Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Ackerhelden: Gemüsegärten zum Anmieten

18. Juli 2017

In immer mehr deutschen Städten bieten die Ackerhelden biozertifizierte Gemüsegärten zum Mieten an. Die Parzellen werden dabei mit 120 Jungpflanzen vorbepflanzt; zusätzlich erhält der Mieter Saatgut. In der Ackersaison von April bis November kann er dann gießen, pflanzen, säen und sein eigenes knackfrisches Gemüse ernten – ganze 40 verschiedene Sorten.

Keine Ahnung vom Ackern ist dabei kein Problem. Die Ackerhelden-Gründer Birger Brock und Tobias Paulert haben mit ihrer Rundum-Sorglos-Beratung bisher jedem einen grünen Daumen verliehen. Die eigene Freude fürs Gärtnern entwickelten die Freunde bereits zu Schulzeiten – als sie unter Anleitung des Biologielehrers, Brocks Vater, den Schulgarten ihres Gymnasiums beackerten. In den vergangenen Jahren beschäftigten sich Paulert und Brock, die inzwischen Anfang 40 sind, viel mit alternativen Versorgungskonzepten und der Idee der Selbstversorgung.

Gartenpflege und Biogärtnern für Einsteiger

Nebenbei ist Tobias Paulert als „Urban Gardener“ auf seinem Dachgarten aktiv. Dort hat er seinen eigenen Gemüsegarten und baut alte Tomatensorten und exotische Kräuter-, Gemüse- und Obstsorten an. Birger Brock bewirtschaftete mit seiner Familie von 2006 bis 2012 ein Ackerstück auf einem Biobauernhof in Essen. Dieses gesammelte und erprobte Wissen rund um Urban Gardening und Farming fassten die beiden Gründer im Buch „Ackerhelden: Biogärtnern für Einsteiger“ zusammen.

Ihre Ackerhelden-Mietgärten bieten Brock und Paulert übrigens auch für Betriebliches Gesundheitsmanagement an. Mitarbeiter aus Unternehmen können hier also getrost die Hände in die Erde stecken und den Bürostress hinter sich lassen. Außerdem werden sie vom Ackerhelden-Team zu Ernährungsthemen beraten.

Gemüsegärten sind schnell ausgebucht

In der vergangenen Saison entschieden sich knapp 3200 Menschen aus 91 Städten, einen Ackerhelden-Garten zu mieten und zu bewirtschaften. Sie lernten dabei nicht nur die Qualität und Transparenz ihrer Nahrungsmittel kennen und schätzen, sondern erfuhren auch einiges über Selbstversorgung und nachhaltigen Konsum.

Wer eine Ackerfläche in der Saison 2018 mieten möchte, sollte frühzeitig in Kontakt mit den Ackerhelden treten, da die Flächen schnell ausgebucht sind.

Hochbeete für Kitas und Schulen

Nicht nur in Deutschland kommen immer mehr Standorte hinzu – seit 2017 gibt es die Ackerhelden auch im österreichischen Wien. Neben dem Schritt ins benachbarte Ausland wagen Paulert und Brock in diesem Jahr auch die Geschäftsfelderweiterung mit Bio-Hochbeeten. Diese bieten sie im Rahmen des Projekts „Ackerhelden machen Schule“ an Kitas und Schulen an. Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements können Hochbeete auch auf dem Firmengelände aufgestellt werden.

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Das selbstversorgende Dorf wird Wirklichkeit

21. Juni 2017

Ein Dorf, das alles, was die Bewohner zum Leben brauchen, selbst produziert. Hört sich nach einer Utopie an. Doch die Zukunft wird in den Niederlanden mit dem ersten ReGen Village bereits in diesem Jahr Realität.

In Almere, einem Vorort von Amsterdam, wird an dem ersten Dorf gebaut, das sich komplett selbst versorgt. Das sogenannte ReGen Village, was so viel heißt wie „regeneratives Dorf“, wird sich selbst mit Nahrungsmitteln, Wasser und Energie versorgen sowie eine eigene Müllentsorgung haben.

