geeignet für Jungpflanzen, da die Holzschnitzel den Pflanzenwuchs unterdrücken.

Häckselgut aus Strauchschnitt: Hier dauert die Zersetzung etwas länger, daher sehr gut für Gehölze, Hecken und Beerensträucher geeignet.

Sand, Kies, und Ziegelsplitt: Gibt es in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben. Da das mineralische Material nicht zersetzt wird, hat es eine hohe Lebensdauer. Es ist nährstoffarm, was vor allem für Steppenbeete und Pflanzen, die magere Bedingungen brauchen, Vorteile bringt und kann auch auf Wegen eingesetzt werden.

Tipps und Tricks

Als Faustregel hat sich eine Mulchschicht von etwa drei Zentimetern bewährt. Alle Mulchmaterialien dürfen nur auf einen lockeren Boden aufgetragen werden. Sind durch Bodenverdichtung viele Luftporen zerstört, bremst die Mulchdecke zusätzlich die Wasserverdunstung, was sich hemmend auf das Pflanzenwachstum auswirken kann.

Grünes, saftiges Material sollte man vorher antrocknen lassen und dann dünn auftragen, da sich sonst Schnecken ausbreiten können. Im Gemüsegarten kann man gut mit essbaren Untersaaten wie Spinat oder Feldsalat arbeiten. Im Ziergarten können leerstehende Flächen mit Polsterstauden begrünt werden.

Auf brachliegenden Flächen wie abgeernteten Beeten, zwischengelagertem Erdaushub etc. könnt ihr auch Gründüngung einsetzen. Unter Gründüngung versteht man die Bedeckung des Bodens mit lebenden Pflanzen. Lupine, diverse Kleearten, Vogerlsalat, Spinat und Phazelie sind einige Beispiele dafür. Sie lockern den Boden, schützen ihn und die Einjährigen unter ihnen können nach dem Abfrieren in den Boden eingearbeitet werden.

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Saatgut, Blumen, Kräuter – die richtigen Pflanzen für Bienen

5. April 2018

Bienen sind die Grundlage unserer Ernährung und unverzichtbar für die Ökosysteme. Ihre weltweite Bestäubungsleistung wird auf 200 bis 500 Milliarden Euro geschätzt, zwei Drittel unserer Nahrungspflanzen sind auf Bestäubung angewiesen. Aber auch die Bestäubung von Wildpflanzen ist wichtig, denn diese sind die Grundlage für viele Insekten, Vögel und Säugetiere.

Leider hat der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft dramatische Auswirkungen auf die Wildbienen. In Europa ist mittlerweile fast jede zehnte Wildbienenart vom Aussterben bedroht. Und nicht nur die Arten werden weniger, auch die Populationen schrumpfen.

Wie kann ich helfen – bienenfreundliche Pflanzen

Ein bienenfreundlicher Garten oder Balkon zeichnet sich durch ein reichhaltiges Blütenangebot aus. Neben möglichst vielen unterschiedlichen Pflanzenarten solltet ihr darauf achten, dass in eurem Garten oder auf eurem Balkon von Frühling bis Herbst immer etwas für die Bienen zu holen ist. Beachtet am besten diese drei Grundregeln:

(1) Sortenvielfalt statt Monokultur

Pflanzt verschiedene heimische Blumen, um den Bienen eine Auswahl an Nahrungsquellen zu bieten. Viele Wildbienenarten sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert und fliegen nur diese auf der Pollen- und Nektarsuche an. Es gilt daher: Je vielfältiger das Pflanzenangebot, desto besser für die Bienen!

(2) Nahrung das ganze Jahr über

Indem ihr sowohl früh-, mittel-, als auch spätblühende Arten anpflanzt, sorgt ihr dafür, dass die Bienen das ganze Jahr über Nahrung finden. Beete und Blumenkästen sollten Blumen, Kräuter und Stauden beherbergen, die vom Frühjahr bis in den späten Herbst blühen, denn gerade später im Jahr haben Bienen oft Schwierigkeiten, Nahrung zu finden.

