Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Saatgut, Blumen, Kräuter – die richtigen Pflanzen für Bienen

5. April 2018

Bienen sind die Grundlage unserer Ernährung und unverzichtbar für die Ökosysteme. Ihre weltweite Bestäubungsleistung wird auf 200 bis 500 Milliarden Euro geschätzt, zwei Drittel unserer Nahrungspflanzen sind auf Bestäubung angewiesen. Aber auch die Bestäubung von Wildpflanzen ist wichtig, denn diese sind die Grundlage für viele Insekten, Vögel und Säugetiere.

Leider hat der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft dramatische Auswirkungen auf die Wildbienen. In Europa ist mittlerweile fast jede zehnte Wildbienenart vom Aussterben bedroht. Und nicht nur die Arten werden weniger, auch die Populationen schrumpfen.

Wie kann ich helfen – bienenfreundliche Pflanzen

Ein bienenfreundlicher Garten oder Balkon zeichnet sich durch ein reichhaltiges Blütenangebot aus. Neben möglichst vielen unterschiedlichen Pflanzenarten solltet ihr darauf achten, dass in eurem Garten oder auf eurem Balkon von Frühling bis Herbst immer etwas für die Bienen zu holen ist. Beachtet am besten diese drei Grundregeln:

(1) Sortenvielfalt statt Monokultur

Pflanzt verschiedene heimische Blumen, um den Bienen eine Auswahl an Nahrungsquellen zu bieten. Viele Wildbienenarten sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert und fliegen nur diese auf der Pollen- und Nektarsuche an. Es gilt daher: Je vielfältiger das Pflanzenangebot, desto besser für die Bienen!

(2) Nahrung das ganze Jahr über

Indem ihr sowohl früh-, mittel-, als auch spätblühende Arten anpflanzt, sorgt ihr dafür, dass die Bienen das ganze Jahr über Nahrung finden. Beete und Blumenkästen sollten Blumen, Kräuter und Stauden beherbergen, die vom Frühjahr bis in den späten Herbst blühen, denn gerade später im Jahr haben Bienen oft Schwierigkeiten, Nahrung zu finden.

(3) Ungefüllte Blumen pflanzen

Nur Pflanzen mit ungefüllten Blüten stillen den Hunger unserer Bienen. Gefüllte Blumensorten, wie z.B. Geranien, gezüchtete Dahlien oder Garten-Chrysanthemen, sind zwar dekorativ und versprechen durch ihren Duft leckeren Nektar und Pollen, bieten aber in der Tat keine oder nur wenig Nahrung für die Bienen.

Bienenweiden, Kräuterparadiese und Bienenhotels

Als Bienenweide bezeichnet man Pflanzen, die besonders reichhaltig Nektar und Pollen erzeugen und deswegen häufig von Honigbienen angeflogen werden. Verwendet am besten regionale Saatmischungen aus lokalen Beständen (www.nabu.de/saatgut). Wildblumenwiesen sollten nur zweimal im Jahr gemäht werden, nachdem die Pflanzen bereits ausgesamt haben.

Küchenkräuter wie Thymian, Minze, Basilikum, Koriander, Borretsch Salbei, Schnittlauch und Zitronenmelisse verfeinern nicht nur unsere Mahlzeiten, sondern sind auch für Bienen eine tolle Nahrungsquelle. Um für Bienennahrung zu sorgen, lasst die Kräuter ausblühen.

Sogenannte Bienenhotels eignen sich als Nisthilfe. Man kann sie fertig kaufen oder auch leicht selber bauen. Wildbienen nisten sich hier gerne ein, wenn in unmittelbarer Nähe blühende Blumen und Kräuter zu finden sind. Ihr könnt aber auch abgeschnittene Markstängel zwischen die Blumen stecken (z.B. vom Holunder) – dürr gewordene Markstängel sind natürliche Nistplätze für Wildbienen und lassen sich platzsparend sogar in einem Blumenkasten integrieren.