So sieht das Öko-Dorf aus

Die Idee dazu stammt von dem US-amerikanischem Projektentwickler James Ehrlich, der das Dorf in Zusammenarbeit mit dem dänischen Architekturbüro Effekt realisiert. Bis Ende 2017 soll das ReGen Village bezugsfertig sein.

Das Modell-Dorf ist so angelegt, dass Wohnbereiche und jene, die zur Versorgung genutzt werden, unmittelbar in Berührung stehen – anders als heute in Städten üblich, wo Wohnen und Produzieren weit voneinander entfernt stattfinden. Die 25 Wohnhäuser mit durchschnittlich 120 Quadratmetern Wohnfläche werden im Kreis angeordnet, während Gewächshäuser, Gärten, Weiden und Aquaponik-Anlagen im Zentrum liegen – umgeben von Gemeinschaftseinrichtungen wie Spielplatz, Park und Schwimmbad. Auch mit selbst produziertem Ökostrom geladene Elektroautos soll es geben.

Wie funktioniert die Selbstversorgung?

Für die Lebensmittelversorgung bietet das Öko-Dorf zahlreiche Produktionsstätten: normale saisonabhängige Gärten, beheizte Gewächshäuser, die um und über den Gebäuden herum installiert sind, Vertical Farms, Viehhaltung und Aquaponik. Bei Letzterem handelt es sich um eine Fischzucht, die mit Pflanzenanbau in Hydrokultur kombiniert wird, indem die Exkremente der Fische als Dünger für die Pflanzen genutzt werden. Gefüttert werden die Fische mit Fliegenlarven.

Da sich die Fliegen genauso wie die zur Fleischproduktion gehaltenen Nutztiere von kompostiertem Abfall ernähren, überschneiden sich an dieser Stelle die Kreisläufe der Nahrungsmittelproduktion und der Müllentsorgung. Der unkompostierbare Bestandteil des Mülls wird dagegen zur Energieproduktion verbrannt. Die restliche benötigte Energie soll durch Solar- und Biogasanlagen gedeckt werden. Überschüssige Energie wird gespeichert, um das Dorf auch dann zu versorgen, wenn gerade keine Energie produziert wird.

Für die Wasserversorgung soll Regenwasser als Bewässerung und Trinkwasser gleichermaßen dienen – in einer gefilterten und einer ungefilterten Variante. Auch hier sorgen Speicher für die Versorgungssicherheit.

Weniger Wasser- und Landverbrauch

Eine Aquaponik-Anlage benötigt nur etwa ein Zehntel des Wassers, das konventionelle Landwirtschaft verbraucht. Weil beim Vertical Farming in die Höhe gegärtnert wird, ist der Ertrag zehn bis zwanzig Mal höher als auf einer durchschnittlichen Ackerfläche. Mit dem neusten Stand der Agrartechnik wollen die Macher des Zukunftsdorfes einen zehnfachen Ernteertrag mit 90 Prozent weniger Wassereinsatz erzielen.

Auch der Flächenverbrauch soll sinken. Lediglich 639 Quadratmeter Land soll zur Versorgung einer dreiköpfigen Familie genutzt werden. Nach Angaben der Effekt-Architekten werden aktuell bei herkömmlicher Landwirtschaft 8.100 Quadratmeter benötigt.

Angesichts der Tatsache, dass die Weltbevölkerung bis 2050 auf rund zehn Milliarden Menschen anwachsen wird und Ressourcen knapp werden, hat das nachhaltige Wohn- und Lebenskonzept Potential. Der Andrang auf das Dorf ist bereits sehr groß. Daher planen Ehrlich und Effekt weitere ReGen Villages in Dänemark, Norwegen und auch Deutschland.

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Referenzen

  • Leseproben