(3) Ungefüllte Blumen pflanzen

Nur Pflanzen mit ungefüllten Blüten stillen den Hunger unserer Bienen. Gefüllte Blumensorten, wie z.B. Geranien, gezüchtete Dahlien oder Garten-Chrysanthemen, sind zwar dekorativ und versprechen durch ihren Duft leckeren Nektar und Pollen, bieten aber in der Tat keine oder nur wenig Nahrung für die Bienen.

Bienenweiden, Kräuterparadiese und Bienenhotels

Als Bienenweide bezeichnet man Pflanzen, die besonders reichhaltig Nektar und Pollen erzeugen und deswegen häufig von Honigbienen angeflogen werden. Verwendet am besten regionale Saatmischungen aus lokalen Beständen (www.nabu.de/saatgut). Wildblumenwiesen sollten nur zweimal im Jahr gemäht werden, nachdem die Pflanzen bereits ausgesamt haben.

Küchenkräuter wie Thymian, Minze, Basilikum, Koriander, Borretsch Salbei, Schnittlauch und Zitronenmelisse verfeinern nicht nur unsere Mahlzeiten, sondern sind auch für Bienen eine tolle Nahrungsquelle. Um für Bienennahrung zu sorgen, lasst die Kräuter ausblühen.

Sogenannte Bienenhotels eignen sich als Nisthilfe. Man kann sie fertig kaufen oder auch leicht selber bauen. Wildbienen nisten sich hier gerne ein, wenn in unmittelbarer Nähe blühende Blumen und Kräuter zu finden sind. Ihr könnt aber auch abgeschnittene Markstängel zwischen die Blumen stecken (z.B. vom Holunder) – dürr gewordene Markstängel sind natürliche Nistplätze für Wildbienen und lassen sich platzsparend sogar in einem Blumenkasten integrieren.

Beispiele für bienenfreundliche Pflanzen

Blumenbeet: Schafgarbe, Akelei, Lavendel, Lupine, Wilde Malve, Astern, ungefüllte Dahliensorten

Bäume und Sträucher: Schlehe, Pfaffenhütchen, Kornelkirsche, Weißdorn, Stachelbeere, Himbeere, Brombeere, Johannisbeere, Wilder Wein, Efeu, ungefüllte Kletterrosen

Gemüsebeet: Ackerbohnen, Kleearten, Borretsch, Ringelblumen, Kürbisgewächse, Zwiebeln, Kohl, Möhren, Gewürzkräuter

Balkon: Goldlack, Kapuzinerkresse, Verbene, Männertreu, Wandelröschen, Löwenmäulchen, Küchenkräuter (Salbei, Rosmarin, Lavendel, Pfefferminze, Thymian)

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Tipps für insektenfreundliche Gärten und Balkone

12. März 2018

Weit mehr als die Hälfte aller Tierarten sind Insekten. Millionen an Arten bevölkern unsere Erde. Sie spielen eine unersetzliche Rolle für die Aufrechterhaltung ökologischer Zusammenhänge und das menschliche Wohlergehen. Doch seit Jahrzehnten gehen Insektenarten und ihre Bestände massiv zurück.

Insekten sind faszinierende Tiere: sie schillern in unterschiedlichsten Farben, nehmen die skurrilsten Formen an und sind in fast allen Lebensräumen der Erde zu finden. So vielfältig wie die Welt der Insekten ist, so wenig können wir auf sie verzichten. Das Funktionieren fast aller Ökosysteme hängt von ihnen ab. Damit sind sie für Mensch und Natur unersetzliche Lebewesen:

Nahrung: Insekten bilden die Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl weiterer Tierklassen wie Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien.

Bestäubung: Insekten zählen zu den wichtigsten Pflanzenbestäubern. Durch das Sammeln von Nektar und Pollen sorgen sie für den Fortbestand der Pflanzenwelt und stellen einen Großteil unserer Ernährung sicher.

