Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Eine Londoner Initiative wagt etwas Neues

17. Mai 2017

Audacious Veg ist ein soziales Unternehmen in London, das Schulungen und Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Erwachsene durch städtische Landwirtschaft schafft. Ein neuer, kühner Ansatz, der sowohl perspektivlose Jugendliche als auch das urbane Gärtnern fördert – spannend.

Das Team hinter Audacious Veg (audacious = wagemutig) möchte ein lokales Nahrungsmittelsystem aufbauen, das Kommunen, der Umwelt sowie dem Gaumen zu Gute kommt. Auf einem Gelände im Londoner Stadtteil Hainault werden unter anderem essbare Blumen, Gourmet-Salate und Kräuter angebaut. Die Produkte verkauft das Team an lokale Restaurants, Cafés und Caterer.

Traineeship für junge Erwachsene

Das Geschäftsmodell von Audacoius Veg adressiert einerseits die wachsende Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln im Nordosten von London. Gleichzeitig bietet es jungen erwerbslosen Menschen bezahlte Praktika sowie Zugang zu Fähigkeiten, die ihnen helfen, auch nach dem Praktikum einen Job zu finden.

Um die Jugendlichen angemessen zu unterstützen und sie auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, arbeitet Audacious Veg mit freiwilligen Mentoren zusammen. Diese treffen sich regelmäßig mit den Praktikanten und helfen ihnen bei Karriereplanung, Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen.

Workshops für städtische Gärtner

Wer sich in London herumtreibt, ist jederzeit willkommen, die schönen – und vor allem köstlichen – Gärten von Audacious Veg zu besuchen und die speziellen Anbau-Geheimnisse kennenzulernen. Natürlich werden alle Lebensmittel mit ökologisch verantwortlichen und chemiefreien Methoden angebaut.

Audacious Veg bietet auch verschiedene Workshops und Seminare für „urban gardeners“ an. Interessierte, die wissen wollen, wie man Salate das ganze Jahr über ernten kann, wie man Kräuter, Gemüse und Blumen auf kleinstem Raum anbaut oder wie der eigene Garten „leckerer“, bienenfreundlicher und nachhaltiger wird, sind hier also genau richtig. Stets mit von der Partie: ein Mittagessen aus regionalen Lebensmitteln und selbstgemachte Kräutertees.

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Urban Farming

ECF Berlin: Im Kreislauf gedacht

17. Mai 2016

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So frisch wie aus Omas Schrebergarten: Die ECF Farm produziert Fisch und Gemüse in Berlin-Schöneberg. Näher am Verbraucher geht es kaum.

Landwirtschaft mitten in der Stadt? Im Kleinen ist uns das Modell als Urban Gardening schon bekannt. Doch da geht es mehr um das städtische Gärtnern, die Begrünung von Brachflächen und Bepflanzung von noch so kleinen Beeten am Straßenrand. In den Gemeinschaftsgärten wird natürlich auch Gemüse angebaut und meist für den Eigenbedarf geerntet.

Das Konzept des Urban Farming geht jedoch weiter. In vielen Ländern leben bereits mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Um diese mit frischen Lebensmitteln zu versorgen ohne lange Transportwege und Kühlketten in Kauf nehmen zu müssen, haben sich einige Startups gedacht: Produzieren wir doch Gemüse und Fisch im großen Stil direkt in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zum Verbraucher.

Frisch aus der Hauptstadt

Beispiele dieser sogenannten Aquaponik-Farms sind Green Acre Aquaponics in den USA und hierzulande das Jungunternehmen ECF in Berlin. Das ECF-Team kombiniert die Zucht von Buntbarschen mit Gemüseanbau aus einem einfachen Grund: Das nährstoffreiche Wasser aus der Fischzucht eignet sich hervorragend als umweltfreundlicher Dünger für die Gewächshäuser. „Wir sehen in dieser Art von Farmsystem in der Stadt viel Potenzial“, sagt ECF-Geschäftsführer Nicolas Leschke. „Es spart Wasser, CO2 und Transportwege. Die Lebensmittel werden nachhaltig produziert und kommen wirklich frisch beim Konsumenten an.“

Wer die Produkte etwa am ECF-Stand in der Markthalle Neun in Kreuzberg kauft, kann sich sicher sein, dass weder Gentechnik noch Antibiotika oder Pestizide bei der Herstellung im Spiel waren. Der Fisch stammt nicht aus überfischten Weltmeeren, er wird handgefangen, handverarbeitet und handverpackt. Mittlerweile hat der „Hauptstadtbarsch“ Einzug in viele Supermarktfilialen in Berlin erhalten. Saisonales Gemüse und Kräuter werden auch an Gastronomie-Betriebe geliefert.

So funktioniert‘s

Aquaponik setzt sich zusammen aus Aquakultur, also der Fischaufzucht in einer Kreislaufanlage, und Hydroponik, dem Pflanzenanbau im Wasser. Das Gesamtsystem ist sehr ressourcenschonend konzipiert: Das auf dem Dach gesammelte Regenwasser wird zunächst in der Aquakultur eingesetzt, wo die Speisefische heranwachsen und dabei das Wasser mit Nährstoffen anreichern. Anschließend gelangt das Wasser in den Gewächshausteil der Farm, wo die Pflanzen die Nährstoffe aus dem Wasser für ihr Wachstum nutzen.

