Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Fermentieren – Essen haltbar und gesund machen

28. November 2017

Die Amis sind uns mal wieder einen Trend voraus. In Städten wir New York und San Francisco heißt der „neue heiße Scheiß“: Fermentation. Inzwischen wird diese bewusste Umwandlung von Stoffen durch Bakterien, Pilze oder Enzyme auch hierzulande hingebungsvoll praktiziert.

Lebensmittel zu fermentieren ist an sich nichts Neues. Es handelt sich dabei um eine alte Methode, Lebensmittel haltbar zu machen. Beim Fermentieren passiert aber weitaus mehr als nur reines Konservieren.

Das Besondere am Fermentieren ist, dass das Gemüse nicht erhitzt wird und somit alle Nährstoffe erhalten bleiben. Durch den Gärungsprozess entstehen außerdem Milchsäurebakterien, die gut für den Darm sind. Fermentiertes Gemüse gehört daher auf jeden Fall in die Rohkostküche.

Wie fermentiert man Lebensmittel?

Am besten nutzt ihr dafür Gemüse, das gerade Saison hat und dementsprechend regional bei euch verfügbar ist. Das Gemüse wird gründlich gewaschen und dann in Stücke oder Streifen geschnitten, geraspelt, gerieben oder gehobelt. Bewährt haben sich „harte“ Gemüsesorten wie Kohl, Rote Bete, Kürbis, Möhren oder Paprika.

Das Gemüse drückt ihr in einer Schüssel fest zusammen, damit der Saft austritt. Das kann man zum Beispiel mit einem Stößel machen. Dann wird das Ferment mit so viel Wasser aufgefüllt, dass es gerade so bedeckt ist. Je nach Geschmack kann noch Salz hinzugegeben werden. Das Salz fördert das Wachstum „guter“ Bakterien.

Das richtige Fermentationsgefäß

Jetzt kommt das Ferment in ein Fermentationsgefäß. Am besten geeignet sind Gefäße aus Glas oder Keramik, weil diese keine Chemikalien in die Mischung abgeben, welche teilweise ja wochenlang in dem Gefäß verbleibt. Dafür könnt ihr zum Beispiel einen Keramiktopf oder ein Bügelglas nehmen. Wichtig ist, dass das Gemüse zusammengedrückt wird und dass kein Sauerstoff ans Ferment kommt. Gleichzeitig sollten die Gärgase entweichen können.

Wenn ihr einen Topf benutzt, könnt ihr einen beschwerten Teller in den Topf direkt auf das Ferment legen. Der Teller sollte dicht mit dem Topf abschließen. Danach den Topf mit einem Küchentuch abdecken, damit weder Staub noch Insekten eindringen können. Bei einem Bügelglas einfach das Gemüse schön eng ins Glas stopfen. Aber immer darauf achten: Das Gemüse muss unter der Lake bleiben! Die Gummidichtung lässt Gärgase entweichen und verhindert gleichzeitig das Eindringen von Sauerstoff.

Eine Frage des Geschmacks

Das Gefäß wird dann gut abgedeckt bzw. verschlossen bei Zimmertemperatur stehengelassen. Das Gemüse beginnt sofort, zu fermentieren und es gibt keinen Zeitpunkt, an dem das Ferment „fertig“ ist. Das ist allein eine Frage des individuellen Geschmacks. Ihr solltet also einfach zwischendurch mal probieren.

Je länger und langsamer die Fermentation läuft, desto aromatischer ist das Ergebnis und desto mehr gesunde Bakterien können sich ansiedeln. Nach der ersten, heftigen Fermentationsphase, also nach drei bis vier Tagen, ist das Gemüse schon essbar, jedoch läuft die Fermentation auch danach noch langsam weiter.

Was kann fermentiert werden?