Verwertung: Insekten spielen eine wichtige Rolle bei der Remineralisierung organischer Stoffe wie Pflanzenresten und Tierleichen im Boden, in der Bodenstreu oder im Totholz.

Regulation: Insekten sind wichtige Nützlinge in der Forst- und Landwirtschaft. Im Bio-Anbau, wo auf Pestizide weitestgehend verzichtet wird, ist die Förderung von Nützlingen gar ein elementarer Bestandteil der Produktion, da durch sie die Ausbreitung schädlicher Insekten eingedämmt wird.

Dramatischer Insektenrückgang

Doch Insekten sind weltweit in einem alarmierenden Zustand. Die Bestände gehen zurück, die Vielfalt schwindet, Arten sterben aus. In Deutschland sind – einer Auswertung aktueller Roter Listen zufolge – bereits über 41 Prozent der Schmetterlinge ausgestorben oder bestandsgefährdet.

Bei Wildbienen sind heute deutschlandweit mehr als die Hälfte der 561 Arten in ihrem Bestand bedroht, mit steigender Tendenz. Nicht nur die Zahl der Arten, sondern auch die der Individuen befindet sich in einem dramatischen Sinkflug. In anderen Ländern Europas sieht die Situation nicht besser aus.

Auch wenn es für das Insektensterben mehrere Gründe gibt, steht eines fest: Die in den 1950er Jahren eingeführte und stetig intensivierte industrielle Landwirtschaft ist einer der Haupttreiber dieser beunruhigenden Entwicklung. Sie bringt den Einsatz von Pestiziden, Überdüngung und Monokulturen mit sich.

Hilfe für die kleinen Helfer: So lockt ihr Insekten in den Garten

Die gute Nachricht ist, wir können alle etwas gegen das große Sterben unternehmen. Die Faustregel lautet dabei: naturnahe Vielfalt. Das heißt, verzichtet beim Gärtnern auf chemische Bekämpfungsmittel und setzt auf viele verschiedene Arten von Pflanzen.

Pflanzen für jeden Geschmack: Kornblume, Wiesensalbei und Nickendes Leimkraut – mit der richtigen Pflanzenauswahl können wir Insekten in unsere Gärten locken. Viele der Arten bieten nicht nur Hummeln und Schmetterlingen Nahrung, sondern machen sich auch auf unseren Tellern gut.

Steinhaufen oder Trockenmauer anlegen: Sie können vielfältig gestaltet werden, sehen hübsch aus und geben verschiedenen Insekten einen Lebensraum.

Lehm und Sand für Insekten: Feuchter Lehm ist eines der wichtigsten Materialien zum Nestbau der Tiere. Wer Insekten helfen möchte, kann dies ganz einfach mit der Anlage einer offenen Bodenfläche tun. Lehm, Ton oder Löss besorgen, im Garten ein passendes Plätzchen suchen und diesen dort anbringen.

Miniteich anlegen: Meist ist für eine ausgiebige Teichlandschaft im Garten kein Platz. Eine gute Alternative ist der Miniteich. Er ist eine gern genutzte Wasserquelle für Insekten und Vögel und bietet gerade an heißen Tagen den so dringend benötigten Hitzeausgleich.

Totholz steckt voller Leben: Totholz zählt zu den lebendigsten Lebensräumen unserer Natur. Viele Insekten, die auch in unseren Gärten vorkommen, profitieren davon. Lasst Raum für alte Baumstämme, Totholzhecken, Stängel oder Laubhaufen!

Quelle: NABU

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Quinoa made in Europe – geht das?

18. September 2017

Die meisten von uns kennen Quinoa aus dem Supermarkt. Das nährstoffreiche Pseudogetreide stammt aus der Andenregion Südamerikas. Was viele nicht wissen: Die Pflanze gedeiht durchaus auch in unseren Breitengraden. Als Vorreiter beim Quinoa-Anbau in Europa hat sich die Dutch Quinoa Group etabliert.

