Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Amaranth – was kann das Powerkorn?

11. April 2017

Die kleinen gepufften Samen wandern jeden Morgen in mein Müsli, aber was ist Amaranth eigentlich genau? Es kann wie Getreide verwendet werden, ist aber keins. Deshalb nennt man es auch Pseudogetreide. Klingt irgendwie nach „Möchte-gern-Getreide“, aber der Eindruck täuscht. Denn Amaranth hat einiges zu bieten.

Amaranth gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse und wird auf Deutsch auch „Fuchsschwanz“ genannt. Damit ist klar, warum es sich bei Amaranth um ein Pseudogetreide handelt: „Echte“ Getreidesorten zählen zu den Süßgräsern.

Ursprünglich stammt Amaranth aus Mittel- und Südamerika und wird dort als Grundnahrungsmittel geschätzt. Auch in Europa wird das Scheingetreide immer beliebter. Vor allem unter Vegetariern, Veganern und Menschen mit Zöliakie: Mit 15 bis 18 Prozent hat Amaranth einen Eiweißgehalt, den keins der herkömmlichen Getreide erreicht. Außerdem ist Amaranth glutenfrei.

An Mineralstoffen liefert Amaranth vorwiegend Phosphor, Kalium, Magnesium und Kalzium, aber auch Zink, Kupfer und Mangan. Bemerkenswert ist zudem der für eine Pflanze relativ hohe Eisenanteil.

Anspruchslos und vielseitig

Verbreitet ist der Fuchsschwanz mit seinen über 70 Arten auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. Die krautigen, meist einjährigen Pflanzen werden bis zu zwei Meter hoch und sind sehr anspruchslos. Eine einzelne Pflanze bildet bis zu 70.000 Samen, die über mehrere Jahre im Boden keimfähig bleiben. Amaranth wächst sogar in Höhen über 4.000 Metern. Für den deutschen Markt wird bereits ein Teil in den Alpen angebaut.

Amaranth ist leicht nussig im Geschmack und ihr könnt damit super euer Müsli ergänzen. Die Mini-Körner sind in der Küche vielseitig einsetzbar und schmecken auch in Suppen, Aufläufen, Risottos, Mixgetränken, Süßspeisen oder als Riegel.

Wenn ihr die ungepufften Samen als Beilage verwenden wollt, gebt die Körner einfach mit der doppelten bis dreifachen Menge Wasser in einen Topf und lasst sie nach dem Aufkochen etwa eine halbe Stunde auf kleiner Flamme köcheln. Die Blätter und Triebe könnt ihr ähnlich wie Spinat oder Mangold kochen oder, wenn sie jung und zart sind, roh im Salat genießen.

Amaranth im eigenen Garten

Wer einen Garten hat, kann Amaranth problemlos im eigenen Garten anbauen. In Bezug auf die Bodenqualität ist die Pflanze wie gesagt recht bescheiden, aber auf ein sonniges Plätzchen mag sie nicht verzichten.

Mit der Aussaat wird Mitte April begonnen, die Blütezeit ist von Juli bis August und die Sammelzeit für Blätter und Samen findet von September bis Oktober (vor dem ersten Frost) statt. Die dunkelroten Blütenstände werden abgeschnitten und getrocknet. Die winzigen Samen fallen dann von alleine heraus.

Nachhaltigkeit mit Fragezeichen

In Deutschland erhältliches Amaranth und alle Produkte daraus stammen überwiegend aus der Andenregion Mittel- und Südamerikas. Besonders nachhaltig ist das aufgrund des langen Transportwegs natürlich nicht. Außerdem entsprechen die Kontrollen für ökologischen Anbau in den Herkunftsländern nicht immer den europäischen Standards. Teilweise gehen durch den Anbau für den Export auch dringend benötigte Nahrungsmittel für die Menschen vor Ort verloren.

Eine Alternative wäre eine Kultivierung von Fuchsschwanz in Europa, da die Pflanze auch hier ausgezeichnet gedeiht. Fazit: Amaranth aus Mittel- und Südamerika am besten nur ausnahmsweise konsumieren beziehungsweise beim Kauf darauf achten, dass als Herkunftsland Deutschland (oder zumindest ein europäischer Nachbar) angegeben ist.

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Glutanada – Restaurant für Allergiker

12. Dezember 2016

Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen – Lebensmittelunverträglichkeiten und -allergien können eine ganz schöne Herausforderung für den Alltag sein. Manche vertragen Fruchtzucker schlecht, andere Laktose, Histamin oder Gluten. Für diese Menschen ist es auch immer schwierig, essen zu gehen. Denn welches Restaurant ist schon auf all diese Besonderheiten eingestellt?

