Johanna Meadows

Nachhaltige Kommunikation

Tipps für insektenfreundliche Gärten und Balkone

12. März 2018

Weit mehr als die Hälfte aller Tierarten sind Insekten. Millionen an Arten bevölkern unsere Erde. Sie spielen eine unersetzliche Rolle für die Aufrechterhaltung ökologischer Zusammenhänge und das menschliche Wohlergehen. Doch seit Jahrzehnten gehen Insektenarten und ihre Bestände massiv zurück.

Insekten sind faszinierende Tiere: sie schillern in unterschiedlichsten Farben, nehmen die skurrilsten Formen an und sind in fast allen Lebensräumen der Erde zu finden. So vielfältig wie die Welt der Insekten ist, so wenig können wir auf sie verzichten. Das Funktionieren fast aller Ökosysteme hängt von ihnen ab. Damit sind sie für Mensch und Natur unersetzliche Lebewesen:

Nahrung: Insekten bilden die Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl weiterer Tierklassen wie Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien.

Bestäubung: Insekten zählen zu den wichtigsten Pflanzenbestäubern. Durch das Sammeln von Nektar und Pollen sorgen sie für den Fortbestand der Pflanzenwelt und stellen einen Großteil unserer Ernährung sicher.

Verwertung: Insekten spielen eine wichtige Rolle bei der Remineralisierung organischer Stoffe wie Pflanzenresten und Tierleichen im Boden, in der Bodenstreu oder im Totholz.

Regulation: Insekten sind wichtige Nützlinge in der Forst- und Landwirtschaft. Im Bio-Anbau, wo auf Pestizide weitestgehend verzichtet wird, ist die Förderung von Nützlingen gar ein elementarer Bestandteil der Produktion, da durch sie die Ausbreitung schädlicher Insekten eingedämmt wird.

Dramatischer Insektenrückgang

Doch Insekten sind weltweit in einem alarmierenden Zustand. Die Bestände gehen zurück, die Vielfalt schwindet, Arten sterben aus. In Deutschland sind – einer Auswertung aktueller Roter Listen zufolge – bereits über 41 Prozent der Schmetterlinge ausgestorben oder bestandsgefährdet.

Bei Wildbienen sind heute deutschlandweit mehr als die Hälfte der 561 Arten in ihrem Bestand bedroht, mit steigender Tendenz. Nicht nur die Zahl der Arten, sondern auch die der Individuen befindet sich in einem dramatischen Sinkflug. In anderen Ländern Europas sieht die Situation nicht besser aus.

Auch wenn es für das Insektensterben mehrere Gründe gibt, steht eines fest: Die in den 1950er Jahren eingeführte und stetig intensivierte industrielle Landwirtschaft ist einer der Haupttreiber dieser beunruhigenden Entwicklung. Sie bringt den Einsatz von Pestiziden, Überdüngung und Monokulturen mit sich.

Hilfe für die kleinen Helfer: So lockt ihr Insekten in den Garten

Die gute Nachricht ist, wir können alle etwas gegen das große Sterben unternehmen. Die Faustregel lautet dabei: naturnahe Vielfalt. Das heißt, verzichtet beim Gärtnern auf chemische Bekämpfungsmittel und setzt auf viele verschiedene Arten von Pflanzen.

Pflanzen für jeden Geschmack: Kornblume, Wiesensalbei und Nickendes Leimkraut – mit der richtigen Pflanzenauswahl können wir Insekten in unsere Gärten locken. Viele der Arten bieten nicht nur Hummeln und Schmetterlingen Nahrung, sondern machen sich auch auf unseren Tellern gut.

Steinhaufen oder Trockenmauer anlegen: Sie können vielfältig gestaltet werden, sehen hübsch aus und geben verschiedenen Insekten einen Lebensraum.