Die bekanntesten fermentierten Lebensmittel sind wahrscheinlich Sauerkraut (durch Milchsäuregärung konservierter Weißkohl) und Kimchi (stammt aus der koreanischen Küche – fermentiert werden Chinakohlblätter, Ingwer, Knoblauch, Chili und je nach Rezept weitere Zutaten). Die Milchsäuregärung bringt uns aber täglich Produkte auf den Tisch, die erst durch Fermentation entstanden sind – etwa Joghurt, Buttermilch und Kefir.

Prinzipiell kann jedes Gemüse fermentiert werden. Hier sind einfach etwas Mut, Experimentierfreude und Fantasie gefragt, denn es gibt kaum ein „richtig“ oder „falsch“ beim Fermentieren. Probiert es einfach aus und schaut, was euch schmeckt!

Tipp: Es gibt viele Möglichkeiten, den Geschmack des fermentierten Gemüses zu beeinflussen, zum Beispiel indem ihr Zwiebeln, Knoblauch oder frische Kräuter zum Ferment gebt. Außerdem sorgen Gewürze wie Kümmel, Senf- oder Pfefferkörner für Pepp.

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Happy End für krummes Gemüse

26. April 2017

Ein Restaurant in Berlin-Neukölln gibt aussortierten Lebensmitteln eine zweite Chance und setzt sich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln ein. Ob krummes Gemüse oder falsch etikettierter Käse – Nahrungsmittel, die täglich tonnenweise weggeworfen werden, bekommen bei Restlos Glücklich ihr Happy End auf dem Teller.

Im April 2016 hatte die Testphase als Pop-Up-Reihe an ausgewählten Terminen in einem Restaurant in Neukölln begonnen. Als sich dem Verein Restlos Glücklich die Möglichkeit bot, das Lokal in der Kienitzer Straße 22 längerfristig zu mieten, folgten Renovierungsarbeiten. Dann erweiterte das Team die Öffnungszeiten und testete weiter den laufenden Betrieb. Die Testphase war wichtig, um Abläufe zu optimieren und Erfahrung zu sammeln. Nach nur wenigen Monaten zeigte sich der Erfolg des Konzepts: Restlos Glücklich ist fast immer restlos ausgebucht.

Von Mittwoch bis Samstag überrascht ein professioneller Koch die Gäste mit neu kombinierten Speisen. Mit frischen Impulsen möchte der Verein ein Bewusstsein für den Wert von Nahrungsmitteln schaffen und erreichen, dass immer weniger Menschen Lebensmittel wegwerfen. Unterstützt wird das Kernteam von vielen freiwilligen Helfern.

Gegen Lebensmittelverschwendung

Die Nahrungsmittel, mit denen gekocht wird, bezieht Restlos Glücklich von Supermärkten, dem Großhandel sowie kleineren Produzenten. Die Partner kommen größtenteils aus der Bio-Branche. Die Gründe, warum Lebensmittel im Handel nicht mehr verkauft werden können, sind vielseitig: Gemüse, das aufgrund von Form, Farbe oder Größe nicht der Norm entspricht, verrutschte Etikette, Fehllieferungen oder Ware, die nur noch eine begrenzte Zeit haltbar ist.

Kreative Küche

Da das Restlos-Glücklich-Team vorher nicht weiß, welche Lebensmittel es an einem Tag erhält, entsteht eine spontane, neuartige und kreative Küche. Die Karte wechselt täglich, ein Besuch ist immer eine kulinarische Überraschung. „Bei unseren Gästen kommt das Konzept gut an“, sagt Mitgründerin Leoni Beckmann. „Für sie ist es spannend, sich von den Gerichten überraschen zu lassen. Viele sind auch sehr interessiert an der Arbeit unseres Vereins.“

Um zu erreichen, dass mehr Menschen bewusst konsumieren und Lebensmittel retten, bietet der Verein Bildungsprojekte und Kochkurse an, welche mit den Gewinnen aus dem Lokal gefördert werden. So kocht das Team etwa mit Schulklassen oder gibt Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

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Glutanada – Restaurant für Allergiker

12. Dezember 2016

Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen – Lebensmittelunverträglichkeiten und -allergien können eine ganz schöne Herausforderung für den Alltag sein. Manche vertragen Fruchtzucker schlecht, andere Laktose, Histamin oder Gluten. Für diese Menschen ist es auch immer schwierig, essen zu gehen. Denn welches Restaurant ist schon auf all diese Besonderheiten eingestellt?

