Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Vegane Soßen und Gerichte – 3 leckere Rezeptideen

2. Juni 2018

Ihr würdet euch gern etwas veganer ernähren, euch fehlen aber Ideen für richtig leckere Soßen zu Nudeln, Kartoffeln, Reis und Co.? Ihr werdet erstaunt sein, wie einfach und schmackhaft es geht.

Ich habe euch drei meiner Lieblingsrezepte rausgesucht, die sich auch beliebig abwandeln lassen:

Spaghetti mit scharfer Paprika-Tomatensoße

Wenn ich nicht weiß, was ich kochen soll und keine Zeit habe, stundenlang in der Küche zu stehen, ist dieses Rezept eins meiner Favoriten. Die Zutaten habe ich eigentlich immer vorrätig, weil man damit alles Mögliche schnell zubereiten kann. Das einzige, was man ggf. frisch besorgen muss, ist die Paprika. Mein Tipp also an dieser Stelle: Habt die folgenden Zutaten einfach immer auf Lager (Chilischoten und Basilikum kann man auch getrocknet kaufen).

  • 500 g Spaghetti
  • 200 g Paprika
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 Zwiebel
  • 2 Dosen gewürfelte Tomaten
  • 1 EL Basilikum
  • 1 EL Öl
  • 1-2 Chilischoten
  • 2 EL Tomatenmark
  • Salz, Pfeffer


Zubereitung:

Spaghetti in Salzwasser bissfest garen. Paprika waschen und in Streifen schneiden. Zwiebel und Knoblauch schälen und würfeln. Öl in einem Topf erhitzen und Zwiebel, Knoblauch und Paprika darin anschwitzen. Tomaten zugeben und ca. 5 Minuten kochen lassen. Chilischoten klein schneiden und mit dem Tomatenmark zur Sauce geben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und zum Schluss noch das Basilikum zugeben – fertig!

Pak Choi-Linsen-Curry

Zurzeit ist Pak Choi regional verfügbar, daher habe ich dieses leckere vegane Curry-Gericht mit auf die Favoritenliste gesetzt. Die Zubereitung gelingt im Handumdrehen und ich empfehle auch hier, die Zutaten einfach immer vorrätig zu haben, da man sie für so viele Gerichte verwenden kann. Wenn ihr frischen Ingwer nehmt, könnt ihr ihn einfach im Topf mit andünsten. Ingwerpulver nutzt ihr am besten zum Abschmecken am Ende.

  • Basmatireis
  • 500 g Pak Choi
  • 200 g rote Linsen
  • 2 Zwiebeln
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL Sesam
  • 2 EL Öl
  • 1 Dose Kokosmilch
  • 500 ml Gemüsebrühe
  • 2 EL Zitronensaft
  • Ingwer
  • Kurkuma
  • Currypulver
  • Salz, Pfeffer


Zubereitung:

Pak Choi waschen, die Stiele würfeln und Blätter in Streifen schneiden. Zwiebeln und Knoblauch schälen und würfeln. Linsen in ein Sieb geben und mit Wasser abbrausen. Öl in einem Topf erhitzen und Zwiebeln, Knoblauch, ggf. frischen, kleingeschnittenen Ingwer sowie Pak-Choi-Stiele darin anschwitzen. Sesam, etwas Kurkuma und 1 TL Currypulver dazugeben und ebenfalls anschwitzen. Pak-Choi-Blätter und Linsen zugeben, andünsten und mit Brühe und Kokosmilch angießen. Bei mittlerer Hitze ca. 20 Minuten köcheln lassen. Mit Salz, Pfeffer, ggf. Ingwerpulver und Zitronensaft abschmecken. Dazu passt Basmatireis.

Wirsing-Zwiebel-Pfanne

Auch Wirsing hat wieder Saison und es gibt unendlich viele leckere Gerichte mit der aromatischen Kohlsorte. Eins meiner Lieblingsrezepte besteht aus einer veganen Soße mit Zwiebeln und Senfkörnern, welche super zu Bratkartoffeln oder Kartoffelpüree passt. Und das braucht ihr dafür:

  • 1 Wirsing
  • 2 Zwiebeln
  • 2 EL vegane Butter oder Öl
  • 100 ml Gemüsebrühe
  • 2 TL Senfkörner
  • Handvoll Walnusskerne
  • Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle


Zubereitung:

Vom Wirsing die äußeren Blätter entfernen, dann den Wirsing längs vierteln, den Strunk keilförmig ausschneiden und ebenfalls entfernen. Die Blätter quer in feine Streifen schneiden, in ein Sieb geben und kurz mit kaltem Wasser abbrausen. Die Zwiebeln schälen, längs halbieren und längs in dünne Spalten schneiden. Vegane Butter oder Öl in einem Topf erhitzen und die Zwiebeln darin goldbraun braten, Wirsing dazugeben und kurz andünsten. Gemüsebrühe zufügen, Senfkörner einrühren und zugedeckt 15 bis 20 Minuten dünsten. In der Zwischenzeit die Walnusskerne grob hacken und ohne Fett in einer Pfanne rösten. Den Wirsing mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Walnusskerne zugeben. Dazu passen Bratkartoffeln oder Kartoffelpüree.

Lasst es euch (vegan) schmecken!

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Quinoa made in Europe – geht das?

18. September 2017

Die meisten von uns kennen Quinoa aus dem Supermarkt. Das nährstoffreiche Pseudogetreide stammt aus der Andenregion Südamerikas. Was viele nicht wissen: Die Pflanze gedeiht durchaus auch in unseren Breitengraden. Als Vorreiter beim Quinoa-Anbau in Europa hat sich die Dutch Quinoa Group etabliert.