Lehm und Sand für Insekten: Feuchter Lehm ist eines der wichtigsten Materialien zum Nestbau der Tiere. Wer Insekten helfen möchte, kann dies ganz einfach mit der Anlage einer offenen Bodenfläche tun. Lehm, Ton oder Löss besorgen, im Garten ein passendes Plätzchen suchen und diesen dort anbringen.

Miniteich anlegen: Meist ist für eine ausgiebige Teichlandschaft im Garten kein Platz. Eine gute Alternative ist der Miniteich. Er ist eine gern genutzte Wasserquelle für Insekten und Vögel und bietet gerade an heißen Tagen den so dringend benötigten Hitzeausgleich.

Totholz steckt voller Leben: Totholz zählt zu den lebendigsten Lebensräumen unserer Natur. Viele Insekten, die auch in unseren Gärten vorkommen, profitieren davon. Lasst Raum für alte Baumstämme, Totholzhecken, Stängel oder Laubhaufen!

Quelle: NABU

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Der Retter des Grünkohls

25. Oktober 2016

„Im Schatten der ‚Ostfriesischen Palme‘ können wir zwar nicht unter südlicher Sonne lustwandeln, aber dafür erfreut uns ihr Grün den ganzen Winter hindurch.“

So beschreibt Reinhard Lühring seine Grünkohlsorte auf der Internetseite dreschflegel-saatgut.de. In Ostfriesland hat Lühring über 200 alte Gemüsesorten entdeckt und vor dem Aussterben bewahrt.

Eine davon ist die Ostfriesische Palme. Diese bis 1,80 Meter hochwachsende und hochgelobte Grünkohlsorte, die im norddeutschen Raum vor Jahren noch eine große Bedeutung für die Ernährung hatte, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Ihre alte ostfriesische Bezeichnung lautet „Strunkkohl“. Die frostharte Pflanze ist Reinhard Lühring zufolge im Handel und selbst in Genbanken nicht mehr aufzutreiben.

Aussterbendes Wissen

Das Schicksal der Ostfriesischen Palme teilen auch viele andere alte Gemüsesorten. Meist sind es ältere, traditionell arbeitende Gärtner, die diese noch anbauen. Das Saatgut wird von Generation zu Generation weitergegeben. Oft stirbt das Wissen um das alte Kulturgut aber auch mit den Menschen aus. Als gelernter Landwirt hat sich Reinhard Lühring daher auf die Erhaltung und Vermehrung vor allem alter Grünkohlsorten spezialisiert.

Über 30 Grünkohlsorten stehen in seinem Garten. „Sie unterscheiden sich im Wuchs, in der Blattkräuselung, der Farbe und natürlich im Geschmack – je krauser das Blatt, umso kohliger der Geschmack“, erklärt Lühring. Er ist davon überzeugt, dass es gute Gründe dafür gibt, dass es die alten Sorten über Generationen hinweg gab: „Sie hatten sich bewährt, denn sie schmeckten, waren ertragreich und gut anzubauen“, so der Landwirt.

Vielfalt erhalten

Dann hätten große Konzerne neues Saatgut auf den Markt gebracht und gesagt, das Neue sei besser als das Alte. „Aber da bin ich anderer Meinung“, so Lühring. „Meiner Erfahrung nach sind die neuen Sorten nicht ertragreicher als die alten. Und besser schmecken tun sie auch nicht.“ Wichtig ist Lühring vor allem, dass die Vielfalt erhalten bleibt. Geschmacklich sei Grünkohl nämlich viel abwechslungsreicher als manch einer denke.

Über den Verein Dreschflegel kann man biologisch gezüchtetes Saatgut von vernachlässigten alten Sorten oder ungewöhnlichen neuen Formen bestellen und zum Beispiel für den eigenen Garten nutzen. Auch die Ostfriesische Palme und andere Grünkohlsorten von Reinhard Lühring sind hier zu finden. So können selbst Hobbygärtner etwas dafür tun, dass die Sorten nicht aussterben und die Vielfalt erhalten bleibt.

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Referenzen

  • Leseproben