2014 verzichteten 23 Prozent der Deutschen auf bestimmte Nahrungsmittel, weil sie diese nach eigener Aussage nicht vertragen. Das war das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Ears and Eyes im Auftrag von Spiegel Online durchgeführt hat. Inzwischen gehen Experten davon aus, dass jeder 3. Bundesbürger an einer Unverträglichkeit leidet. Dazu zählt auch die 25-jährige Lara Ramm. Die Berlinerin möchte nun ein Restaurant speziell für Lebensmittelallergiker eröffnen.

Alle gemeinsam an einem Tisch

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Lara Ramm zusammen mit ihrem Team eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Sollte diese erfolgreich enden, kann Glutanada – so wird das komplett glutenfreie Lokal heißen – im März 2017 seine Türen öffnen. Hier soll jeder essen können, ohne sich einschränken zu müssen oder sich den Kopf zu zerbrechen, was von der Speisekarte er noch am ehesten vertragen kann.

„Egal ob man unter Lebensmittelallergien oder -intoleranzen leidet, man sich vegetarisch oder vegan ernährt, einfach gesund und abwechslungsreich essen möchte oder andere Ernährungseinstellungen verfolgt – bei uns findet jeder eine passende Mahlzeit“, sagt Lara Ramm. Bei Glutanada könne man fertige Gerichte auswählen oder sein bevorzugtes Essen durch ein Toppingsystem zusammenstellen und dabei jegliche Allergien, Intoleranzen, Wünsche und Bedürfnisse angeben.

Gut vorbereitet durch die Uni Potsdam

Ramm leidet seit Jahren an Lebensmittelallergien und -intoleranzen: „Für meinen Mann und mich ist es schwierig, gemeinsam ein Restaurant zu finden, da die meisten Lokale keine für mich verträglichen Speisen zubereiten können.“ Einige Freunde und Familienmitglieder seien mit dem gleichen Problem konfrontiert. Seit drei Jahren verfolgt die Masterabsolventin daher den Gedanken, ein Restaurant für diese Zielgruppe in Berlin und nach erfolgreicher Etablierung in weiteren Großstädten zu eröffnen.

Das Rüstzeug dafür bringt die 25-Jährige mit: Ihren Master absolvierte sie an der Uni Potsdam in BWL mit dem Schwerpunkt Entrepreneurship und Innovationsmanagement. Bei der Entwicklung der Idee von Glutanada stand ihr der Gründungsservice „Potsdam Transfer“ der Uni Potsdam mit Seminaren und Beratern zur Seite. „Man stößt beim Gründen anfänglich ja immer wieder auf Probleme. Da bin ich von der Uni gut vorbereitet worden, entsprechende Lösungswege zu finden“, erklärt Ramm.

Nachhaltigkeit ist Glutanada wichtig

Upcycling und Nachhaltigkeit spielen eine große Rolle im Konzept von Glutanada. Regionale und möglichst naturbelassene Lebensmittel sowie Fleisch in Neuland-Qualität sollen auf Tellern aus Mais-Bambus-Fasern serviert werden. Tische und Stühle zimmert das Team aus Palettenholz und Untersetzer werden aus Plastiktüten gestrickt.

„Wir verwenden Dinge, die auf den ersten Blick in die Mülltonne wandern würden. Beispielsweise zaubern wir aus einem Avocadokern ein sehr leckeres Dessert und Bananenschalen verarbeiten wir zu einem crunchigen Zusatz für Salate“, so Ramm.