Bis vor wenigen Jahrzehnten war Quinoa in Europa praktisch unbekannt. Erst in den Neunzigern entdeckte man die Pflanze als Nahrungsmittel neu: Vor allem Naturkostläden und die alternative Küche propagierten die nährstoffreichen Körner. Heute gelten sie als glutenfreies „Superfood“. Doch nicht alles daran ist super…

Quinoa-Anbau in Südamerika

Das Pseudogetreide wächst fast ausschließlich in seiner Herkunftsregion in den Anden. Mehr als 95 Prozent der gesamten Weltproduktion werden in Peru und Bolivien angebaut, der Rest in Ecuador. Die Transportwege von den Feldern bis nach Europa sind extrem lang. Das bedeutet: Klimabelastung durch fossile Treibstoffe.

Auch führt der Boom in reichen Ländern wie Deutschland zu höheren Preisen. Das bedeutet: Wo Quinoa früher ein Grundnahrungsmittel für viele Bauern war, ist sie ihnen heute zu teuer geworden. Zugleich breiten sich Quinoa-Anbauflächen durch die große Nachfrage stark aus und schädigen so die Ökosysteme der Anbauländer.

Quinoa-Anbau in Europa

Die Frage liegt nahe, warum wir Quinoa dann nicht einfach in Europa anbauen. Obwohl sich die Pflanze erstaunlich gut an unterschiedliche ökologische Bedingungen anpasst, ist es kein leichtes Unterfangen, Quinoa in Europa zu kultivieren. Unmöglich ist es jedoch nicht. Das beweist der niederländische Ernährungsberater und Landwirt Rens Kuijten.

Kuijten gehört zur neuen Generation von Landwirten, die dem Credo „Masse statt Klasse“ mit einem ausgeklügelten Unternehmensmodell zu trotzen scheinen. Er beschäftigt sich bereits seit 2001 mit dem Anbau von Quinoa und ist heute mit seinem Unternehmen, der Dutch Quinoa Group, mit einem ganzen Netzwerk von 40 Landwirten in den Niederlanden vertreten.

Kuijten verkauft hochwertiges Bio-Quinoa ohne Einsatz von Pestiziden und mit dem Fokus auf Regionalität. Sein Quinoa wird lokal verkauft. Die Dutch Quinoa Group arbeitet auch mit Universitäten zusammen, um den Anbau der Pflanze und den Reinigungsprozess weiter zu verbessern. Außerdem schult die Gruppe Unternehmen im Ausland, die dabei sind, ein Netzwerk vom Anbau bis zum Verkauf regional aufzubauen. Mittlerweile haben sich Quinoa-Bauern europaweit zur European Quinoa Group zusammengeschlossen, darunter auch Landwirte aus Deutschland.

Quinoa im eigenen Garten

Wer nicht warten will, bis Quinoa auch hierzulande in so großem Stil angebaut wird, dass wir das heimische Produkt problemlos im Supermarkt bekommen, kann es im eigenen Garten selbst anbauen. Hochwertiges Saatgut erhaltet ihr zum Beispiel bei spezialisierten Händlern im Internet. Die Aussaat erfolgt im April, zwischen Mitte und Ende des Monats.

Quinoa benötigt kaum Pflege. Weder Gießen noch Düngen ist nötig, nur das Unkraut solltet ihr regelmäßig entfernen. Geerntet wird dann zwischen Ende August und Ende September, je nach Witterung auch bis Mitte Oktober. Der Ertrag fällt normalerweise hoch aus, kann aber durchaus wetter- und standortbedingt etwas schwanken.

Erst nachdem sie vollkommen trocken sind, können die Körner verwendet werden. Dann aber sind sie in der Küche vielseitig einsetzbar. Ob Quinoa-Salat, als Beilage, im Müsli oder für Süßspeisen – es gibt inzwischen unzählige Quinoa-Rezepte. Vor dem Verarbeiten solltet ihr die Samen immer mit lauwarmem Wasser spülen, da sich in der Samenhülle viele Bitterstoffe befinden.

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Ackerhelden: Gemüsegärten zum Anmieten

18. Juli 2017

In immer mehr deutschen Städten bieten die Ackerhelden biozertifizierte Gemüsegärten zum Mieten an. Die Parzellen werden dabei mit 120 Jungpflanzen vorbepflanzt; zusätzlich erhält der Mieter Saatgut. In der Ackersaison von April bis November kann er dann gießen, pflanzen, säen und sein eigenes knackfrisches Gemüse ernten – ganze 40 verschiedene Sorten.

Keine Ahnung vom Ackern ist dabei kein Problem. Die Ackerhelden-Gründer Birger Brock und Tobias Paulert haben mit ihrer Rundum-Sorglos-Beratung bisher jedem einen grünen Daumen verliehen. Die eigene Freude fürs Gärtnern entwickelten die Freunde bereits zu Schulzeiten – als sie unter Anleitung des Biologielehrers, Brocks Vater, den Schulgarten ihres Gymnasiums beackerten. In den vergangenen Jahren beschäftigten sich Paulert und Brock, die inzwischen Anfang 40 sind, viel mit alternativen Versorgungskonzepten und der Idee der Selbstversorgung.

Gartenpflege und Biogärtnern für Einsteiger

Nebenbei ist Tobias Paulert als „Urban Gardener“ auf seinem Dachgarten aktiv. Dort hat er seinen eigenen Gemüsegarten und baut alte Tomatensorten und exotische Kräuter-, Gemüse- und Obstsorten an. Birger Brock bewirtschaftete mit seiner Familie von 2006 bis 2012 ein Ackerstück auf einem Biobauernhof in Essen. Dieses gesammelte und erprobte Wissen rund um Urban Gardening und Farming fassten die beiden Gründer im Buch „Ackerhelden: Biogärtnern für Einsteiger“ zusammen.

