Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Irrsinnige Zerstörung

17. November 2014

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Kürzlich durfte ich eine kleine Greenpeace-Gruppe zum Hambacher Forst bei Köln begleiten, um ein Camp von Umweltaktivisten zu besuchen. Erst im Oktober waren 14 Waldbesetzer festgenommen worden, weil sie die RWE-Arbeiter behinderten: Seit 1978 wird der Wald für den Braunkohletagebau gerodet. Und das, obwohl Braunkohle der Klimakiller schlechthin ist und derzeit diskutiert wird, entsprechende Kraftwerke ganz vom Netz zu nehmen. Leider ist ein weiterer Abbau bis 2030 bereits genehmigt.

Angefangen hat der Protest 2012: Damals hielten rund 50 Aktivisten einen kleinen Teil des Waldes besetzt, um so gegen die Abholzung und für einen Kohleausstieg zu protestieren. Das Camp, das sich autark versorgt, findet mittlerweile auch überregional Aufmerksamkeit und Unterstützung. Die Baumbesetzungen wurden mehrmals von der Polizei geräumt. In einer Nachbarschaftsbroschüre des RWE-Konzerns vom August 2013 stellen die Autoren die Protestler als Steine werfende Krawallmacher dar.

Die Aktivisten ließen sich jedoch nicht abschrecken und besetzten immer wieder aufs Neue einzelne Baumgruppen. Bei den jüngsten Konfrontationen mit RWE-Mitarbeitern und der Polizei ging es ziemlich hart zur Sache. Einige Protestler kamen ins Krankenhaus, 14 wurden festgenommen. Angeblich hatten sie RWE-Mitarbeiter mit Pfefferspray, Blendgranaten und Feuerwerkskörpern angegriffen. Die Berichterstattungen seien jedoch sehr einseitig aus Konzernsicht formuliert worden, so die Klimaschützer. Auf ihrem Blog hambacherforst schildern sie ihre Sicht der Dinge.

Für mich war es sehr interessant, das selbstversorgende „Klima-Camp“ einmal näher kennenzulernen. Es gibt quasi eine Basisstation am Rand des Waldes auf einer Wiese, wo eine Küche und Duschen eingerichtet sind, wo ein kleines Theater entsteht und Informationen über die Besetzung zur Verfügung gestellt werden. Ein Aktivist führte uns zum Lager „Oaktown“ in den Wald hinein – dort haben mehrere Besetzer Baumhäuser hoch in den Wipfeln gebaut und richten sich gerade für den Winter ein. Der Protest wird so schnell also nicht vorbei sein. Bleibt zu hoffen, dass die Politik bald ein Zeichen setzt und den Braunkohleabbau per Gesetz stoppt.

Denn nicht nur das Klima leidet unter dem Abbau. Laut BUND ist der Hambacher Forst ein ökologisch höchst wertvoller Wald. In den noch verbliebenen Resten wachsen Hainbuchen und Stieleichen. Zudem beherbergt der Wald vom Aussterben bedrohte Fledermausarten. Insgesamt seien 142 geschützte Arten vorhanden.

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