Bis vor wenigen Jahrzehnten war Quinoa in Europa praktisch unbekannt. Erst in den Neunzigern entdeckte man die Pflanze als Nahrungsmittel neu: Vor allem Naturkostläden und die alternative Küche propagierten die nährstoffreichen Körner. Heute gelten sie als glutenfreies „Superfood“. Doch nicht alles daran ist super…

Quinoa-Anbau in Südamerika

Das Pseudogetreide wächst fast ausschließlich in seiner Herkunftsregion in den Anden. Mehr als 95 Prozent der gesamten Weltproduktion werden in Peru und Bolivien angebaut, der Rest in Ecuador. Die Transportwege von den Feldern bis nach Europa sind extrem lang. Das bedeutet: Klimabelastung durch fossile Treibstoffe.

Auch führt der Boom in reichen Ländern wie Deutschland zu höheren Preisen. Das bedeutet: Wo Quinoa früher ein Grundnahrungsmittel für viele Bauern war, ist sie ihnen heute zu teuer geworden. Zugleich breiten sich Quinoa-Anbauflächen durch die große Nachfrage stark aus und schädigen so die Ökosysteme der Anbauländer.

Quinoa-Anbau in Europa

Die Frage liegt nahe, warum wir Quinoa dann nicht einfach in Europa anbauen. Obwohl sich die Pflanze erstaunlich gut an unterschiedliche ökologische Bedingungen anpasst, ist es kein leichtes Unterfangen, Quinoa in Europa zu kultivieren. Unmöglich ist es jedoch nicht. Das beweist der niederländische Ernährungsberater und Landwirt Rens Kuijten.

Kuijten gehört zur neuen Generation von Landwirten, die dem Credo „Masse statt Klasse“ mit einem ausgeklügelten Unternehmensmodell zu trotzen scheinen. Er beschäftigt sich bereits seit 2001 mit dem Anbau von Quinoa und ist heute mit seinem Unternehmen, der Dutch Quinoa Group, mit einem ganzen Netzwerk von 40 Landwirten in den Niederlanden vertreten.

Kuijten verkauft hochwertiges Bio-Quinoa ohne Einsatz von Pestiziden und mit dem Fokus auf Regionalität. Sein Quinoa wird lokal verkauft. Die Dutch Quinoa Group arbeitet auch mit Universitäten zusammen, um den Anbau der Pflanze und den Reinigungsprozess weiter zu verbessern. Außerdem schult die Gruppe Unternehmen im Ausland, die dabei sind, ein Netzwerk vom Anbau bis zum Verkauf regional aufzubauen. Mittlerweile haben sich Quinoa-Bauern europaweit zur European Quinoa Group zusammengeschlossen, darunter auch Landwirte aus Deutschland.

Quinoa im eigenen Garten

Wer nicht warten will, bis Quinoa auch hierzulande in so großem Stil angebaut wird, dass wir das heimische Produkt problemlos im Supermarkt bekommen, kann es im eigenen Garten selbst anbauen. Hochwertiges Saatgut erhaltet ihr zum Beispiel bei spezialisierten Händlern im Internet. Die Aussaat erfolgt im April, zwischen Mitte und Ende des Monats.

Quinoa benötigt kaum Pflege. Weder Gießen noch Düngen ist nötig, nur das Unkraut solltet ihr regelmäßig entfernen. Geerntet wird dann zwischen Ende August und Ende September, je nach Witterung auch bis Mitte Oktober. Der Ertrag fällt normalerweise hoch aus, kann aber durchaus wetter- und standortbedingt etwas schwanken.

Erst nachdem sie vollkommen trocken sind, können die Körner verwendet werden. Dann aber sind sie in der Küche vielseitig einsetzbar. Ob Quinoa-Salat, als Beilage, im Müsli oder für Süßspeisen – es gibt inzwischen unzählige Quinoa-Rezepte. Vor dem Verarbeiten solltet ihr die Samen immer mit lauwarmem Wasser spülen, da sich in der Samenhülle viele Bitterstoffe befinden.