Ihre Ackerhelden-Mietgärten bieten Brock und Paulert übrigens auch für Betriebliches Gesundheitsmanagement an. Mitarbeiter aus Unternehmen können hier also getrost die Hände in die Erde stecken und den Bürostress hinter sich lassen. Außerdem werden sie vom Ackerhelden-Team zu Ernährungsthemen beraten.

Gemüsegärten sind schnell ausgebucht

In der vergangenen Saison entschieden sich knapp 3200 Menschen aus 91 Städten, einen Ackerhelden-Garten zu mieten und zu bewirtschaften. Sie lernten dabei nicht nur die Qualität und Transparenz ihrer Nahrungsmittel kennen und schätzen, sondern erfuhren auch einiges über Selbstversorgung und nachhaltigen Konsum.

Wer eine Ackerfläche in der Saison 2018 mieten möchte, sollte frühzeitig in Kontakt mit den Ackerhelden treten, da die Flächen schnell ausgebucht sind.

Hochbeete für Kitas und Schulen

Nicht nur in Deutschland kommen immer mehr Standorte hinzu – seit 2017 gibt es die Ackerhelden auch im österreichischen Wien. Neben dem Schritt ins benachbarte Ausland wagen Paulert und Brock in diesem Jahr auch die Geschäftsfelderweiterung mit Bio-Hochbeeten. Diese bieten sie im Rahmen des Projekts „Ackerhelden machen Schule“ an Kitas und Schulen an. Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements können Hochbeete auch auf dem Firmengelände aufgestellt werden.

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Gutes Essen liegt so nah: Rote Bete

30. Mai 2017

Zugeben: Ich muss noch immer kurz meine Kindheitserinnerungen überwinden, wenn ich Rote Bete esse. Früher stand das Gemüse ganz klar auf der Liste „Kommt nicht auf meinen Teller“. Aber das hat sich geändert. Zu meinem Glück, denn jetzt kann ich den Geschmack der roten Knolle ungehemmt genießen.

Da sich Rote Bete gut lagern lässt, zählt sie eigentlich zu den klassischen Wintergemüsen. Die Saison für Rote Bete beginnt aber tatsächlich schon im Frühsommer. Dann kommen die ersten frisch geernteten Knollen auf den Markt. Die sind noch klein und zart, aber ziemlich schmackhaft. Meistens werden sie als Bundware mit Laub angeboten. Ab Juli gibt es dann die ausgewachsenen Rüben ohne Blätter.

Rote Bete im eigenen Garten

Wer einen Garten hat, kann Rote Bete auch selbst anpflanzen – bevorzugt an einem sonnigen Ort. Ansonsten ist das Gemüse recht anspruchslos. Ab Mitte April gesät, verdickt sich über den Sommer ein Teil ihrer Sprossachse zu der typischen Rübenform. Dabei wächst sie wie ein Baumstamm in die Breite und bildet feine Ringe. Ungefähr drei bis vier Monate nach der Aussaat könnt ihr sie ernten.

Im Kühlschrank, am besten in feuchtem Papier eingeschlagen, bleiben die Knollen ca. vier Wochen frisch. Das Kraut der Roten Bete könnt ihr übrigens wie Spinat oder Mangold zu einem würzigen Blattgemüse verarbeiten.

Vielseitige Knolle

Ob roh, gekocht, gedünstet oder gebraten. Als Beilage, püriert oder im Eintopf: Der süßliche und leicht erdige Geschmack der Roten Bete kann vielfältig kombiniert werden. Kräftige Gewürze verträgt die Knolle genauso gut wie Schärfe. Zum Beispiel runden Meerrettich oder Chili den Geschmack auf wunderbare Weise ab. Mein Favorit: Rote-Bete-Salat mit Quinoa, Apfelstücken, Feta, Pinienkernen und Petersilie oder Kresse. Köstlich!

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Eine Londoner Initiative wagt etwas Neues

17. Mai 2017

Audacious Veg ist ein soziales Unternehmen in London, das Schulungen und Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Erwachsene durch städtische Landwirtschaft schafft. Ein neuer, kühner Ansatz, der sowohl perspektivlose Jugendliche als auch das urbane Gärtnern fördert – spannend.

Das Team hinter Audacious Veg (audacious = wagemutig) möchte ein lokales Nahrungsmittelsystem aufbauen, das Kommunen, der Umwelt sowie dem Gaumen zu Gute kommt. Auf einem Gelände im Londoner Stadtteil Hainault werden unter anderem essbare Blumen, Gourmet-Salate und Kräuter angebaut. Die Produkte verkauft das Team an lokale Restaurants, Cafés und Caterer.

Traineeship für junge Erwachsene

Das Geschäftsmodell von Audacoius Veg adressiert einerseits die wachsende Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln im Nordosten von London. Gleichzeitig bietet es jungen erwerbslosen Menschen bezahlte Praktika sowie Zugang zu Fähigkeiten, die ihnen helfen, auch nach dem Praktikum einen Job zu finden.

Um die Jugendlichen angemessen zu unterstützen und sie auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, arbeitet Audacious Veg mit freiwilligen Mentoren zusammen. Diese treffen sich regelmäßig mit den Praktikanten und helfen ihnen bei Karriereplanung, Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen.

Workshops für städtische Gärtner

Wer sich in London herumtreibt, ist jederzeit willkommen, die schönen – und vor allem köstlichen – Gärten von Audacious Veg zu besuchen und die speziellen Anbau-Geheimnisse kennenzulernen. Natürlich werden alle Lebensmittel mit ökologisch verantwortlichen und chemiefreien Methoden angebaut.