Beispiele für bienenfreundliche Pflanzen

Blumenbeet: Schafgarbe, Akelei, Lavendel, Lupine, Wilde Malve, Astern, ungefüllte Dahliensorten

Bäume und Sträucher: Schlehe, Pfaffenhütchen, Kornelkirsche, Weißdorn, Stachelbeere, Himbeere, Brombeere, Johannisbeere, Wilder Wein, Efeu, ungefüllte Kletterrosen

Gemüsebeet: Ackerbohnen, Kleearten, Borretsch, Ringelblumen, Kürbisgewächse, Zwiebeln, Kohl, Möhren, Gewürzkräuter

Balkon: Goldlack, Kapuzinerkresse, Verbene, Männertreu, Wandelröschen, Löwenmäulchen, Küchenkräuter (Salbei, Rosmarin, Lavendel, Pfefferminze, Thymian)

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Biologische Vielfalt auch beim Saatgut

28. Januar 2018

Die Begriffe „Biologische Vielfalt“ oder „Biodiversität“ kennen wir. Aber inwiefern haben sie etwas mit unserem Saatgut, mit großen Konzernen, Patenten und der solidarischen Landwirtschaft zu tun? Um die Zusammenhänge besser verstehen zu können, müssen wir einen Zeitsprung machen.

Vor rund 12.000 Jahren begann die Geschichte unserer Kulturpflanzen. Damals wurden unsere Vorfahren sesshaft und fingen an, sich mit Landwirtschaft zu befassen. Aus Wildpflanzen entwickelten Bauern über Jahrtausende hinweg Kulturpflanzen. Sie verbesserten ihr Saatgut, indem sie die am besten angepassten Pflanzen weitervermehrten und mit ihren Nachbarn tauschten.

Biodiversität ist lebenswichtig für den Menschen

Die Erfahrung und das Wissen, das im Saatgut unserer Kulturpflanzen gespeichert ist, haben einen unschätzbaren Wert. Die Vielfalt, die sich aus der gemeinsamen Arbeit der Bauern entwickelt hat, ist auch heute noch wichtig für den Fortbestand der Menschheit. In Zeiten von Klimawandel, schwindenden Anbauflächen und Bevölkerungswachstum brauchen wir eine möglichst große biologische Vielfalt.

Warum? Weil sie eine wichtige Lebensgrundlage für den Menschen ist. Sie sorgt für eine intakte Natur, die uns wiederum eine große Bandbreite an Gütern und Dienstleitungen zur Verfügung stellt. Es ist für uns selbstverständlich, täglich auf diese Dienstleistungen der Natur und damit der Biodiversität zurückzugreifen: saubere Luft und sauberes Wasser, bestäubende Insekten, Kohlenstoff-Speicherung in Wäldern, Mooren, Böden und Meeren sowie natürlicher Hochwasserschutz.

Zugang zum Saatgut verloren

Heute haben wir den Zugang zum Saatgut und auch zum Wissen über unsere Kulturpflanzen weitgehend verloren. Saatgut ist inzwischen privates Eigentum von einigen internationalen Konzernen geworden, die neben dem Saatgut auch die maßgeschneiderten Pflanzenschutzmittel verkaufen. Die Züchtung findet zunehmend im Labor statt. Neue Züchtungstechniken haben die klassische Selektion verdrängt.

In den 1980er-Jahren begann das Gentechnik-Zeitalter in der Pflanzenzüchtung. Es gab zunehmend Patente auf (gentechnische) Züchtungsverfahren oder auf das Produkt der Züchtung selbst – die Sorte. Das Europäische Patentamt hat in den letzten Jahren sogar Patente auf Pflanzen erteilt, die konventionell gezüchtet worden waren, also ohne gentechnische Verfahren. Dagegen wehrten sich viele Menschen und Organisationen.

Verarmung der Züchtungslandschaft durch Übernahmen

Unternehmen, die im Gentechnik-Zeitalter der Pflanzenzüchtung eine führende Rolle spielen wollten, mussten viel Geld investieren und ihr Unternehmenswachstum vorantreiben. So kam es zu immer mehr Übernahmen: In den letzten Jahrzehnten schluckten große Konzerne mittelständische Züchterhäuser, was zu einer drastischen Verarmung der Züchtungslandschaft führte. Aber auch gegenseitige Übernahmen der ganz großen Unternehmen wie der Zusammenschluss von Bayer und Monsanto beunruhigt viele angesichts der voranschreitenden Privatisierung des Saatguts durch Patente.