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Essbare Wildpflanzen

23. August 2017

Sie sprießen aus der Erde, bevölkern unsere liebevoll bepflanzten Beete und unterdrücken die rechtmäßigen Bewohner – Unkräuter sind die Imperialisten des Pflanzenreichs und der Albtraum aller Gärtner. Meine Empfehlung: nicht ärgern lassen, einfach essen!

Eigentlich doch ein wahres Geschenk: Wir können ernten, ohne gesät zu haben. In manchem Unkraut steckt ein Hausmittel, eine Teepflanze oder ein Wildgemüse. Viele Wildkräuter und Blüten schmecken super als Beilage zu Salaten, Suppen oder Saucen. Oft sind sie sogar vitaminreicher als Gemüse aus dem Supermarkt.

Wildkräuter – was man wissen sollte

In Deutschland gibt es über 1500 Unkräuter und Wildkräuter, die man essen kann. Die beste Erntezeit ist der Vormittag, weil die Kräuter morgens am saftigsten sind. Prinzipiell solltet ihr die Pflanzen nicht ausreißen, sondern die Blätter mit einem Messer sanft abschneiden, damit sie nachwachsen können.

Es ist aber wichtig, dass ihr nur die Kräuter und Unkräuter sammelt, die ihr auch wirklich kennt und zuordnen könnt. Bärlauch wird zum Beispiel immer wieder mit Maiglöckchen verwechselt – und diese sind stark giftig.

Falls ihr die Kräuter nicht im eigenen Garten schneidet, solltet ihr außerdem darauf achten, sie nicht in der Nähe stark befahrener Straßen zu sammeln. Die besten Kräuter findet ihr auf ungedüngten Wiesen und an Orten, wo wenig Hunde unterwegs sind.

Welches Unkraut kann man essen?

Das wahrscheinlich bekannteste Unkraut ist Löwenzahn. Er ist in der Küche vielseitig einsetzbar: Blätter, Blüten und sogar die Wurzel sind essbar. Die weiße Milch, die aus den Stängeln austritt, sollte man allerdings nicht verwenden. Ernten kann man ihn von April bis Oktober und in der Zeit wächst er auch immer wieder nach. Aus der Wurzel kann man übrigens wunderbaren Löwenzahntee machen.
Der Giersch, auch Geißfuß genannt, ist eines der hartnäckigsten Unkräuter. Egal was man gegen ihn tut – er kommt immer wieder. Viele wollen den Giersch daher in ihrem Garten ausrotten. Aber: Auch Giersch kann man essen. Deshalb sollte man ihn viel eher als robustes und wartungsfreies Dauergemüse betrachten.

Der Gundermann wächst bevorzugt auf Wiesen und Weiden und ähnlich wie Efeu an Gehölzrändern. Er kann fast das ganze Jahr über geerntet werden, da er selbst unter der Schneedecke frische Blättchen treibt. Als Würzkraut ist er eine Bereicherung in jeder Küche.

Büschelweise wächst die Vogelmiere auf Äckern und Brachflächen bis in den Oktober hinein. Sie als Unkraut auszurotten ist fast unmöglich. Aber wieso sollte man auch? Der Bärlauch macht sich Anfang März bis Mitte Mai in Gärten und auf Wiesen breit. Er schmeckt ähnlich wie Knoblauch, scharf und herrlich frisch.

Wegen ihrer hautreizenden Eigenschaften wird die Brennnessel gefürchtet und als unliebsames Unkraut verteufelt. Dabei ist sie so gesund wie es nur geht und ein wahres Wundergewächs: Sie enthält viel Eisen, Kalzium und Vitamin C.

Gartenschaumkraut, Sauerampfer, Knopfkraut – es gibt noch viele weitere Unkräuter, die ihr ohne Bedenken essen könnt. Um sie genau erkennen und bestimmen zu können, schaut am besten in ein Sachbuch zum Thema Kräuter sammeln. Und dann: guten Appetit!