Schulmensen und Kindergärten beliefern

Sollte Glutanada im März öffnen, kann man sich passend zum Frühling auf frische Gemüsepfannen mit Amaranth oder Quinoa freuen. Auch verschiedene Crêpe-Varianten in süß und herzhaft werden zur Auswahl stehen: zum Beispiel mit einer Schafskäse-Möhrencreme und Sojasprossen oder mit einer veganen Creme, Paprika und Basilikum.

Nach erfolgreicher Gründung will das Team von Glutanada auch Schulmensen und Kindergärten in Berlin und Brandenburg mit leckerem und gesundem Essen beliefern. „Für viele Kindergärten und Mensen ist es nicht einfach, ohne Kontaminationsgefahr gesunde, allergikergerechte und auf die Intoleranzen eines jeden Kindes abgestimmte Mahlzeiten zu kochen“, stellt Lara Ramm fest. „Da wir bei Glutanada drei Küchen haben, wird dies für uns möglich sein.“

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Concrete Jungle

11. Oktober 2016

Eine Apfelweinpresse und sehr viele Äpfel waren die Inspiration für Concrete Jungle – eine gemeinnützige Organisation, die Bedürftige in Atlanta, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Georgia, mit frischem Obst und Gemüse versorgt.

In den USA haben viele Menschen keinen Zugang zu frischen Lebensmitteln. Gerade in ärmeren Vierteln der großen Städte haben sich sogenannte Food Deserts – „Lebensmittel-Wüsten“ – gebildet. Gleichzeitig wird in keinem Land der Welt mehr Essen verschwendet. Das Projekt Concrete Jungle ist eine kreative Antwort auf beide Probleme.

Alles begann mit einer Cider-Party

Vor ein paar Jahren, nachdem Craig Durkin, Aubrey Daniels und ihre Freunde eine Apfelweinpresse erhielten, beschlossen sie, Äpfel in der näheren Umgebung zu pflücken und eine Cider-Party zu schmeißen. Jedes Jahr wurde die Party größer, genauso wie die Menge an Früchten, die sie pflückten.

Irgendwann erkannten die Freunde, dass es sehr viele öffentliche Obstbäume in der Stadt gibt, die niemand erntet. Sie überlegten sich, dass sie etwas Sinnvolles damit anstellen sollten. So kam die Idee auf, das Obst an Bedürftige zu spenden. Concrete Jungle wurde geboren mit der Mission, Obdachlosen-Unterkünfte und Tafeln mit Früchten aus der Region zu versorgen.

Spendenmenge verdreifacht

Atlanta ist eine grüne Stadt mit einer hohen Baumdichte. Es gibt Hunderte von Obst- und Nussbäumen in Gärten, am Straßenrand und in öffentlichen Parks, die von Concrete Jungle geerntet werden. Um die meisten Bäume kümmert sich niemand. Ihre Früchte verfaulen oder werden von wilden Tieren gefressen, während nur wenige Kilometer entfernt Arme und Heimatlose vergeblich versuchen, an frische Lebensmittel zu kommen.

Inzwischen ist die Organisation, die auf dem Engagement von Freiwilligen basiert, auch außerhalb von Georgia im Einsatz. „Damit konnten wir unsere durchschnittliche jährliche Spende in diesem Jahr verdreifachen“, freut sich Geschäftsführerin Katherine Kennedy.

Neues Baum-Patenprogramm

Ein weiterer wichtiger Schritt für den Verein ist das neue Baum-Patenprogramm. „Hierbei können Freiwillige einen Baum adoptieren und Concrete Jungle zum Reifegrad der Früchte des Baums auf dem Laufenden halten“, erklärt Kennedy. 2.800 Obstbäume wurden in der Stadt kartiert – viel zu viele, um den Reifegrad der verschiedenen Früchte mit nur einer Teilzeitkraft zu überprüfen.