Die Gefahr ist, dass das Wachstum und der Wettbewerb dieser Konzerne untereinander nicht zu mehr Arten- und Sortenvielfalt in der Landwirtschaft führen, sondern dazu, dass die Unternehmen versuchen, mit weniger Arten einen möglichst großen Profit zu erzielen. Doch überall auf der Welt haben Menschen erkannt, wie wichtig das Saatgut für die Zukunft der Menschheit ist. Und sie sind aktiv geworden – etwa mit dem „March against Monsanto“ oder der seit 2010 jährlich stattfindenden „Wir haben es satt!“-Demo. Diese setzt sich für gesundes Essen, eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft und fairen Handel ein und rückt auch das Thema Saatgut immer wieder in den Fokus.

Boom der Solidarischen Landwirtschaft

Die politische Einflussnahme ist wichtig, aber vielen noch nicht genug. Der Wunsch, die Kontrolle über die Herstellung von Nahrungsmitteln zurückzugewinnen, hat zu einem Boom der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) geführt. Dabei tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Das macht die Landwirte wieder frei vom Druck der Lebensmittelhandelsketten einerseits und der Chemie- und Saatgutkonzerne andererseits. Mehr Infos zum Solawi-Netzwerk erhaltet ihr unter www.solidarische-landwirtschaft.org.

Wer zuhause selbst aussäen will, der besucht am besten im Frühjahr eine der regionalen Saatgutbörsen. Da finden Gärtner ein großes Angebot an Saatgut wohlschmeckender alter und neuer Sorten. Ich wünsche also jetzt schon mal: Viel Spaß in der kommenden Gartensaison!

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Ackerhelden: Gemüsegärten zum Anmieten

18. Juli 2017

In immer mehr deutschen Städten bieten die Ackerhelden biozertifizierte Gemüsegärten zum Mieten an. Die Parzellen werden dabei mit 120 Jungpflanzen vorbepflanzt; zusätzlich erhält der Mieter Saatgut. In der Ackersaison von April bis November kann er dann gießen, pflanzen, säen und sein eigenes knackfrisches Gemüse ernten – ganze 40 verschiedene Sorten.

Keine Ahnung vom Ackern ist dabei kein Problem. Die Ackerhelden-Gründer Birger Brock und Tobias Paulert haben mit ihrer Rundum-Sorglos-Beratung bisher jedem einen grünen Daumen verliehen. Die eigene Freude fürs Gärtnern entwickelten die Freunde bereits zu Schulzeiten – als sie unter Anleitung des Biologielehrers, Brocks Vater, den Schulgarten ihres Gymnasiums beackerten. In den vergangenen Jahren beschäftigten sich Paulert und Brock, die inzwischen Anfang 40 sind, viel mit alternativen Versorgungskonzepten und der Idee der Selbstversorgung.

Gartenpflege und Biogärtnern für Einsteiger

Nebenbei ist Tobias Paulert als „Urban Gardener“ auf seinem Dachgarten aktiv. Dort hat er seinen eigenen Gemüsegarten und baut alte Tomatensorten und exotische Kräuter-, Gemüse- und Obstsorten an. Birger Brock bewirtschaftete mit seiner Familie von 2006 bis 2012 ein Ackerstück auf einem Biobauernhof in Essen. Dieses gesammelte und erprobte Wissen rund um Urban Gardening und Farming fassten die beiden Gründer im Buch „Ackerhelden: Biogärtnern für Einsteiger“ zusammen.

Ihre Ackerhelden-Mietgärten bieten Brock und Paulert übrigens auch für Betriebliches Gesundheitsmanagement an. Mitarbeiter aus Unternehmen können hier also getrost die Hände in die Erde stecken und den Bürostress hinter sich lassen. Außerdem werden sie vom Ackerhelden-Team zu Ernährungsthemen beraten.

