Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Plastikmüll vermeiden mit Bio-Verpackungen?

19. Februar 2018

Verpackungsmüll ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit. Während die Zero-Waste-Bewegung darauf setzt, Plastikmüll ganz zu vermeiden, testen andere Pioniere Verfahren mit wiederverwendbaren Verpackungen (etwa Frischhaltedosen) oder Bio-Verpackungen.

Eine Lösung mit ganzheitlichem Anspruch hat das Unternehmen Bio-Lutions entwickelt. Es stellt Einweggeschirr und Verpackungen aus Agrarresten her – kostengünstig und ressourcenschonend. Die Produkte sind vollständig kompostierbar. Gleichzeitig unterstützt Bio-Lutions lokale Kleinbauern am Produktionsstandort Bangalore in Indien.

2017 war für die Firma ein entscheidendes Jahr. Nach fünf Jahren Entwicklung ging das Verpackungsmaterial aus Agrarabfällen in Serienproduktion. „Noch stellen wir in unserer indischen Pilot-Produktionsanlage nur 600 Kilo pro Monat her“, erklärt CEO Eduardo Gordillo in einem Interview mit der KfW-Bank. „Ab April 2018, wenn die Fabrik ausgebaut ist, sind es sechs Tonnen pro Tag.“

Umweltfreundliche Verpackungen aus natürlichen Materialien

Bio-Lutions ersetzt herkömmliche Verpackungsmaterialien mit natürlichen Fasern aus Kokosnüssen, Ananassträuchern, Reis- und Weizenstroh. Aber auch Sägespäne und Baumwollabfälle nutzt das Unternehmen für seine umweltfreundlichen Verpackungen. Verwendet werden ausschließlich Reste aus der Landwirtschaft, die weder als Futtermittel, Biotreibstoff, noch anderweitig Verwertung gefunden haben.

„Unser Verfahren kann überall auf der Welt zum Einsatz kommen. Es ist egal, ob das Ausgangsmaterial aus Reisstroh, Bananenstämmen oder Tomatenpflanzen besteht“, so Gordillo. Die Bio-Verpackungen können CO₂-neutral verbrannt oder, wenn sie zu Bio-Lutions zurückkommen, auch recycelt werden.

Patentiertes Verfahren zur Erstellung von Bio-Verpackungen

Und so funktioniert das Ganze: Eduardo Gordillos patentiertes Upcycling-Verfahren verwandelt die gereinigten Agrarabfälle in mikrofeine Fasern. Die Oberfläche der Fasern ist so angeraut, dass sie aneinander haften bleiben, wenn man Wasser hinzugibt. Den Faserbrei kann man in beliebige Formen pressen und trocknen. Außer den getrockneten Pflanzenresten und Wasser werden keinerlei weitere Zusatzstoffe verwendet.

Die Basis-Verpackungen können für alles Trockene benutzt werden – von Pasta bis Elektronikgeräte. Für Produkte, die eine wasserundurchlässige Oberfläche brauchen, gibt es auch eine mit Bio-Plastik laminierte Version. Die Verpackungen sind unter natürlichen Witterungsumständen kompostierbar und haben einen minimalen Wasser- und Energieverbrauch in der Produktion und beim Kompostieren.

Unterstützung der lokalen Bevölkerung

Die erste Bio-Lutions-Fabrik entstand mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Entwicklungs- und Investitionsgesellschaft in Bangalore. Langfristig soll die Produktion ausschließlich dezentral stattfinden. Das heißt dort, wo die Agrarabfälle anfallen, sollen sie direkt verwertet werden, um lange Transportwege zu vermeiden.

Vor allem in Ländern wie Indien werden dringend Lösungen zur Vermeidung von Plastikmüll benötigt. Das Müllabfuhrsystem funktioniert dort nicht gut bis gar nicht, auf der Straße liegt viel Müll, das meiste davon ist Plastik. Inzwischen haben einige Bundesstaaten Einweg-Plastik komplett verboten. Bio-Lutions war auch der soziale Aspekt am Produktionsstandort wichtig: Viele Bauern in Indien können mit ihrem Einkommen die Familie nicht ernähren. Durch den Verkauf der bisher ungenutzten Agrarabfälle an Bio-Lutions soll sich ihre Lebenssituation verbessern.

Awards für nachhaltige und innovative Verpackung

Bio-Lutions wurde bereits mit zahlreichen Auszeichnungen beehrt, unter anderem dem Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Nachhaltigkeit sowie dem Verpackungspreis in Gold. Dieser wird verliehen für „Innovationen, die auf besondere Weise Trends setzen, wichtige Antworten finden oder als Pionier einen komplett neuen Weg beschreiten“ (Deutsches Verpackungsinstitut).

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