Obst ist aber nicht das einzige Erzeugnis, womit Concrete Jungle die ärmere Bevölkerung unterstützt. Der Verein erhielt eine Landspende, welche er nun nutzt, um Gemüse anzubauen. Ehrenamtliche helfen beim Anbau sowie bei der Ernte. Auch das Gemüse kommt denen zugute, die es sich nicht leisten könnten.

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So wirst du zum Alltagsheld

27. September 2016

Lange Zeit hat es mich gestört, dass ich beim Einkaufen das Obst und Gemüse in diese dünnen Plastiktütchen tun musste, die man danach in der Regel wegschmeißt. Selbst auf dem Wochenmarkt bekommt man die Ware oft in einer Kunststofftüte. Im besten Fall gibt es Papiertüten, aber auch diese landen unmittelbar nach dem Einkauf im Müll...

Einwegplastiktüten werden durchschnittlich nur 25 Minuten verwendet. Es dauert aber bis zu 400 Jahre, bis sie zersetzt sind, sollten sie in der Umwelt landen. Ich habe daraufhin angefangen, das ganze Obst und Gemüse einzeln in den Einkaufswagen zu legen, um es danach einzeln aufs Kassenband zu befördern und schließlich in meinen Taschen zu verstauen.

Ihr könnt es euch denken: Das Verfahren war umständlich. Wenn nicht mehr genug Platz im Jutebeutel war, musste ich den Brokkoli oder die Bananen in meinen Rucksack packen, wo sie so ganz ohne Umhüllung schon mal ihre Spuren hinterließen. Beim Einkaufen von 20 losen Champignons war meine Geduld am Ende. Vor einiger Zeit habe ich aber eine super praktische Lösung gefunden, die sich auch zu verbreiten scheint.

Einkaufen mit waschbaren Beuteln

Die Idee von waschbaren Beuteln oder Netzen ist so naheliegend, dass man sich fragt, warum sie sich in unserer modernen Gesellschaft nicht schon längst durchgesetzt hat. Die Beutel könnt ihr inzwischen von verschiedenen Herstellern online bestellen oder direkt im Supermarkt oder in nachhaltigen Geschäften kaufen. Ich habe meine grünen Netze von again & a-gain im Biosupermarkt kaufen können und nutze sie seitdem nur noch.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Ihr tragt zumindest beim Einkaufen von losem Obst und Gemüse nicht mehr zur Abfallflut bei. Die Netze sind leicht und dünn, sodass ihr sie bequem immer dabei haben könnt. Wenn ihr zum Beispiel immer die gleiche Tasche zur Arbeit oder zum Einkaufen nehmt, sollten die Beutel einen festen Platz darin haben. Denn der Clou ist: Man muss sich selbst erst einmal antrainieren, die Dinger auch wirklich zu benutzen.

Treue Begleiter

Wenn ihr das geschafft habt, seid ihr schon kleine Alltagshelden. Und ihr werdet merken, dass ihr nicht mehr ohne einkaufen wollt. Es macht nämlich einfach Spaß, keinen Müll zu produzieren und ich ärgere mich schwarz, wenn ich die Netze einmal nicht dabei habe.

Im Gegensatz zu Papier- und Plastiktüten könnt ihr die waschbaren Begleiter jahrelang benutzen. Sie sind außerdem so leicht, dass sie beim Abwiegen kaum Mehrgewicht erzeugen. Tipp: Wird an der Kasse gewogen, muss der Kassierer wissen, was sich im Beutel befindet. Daher empfehle ich transparente Netze und Beutel.

Mehrweg kann so einfach sein

Neben den „take5nets“ von again & a-gain gibt es auch die „Naturtasche“ aus Bio-Baumwolle. Ihr GOTS-Zertifikat garantiert, dass die Tasche ökologisch und fair produziert wird. Die „Produce Stand“-Beutel von ChicoBag sind aus recyceltem PET und Hanffasern. Es gibt sie in verschiedenen Größen und Ausführungen für verschiedene Lebensmittel. Eine weitere umweltfreundliche Alternative zur Plastiktüte ist „Der Fregie“.