Gemüsegärten sind schnell ausgebucht

In der vergangenen Saison entschieden sich knapp 3200 Menschen aus 91 Städten, einen Ackerhelden-Garten zu mieten und zu bewirtschaften. Sie lernten dabei nicht nur die Qualität und Transparenz ihrer Nahrungsmittel kennen und schätzen, sondern erfuhren auch einiges über Selbstversorgung und nachhaltigen Konsum.

Wer eine Ackerfläche in der Saison 2018 mieten möchte, sollte frühzeitig in Kontakt mit den Ackerhelden treten, da die Flächen schnell ausgebucht sind.

Hochbeete für Kitas und Schulen

Nicht nur in Deutschland kommen immer mehr Standorte hinzu – seit 2017 gibt es die Ackerhelden auch im österreichischen Wien. Neben dem Schritt ins benachbarte Ausland wagen Paulert und Brock in diesem Jahr auch die Geschäftsfelderweiterung mit Bio-Hochbeeten. Diese bieten sie im Rahmen des Projekts „Ackerhelden machen Schule“ an Kitas und Schulen an. Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements können Hochbeete auch auf dem Firmengelände aufgestellt werden.

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Der Retter des Grünkohls

25. Oktober 2016

„Im Schatten der ‚Ostfriesischen Palme‘ können wir zwar nicht unter südlicher Sonne lustwandeln, aber dafür erfreut uns ihr Grün den ganzen Winter hindurch.“

So beschreibt Reinhard Lühring seine Grünkohlsorte auf der Internetseite dreschflegel-saatgut.de. In Ostfriesland hat Lühring über 200 alte Gemüsesorten entdeckt und vor dem Aussterben bewahrt.

Eine davon ist die Ostfriesische Palme. Diese bis 1,80 Meter hochwachsende und hochgelobte Grünkohlsorte, die im norddeutschen Raum vor Jahren noch eine große Bedeutung für die Ernährung hatte, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Ihre alte ostfriesische Bezeichnung lautet „Strunkkohl“. Die frostharte Pflanze ist Reinhard Lühring zufolge im Handel und selbst in Genbanken nicht mehr aufzutreiben.

Aussterbendes Wissen

Das Schicksal der Ostfriesischen Palme teilen auch viele andere alte Gemüsesorten. Meist sind es ältere, traditionell arbeitende Gärtner, die diese noch anbauen. Das Saatgut wird von Generation zu Generation weitergegeben. Oft stirbt das Wissen um das alte Kulturgut aber auch mit den Menschen aus. Als gelernter Landwirt hat sich Reinhard Lühring daher auf die Erhaltung und Vermehrung vor allem alter Grünkohlsorten spezialisiert.

Über 30 Grünkohlsorten stehen in seinem Garten. „Sie unterscheiden sich im Wuchs, in der Blattkräuselung, der Farbe und natürlich im Geschmack – je krauser das Blatt, umso kohliger der Geschmack“, erklärt Lühring. Er ist davon überzeugt, dass es gute Gründe dafür gibt, dass es die alten Sorten über Generationen hinweg gab: „Sie hatten sich bewährt, denn sie schmeckten, waren ertragreich und gut anzubauen“, so der Landwirt.

Vielfalt erhalten

Dann hätten große Konzerne neues Saatgut auf den Markt gebracht und gesagt, das Neue sei besser als das Alte. „Aber da bin ich anderer Meinung“, so Lühring. „Meiner Erfahrung nach sind die neuen Sorten nicht ertragreicher als die alten. Und besser schmecken tun sie auch nicht.“ Wichtig ist Lühring vor allem, dass die Vielfalt erhalten bleibt. Geschmacklich sei Grünkohl nämlich viel abwechslungsreicher als manch einer denke.

Über den Verein Dreschflegel kann man biologisch gezüchtetes Saatgut von vernachlässigten alten Sorten oder ungewöhnlichen neuen Formen bestellen und zum Beispiel für den eigenen Garten nutzen. Auch die Ostfriesische Palme und andere Grünkohlsorten von Reinhard Lühring sind hier zu finden. So können selbst Hobbygärtner etwas dafür tun, dass die Sorten nicht aussterben und die Vielfalt erhalten bleibt.

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Referenzen

  • Leseproben