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Ackerhelden: Gemüsegärten zum Anmieten

18. Juli 2017

In immer mehr deutschen Städten bieten die Ackerhelden biozertifizierte Gemüsegärten zum Mieten an. Die Parzellen werden dabei mit 120 Jungpflanzen vorbepflanzt; zusätzlich erhält der Mieter Saatgut. In der Ackersaison von April bis November kann er dann gießen, pflanzen, säen und sein eigenes knackfrisches Gemüse ernten – ganze 40 verschiedene Sorten.

Keine Ahnung vom Ackern ist dabei kein Problem. Die Ackerhelden-Gründer Birger Brock und Tobias Paulert haben mit ihrer Rundum-Sorglos-Beratung bisher jedem einen grünen Daumen verliehen. Die eigene Freude fürs Gärtnern entwickelten die Freunde bereits zu Schulzeiten – als sie unter Anleitung des Biologielehrers, Brocks Vater, den Schulgarten ihres Gymnasiums beackerten. In den vergangenen Jahren beschäftigten sich Paulert und Brock, die inzwischen Anfang 40 sind, viel mit alternativen Versorgungskonzepten und der Idee der Selbstversorgung.

Gartenpflege und Biogärtnern für Einsteiger

Nebenbei ist Tobias Paulert als „Urban Gardener“ auf seinem Dachgarten aktiv. Dort hat er seinen eigenen Gemüsegarten und baut alte Tomatensorten und exotische Kräuter-, Gemüse- und Obstsorten an. Birger Brock bewirtschaftete mit seiner Familie von 2006 bis 2012 ein Ackerstück auf einem Biobauernhof in Essen. Dieses gesammelte und erprobte Wissen rund um Urban Gardening und Farming fassten die beiden Gründer im Buch „Ackerhelden: Biogärtnern für Einsteiger“ zusammen.

Ihre Ackerhelden-Mietgärten bieten Brock und Paulert übrigens auch für Betriebliches Gesundheitsmanagement an. Mitarbeiter aus Unternehmen können hier also getrost die Hände in die Erde stecken und den Bürostress hinter sich lassen. Außerdem werden sie vom Ackerhelden-Team zu Ernährungsthemen beraten.

Gemüsegärten sind schnell ausgebucht

In der vergangenen Saison entschieden sich knapp 3200 Menschen aus 91 Städten, einen Ackerhelden-Garten zu mieten und zu bewirtschaften. Sie lernten dabei nicht nur die Qualität und Transparenz ihrer Nahrungsmittel kennen und schätzen, sondern erfuhren auch einiges über Selbstversorgung und nachhaltigen Konsum.

Wer eine Ackerfläche in der Saison 2018 mieten möchte, sollte frühzeitig in Kontakt mit den Ackerhelden treten, da die Flächen schnell ausgebucht sind.

Hochbeete für Kitas und Schulen

Nicht nur in Deutschland kommen immer mehr Standorte hinzu – seit 2017 gibt es die Ackerhelden auch im österreichischen Wien. Neben dem Schritt ins benachbarte Ausland wagen Paulert und Brock in diesem Jahr auch die Geschäftsfelderweiterung mit Bio-Hochbeeten. Diese bieten sie im Rahmen des Projekts „Ackerhelden machen Schule“ an Kitas und Schulen an. Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements können Hochbeete auch auf dem Firmengelände aufgestellt werden.

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Gutes Essen liegt so nah: Rote Bete

30. Mai 2017

Zugeben: Ich muss noch immer kurz meine Kindheitserinnerungen überwinden, wenn ich Rote Bete esse. Früher stand das Gemüse ganz klar auf der Liste „Kommt nicht auf meinen Teller“. Aber das hat sich geändert. Zu meinem Glück, denn jetzt kann ich den Geschmack der roten Knolle ungehemmt genießen.

Da sich Rote Bete gut lagern lässt, zählt sie eigentlich zu den klassischen Wintergemüsen. Die Saison für Rote Bete beginnt aber tatsächlich schon im Frühsommer. Dann kommen die ersten frisch geernteten Knollen auf den Markt. Die sind noch klein und zart, aber ziemlich schmackhaft. Meistens werden sie als Bundware mit Laub angeboten. Ab Juli gibt es dann die ausgewachsenen Rüben ohne Blätter.