Audacious Veg bietet auch verschiedene Workshops und Seminare für „urban gardeners“ an. Interessierte, die wissen wollen, wie man Salate das ganze Jahr über ernten kann, wie man Kräuter, Gemüse und Blumen auf kleinstem Raum anbaut oder wie der eigene Garten „leckerer“, bienenfreundlicher und nachhaltiger wird, sind hier also genau richtig. Stets mit von der Partie: ein Mittagessen aus regionalen Lebensmitteln und selbstgemachte Kräutertees.

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Taste of Heimat: Essen mitgestalten

8. November 2016

10 Milliarden Menschen werden im Jahr 2050 voraussichtlich auf der Erde leben. „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ lautet auch der neueste Dokumentarfilm von Regisseur Valentin Thurn („Taste the Waste“, 2011). Er stellt die Frage, inwieweit das bestehende Ernährungssystem dieser Zahl noch Stand hält. Während die Bevölkerung wächst, werden die Ressourcen immer knapper und viele Menschen glauben, daran nichts ändern zu können.

Parallel zum Kinofilm gründete Valentin Thurn den Verein Taste of Heimat, welcher wiederum die gleichnamige Online-Plattform entwickelte. Sie informiert Verbraucher darüber, wie sie sich bestmöglich mit Lebensmitteln aus ihrer Umgebung versorgen können. Sie begreift sich als direktes Bindeglied zwischen regionalen Lebensmittelerzeugern und interessierten Konsumenten. Der Nutzer entdeckt auf der Seite Bauern, Einkaufskooperativen und Selbsternte-Gärten in seiner Umgebung.

Theorie in die Praxis umsetzen

Die Konsumenten werden mit einem Assistenten, dem sogenannten „Tasteomat“ gelenkt: Klicken sie auf „ich will selbst Hand anlegen“, werden sie zur Solidarischen Landwirtschaft oder den Selbsternte-Gärten geleitet. Wollen sie einfach Regionales kaufen, gelangen sie zum Hofladen oder Händler. Taste of Heimat ist ein niedrigschwelliges Angebot für Verbraucher, die sich ohne Vorkenntnisse über regionale Lebensmittel in der Umgebung informieren möchten.

Mit seinem Erfolgsfilm „Taste the Waste“ konnte Valentin Thurn bereits zeigen, dass es möglich ist, eine theoretische, filmische Auseinandersetzung in die Praxis zu übertragen und so gesellschaftliche Veränderung zu bewirken: „Taste the Waste“ führte zu einer europaweiten Bewegung gegen Lebensmittelverschwendung, die letztendlich in der Gründung der Online-Plattform „Foodsharing“ mündete.

Erster Ernährungsrat in Deutschland

Der Verein Taste of Heimat möchte Akteure zusammenzubringen, die am selben Thema, aber oft nebeneinander und nicht miteinander arbeiten. Die Ernährungspolitik soll zurück in die Regionen und auf die kommunale Ebene gebracht werden. Zudem will Taste of Heimat aufklären, inwiefern unser Konsumverhalten eng mit den Problemen der Welternährung zusammenhängt.

Im Frühjahr 2016 initiierte der Verein in Köln die Gründung des ersten Ernährungsrats in Deutschland. In Zusammenarbeit mit der kommunalen Verwaltung erarbeitet das 30-köpfige Gremium eine Ernährungsstrategie für die Millionenstadt. Zu den Mitgliedern gehören Landwirte, Gastronomen, Lebensmittelhersteller, Vertreter von Initiativen und engagierte Bürger, aber auch zehn Vertreter aus Politik und Verwaltung.

Nachhaltigkeit: keine Frage des Geldes

Mehr Menschen sollen einen Zugang zu regional und nachhaltig produzierten Lebensmitteln erhalten. „Dies darf keine Frage des Geldes sein, sondern des Wissens und der Bezugsmöglichkeiten“, erklärt Taste of Heimat-Vorstand Katharina Schwartz. Deshalb fördere der Ernährungsrat unter anderem Bildungsangebote und Direktvermarktungs-Initiativen. „Die Zusammenhänge zwischen unserem Kaufverhalten und den Produktionsbedingungen von Lebensmitteln müssen allen klar sein. Denn wir beeinflussen mit unserer Kaufentscheidung, ob die wenigen noch verbliebenen kleinbäuerlichen Betriebe in einigen Jahren noch existieren oder nicht.“

Für Ernährungsratsmitglied Peter Zens, Landwirt auf dem Erlebnisbauernhof Gertrudenhof in Hürth, ist das Thema Ernährungsbildung zentral: „Ich möchte mit meinem Engagement dafür sorgen, dass sich etwas in den Kindergärten und Schulen tut. Unsere Kinder sollen durch aktives Mittun wieder einen Bezug zu Lebensmitteln und zum Thema Ernährung bekommen.“

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Snack aus gerettetem Obst

22. August 2016

Jede Frucht ist schön – findet eine Berliner Manufaktur, die aus gerettetem Obst gesunde Snacks herstellt. Die Idee ist simpel und absolut sinnvoll. Denn warum sollte man Essbares wegwerfen, nur weil es nicht mehr dem Schönheitsideal entspricht?

Die Früchte, die das Dörrwerk rettet, würden es mit ihren Druckstellen oder ihrer krummen Form nicht mehr in den Handel schaffen. Sie würden mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Tonne landen. Allein in Deutschland wandern jährlich über 15 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll – davon ist die Hälfte Obst und Gemüse.

Der Arzt Zubin Farahani und der Betriebswirt Jonas Bieber suchten nach einer ökologischen und wirtschaftlich tragbaren Lösung für das Problem – und gründeten die Dörrwerk GmbH. Zunächst als Zwei-Mann-Betrieb in einem Kreuzberger Souterrain konzipiert, haben die Jungunternehmer das Startup innerhalb eines Jahres zu einem lebensmittelproduzierenden Unternehmen gemacht, das jährlich über 200 Tonnen gerettetes Obst verarbeiten kann.