2014 verzichteten 23 Prozent der Deutschen auf bestimmte Nahrungsmittel, weil sie diese nach eigener Aussage nicht vertragen. Das war das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Ears and Eyes im Auftrag von Spiegel Online durchgeführt hat. Inzwischen gehen Experten davon aus, dass jeder 3. Bundesbürger an einer Unverträglichkeit leidet. Dazu zählt auch die 25-jährige Lara Ramm. Die Berlinerin möchte nun ein Restaurant speziell für Lebensmittelallergiker eröffnen.

Alle gemeinsam an einem Tisch

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Lara Ramm zusammen mit ihrem Team eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Sollte diese erfolgreich enden, kann Glutanada – so wird das komplett glutenfreie Lokal heißen – im März 2017 seine Türen öffnen. Hier soll jeder essen können, ohne sich einschränken zu müssen oder sich den Kopf zu zerbrechen, was von der Speisekarte er noch am ehesten vertragen kann.

„Egal ob man unter Lebensmittelallergien oder -intoleranzen leidet, man sich vegetarisch oder vegan ernährt, einfach gesund und abwechslungsreich essen möchte oder andere Ernährungseinstellungen verfolgt – bei uns findet jeder eine passende Mahlzeit“, sagt Lara Ramm. Bei Glutanada könne man fertige Gerichte auswählen oder sein bevorzugtes Essen durch ein Toppingsystem zusammenstellen und dabei jegliche Allergien, Intoleranzen, Wünsche und Bedürfnisse angeben.

Gut vorbereitet durch die Uni Potsdam

Ramm leidet seit Jahren an Lebensmittelallergien und -intoleranzen: „Für meinen Mann und mich ist es schwierig, gemeinsam ein Restaurant zu finden, da die meisten Lokale keine für mich verträglichen Speisen zubereiten können.“ Einige Freunde und Familienmitglieder seien mit dem gleichen Problem konfrontiert. Seit drei Jahren verfolgt die Masterabsolventin daher den Gedanken, ein Restaurant für diese Zielgruppe in Berlin und nach erfolgreicher Etablierung in weiteren Großstädten zu eröffnen.

Das Rüstzeug dafür bringt die 25-Jährige mit: Ihren Master absolvierte sie an der Uni Potsdam in BWL mit dem Schwerpunkt Entrepreneurship und Innovationsmanagement. Bei der Entwicklung der Idee von Glutanada stand ihr der Gründungsservice „Potsdam Transfer“ der Uni Potsdam mit Seminaren und Beratern zur Seite. „Man stößt beim Gründen anfänglich ja immer wieder auf Probleme. Da bin ich von der Uni gut vorbereitet worden, entsprechende Lösungswege zu finden“, erklärt Ramm.

Nachhaltigkeit ist Glutanada wichtig

Upcycling und Nachhaltigkeit spielen eine große Rolle im Konzept von Glutanada. Regionale und möglichst naturbelassene Lebensmittel sowie Fleisch in Neuland-Qualität sollen auf Tellern aus Mais-Bambus-Fasern serviert werden. Tische und Stühle zimmert das Team aus Palettenholz und Untersetzer werden aus Plastiktüten gestrickt.

„Wir verwenden Dinge, die auf den ersten Blick in die Mülltonne wandern würden. Beispielsweise zaubern wir aus einem Avocadokern ein sehr leckeres Dessert und Bananenschalen verarbeiten wir zu einem crunchigen Zusatz für Salate“, so Ramm.

Schulmensen und Kindergärten beliefern

Sollte Glutanada im März öffnen, kann man sich passend zum Frühling auf frische Gemüsepfannen mit Amaranth oder Quinoa freuen. Auch verschiedene Crêpe-Varianten in süß und herzhaft werden zur Auswahl stehen: zum Beispiel mit einer Schafskäse-Möhrencreme und Sojasprossen oder mit einer veganen Creme, Paprika und Basilikum.

Nach erfolgreicher Gründung will das Team von Glutanada auch Schulmensen und Kindergärten in Berlin und Brandenburg mit leckerem und gesundem Essen beliefern. „Für viele Kindergärten und Mensen ist es nicht einfach, ohne Kontaminationsgefahr gesunde, allergikergerechte und auf die Intoleranzen eines jeden Kindes abgestimmte Mahlzeiten zu kochen“, stellt Lara Ramm fest. „Da wir bei Glutanada drei Küchen haben, wird dies für uns möglich sein.“

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Referenzen

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