Die „Fregies“ sind von einem unabhängigen Institut auf Lebensmittelechtheit überprüft und werden – wie die „Naturtasche“ – ausschließlich in Deutschland produziert. Die Prüfung auf Lebensmittelechtheit untersucht, ob gesundheitsschädliche Stoffe von der Verpackung in die Lebensmittel eindringen können. Dazu werden alle Rohmaterialien Tests unterzogen.

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Die Gemüse-Ackerdemie

13. September 2016

Nur wenige Kinder und Jugendliche in Deutschland wissen, wo ihre Lebensmittel wirklich herkommen. Noch weniger haben schon einmal selbst Gemüse angebaut. Denn auch ihre Eltern verlieren zunehmend den Zugang zur natürlichen Lebensmittelproduktion. Schockierend ist, dass dafür Übergewicht, Diabetes und Mangelernährung bei Kindern kontinuierlich zunehmen.

Durch die Beschleunigung unseres gesellschaftlichen Lebens und veränderte Prioritäten im Bildungssystem scheint es immer weniger Raum für naturnahe Bildungsangebote zu geben. Als Konsequenz daraus sinkt die Wertschätzung für Lebensmittel und gesunde Ernährung. Um dem entgegenzuwirken hat der Verein Ackerdemia die Gemüse-Ackerdemie ins Leben gerufen:

„Wir bringen das über Jahrhunderte bewährte Konzept des Schulgartens ins 21. Jahrhundert und passen es an die heutigen Ansprüche von Schulen, Kitas, Lehrern, Erziehern, Kindern und Jugendlichen an“, erklärt Christoph Schmitz, Gründer der Gemüse-Ackerdemie.

So funktioniert die Gemüse-Ackerdemie

Die Gemüse-Ackerdemie wird individuell in das bestehende Bildungskonzept der teilnehmenden Einrichtungen integriert. Für die Durchführung des Programms stellt Ackerdemia alles Notwendige zur Verfügung: Einrichtung von Ackerflächen, Bestellung von Saat- und Pflanzgut, wöchentliche Fachinformationen, Fortbildungen sowie koordinative Leistungen, die einen reibungslosen Ablauf garantieren.

Lehrer und Erzieher erhalten außerdem ein umfangreiches Curriculum, das sich an der UNESCO-Bildungsoffensive „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ orientiert und das Acker-Jahr (Februar bis Januar) anhand von 20 Bildungsbausteinen begleitet.

Einblick in die Produktionskette

Die Bearbeitung der Ackerflächen erfolgt durch die Kinder und Jugendlichen. Aufgeteilt in kleine Acker-Teams und jeweils begleitet von einem ehrenamtlichen Mentor (Student, Elternteil, Rentner) sind die Kids für ihren eigenen Teil des Ackers verantwortlich. Sie bauen unter fachlicher und pädagogischer Anleitung während des Acker-Jahres eigenständig mehr als 25 Gemüsearten an und gewinnen so ein grundlegendes Verständnis für die Erzeugung von Lebensmitteln.

Das geerntete Gemüse dürfen die jungen Teilnehmer selbst verwerten oder zum Beispiel in Form von Biokisten an Eltern und Lehrer „vermarkten“. Dadurch erhalten sie erste Einblicke in marktwirtschaftliche Prozesse und bekommen die vollständige Produktionskette des Gemüseanbaus vermittelt.

Mehr als 1.600 Kinder „ackern“ schon

Angefangen hat alles mit einem einzigen Lernort und 30 teilnehmenden Kindern. Im Pilotjahr 2014 waren es schon sechs Einrichtungen und 120 Kinder. „Inzwischen setzen wir die Gemüse-Ackerdemie an mehr als 50 verschiedenen Standorten in acht Bundesländern sowie Österreich um und erreichen über 1.600 Kinder und Jugendliche“, so Christoph Schmitz.