Hauchdünnes Fruchtpapier

Seit Herbst 2014 kaufen Farahani und Bieber Obst mit kleinen Macken direkt bei regionalen Landwirten und Großhändlern zu fairen Preisen auf und verarbeiten es. Dazu werden die Früchte püriert, erhitzt und dann mit warmer Luft zwölf Stunden lang im Dörrofen getrocknet. Die hauchdünnen, knusprigen Blätter mit dem schönen Namen „Fruchtpapier“ bestehen zu 100 Prozent aus Obst und sind somit frei von Zusatzstoffen.

Den Snack für zwischendurch verkaufen die Unternehmer in den Geschmacksrichtungen Erdbeere, Mango und Ananas. Dabei bilden Äpfel stets die Basis, während die exotische Frucht das Aroma liefert. Das Produkt wird inzwischen deutschlandweit in Feinkostläden, im Manufactum Warenhaus sowie im eigenen Online-Shop verkauft.

Neue Snack-Kreationen

Seit Juni 2016 erweitert Philipp Prechtner das Team des Dörrwerks. Der Betriebswirt mit IT-Know-how ist zuständig für Vertrieb und Geschäftsentwicklung. Nun knabbern die drei Unternehmer gemeinsam an ihren Produkten und entwickeln fieberhaft neue Snack-Kreationen im herzhaften Bereich.

Noch in diesem Jahr will die Firma nämlich auch Gemüse-Chips auf den Markt bringen. Die haben es laut Farahani, Bieber und Prechtner in sich: Nicht an Kalorien, dafür aber an Geschmack und Nachhaltigkeit.

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Street Food – die etwas andere Kantine

29. Juni 2016

Was in Asien ganz normal ist, wurde in den USA hip und erhielt schließlich auch in Deutschland Einzug: Street Food bietet kulinarische Vielfalt auf Rädern. Ob kubanisch, koreanisch, nigerianisch oder mongolisch. Ob Burger, Burrito, Falafel oder Crêpes. Street Food bedeutet Multikulti, frische Lebensmittel, oft bio und in veganen Varianten.

Ausgegeben wird das Street Food von mobilen Food Trucks. Man könnte sie auch Imbisswagen nennen, aber das spiegelt den hippen, internationalen und gesunden Lifestyle nicht wider. Die meisten Trucks sind aufwendig umgebaut, bunt bemalt und küchentechnisch auf dem neuesten Stand. Was zählt sind Individualität und Qualität, genau wie bei den Gerichten selbst.

Wie auf einer Weltreise

In Berlin hat der Street-Food-Trend bereits mehrere Märkte hervorgebracht, wo neue Köche oder auch etablierte Restaurants ihre Gerichte „to go“ anbieten. Beliebt ist außerdem der „Streetfood Thursday“ in der Markthalle Neun in Kreuzberg, der jeden Donnerstag massenhaft Besucher anzieht. Kein Wunder: Die Auswahl ist wie auf einer Weltreise.

Aber auch andere Städte sind auf den Zug aufgesprungen und bieten regelmäßige Märkte an. Sie heißen etwa „Street Food Session“ (Hamburg) oder „Hall of Taste“ (München). Daneben gibt es das Street Food Festival, das durch verschiedene Städte tourt und in Köln zum Beispiel einmal im Monat zu Gast ist.

Bunte Burger – statt Kantine

Manche mobile Küchen laufen so gut, dass sie sich irgendwann mit einem festen Restaurant sesshaft machen. So wie Bunte Burger in Köln. „Mit unserem Food Truck wollten wir erst mal den Markt testen“, erklärt Gründer und Geschäftsführer Ulrich Glemnitz. Schnell wurde klar, dass sie mit ihren veganen Bio-Burgern mit Gemüse und Bratlingen aus Seitan oder Pilzen einen Nerv trafen. Kurze Zeit später eröffneten Sie ihre „Food Bar“, das erste vegane Burger-Restaurant Deutschlands.

Der Food Truck blieb aber weiter Bestandteil des Geschäftsmodells: An drei Standorten bietet Bunte Burger derzeit einen regelmäßigen Mittagsstand an. Darunter befinden sich zwei Firmen, die keine Kantine haben und so gelegen sind, dass es für die Mitarbeiter kaum Möglichkeiten gibt, gesundes Mittagessen zu bekommen. „Das war von Anfang an die Idee: Wir stellen uns dort hin, wo es sonst nur Bäcker oder Dönerläden gibt“, sagt Glemnitz.

Schnelles Essen, aber bitte gesund

Damit zeigen die Street-Food-Anbieter, dass schnelles Essen auch gesund sein kann – zubereitet aus frischen, regionalen Lebensmitteln. „Die Menschen werden bewusster und achten mehr darauf, wo ihr Essen herkommt“, meint Ulrich Glemnitz. Auch wenn dieser Trend die breite Masse noch nicht erreicht hat: Viele Deutsche greifen noch immer gern auf McDonald‘s und Co. zurück.

Dass die Fast-Food-Riesen mit erheblichen Umsatzeinbrüchen zu kämpfen haben, zeigt aber, dass Glemnitz nicht falsch liegt. Die Öko-Strategie von McDonald’s, die mit einem grünen Anstrich auch die bewusst-lebenden Menschen erreichen soll, scheint nicht aufzugehen. Zu viele durchschauen die Schönfärberei. Und: Echte Alternativen sind längst da.


