Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

„Geht nicht, gibt’s nicht“

16. Juli 2016

Verpackungsfrei einzukaufen ist in normalen Supermärkten so gut wie unmöglich. Doch nun gibt es einen Edeka-Markt, der es möglich macht: Hieber's Frische Center hat ein Mehrwegsystem für Käse- und Wursttheken eingeführt – mit Frischhaltedosen, die Kunden selbst mitbringen dürfen.

Ab sofort kann man in allen Hieber-Märkten mit der eigenen Frischhaltedose an die Theke gehen und sich seinen Aufschnitt dort hineingeben lassen. Was so einfach klingt, war gar nicht so leicht umzusetzen. Denn die Hygienevorschriften in Deutschland sind streng: Hinter der Glasscheibe der Theke beginnt der Hygienebereich – dort darf eigentlich nichts hingelangen, was der Kunde mitgebracht hat. Deswegen musste man bisher Käse und Wurst in Plastik verpackt kaufen, das am Ende im Müll landete.

Der Versuch: Hygieneschleuse

Doch Dieter Hieber, der in Baden-Württemberg zwölf Edeka-Filialen betreibt, wollte dieses Spiel nicht länger mitspielen. „Nachdem ich einen Bericht über den verpackungsfreien Laden Original Unverpackt in Berlin gesehen hatte, dachte ich mir: Das ist ein toller Ansatz. Den sollten wir auch verfolgen.“ Gespräche mit dem Landratsamt folgten und kurze Zeit später führte Hieber versuchsweise eine Hygieneschleuse ein, welche die vom Kunden mitgebrachten Behälter durch UV-Licht keimfrei machte.

Doch die Lösung war nicht optimal: Der Vorgang dauerte zu lange und das UV-Licht war ein Stromfresser. Erfreulicherweise zeigte sich das Landratsamt einsichtig und jetzt geht es auch ohne Schleuse. Da die Dosen im Einkaufskorb oder in der Einkaufstasche verunreinigt werden können, dürfen die Mitarbeiter sie nicht direkt auf die Waage oder ein Brett im Thekenbereich stellen. Aber mit Hilfe eines Tabletts funktionier das Ganze.

Die Tablett-Lösung

Der Kunde legt also seine Dose mit offenem Deckel auf ein vom Mitarbeiter gereichtes Tablett. Der Mitarbeiter stellt dieses auf die Waage, tariert sie auf null und legt die gewünschte Ware in den Behälter. Er schließt die Dose, bringt das Preisschild an und gibt sie dem Kunden zurück. Anschließend reinigt sich der Mitarbeiter die Hände und kann weiter bedienen.

„Geht nicht, gibt’s nicht“, lautet Hiebers Devise. Nun seien alle zufrieden. Nach der erfolgreichen Einführung des Mehrwegsystems in der Filiale in Bad Krozingen, wurden alle Hieber-Märkte entsprechend geschult und ausgestattet. Aber das soll noch nicht alles sein. „Als nächstes wollen wir waschbare Netze für Obst und Gemüse anbieten. Wir denken über nachhaltige, plastikfreie Einweglösungen und wenn möglich Mehrweglösungen für alle Supermarktabteilungen nach“, so Dieter Hieber.

So bleibt Frisches länger frisch

Wichtig ist Hieber auch die Kommunikation mit dem Kunden und das Sensibilisieren für weniger Verpackungsmüll. „Wir geben außerdem Informationen darüber, wie man verschiedene Waren am besten transportiert und Zuhause richtig lagert“, sagt Dieter Hieber. Denn die Art und Weise der Lagerung sei ausschlaggebend dafür, wie lange Lebensmittel frisch bleiben.


    
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