Das ganzjährige Programm richtet sich an sämtliche Bildungseinrichtungen im Kinder- und Jugendbereich. Schwerpunktgegenden sind derzeit Berlin/Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, aber auch in anderen Bundesländern entscheiden sich mehr und mehr Schulen und Kitas, die Gemüse-Ackerdemie in ihr Bildungsprogramm zu integrieren.

„Langfristig möchten wir die Gemüse-Ackerdemie an jeder interessierten Einrichtung deutschlandweit anbieten können und somit möglichst viele Kinder und Jugendliche unterschiedlicher sozialer Herkunft erreichen“, sagt Schmitz. „Unser Ziel ist es, eine Generation junger Konsumenten auszubilden, die sich durch ein grundlegendes Verständnis der natürlichen Prozesse und ein bewusstes Konsumverhalten auszeichnet.“

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Snack aus gerettetem Obst

22. August 2016

Jede Frucht ist schön – findet eine Berliner Manufaktur, die aus gerettetem Obst gesunde Snacks herstellt. Die Idee ist simpel und absolut sinnvoll. Denn warum sollte man Essbares wegwerfen, nur weil es nicht mehr dem Schönheitsideal entspricht?

Die Früchte, die das Dörrwerk rettet, würden es mit ihren Druckstellen oder ihrer krummen Form nicht mehr in den Handel schaffen. Sie würden mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Tonne landen. Allein in Deutschland wandern jährlich über 15 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll – davon ist die Hälfte Obst und Gemüse.

Der Arzt Zubin Farahani und der Betriebswirt Jonas Bieber suchten nach einer ökologischen und wirtschaftlich tragbaren Lösung für das Problem – und gründeten die Dörrwerk GmbH. Zunächst als Zwei-Mann-Betrieb in einem Kreuzberger Souterrain konzipiert, haben die Jungunternehmer das Startup innerhalb eines Jahres zu einem lebensmittelproduzierenden Unternehmen gemacht, das jährlich über 200 Tonnen gerettetes Obst verarbeiten kann.

Hauchdünnes Fruchtpapier

Seit Herbst 2014 kaufen Farahani und Bieber Obst mit kleinen Macken direkt bei regionalen Landwirten und Großhändlern zu fairen Preisen auf und verarbeiten es. Dazu werden die Früchte püriert, erhitzt und dann mit warmer Luft zwölf Stunden lang im Dörrofen getrocknet. Die hauchdünnen, knusprigen Blätter mit dem schönen Namen „Fruchtpapier“ bestehen zu 100 Prozent aus Obst und sind somit frei von Zusatzstoffen.

Den Snack für zwischendurch verkaufen die Unternehmer in den Geschmacksrichtungen Erdbeere, Mango und Ananas. Dabei bilden Äpfel stets die Basis, während die exotische Frucht das Aroma liefert. Das Produkt wird inzwischen deutschlandweit in Feinkostläden, im Manufactum Warenhaus sowie im eigenen Online-Shop verkauft.

Neue Snack-Kreationen

Seit Juni 2016 erweitert Philipp Prechtner das Team des Dörrwerks. Der Betriebswirt mit IT-Know-how ist zuständig für Vertrieb und Geschäftsentwicklung. Nun knabbern die drei Unternehmer gemeinsam an ihren Produkten und entwickeln fieberhaft neue Snack-Kreationen im herzhaften Bereich.

Noch in diesem Jahr will die Firma nämlich auch Gemüse-Chips auf den Markt bringen. Die haben es laut Farahani, Bieber und Prechtner in sich: Nicht an Kalorien, dafür aber an Geschmack und Nachhaltigkeit.

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Referenzen

  • Leseproben