Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Quinoa made in Europe – geht das?

18. September 2017

Die meisten von uns kennen Quinoa aus dem Supermarkt. Das nährstoffreiche Pseudogetreide stammt aus der Andenregion Südamerikas. Was viele nicht wissen: Die Pflanze gedeiht durchaus auch in unseren Breitengraden. Als Vorreiter beim Quinoa-Anbau in Europa hat sich die Dutch Quinoa Group etabliert.

Bis vor wenigen Jahrzehnten war Quinoa in Europa praktisch unbekannt. Erst in den Neunzigern entdeckte man die Pflanze als Nahrungsmittel neu: Vor allem Naturkostläden und die alternative Küche propagierten die nährstoffreichen Körner. Heute gelten sie als glutenfreies „Superfood“. Doch nicht alles daran ist super…

Quinoa-Anbau in Südamerika

Das Pseudogetreide wächst fast ausschließlich in seiner Herkunftsregion in den Anden. Mehr als 95 Prozent der gesamten Weltproduktion werden in Peru und Bolivien angebaut, der Rest in Ecuador. Die Transportwege von den Feldern bis nach Europa sind extrem lang. Das bedeutet: Klimabelastung durch fossile Treibstoffe.

Auch führt der Boom in reichen Ländern wie Deutschland zu höheren Preisen. Das bedeutet: Wo Quinoa früher ein Grundnahrungsmittel für viele Bauern war, ist sie ihnen heute zu teuer geworden. Zugleich breiten sich Quinoa-Anbauflächen durch die große Nachfrage stark aus und schädigen so die Ökosysteme der Anbauländer.

Quinoa-Anbau in Europa

Die Frage liegt nahe, warum wir Quinoa dann nicht einfach in Europa anbauen. Obwohl sich die Pflanze erstaunlich gut an unterschiedliche ökologische Bedingungen anpasst, ist es kein leichtes Unterfangen, Quinoa in Europa zu kultivieren. Unmöglich ist es jedoch nicht. Das beweist der niederländische Ernährungsberater und Landwirt Rens Kuijten.

Kuijten gehört zur neuen Generation von Landwirten, die dem Credo „Masse statt Klasse“ mit einem ausgeklügelten Unternehmensmodell zu trotzen scheinen. Er beschäftigt sich bereits seit 2001 mit dem Anbau von Quinoa und ist heute mit seinem Unternehmen, der Dutch Quinoa Group, mit einem ganzen Netzwerk von 40 Landwirten in den Niederlanden vertreten.

Kuijten verkauft hochwertiges Bio-Quinoa ohne Einsatz von Pestiziden und mit dem Fokus auf Regionalität. Sein Quinoa wird lokal verkauft. Die Dutch Quinoa Group arbeitet auch mit Universitäten zusammen, um den Anbau der Pflanze und den Reinigungsprozess weiter zu verbessern. Außerdem schult die Gruppe Unternehmen im Ausland, die dabei sind, ein Netzwerk vom Anbau bis zum Verkauf regional aufzubauen. Mittlerweile haben sich Quinoa-Bauern europaweit zur European Quinoa Group zusammengeschlossen, darunter auch Landwirte aus Deutschland.

Quinoa im eigenen Garten

Wer nicht warten will, bis Quinoa auch hierzulande in so großem Stil angebaut wird, dass wir das heimische Produkt problemlos im Supermarkt bekommen, kann es im eigenen Garten selbst anbauen. Hochwertiges Saatgut erhaltet ihr zum Beispiel bei spezialisierten Händlern im Internet. Die Aussaat erfolgt im April, zwischen Mitte und Ende des Monats.

Quinoa benötigt kaum Pflege. Weder Gießen noch Düngen ist nötig, nur das Unkraut solltet ihr regelmäßig entfernen. Geerntet wird dann zwischen Ende August und Ende September, je nach Witterung auch bis Mitte Oktober. Der Ertrag fällt normalerweise hoch aus, kann aber durchaus wetter- und standortbedingt etwas schwanken.

Erst nachdem sie vollkommen trocken sind, können die Körner verwendet werden. Dann aber sind sie in der Küche vielseitig einsetzbar. Ob Quinoa-Salat, als Beilage, im Müsli oder für Süßspeisen – es gibt inzwischen unzählige Quinoa-Rezepte. Vor dem Verarbeiten solltet ihr die Samen immer mit lauwarmem Wasser spülen, da sich in der Samenhülle viele Bitterstoffe befinden.