    
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Fair gekocht – eine Woche geht immer

4. Juni 2016

Eine Woche Erholung für die Umwelt, das verspricht das Kochbuch Fairfood von der Bloggergemeinde wir-essen-gesund.de. Denn wer dem einwöchigen Essensplan folgt, spart CO2, Wasser und Ackerfläche. Klingt interessant...

Vor drei Jahren begannen Daniel und Tobias Beuschel sowie Daniel Strußenberg über gesunde Ernährung, Bewegung und Umweltschutz zu bloggen. Mit dem Kochbuch gehen sie jetzt noch einen Schritt weiter. Fairfood soll ein Bauplan sein, mit Hilfe dessen man die vielen bereits bestehenden Bausteine zusammenfügen kann. Oder um es mit ihren eigenen Worten zu sagen:

„Zahlreiche Studien und unsere eigene Erfahrung durch unseren Blog beweisen, dass viele Menschen nur zu gerne ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten möchten. Dabei wären sie bereit bei ihrer Ernährung auf ihren individuellen ökologischen Fußabdruck zu achten. Allein aber das Wissen um die praktische Umsetzbarkeit fehlt.“

Kochen ohne Reste

Die Rezepte, die man in der Anleitung findet, sind einfach und schnell gekocht. Sie eignen sich für Zuhause und für den Arbeitsplatz. Wichtig ist den Machern, dass man den einwöchigen Ernährungsplan, der für jeden Tag der Woche Frühstück, Mittag und Abendbrot festlegt, wirklich einmal konsequent durchführt. Denn die Zutaten für die einzelnen Mahlzeiten sind so aufeinander aufgebaut, dass keine Reste im Müll landen. Zusätzlich gibt es eine Einkaufsliste für die ganze Woche, sodass unnötige Einkaufswege vermieden werden.

Warum „fair“?

Anders als früher würden die meisten Menschen den Weg vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt nicht mehr mitverfolgen können, heißt es im Fairfood-Kochbuch. So würden wir zwangsläufig die Kenntnis über die Entstehungsprozesse unsere Lebensmittel verlieren. Für die Blogger heißt „fair“ vor allem, dass die verwendeten Produkte regional, frisch und pflanzlich sind. Der Plan bietet aber neben Rezepten, die diese drei Kriterien erfüllen, auch viele interessante Hintergrundinfos.

So könnten beispielsweise 1,7 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid gespart werden, wenn jeder Deutsche sich nur eine einzige Woche fair ernähren würde. Das entspricht der CO2-Menge, die ein Auto ausstößt, wenn es 350.000 Mal um die Erde fährt! Und wir bräuchten etwa 1,6 Milliarden Quadratmeter Ackerfläche weniger, was der Fläche von Berlin und Hamburg zusammen entspricht.

Kostenloser Download

Ziel ist es also, das Kochbuch und die dahinter stehende Idee so gut es geht zu verbreiten, damit der positive Impact auf die Umwelt möglichst groß ist. Dafür haben sich die Blogger ein Konzept überlegt. Jeder kann Fairfood kostenlos auf ihrer Website herunterladen. Das PDF ist darüber hinaus interaktiv gestaltet: Einzelne Rezepte, Grafiken und Tabellen lassen sich aus dem Dokument heraus auf Facebook teilen oder per Mail verschicken.

Wenn alle Menschen, die den Plan bisher heruntergeladen haben, ihn auch befolgt und jedes Gericht nachgekocht haben, wurden mit Fairfood bereits über 150 Tonnen CO2, rund 150.000 Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche und an die 900.000 Hektoliter Wasser gespart. Das rechnet mir zumindest die Fairfood-Internetseite aus, Stand Anfang Juni. Wenn das mal nicht motiviert, oder? Eine Woche geht doch immer.


    
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Urban Farming

ECF Berlin: Im Kreislauf gedacht

17. Mai 2016

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So frisch wie aus Omas Schrebergarten: Die ECF Farm produziert Fisch und Gemüse in Berlin-Schöneberg. Näher am Verbraucher geht es kaum.

Landwirtschaft mitten in der Stadt? Im Kleinen ist uns das Modell als Urban Gardening schon bekannt. Doch da geht es mehr um das städtische Gärtnern, die Begrünung von Brachflächen und Bepflanzung von noch so kleinen Beeten am Straßenrand. In den Gemeinschaftsgärten wird natürlich auch Gemüse angebaut und meist für den Eigenbedarf geerntet.

Das Konzept des Urban Farming geht jedoch weiter. In vielen Ländern leben bereits mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Um diese mit frischen Lebensmitteln zu versorgen ohne lange Transportwege und Kühlketten in Kauf nehmen zu müssen, haben sich einige Startups gedacht: Produzieren wir doch Gemüse und Fisch im großen Stil direkt in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zum Verbraucher.

Frisch aus der Hauptstadt

Beispiele dieser sogenannten Aquaponik-Farms sind Green Acre Aquaponics in den USA und hierzulande das Jungunternehmen ECF in Berlin. Das ECF-Team kombiniert die Zucht von Buntbarschen mit Gemüseanbau aus einem einfachen Grund: Das nährstoffreiche Wasser aus der Fischzucht eignet sich hervorragend als umweltfreundlicher Dünger für die Gewächshäuser. „Wir sehen in dieser Art von Farmsystem in der Stadt viel Potenzial“, sagt ECF-Geschäftsführer Nicolas Leschke. „Es spart Wasser, CO2 und Transportwege. Die Lebensmittel werden nachhaltig produziert und kommen wirklich frisch beim Konsumenten an.“

Wer die Produkte etwa am ECF-Stand in der Markthalle Neun in Kreuzberg kauft, kann sich sicher sein, dass weder Gentechnik noch Antibiotika oder Pestizide bei der Herstellung im Spiel waren. Der Fisch stammt nicht aus überfischten Weltmeeren, er wird handgefangen, handverarbeitet und handverpackt. Mittlerweile hat der „Hauptstadtbarsch“ Einzug in viele Supermarktfilialen in Berlin erhalten. Saisonales Gemüse und Kräuter werden auch an Gastronomie-Betriebe geliefert.