Rote Bete im eigenen Garten

Wer einen Garten hat, kann Rote Bete auch selbst anpflanzen – bevorzugt an einem sonnigen Ort. Ansonsten ist das Gemüse recht anspruchslos. Ab Mitte April gesät, verdickt sich über den Sommer ein Teil ihrer Sprossachse zu der typischen Rübenform. Dabei wächst sie wie ein Baumstamm in die Breite und bildet feine Ringe. Ungefähr drei bis vier Monate nach der Aussaat könnt ihr sie ernten.

Im Kühlschrank, am besten in feuchtem Papier eingeschlagen, bleiben die Knollen ca. vier Wochen frisch. Das Kraut der Roten Bete könnt ihr übrigens wie Spinat oder Mangold zu einem würzigen Blattgemüse verarbeiten.

Vielseitige Knolle

Ob roh, gekocht, gedünstet oder gebraten. Als Beilage, püriert oder im Eintopf: Der süßliche und leicht erdige Geschmack der Roten Bete kann vielfältig kombiniert werden. Kräftige Gewürze verträgt die Knolle genauso gut wie Schärfe. Zum Beispiel runden Meerrettich oder Chili den Geschmack auf wunderbare Weise ab. Mein Favorit: Rote-Bete-Salat mit Quinoa, Apfelstücken, Feta, Pinienkernen und Petersilie oder Kresse. Köstlich!

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Eine Londoner Initiative wagt etwas Neues

17. Mai 2017

Audacious Veg ist ein soziales Unternehmen in London, das Schulungen und Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Erwachsene durch städtische Landwirtschaft schafft. Ein neuer, kühner Ansatz, der sowohl perspektivlose Jugendliche als auch das urbane Gärtnern fördert – spannend.

Das Team hinter Audacious Veg (audacious = wagemutig) möchte ein lokales Nahrungsmittelsystem aufbauen, das Kommunen, der Umwelt sowie dem Gaumen zu Gute kommt. Auf einem Gelände im Londoner Stadtteil Hainault werden unter anderem essbare Blumen, Gourmet-Salate und Kräuter angebaut. Die Produkte verkauft das Team an lokale Restaurants, Cafés und Caterer.

Traineeship für junge Erwachsene

Das Geschäftsmodell von Audacoius Veg adressiert einerseits die wachsende Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln im Nordosten von London. Gleichzeitig bietet es jungen erwerbslosen Menschen bezahlte Praktika sowie Zugang zu Fähigkeiten, die ihnen helfen, auch nach dem Praktikum einen Job zu finden.

Um die Jugendlichen angemessen zu unterstützen und sie auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, arbeitet Audacious Veg mit freiwilligen Mentoren zusammen. Diese treffen sich regelmäßig mit den Praktikanten und helfen ihnen bei Karriereplanung, Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen.

Workshops für städtische Gärtner

Wer sich in London herumtreibt, ist jederzeit willkommen, die schönen – und vor allem köstlichen – Gärten von Audacious Veg zu besuchen und die speziellen Anbau-Geheimnisse kennenzulernen. Natürlich werden alle Lebensmittel mit ökologisch verantwortlichen und chemiefreien Methoden angebaut.

Audacious Veg bietet auch verschiedene Workshops und Seminare für „urban gardeners“ an. Interessierte, die wissen wollen, wie man Salate das ganze Jahr über ernten kann, wie man Kräuter, Gemüse und Blumen auf kleinstem Raum anbaut oder wie der eigene Garten „leckerer“, bienenfreundlicher und nachhaltiger wird, sind hier also genau richtig. Stets mit von der Partie: ein Mittagessen aus regionalen Lebensmitteln und selbstgemachte Kräutertees.

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Amaranth – was kann das Powerkorn?