Grundsätzlich könnten verschiedene Süßwasserfische in der Anlage produziert werden. Die ECF-Farmer haben sich zunächst für den Buntbarsch entschieden. Sein weißes Fleisch ist wohlschmeckend und hat wenig Gräten. Der Buntbarsch – auf Grund seiner rötlichen Färbung auch Rosé Barsch genannt – ist weltweit ein gefragter Fisch für Aquakulturen, da er krankheitsresistent und ein guter Futterverwerter ist. 1,2 Kilogramm Biofutter ergibt 1 Kilogramm Fisch. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Rindfleisch benötigt ganze 8 Kilogramm Futter.

Das Hauptstadt-Gemüse besteht unter anderem aus Tomaten, Salat, Sprösslingen und Kräutern. „Darunter befinden sich auch spannende alte Sorten“, verrät Nicolas Leschke. Sie werden saisonal angebaut und tagesfrisch an den Kunden weitergegeben.

Nischengeschäft

Das Hauptgeschäft von Leschke und seinem Team ist jedoch nicht die Berliner ECF Farm an sich, sondern das Planen und Bauen von Aquaponikfarms für den internationalen Markt. Die Nachfrage scheint zu wachsen. Doch Leschke ist Realist: „Urban Farming wird immer eine Nische bleiben. Um den Lebensmittelbedarf aller Menschen zu decken, bleibt die traditionelle Landwirtschaft unerlässlich.“

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Urban Farming – im Kreislauf gedacht

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So frisch wie aus Omas Schrebergarten: Die ECF Farm produziert Fisch und Gemüse in Berlin-Schöneberg. Näher am Verbraucher geht es kaum.

Landwirtschaft mitten in der Stadt? Im Kleinen ist uns das Modell als Urban Gardening schon bekannt. Doch da geht es mehr um das städtisches Gärtnern, die Begrünung von Brachflächen und Bepflanzung von noch so kleinen Beeten am Straßenrand. In den Gemeinschaftsgärten wird natürlich auch Gemüse angebaut und meist für den Eigenbedarf geerntet.

Das Konzept des Urban Farming geht jedoch weiter. In vielen Ländern leben bereits mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Um diese mit frischen Lebensmitteln zu versorgen ohne lange Transportwege und Kühlketten in Kauf nehmen zu müssen, haben sich einige Startups gedacht: Produzieren wir doch Gemüse und Fisch im großen Stil direkt in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zum Verbraucher.

Frisch aus der Hauptstadt

Beispiele dieser sogenannten Aquaponik-Farms sind Green Acre Aquaponics in den USA und hierzulande das Jungunternehmen ECF in Berlin. Das ECF-Team kombiniert die Zucht von Buntbarschen mit Gemüseanbau aus einem einfachen Grund: Das nährstoffreiche Wasser aus der Fischzucht eignet sich hervorragend als umweltfreundlicher Dünger für die Gewächshäuser. „Wir sehen in dieser Art von Farmsystem in der Stadt viel Potenzial“, sagt ECF-Geschäftsführer Nicolas Leschke. „Es spart Wasser, CO2 und Transportwege. Die Lebensmittel werden nachhaltig produziert und kommen wirklich frisch beim Konsumenten an.“

Wer die Produkte etwa am ECF-Stand in der Markthalle Neun in Kreuzberg kauft, kann sich sicher sein, dass weder Gentechnik noch Antibiotika oder Pestizide bei der Herstellung im Spiel waren. Der Fisch stammt nicht aus überfischten Weltmeeren, er wird handgefangen, handverarbeitet und handverpackt. Mittlerweile hat der „Hauptstadtbarsch“ Einzug in viele Supermarktfilialen in Berlin erhalten. Saisonales Gemüse und Kräuter werden auch an Gastronomie-Betriebe geliefert.

So funktioniert‘s

Aquaponik setzt sich zusammen aus Aquakultur, also der Fischaufzucht in einer Kreislaufanlage, und Hydroponik, dem Pflanzenanbau im Wasser. Das Gesamtsystem ist sehr ressourcenschonend konzipiert: Das auf dem Dach gesammelte Regenwasser wird zunächst in der Aquakultur eingesetzt, wo die Speisefische heranwachsen und dabei das Wasser mit Nährstoffen anreichern. Anschließend gelangt das Wasser in den Gewächshausteil der Farm, wo die Pflanzen die Nährstoffe aus dem Wasser für ihr Wachstum nutzen.

Grundsätzlich könnten verschiedene Süßwasserfische in der Anlage produziert werden. Die ECF-Farmer haben sich zunächst für den Buntbarsch entschieden. Sein weißes Fleisch ist wohlschmeckend und hat wenig Gräten. Der Buntbarsch – auf Grund seiner rötlichen Färbung auch Rosé Barsch genannt – ist weltweit ein gefragter Fisch für Aquakulturen, da er krankheitsresistent und ein guter Futterverwerter ist. 1,2 Kilogramm Biofutter ergibt 1 Kilogramm Fisch. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Rindfleisch benötigt ganze 8 Kilogramm Futter.

Das Hauptstadt-Gemüse besteht unter anderem aus Tomaten, Salat, Sprösslingen und Kräutern. „Darunter befinden sich auch spannende alte Sorten“, verrät Nicolas Leschke. Sie werden saisonal angebaut und tagesfrisch an den Kunden weitergegeben.

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Das Hauptgeschäft von Leschke und seinem Team ist jedoch nicht die Berliner ECF Farm an sich, sondern das Planen und Bauen von Aquaponikfarms für den internationalen Markt. Die Nachfrage scheint zu wachsen. Doch Leschke ist Realist: „Urban Farming wird immer eine Nische bleiben. Um den Lebensmittelbedarf aller Menschen zu decken, bleibt die traditionelle Landwirtschaft unerlässlich.“


    
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