So funktioniert‘s

Aquaponik setzt sich zusammen aus Aquakultur, also der Fischaufzucht in einer Kreislaufanlage, und Hydroponik, dem Pflanzenanbau im Wasser. Das Gesamtsystem ist sehr ressourcenschonend konzipiert: Das auf dem Dach gesammelte Regenwasser wird zunächst in der Aquakultur eingesetzt, wo die Speisefische heranwachsen und dabei das Wasser mit Nährstoffen anreichern. Anschließend gelangt das Wasser in den Gewächshausteil der Farm, wo die Pflanzen die Nährstoffe aus dem Wasser für ihr Wachstum nutzen.

Grundsätzlich könnten verschiedene Süßwasserfische in der Anlage produziert werden. Die ECF-Farmer haben sich zunächst für den Buntbarsch entschieden. Sein weißes Fleisch ist wohlschmeckend und hat wenig Gräten. Der Buntbarsch – auf Grund seiner rötlichen Färbung auch Rosé Barsch genannt – ist weltweit ein gefragter Fisch für Aquakulturen, da er krankheitsresistent und ein guter Futterverwerter ist. 1,2 Kilogramm Biofutter ergibt 1 Kilogramm Fisch. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Rindfleisch benötigt ganze 8 Kilogramm Futter.

Das Hauptstadt-Gemüse besteht unter anderem aus Tomaten, Salat, Sprösslingen und Kräutern. „Darunter befinden sich auch spannende alte Sorten“, verrät Nicolas Leschke. Sie werden saisonal angebaut und tagesfrisch an den Kunden weitergegeben.

Nischengeschäft

Das Hauptgeschäft von Leschke und seinem Team ist jedoch nicht die Berliner ECF Farm an sich, sondern das Planen und Bauen von Aquaponikfarms für den internationalen Markt. Die Nachfrage scheint zu wachsen. Doch Leschke ist Realist: „Urban Farming wird immer eine Nische bleiben. Um den Lebensmittelbedarf aller Menschen zu decken, bleibt die traditionelle Landwirtschaft unerlässlich.“

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Urban Farming – im Kreislauf gedacht

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So frisch wie aus Omas Schrebergarten: Die ECF Farm produziert Fisch und Gemüse in Berlin-Schöneberg. Näher am Verbraucher geht es kaum.

Landwirtschaft mitten in der Stadt? Im Kleinen ist uns das Modell als Urban Gardening schon bekannt. Doch da geht es mehr um das städtisches Gärtnern, die Begrünung von Brachflächen und Bepflanzung von noch so kleinen Beeten am Straßenrand. In den Gemeinschaftsgärten wird natürlich auch Gemüse angebaut und meist für den Eigenbedarf geerntet.

Das Konzept des Urban Farming geht jedoch weiter. In vielen Ländern leben bereits mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Um diese mit frischen Lebensmitteln zu versorgen ohne lange Transportwege und Kühlketten in Kauf nehmen zu müssen, haben sich einige Startups gedacht: Produzieren wir doch Gemüse und Fisch im großen Stil direkt in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zum Verbraucher.

Frisch aus der Hauptstadt

Beispiele dieser sogenannten Aquaponik-Farms sind Green Acre Aquaponics in den USA und hierzulande das Jungunternehmen ECF in Berlin. Das ECF-Team kombiniert die Zucht von Buntbarschen mit Gemüseanbau aus einem einfachen Grund: Das nährstoffreiche Wasser aus der Fischzucht eignet sich hervorragend als umweltfreundlicher Dünger für die Gewächshäuser. „Wir sehen in dieser Art von Farmsystem in der Stadt viel Potenzial“, sagt ECF-Geschäftsführer Nicolas Leschke. „Es spart Wasser, CO2 und Transportwege. Die Lebensmittel werden nachhaltig produziert und kommen wirklich frisch beim Konsumenten an.“

Wer die Produkte etwa am ECF-Stand in der Markthalle Neun in Kreuzberg kauft, kann sich sicher sein, dass weder Gentechnik noch Antibiotika oder Pestizide bei der Herstellung im Spiel waren. Der Fisch stammt nicht aus überfischten Weltmeeren, er wird handgefangen, handverarbeitet und handverpackt. Mittlerweile hat der „Hauptstadtbarsch“ Einzug in viele Supermarktfilialen in Berlin erhalten. Saisonales Gemüse und Kräuter werden auch an Gastronomie-Betriebe geliefert.

So funktioniert‘s

Aquaponik setzt sich zusammen aus Aquakultur, also der Fischaufzucht in einer Kreislaufanlage, und Hydroponik, dem Pflanzenanbau im Wasser. Das Gesamtsystem ist sehr ressourcenschonend konzipiert: Das auf dem Dach gesammelte Regenwasser wird zunächst in der Aquakultur eingesetzt, wo die Speisefische heranwachsen und dabei das Wasser mit Nährstoffen anreichern. Anschließend gelangt das Wasser in den Gewächshausteil der Farm, wo die Pflanzen die Nährstoffe aus dem Wasser für ihr Wachstum nutzen.

Grundsätzlich könnten verschiedene Süßwasserfische in der Anlage produziert werden. Die ECF-Farmer haben sich zunächst für den Buntbarsch entschieden. Sein weißes Fleisch ist wohlschmeckend und hat wenig Gräten. Der Buntbarsch – auf Grund seiner rötlichen Färbung auch Rosé Barsch genannt – ist weltweit ein gefragter Fisch für Aquakulturen, da er krankheitsresistent und ein guter Futterverwerter ist. 1,2 Kilogramm Biofutter ergibt 1 Kilogramm Fisch. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Rindfleisch benötigt ganze 8 Kilogramm Futter.