11. April 2017

Die kleinen gepufften Samen wandern jeden Morgen in mein Müsli, aber was ist Amaranth eigentlich genau? Es kann wie Getreide verwendet werden, ist aber keins. Deshalb nennt man es auch Pseudogetreide. Klingt irgendwie nach „Möchte-gern-Getreide“, aber der Eindruck täuscht. Denn Amaranth hat einiges zu bieten.

Amaranth gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse und wird auf Deutsch auch „Fuchsschwanz“ genannt. Damit ist klar, warum es sich bei Amaranth um ein Pseudogetreide handelt: „Echte“ Getreidesorten zählen zu den Süßgräsern.

Ursprünglich stammt Amaranth aus Mittel- und Südamerika und wird dort als Grundnahrungsmittel geschätzt. Auch in Europa wird das Scheingetreide immer beliebter. Vor allem unter Vegetariern, Veganern und Menschen mit Zöliakie: Mit 15 bis 18 Prozent hat Amaranth einen Eiweißgehalt, den keins der herkömmlichen Getreide erreicht. Außerdem ist Amaranth glutenfrei.

An Mineralstoffen liefert Amaranth vorwiegend Phosphor, Kalium, Magnesium und Kalzium, aber auch Zink, Kupfer und Mangan. Bemerkenswert ist zudem der für eine Pflanze relativ hohe Eisenanteil.

Anspruchslos und vielseitig

Verbreitet ist der Fuchsschwanz mit seinen über 70 Arten auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. Die krautigen, meist einjährigen Pflanzen werden bis zu zwei Meter hoch und sind sehr anspruchslos. Eine einzelne Pflanze bildet bis zu 70.000 Samen, die über mehrere Jahre im Boden keimfähig bleiben. Amaranth wächst sogar in Höhen über 4.000 Metern. Für den deutschen Markt wird bereits ein Teil in den Alpen angebaut.

Amaranth ist leicht nussig im Geschmack und ihr könnt damit super euer Müsli ergänzen. Die Mini-Körner sind in der Küche vielseitig einsetzbar und schmecken auch in Suppen, Aufläufen, Risottos, Mixgetränken, Süßspeisen oder als Riegel.

Wenn ihr die ungepufften Samen als Beilage verwenden wollt, gebt die Körner einfach mit der doppelten bis dreifachen Menge Wasser in einen Topf und lasst sie nach dem Aufkochen etwa eine halbe Stunde auf kleiner Flamme köcheln. Die Blätter und Triebe könnt ihr ähnlich wie Spinat oder Mangold kochen oder, wenn sie jung und zart sind, roh im Salat genießen.

Amaranth im eigenen Garten

Wer einen Garten hat, kann Amaranth problemlos im eigenen Garten anbauen. In Bezug auf die Bodenqualität ist die Pflanze wie gesagt recht bescheiden, aber auf ein sonniges Plätzchen mag sie nicht verzichten.

Mit der Aussaat wird Mitte April begonnen, die Blütezeit ist von Juli bis August und die Sammelzeit für Blätter und Samen findet von September bis Oktober (vor dem ersten Frost) statt. Die dunkelroten Blütenstände werden abgeschnitten und getrocknet. Die winzigen Samen fallen dann von alleine heraus.

Nachhaltigkeit mit Fragezeichen

In Deutschland erhältliches Amaranth und alle Produkte daraus stammen überwiegend aus der Andenregion Mittel- und Südamerikas. Besonders nachhaltig ist das aufgrund des langen Transportwegs natürlich nicht. Außerdem entsprechen die Kontrollen für ökologischen Anbau in den Herkunftsländern nicht immer den europäischen Standards. Teilweise gehen durch den Anbau für den Export auch dringend benötigte Nahrungsmittel für die Menschen vor Ort verloren.

Eine Alternative wäre eine Kultivierung von Fuchsschwanz in Europa, da die Pflanze auch hier ausgezeichnet gedeiht. Fazit: Amaranth aus Mittel- und Südamerika am besten nur ausnahmsweise konsumieren beziehungsweise beim Kauf darauf achten, dass als Herkunftsland Deutschland (oder zumindest ein europäischer Nachbar) angegeben ist.

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