Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Das selbstversorgende Dorf wird Wirklichkeit

21. Juni 2017

Ein Dorf, das alles, was die Bewohner zum Leben brauchen, selbst produziert. Hört sich nach einer Utopie an. Doch die Zukunft wird in den Niederlanden mit dem ersten ReGen Village bereits in diesem Jahr Realität.

In Almere, einem Vorort von Amsterdam, wird an dem ersten Dorf gebaut, das sich komplett selbst versorgt. Das sogenannte ReGen Village, was so viel heißt wie „regeneratives Dorf“, wird sich selbst mit Nahrungsmitteln, Wasser und Energie versorgen sowie eine eigene Müllentsorgung haben.

So sieht das Öko-Dorf aus

Die Idee dazu stammt von dem US-amerikanischem Projektentwickler James Ehrlich, der das Dorf in Zusammenarbeit mit dem dänischen Architekturbüro Effekt realisiert. Bis Ende 2017 soll das ReGen Village bezugsfertig sein.

Das Modell-Dorf ist so angelegt, dass Wohnbereiche und jene, die zur Versorgung genutzt werden, unmittelbar in Berührung stehen – anders als heute in Städten üblich, wo Wohnen und Produzieren weit voneinander entfernt stattfinden. Die 25 Wohnhäuser mit durchschnittlich 120 Quadratmetern Wohnfläche werden im Kreis angeordnet, während Gewächshäuser, Gärten, Weiden und Aquaponik-Anlagen im Zentrum liegen – umgeben von Gemeinschaftseinrichtungen wie Spielplatz, Park und Schwimmbad. Auch mit selbst produziertem Ökostrom geladene Elektroautos soll es geben.

Wie funktioniert die Selbstversorgung?

Für die Lebensmittelversorgung bietet das Öko-Dorf zahlreiche Produktionsstätten: normale saisonabhängige Gärten, beheizte Gewächshäuser, die um und über den Gebäuden herum installiert sind, Vertical Farms, Viehhaltung und Aquaponik. Bei Letzterem handelt es sich um eine Fischzucht, die mit Pflanzenanbau in Hydrokultur kombiniert wird, indem die Exkremente der Fische als Dünger für die Pflanzen genutzt werden. Gefüttert werden die Fische mit Fliegenlarven.

Da sich die Fliegen genauso wie die zur Fleischproduktion gehaltenen Nutztiere von kompostiertem Abfall ernähren, überschneiden sich an dieser Stelle die Kreisläufe der Nahrungsmittelproduktion und der Müllentsorgung. Der unkompostierbare Bestandteil des Mülls wird dagegen zur Energieproduktion verbrannt. Die restliche benötigte Energie soll durch Solar- und Biogasanlagen gedeckt werden. Überschüssige Energie wird gespeichert, um das Dorf auch dann zu versorgen, wenn gerade keine Energie produziert wird.

Für die Wasserversorgung soll Regenwasser als Bewässerung und Trinkwasser gleichermaßen dienen – in einer gefilterten und einer ungefilterten Variante. Auch hier sorgen Speicher für die Versorgungssicherheit.

Weniger Wasser- und Landverbrauch

Eine Aquaponik-Anlage benötigt nur etwa ein Zehntel des Wassers, das konventionelle Landwirtschaft verbraucht. Weil beim Vertical Farming in die Höhe gegärtnert wird, ist der Ertrag zehn bis zwanzig Mal höher als auf einer durchschnittlichen Ackerfläche. Mit dem neusten Stand der Agrartechnik wollen die Macher des Zukunftsdorfes einen zehnfachen Ernteertrag mit 90 Prozent weniger Wassereinsatz erzielen.

Auch der Flächenverbrauch soll sinken. Lediglich 639 Quadratmeter Land soll zur Versorgung einer dreiköpfigen Familie genutzt werden. Nach Angaben der Effekt-Architekten werden aktuell bei herkömmlicher Landwirtschaft 8.100 Quadratmeter benötigt.

Angesichts der Tatsache, dass die Weltbevölkerung bis 2050 auf rund zehn Milliarden Menschen anwachsen wird und Ressourcen knapp werden, hat das nachhaltige Wohn- und Lebenskonzept Potential. Der Andrang auf das Dorf ist bereits sehr groß. Daher planen Ehrlich und Effekt weitere ReGen Villages in Dänemark, Norwegen und auch Deutschland.

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Bio + fair = mehr?

Bremen Global Championship: 300 Schüler nehmen an umweltpolitischem Turnier teil

2. Juni 2013

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BREMEN. Welchen Weg legt eine Jeanshose zurück und unter welchen Bedingungen wird eigentlich Coltan für unsere Handys abgebaut? Mit diesen Fragen beschäftigten sich elf Klassen aus Bremen beim Global Championship 2013. Das Motto in diesem Jahr: „Bio + fair = mehr?“ Ziel war es, dass sich Jugendliche eine eigene Meinung zu gerechten Produktionsbedingungen bilden konnten.

„Wir wollen nicht, dass die Mädchen und Jungen nachbeten, was wir sagen“, erklärt Christopher Duis vom Bremer entwicklungspolitischen Netzwerk. „Vielmehr sollen sie sich Gedanken darüber machen, was sie gut und was sie schlecht finden.“ Beim Projektauftakt im März wurde jeder Klasse ein Land zugelost, mit dem sich die Schüler in der Folge unter den Gesichtspunkten Bio und fairer Handel auseinandersetzten.

Die Veranstalter, unter anderen das entwicklungspolitische Netzwerk, Brot für die Welt, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sowie Unicef schickten Referenten in die Klassen, um den Teilnehmern thematische Anregungen zu geben. „Wir besuchten die Schüler zum Beispiel mit Experten aus Senegal, Kamerun und Brasilien“, so Duis.

Zudem arbeiteten die Jugendlichen in den vergangenen Wochen an einem eigenen Projekt. „Uns war es wichtig, dass die Idee eine Außenwirkung hat, dass sie unter dem Motto „Bio + fair = mehr?“ steht und mit dem jeweiligen Land zu tun hat“, erklärt Duis weiter. Herauskamen etwa eine Schülerzeitung sowie selbstgedrehte Videos.

In dieser Woche versammelten sich die rund 300 Teilnehmer zum abschließenden Fußballturnier im Stadtgarten. Den Wettbewerb trugen die Klassen aber auch an verschiedenen dort aufgebauten Stationen aus. Bewertet wurden dabei Teamgeist, Fairplay, Wissen, Cleverness und Engagement.

So gab es etwa eine Bananen-Station, an der die achten Jahrgänge den Unterschied zwischen einer herkömmlichen und einer Bio-Plantage kennenlernten. An einer Koch-Station halfen die Schüler dem Schulküchenverein, Bioessen für alle zuzubereiten. Außerdem erfuhren sie, wie es ist, nur bei Kerzenschein zu nähen.

„Am meisten hat mir das Fußballspiel gefallen“, erzählt Jannes Krogmann aus der achten Klasse des Gymnasiums Horn. Aber auch die inhaltlichen Aspekte schienen bei ihm und seinen Kameraden einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben. „Es war interessant, die Bedingungen in einer Coltan-Mine kennenzulernen“, sagt Mats-Michel Evers. „Mit Hammer und Meißel in eine harte Wand zu schlagen und Säcke voll Steine zu schleppen, ist ganz schön anstrengend.“

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