Das Hauptstadt-Gemüse besteht unter anderem aus Tomaten, Salat, Sprösslingen und Kräutern. „Darunter befinden sich auch spannende alte Sorten“, verrät Nicolas Leschke. Sie werden saisonal angebaut und tagesfrisch an den Kunden weitergegeben.

Nischengeschäft

Das Hauptgeschäft von Leschke und seinem Team ist jedoch nicht die Berliner ECF Farm an sich, sondern das Planen und Bauen von Aquaponikfarms für den internationalen Markt. Die Nachfrage scheint zu wachsen. Doch Leschke ist Realist: „Urban Farming wird immer eine Nische bleiben. Um den Lebensmittelbedarf aller Menschen zu decken, bleibt die traditionelle Landwirtschaft unerlässlich.“


    
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Gold zum Trinken

Vom Apfel zum Apfelwein – warum Hessen nicht nur landschaftlich reizt

1. November 2014

Es gibt ihn als klassischen Hausschoppen und als Secco, als Schaumwein, Sherry und Dessertwein: Der Apfelwein hat heute viele Facetten. Nischen-Winzer in Regionen wie Taunus, Rhön und Odenwald geben dem hessischen Nationalgetränk ein neues Gesicht, das zeigt: Der Apfel hat es in sich.

Nirgendwo in Deutschland wird so flächendeckend und in so großen Mengen Apfelwein gekeltert wie in Hessen. Und das, obwohl die Apfelanbaufläche dort vergleichsweise klein ist. „Dieses Kuriosum liegt vermutlich daran, dass in Hessen verstärkt auf den Streuobstanbau gesetzt wird, der nicht in der Statistik berücksichtigt wird“, sagt Michael Stöckl, Gastwirt im Taunus und Deutschlands erster Apfelwein-Sommelier. Streuobstwiesen würden zur Kulturlandschaft des Bundeslandes gehören wie keine andere landwirtschaftliche Nutzfläche. „Den alten Apfelsorten verdankt der hessische Apfelwein seinen typischen Charakter“, so Stöckl.

Der Streuobstbau ist eine traditionelle Landwirtschaftsform mit hochstämmigen Obstbäumen, die vor allem für zahlreiche Tierarten lebensnotwendig ist. Grundlage sind eine Vielfalt an Apfel- und Birnensorten, aber auch Kirschen, Walnüsse, Zwetschgen und Pflaumen. Viele dieser rund 3000 Sorten kommen dem Naturschutzbund (NABU) zufolge nur regional vor und sind ein Naturerbe von hohem Wert. Daher setzen sich Umweltverbände und lokale Initiativen deutschlandweit für den Erhalt dieser artenreichen Lebensräume ein. Die Produktion von Apfelsaft aus heimischen Streuobstwiesen sei Nachhaltigkeit par excellence, so der NABU.

Sherry aus der Rhön

Über 100 verschiedene Apfelsorten hängen an den Bäumen von Jürgen Krenzers Obstwiesen in der Rhön. Wie Michael Stöckl gehört er zu den „Hessischen Wirtshaus-Kelterern“, ein Zusammenschluss aus sieben Apfelwinzern. Jeder von ihnen hat eine eigene Nische auf dem Markt gefunden. Jürgen Krenzer ist vor allem bekannt für seinen Apfel-Sherry. „Hier in der Hochrhön sind die Äpfel besonders sauer und eignen sich gut für Dessertwein“, sagt Krenzer. Ob Wein, Apfelwein oder Sherry – es komme immer auf das Verhältnis von Säure und Zucker an.

Das Wissen um Streuobst und seiner Verarbeitung sei nicht mehr so da wie früher, bedauert Krenzer. „Heute werden oft an einem Stichtag alle Äpfel geerntet. Dabei sind die verschiedenen Sorten zu unterschiedlichen Zeiten reif – einige schon im August, andere hängen noch nach Weihnachten an den Bäumen.“ Der 49-Jährige besitzt nicht nur eine Gastwirtschaft und Obstwiesen, sondern auch eine Schau-Kelterei, in der Gäste den gesamten Ablauf der Saftproduktion miterleben können, sowie ein kleines Theater. Dort lässt er die Geschichte des Apfel-Sherry erzählen.

Regionale Vernetzung

Dass sich Streuobst nicht nur zum Pressen, sondern auch zum Kochen eignet, demonstriert der Apfelwinzer Armin Treusch. In seiner Kochschule im Odenwald lernen Interessierte, wie sie einen Kartoffel-Apfel-Salat, Lachsforelle auf Apfel-Lauch-Ragout oder Bratapfeleis zubereiten. Treusch legt dabei viel Wert auf regionale Zutaten – ein Merkmal, das die Hessischen Wirtshaus-Kelterer gemein haben. „Wir unterstützen uns gegenseitig und vernetzen uns in der Region mit anderen Betrieben wie etwa Schlachtern“, erklärt Treusch.

Wer nicht erst aufs Land fahren möchte, um den vielfältigen Geschmack des Apfels zu kosten, findet das „Gold zum Trinken“ auch in Hessens Metropole Frankfurt. Die internationale Messe „Apfelwein weltweit“ und das Apfelweinfestival sind gesetzte Größen im Frankfurter Veranstaltungskalender. Ein geführter Apfelwein-Rundgang, eine Stadtrundfahrt mit dem Ebbelwei-Express und das Ebbelwei-Wochenende lassen Apfelweinfreunde ganzjährig den goldenen Tropfen erleben.

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