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SWARM – der etwas andere Snack

3. März 2017

Bangkok, 2015. Touristen aus aller Welt drängen sich über die Khao San Road. Unter ihnen auch Christopher und Timo. Ihre Mission: Insekten essen! Sie haben sich in den Kopf gesetzt, Insektenprotein auf den westlichen Speiseplan zu bringen. Immerhin könnten Insekten laut UN ein Mittel gegen die globale Nahrungskrise sein. Der erste Schritt heißt also: Selbstversuch!

Und dazu eignet sich Südostasien als Hotspot der Insektenindustrie ideal. Für 80 Prozent der Weltbevölkerung stehen Insekten als wertvolle Nährstoffquelle auf dem täglichen Speiseplan. Für uns Westeuropäer unvorstellbar! Grillen, Raupen, Käfer essen? Igitt! Der Gedanke ist nicht nur ungewohnt, sondern auch abstoßend.

Insekten als Proteinlieferanten

Dabei sind Insekten ausgezeichnete Protein- und Nährstofflieferanten. Es sind knapp 2.000 essbare Arten bekannt, die sich vor allem in der Zusammensetzung aus Protein, Fett und Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen unterscheiden. Grillen zeichnen sich zum Beispiel durch einen besonders hohen Proteingehalt (70 % in Trockenmasse) aus.

Auch in punkto Nachhaltigkeit können sich Insekten sehen lassen: Sie benötigen wenig Futter, wenig Land und wenig Wasser und sie verursachen kaum Treibhausgase – im Gegensatz zu unserer westlichen Proteinquelle, dem Vieh. Sie sind also eine ernstzunehmende Alternative zu Molkeprotein. Zum Vergleich: Für ein Kilo Rind werden 25 Kilo Futter benötigt; für ein Kilo Grille braucht man nur 2 Kilo Futter.

Lebensmittelergänzung: Insektenpulver

Zurück zu unseren Revolutionären Christopher und Timo. Obwohl sie die Erfahrung machten, dass man sich schnell ans Insektenessen gewöhnen kann, war ihnen gleichzeitig klar, dass die kulturelle Distanz zu Insekten im Westen noch zu groß ist. Zumindest, wenn man die Insekten noch als Ganzes erkennen kann. Deshalb haben sich die beiden darauf konzentriert, Insektenpulver als Lebensmittelzutat auf unseren Markt zu bringen.

Und so entstand das Konzept von SWARM – ein Insektenriegel. Er soll das hochwertige Protein zu denjenigen bringen, die dessen Vorteile am meisten schätzen: Sportler. Zusammen mit Dani, einer Expertin für Sport und Ernährung, begann das Team mit der Produktentwicklung.

Aufgrund ihres hohen Proteingehalts und ihrer einfachen Züchtung fiel die Insektenwahl für SWARM auf die Grille. Ihr Protein ist hochwertig, da es alle neun essentiellen Aminosäuren beinhaltet. Diese sind wichtig für den Aufbau und Erhalt der Muskulatur und können nicht vom Körper selbst gebildet werden. Grillen beinhalten zudem viel Vitamin B12.

SWARM: der Rohkostriegel

Über einen Kooperationspartner in Thailand wird das Grillenpulver importiert. Der SWARM Proteinriegel wird dann in Europa hergestellt. Es handelt sich dabei um einen Rohkostriegel mit getrockneten Datteln, der sich für die Regeneration nach dem Sport eignet, aber vom SWARM Team auch als Snack empfohlen wird.

Nachdem nun die Prototypenentwicklung abgeschlossen ist und die Geschmacksrichtungen feststehen, warten die drei Gründer nur noch auf den Startschuss ihrer Crowdfunding-Kampagne. Der Riegel soll dann der Einstieg sein. Wenn die Hemmschwelle in der westlichen Bevölkerung sinkt, kann sich das Team von SWARM auch vorstellen, das pure Insektenpulver und andere Insektenprodukte anzubieten. Warum nicht? Solange es nicht mehr krabbelt und keine Fühler hat…

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